Ein Überleben ohne Grenzen ist nicht möglich

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Wir Menschen sind wie alle Organismen energieverarbeitende Strukturen. Die Umwandlung von Energie in entropiereiche „Abfallprodukte“ ist das Merkmal von Leben, welches schließlich, wenn die Abfallprodukte nicht mehr schnell genug abgebaut werden können, auch zum Versagen der Funktion dieses Systems führt, sprich zu seinem Tod. Energieverarbeitende Systeme werden in der Systemtheorie als „dissipative“ Strukturen bezeichnet.

Innerhalb gesunder „offener“ Systeme, zum Beispiel auf zellularer Ebene, werden diese entropiereichen Abfallprodukte durch eine Membran nach außen abgeführt. Diese Membran ist so etwas wie eine den jeweiligen Organismus umschließende Haut. Gleichzeitig erfüllt diese Membran eine zweite wesentliche Funktion, nämlich die Regelung der Aufnahme von Energie, also von „Nahrung“. Jeder Organismus muss Nahrung von außen aufnehmen, diese in Energie umwandeln und die entstehenden entropiereichen Abfallprodukte nach außen abführen. Um diese Funktion zu gewährleisten ist diese Membran nicht einfach „offen“ oder „durchlässig“, sondern „halbdurchlässig“. Man bezeichnet die Funktion dieser Membran als „semipermeabel“. Jeder Mensch besteht aus einer Vielzahl von Zellen, die in einem „offenen“ Austausch miteinander stehen. Umso mehr Austausch, umso mehr „Kommunikation“ innerhalb dissipativer Strukturen, umso mehr Qualität besitzt dieser Organismus, welche sich in geregeltem Wachstum, „positiver“ Entwicklung (im Sinne von besserer Anbindung an andere interne und externe dissipative Strukturen) und reibungsloser Funktion (im Sinne der Energieverarbeitung und des Abtransportes entropiereicher Abfallprodukte) ausdrückt.

Auf der anderen Seite sorgt die semipermeable Haut ähnlich einer Grenze für eine überlebenswichtige Abgrenzung der einen Zelle zum Außen. Dabei spielt es keine Rolle von was für einem Außen wir hier reden. Ein Außen ist immer außerhalb einer Zelle, befindet sich immer hinter der Grenze und die Zelle muss sehr sorgsam mit dem Mechanismus umgehen, auszuwählen, für was sie sich öffnet und für was nicht. Auf allen Ebenen innerhalb von Systemen, von Teilen und Unterteilen ist dieses Verhalten beobachtbar und von daher symmetrisch. Wenn wir diese Ebene die Mikroebene nennen, so finden wir genau dieselben Mechanismen auch auf der Makroebene vor.

Wenn ich die Wichtigkeit einer „Grenze“ auf der Mikroebene anerkenne, dann muss ich sie ebenso auf der Makroebene anerkennen. Auf irgendeiner Ebene das Vorhandensein und die Wichtigkeit einer Grenze zu leugnen ist schlichtweg Dummheit. Aussagen wie „Grenzen sind Linien auf Papier und für niemanden bindend“ ignorieren die Tatsache, dass eine Grenze überlebenswichtig ist. Natürlich auch für ein Land. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob sich die Grenze über die Zeit verändert hat. Sprich die Ausdehnung einer Grenze hat für die Wichtigkeit des Vorhandenseins einer Grenze keinerlei Relevanz. Die Grenze als solche ist das Wichtige für das Überleben der innerhalb dieser Struktur lebenden Organismen.

Eine Stadt ist genauso eine „dissipative Struktur“, wie das große „Zellgebilde“ Land. Eine Stadt benötigt Energie, die durch Umwandlungsprozesse aus von außen aufgenommenen Elementen hergestellt werden muss. Die entstehenden Abfallprodukte müssen entsorgt werden, da ansonsten die Entropie zunimmt und schließlich das Leben in dieser Stadt bedroht ist. Darüber hinaus muss sorgfältig darauf geachtet werden, welche Untereinheiten in diese Stadt „aufgenommen“ werden, da einmal in die Stadt aufgenommene Untereinheiten auch das System bedrohen können. Falls der Abbau „giftiger“ d.h. von vornherein entropiereicher Stoffe nicht schnell genug bewerkstelligt werden kann, ist das Überleben des gesamten Systems gefährdet. Genau dieser Mechanismus muss ebenso auf der Ebene eines Landes gewährleistet sein. Das hat überhaupt nichts mit der Anerkennung eines Staates als Herrschaftssystem zu tun. Es ist einfach eine zentrale Funktion des Überlebens von Organismen in der aus ihr gebildeten Strukturen. Wenn die Funktion der Semipermeabilität außer Kraft gesetzt wird, ist das Überleben einer Struktur in höchster Gefahr.

Die unkontrollierte Flutung einer Struktur unter Ignoranz der Wichtigkeit einer Grenze und sorgfältiger Auswahl der von außen eingelassenen Elemente, führt unweigerlich zum Tod einer Struktur. Es ist nur eine Frage der Zeit.

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Ein Kommentar zu „Ein Überleben ohne Grenzen ist nicht möglich

    Arroganz « freiheitswelle sagte:
    8. Oktober 2015 um 8:17

    […] auch keine Grenzen gäbe, elementare und grundlegende Funktionen einer Grenze ignorieren. Diese grundlegenden Funktionen der Wahrung der Einheit, haben wir ebenfalls auf der Website hinreichend […]

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