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Der im Jahre 1632 geborene Philosoph John Locke gilt als einer der Väter des Libertarismus. Von ihm stammen erste Ideen, was es für einen Menschen bedeutet, in wahrer Freiheit zu leben. Besonders interessant sind seine beiden Abhandlungen über Regierungen (Abhandlungen über den Staat), die am Ende des Textes als Link beigefügt sind.

Im Bereich des Libertarismus gibt es so viele unterschiedliche Begriffe, dass es sinnvoll erscheint, einige von ihnen etwas genauer zu betrachten. Immerhin handelt es sich hier im weitesten Sinne um die „Wissenschaft der Freiheit“, also tatsächlich um etwas, was uns alle angeht. Und obwohl dieses Thema so zentral für uns alle ist, wissen doch die wenigsten davon. Es ist abschreckend, sich vorzustellen, zunächst tief in die Materie eindringen zu müssen und dicke Wälzer zu lesen, bevor man einzelne Begriffe einigermaßen sortieren kann. Darüber hinaus werden diese Begriffe auch gerne als Etikett benutzt, da deren Inhalt letztlich nicht wirklich klar ist, um eine Einstellung vorzutäuschen, die bei näherer Betrachtung überhaupt nicht vorhanden ist.

Also zunächst, was ist ein Anarchokapitalist? Dieser Begriff setzt sich aus zwei Wörtern zusammen, die Themen oder Zustände beschreiben und die in sich schon recht komplex sind. Um die Begriffe Anarchie und Kapitalismus umfassend zu definieren, wären bereits ganze Abhandlungen nötig. Hier nur so viel, dass der Begriff „Anarchie“ nicht wie häufig angenommen, für das Fehlen von Ordnung, sondern für die Rückbesinnung auf eine systeminhärente Ordnung, also auf eine dem System innewohnende Ordnung steht. Der Begriff „System“ steht in diesem Zusammenhang zunächst für eine komplexe Anordnung von miteinander verbundenen Teilen.

Anarchismus ist Abwesenheit von Herrschaft und als individualistischer Anarchismus (Max Stirner) das, was uns den ursprünglichen Sinn von individueller Freiheit näher bringt. Als kapitalistische Anarcho-Libertäre beziehen wir uns auf die uneingeschränkte Freiheit abseits von staatlichem Handeln und vertreten das Prinzip des Selbsteigentums, also des Eigentums an sich selbst.

Wikipedia definiert den Anarchokapitalismus bzw. den kapitalistischen Libertarismus wie folgt:

„Der kapitalistische Libertarismus betont die individuellen Freiheitsrechte und will staatliches Handeln auf ein absolutes Minimum beschränkt sehen. Häufig wird postuliert, dass jeder Mensch nur sich selbst gehört und nicht der Gemeinschaft (Selbsteigentum). Einige Vertreter dieser Richtung, die Anarcho-Kapitalisten (auch Free-Market-Anarchisten oder Anarcholiberale) lehnen den Staat insgesamt als nicht legitime (weil unfreiwillige) Zwangsorganisation ab. Kapitalistische Libertäre legen das Selbstbestimmungsrecht des Individuums so aus, dass es völlig frei in seinem Handeln und im Gebrauch seines Privateigentums sein sollte, solange niemand anderes Rechte verletzt werden.“

Der Wissenschaftszweig der Systemtheorie hat erkannt, dass Teile in Systemen nicht zufällig und in diesem Sinne nicht chaotisch miteinander in Verbindung stehen und interagieren, sondern eine komplexe Ordnung aufweisen. Als Beispiel kann man sich einen Vogel- oder Fischschwarm vorstellen und beobachten, dass es hier kaum zu Zusammenstößen oder „Unfällen“ kommt, sondern einzelne Fische oder Vögel (Untereinheiten) zusammen innerhalb eines Systems (Schwarm), wie ein übergeordneter Gesamt-Organismus interagieren und in ihrem Zusammenspiel eine komplexe Ordnung sichtbar wird. Dies gilt natürlich auch für Menschen. Natürlich nur dann, wenn sie ihrer inneren Ordnung entsprechend interagieren können. Der Begriff „Ordnung“ steht hier für den Gegensatz von Chaos.

Anarchie bezieht sich also auf eine dem System innenwohnende Ordnung, die allerdings erst dann zutage treten kann, wenn die darüber liegende künstliche „Ordnung“ – in Form von Ideen einiger Menschen, was Ordnung zu sein hat – in den Hintergrund tritt. Auf Grund der doch recht begrenzten Wahrnehmung der Menschen von systeminhärenten natürlichen Ordnungen, neigen einige Menschen dazu, vorzeitig einzugreifen und Ordnung in ihrem Sinne schaffen zu wollen.

Der zweite viel wichtigere und perfidere Grund für das Eingreifen einiger Menschen in sich selbst organisierende Strukturen, ist der Wunsch nach Kontrolle und Macht. Sich selbst organisierende System balancieren sich im gewissen Sinne selbst und sorgen so für Ausgleich oder auch „Gerechtigkeit“. Wenn aus letztgenanntem Grund in sich selbst organisierende Systeme eingegriffen wird, dann um Verhältnisse in bestimmte Richtungen zu verändern, um einen Gewinn und Macht daraus zu generieren. Wie auf längere Sicht das sich selbst organisierende System mit diesem Eingriff umgeht, ist ein weiteres Thema. An dieser Stelle nur so viel, dass der Mensch zwar offensichtlich eingreifen kann, er sich aber als eingebundener Teil einer größeren Gesamtheit natürlich ebenfalls in einer sich selbst organisierenden Struktur befindet, die sich über kurz oder lang ausbalancieren wird oder im schlimmsten Fall untergeht, da die Struktur sich selbst zerstört, wenn sie daran gehindert wird, ihrer inneren Ordnung nach zu existieren.

Anarchie bedeutet also, sich auf eine dem System innewohnende Ordnung zu beziehen und nicht von außen in ein System eingreifen zu wollen.

Der Begriff „System“ steht allerdings im heutigen Sprachgebrauch eher für die künstliche Ordnung. In diesem Sinne ist das System eine künstliche Form und angebliche Ordnung, die über vermeintlich chaotische, sich also angeblich in Unordnung befindende Untereinheiten (Menschen) gelegt wird, um – oberflächlich betrachtet – den Anschein einer Ordnung zu erwecken, wobei aber der eigentliche Grund der ist, Macht über eben diese Untereinheiten ausüben zu können.

Hier ist es auch wichtig zu unterscheiden, dass es auf der einen Seite Menschen gibt, denen beigebracht wurde, dass es keine systeminhärente Ordnung gibt, bzw. deren Urvertrauen in diese natürlich Ordnung so nachhaltig zerstört wurde, dass sie nach ordnungsgebenden Faktoren rufen. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die ein Interesse an der Zerstörung dieses Urvertrauens haben, weil sie davon profitieren. Sie geben vor, für angebliche Ordnung zu sorgen, die aber ihren persönlichen Zielen nutzt und deren Form letztlich einem Gefängnis gleicht. Als Beispiel soll uns hier ein Zaun dienen, der zwar dafür sorgt, dass nichts nach innen dringt, aber gleichzeitig natürlich auch nichts herauslässt. Menschen rufen umso mehr nach einem Zaun, wenn dafür gesorgt wird, die Angst vor dem „da Draußen“ aufrecht zu erhalten. Wird dies erfolgreich umgesetzt, unterscheidet der Mensch immer zwischen drinnen und draußen, zwischen sicher und unsicher und ist willkürliches Opfer einer Macht, die ihm zwar Ordnung verspricht, ihn aber letztlich einsperrt, benutzt und somit versklavt.

So kommt es, dass der Anarchist letztlich das System ablehnt, da er das System in diesem Kontext als eine künstliche Ordnung erkennt, die über der natürlichen Ordnung liegt und das Vorhandensein einer natürlichen Ordnung verschleiert. Er erkennt, dass diejenigen, die das System etablieren, Profit aus dem Umstand gewinnen, dass der Mensch sich nach Ordnung (und Sicherheit) sehnt.

Der Staat ist nun die äußere Form dieser künstlichen und scheinbaren Ordnung, die Profit aus dem Umstand gewinnen, dass der Mensch grundlegend nach Sicherheit und Ordnung strebt. Der Staat steht im gewissen Sinne als Synonym für das System. Im Prinzip ist es völlig egal, welche äußere Ausrichtung der Staat hat und welchen Namen er seiner Form gibt. So gibt es Staaten, die nennen sich demokratisch oder kommunistisch oder sozialistisch, aber letztlich basieren sie alle auf äußerer und künstlicher Ordnung und eben darauf, Macht und Herrschaft über andere Menschen auszuüben. Es ist also völlig egal, welche Ausrichtung ein System hat, letztlich bildet es immer einen Staat und der hat immer das Ziel, über Menschen zu herrschen. Die politische Ausrichtung ist innnerhalb dieses Kontextes ebenfalls völlig egal und unterscheidet sich höchsten in der Form der Gewalt, mit der der Staat die Menschen unterdrückt. Jeder Staat verspricht den Menschen für Ordnung zu sorgen, unterdrückt aber letztlich natürliche Ordnung, um durch Ausbeutung anderer, seine eigene Existenz zu sichern.

Der zweite Begriff im Wort Anarchokapitalist ist „Kapitalismus“. Ebenfalls ein sehr komplexer Begriff, dem erfolgreich und mit gutem Grund über die Zeit eine negative Bedeutung angehängt wurde. Im Grunde bedeutet es „Gewinn erzielen“. Letztlich kann man aber nur gewinnen, wenn alle Teile innerhalb einer Struktur gewinnen, weil ansonsten der Verlust eines anderen Teiles letztlich auch der eigene Verlust sein wird. Ohne diese Gewissheit, dass wir alle miteinander interagierende Teile einer selbstorganisierende größeren Gesamtheit (Menschheit) sind, sieht es natürlich so aus, als wenn man Gewinn machen könnte, in dem man andere betrügt, ihnen etwas wegnimmt und nur den eigenen Vorteil im Blick hat. Weiter oben habe ich bereits kurz erwähnt, dass dies ein Irrtum ist. Aber da Menschen offensichtlich nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne haben und typischerweise nur kurze Abschnitte von Entwicklungen überblicken, bleibt ihnen ihr Irrtum verborgen.

In diesem Licht betrachtet ist es verständlich, dass Menschen, die betrogen werden und denen aus ihrer Sicht innerhalb des Systems kaum eine Chance auf Entwicklung und Wachstum gegeben wird, den Kapitalismus ablehnen, da er aus ihren Augen nur Ungleichgewicht und Ungerechtigkeit erzeugt. Für sie sieht es so aus, als ob nur einige wenige Profit machen – und zwar an ihnen oder durch sie – und sie selbst keine Chance auf Gewinn haben. So denken sie, dass eine andere Form des Systems (Staatsform) mehr Erfolg und Gerechtigkeit versprechen würde, in dem Werte gleichmäßig verteilt werden bzw. es kein Eigentum von Werten mehr gibt. Begriffe wie Umverteilung und Ausgleich versprechen hier Gerechtigkeit, verschleiern aber letztlich die Tatsache, dass dies mit Wegnehmen (durch Gewalt) und minderer Wertschätzung der Güter (weil es niemandem gehört und sich niemand mehr verantwortlich fühlt) einhergeht. Doch wie wir jetzt wissen, kann kein politisches System durch Überlagern einer inneren Ordnung für tatsächliche Ordnung sorgen, da es sich schließlich selbst zerstören würde, wenn es zulässt, dass innere Ordnung zu Tage tritt. Kapitalismus ist also freies miteinander Handeln und die Sorge für einen beiderseitigen Gewinn und nicht etwa Übervorteilung und Betrug oder Gewinnansammlung auf einer Seite zu Lasten einer anderen.

Anarchokapitalisten haben also erkannt, dass „Ordnung“ ein natürliches jedem System innenwohnendes Prinzip ist und das „Kapitalismus“ Entwicklung und Steigerung von Gewinn für alle bedeutet und zwar nicht nur im materiellen Sinn, sondern auch in Bezug auf Entwicklung als Ganzes.

Man kann jetzt darüber streiten, ob es nicht sinnvoller wäre, den Begriff „Kapitalismus“ abzulegen, weil er regelmäßig für etwas verwendet wird, was nichts mit dem tatsächlichen Kapitalismus zu tun hat. Das System, welches fälschlicherweise für Kapitalismus gehalten wird, kann eher mit dem Begriff „Korporatismus“ beschrieben werden. Es handelt sich nicht um einen im Kapitalismus zwingend enthaltenen freien Markt, sondern um Eingriffe von staatlicher Seite, in einen sich ansonsten selbstregulierenden Markt. Durch diese Eingriffe kommt es zu all den oben geschilderten Verwerfungen, deren Entstehung durch eine falsche Begrifflichkeit verschleiert wird. Hier ist der Versuch eine künstliche Ordnung herzustellen eindeutig mit der Motivation verbunden einseitig Profit zu machen und andere Menschen zum eigenen Vorteil auszunutzen.

Es gibt noch weitere Faktoren, die zur Definition eines Anarchokapitalisten gehören. Da ist an vorderster Stelle das Nicht-Aggressions-Prinzip (NAP) zu nennen. Es besagt, dass der initiierende Einsatz von Gewalt (oder die Drohung damit) unmoralisch ist und daher nicht gerechtfertigt werden kann. Hiermit in engem Zusammenhang steht die Überzeugung des Selbsteigentums eines jeden Menschen an seinem eigenen Körper. Diese Faktoren stellen ein fundamentales Prinzip für die soziale Interaktion von Menschen dar und stehen im Einklang mit der dem System innenwohnenden Ordnung.

Ein Anarchokapitalist wird also niemals Gewalt gegen andere initiieren, da er das Selbsteigentum eines jeden Menschen auf seinen Körper und dementsprechend das Recht auf Unversehrtheit desselben respektiert. Natürlich ist es möglich sich im Falle eines Angriffes selbst zu verteidigen (oder auch andere mit dieser Aufgabe zu betreuen), da hier das Recht auf Selbsteigentum des Körpers bedroht wird.

Ein Anarchokapitalist wird aber niemals selbst und auch nicht durch Dritte Gewalt gegen andere initiieren. Er wird keinen anderen Menschen und keine Gruppe anderer Menschen (Polizei) dazu auffordern, in seinem Namen Gewalt gegen andere anzuwenden, um seine Ziele durchzusetzen. Gewalt gegen andere Menschen zu initiieren oder andere Menschen (durch Gewaltandrohung) zu zwingen, oder andere Menschen dazu aufzufordern in seinem Namen oder für ihn Gewalt gegen andere Menschen zu initiieren oder andere Menschen (durch Gewaltandrohung) zu zwingen, verstößt gegen das Nicht-Aggressions-Prinzip.

Notwehr bzw. Selbstverteidigung, also „antwortende“ oder „abwehrende“ Gewalt hingegen ist selbstverständlich legitim.

Dies schließt selbstverständlich auch abwehrende Gewalt gegenüber einem Staat ein, der zu seinem eigenen Vorteil und um die Spuren seiner Machenschaften zu verschleiern, die Zerstörung der Gemeinschaften von Menschen betreibt, in dem er  eine ungezügelte Einwanderung zerstörerischer Kräfte herbeiführt. Sofern die natürlichen Rechte eines Menschen innerhalb seiner Gemeinschaft bedroht sind, hat jeder Mensch das Recht auf Widerstand.

Eine Regierung ist nur legitim, wenn sie die Zustimmung der Regierten besitzt und die Naturrechte Leben, Freiheit und Eigentum beschützt. Wenn diese Bedingungen nicht erfüllt sind, haben die Menschen ein Recht auf Widerstand gegen die Regierenden. 

John Locke

John Locke – Erste Abhandlung über den Staat

John Locke – Zweite Abhandlung über den Staat

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