Im Feuer

Gepostet am Aktualisiert am

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„Ich habe mich mein ganzes Leben wie ein Blatt im Wind gefühlt.
Dann gab es eine Zeit, in der ich wusste: ich bin der Wind.
Jetzt sehe ich: ich bin das Blatt und der Wind…“

C.G. Jung

Der Begründer der Prozessarbeit Arnold Mindell beschreibt in seinem Buch „Mitten im Feuer“, das eine besondere Form der inneren Arbeit notwendig wäre, um uns in Älteste zu transformieren, die „im Feuer sitzen können“. Diese innere Arbeit beschäftigt sich mit dem Kennenlernen der eigenen inneren Werturteile und der eigenen Grenzen und Festigkeiten. Jedes Werturteil schließt einen Teil auf der anderen Seite aus, polarisiert und führt so zur Marginalisierung eines wesentlichen Anteiles eines Gesamtgeschehens. Letztlich ist die Berührung mit den schicksalhaften Geschehnissen unser aller Reise durch unser Leben. Hier verbrennt das Holz unserer Persönlichkeit.

Dies ist der Grund, der mich immer wieder angehalten hat, mit Menschen in Kontakt zu gehen und meinem eigentlichen Bedürfnis, mich zurückzuziehen, nicht nachzugeben. Mein Bestreben war es immer, über meine Grenzen hinauszugehen. Ich wollte wissen, wie es „dahinter“ ausschaut. Was liegt hinter den Grenzen der normalen und gesellschaftlich anerkannten Weltsicht? Die angenommene Realität – von Arnold Mindell „Konsensusrealität“ genannt – ist nur ein kleiner Teil der tatsächlichen Realität, die viel größer ist und die sich hinter den Schleiern unserer Sinne verbirgt. Ähnlich wie ein Bühnenscheinwerfer immer nur einen kleinen Teil einer Bühne beleuchten kann und vieles im Dunkeln bleibt, ist die Welt größer, als das wir sie mit unseren Sinnen umfassen könnten.

Alleine die Tatsache, jetzt als Mensch zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu leben, bringt die Verantwortung mit sich, auf der einen Seite seit Generationen, seit Hunderten von Jahren bestimmte Gedanken zu denken und darauf basierend zu handeln, was die Welt zu dem gemacht hat, wie sie sich uns heute zeigt, und der Tatsache, das wir alle in besonderen Momenten fühlen, das es sich um etwas anderes dreht, das wir einem Ruf folgen sollten, das Mensch sein mehr bedeutet, als geboren zu werden und irgendwann zu sterben und das die Dinge die uns geschehen, mehr sind als nur Zufälle. Es ist an dir zu entscheiden, ob du tatsächlich in einer gewöhnlichen und berechenbaren Welt lebst, wie die Gesellschaft es dich glauben machen will, glanzlos und sich ständig wiederholend, oder ob du dich als Mensch als ein außergewöhnliches Wesen in einer außergewöhnlichen Welt empfindest, in der nichts je als selbstverständlich betrachtet werden darf. Es berührt die Frage, ob die Welt nicht ein Ort voller Wunder und Geheimnisse ist, und ob es nicht Zeit ist, aus der Annahme alles zu Wissen oder alles Wissen zu können herauszutreten und anzuerkennen, dass die Welt viel größer ist, als wir mit unserem Verstand ermessen können. Vielleicht sind wir gar nicht so alleine, wie wir uns fühlen, in diesen gehassten Momenten, wenn alle Ablenkung wegfällt, wenn Ruhe uns findet und die vermeintliche Sinnlosigkeit unseres Daseins uns drohend immer näher kommt. Vielleicht laufen wir nur gehetzt davon vor etwas, was wir fürchten, vielleicht noch mehr als den Tod, das nichts kontrollierbar ist, dass die Dinge ihren eigenen Lauf haben und dass wir Teil sind eines größeren Ganzen und das ein Teil vom Ganzen umfasst wird, aber ein Teil niemals das Ganze umfassen kann.

Ich habe in meinem Leben bereits viele gedachte Grenzen überschritten und Bereiche kennengelernt, die ich mir vorher gar nicht vorstellen konnte. Ich habe auch einen großen Teil der Lügen erkannt, die uns umgeben und die uns dort halten sollen, wo wir sind. Ich weiß, dass wir Menschen zu viel mehr fähig sind. Ich weiß, dass wir keine Herrscher brauchen. Natürlich brauchen wir Lehrer, die uns liebevoll und manchmal auch mit fester Hand anleiten, in unbekanntes Terrain vorzudringen, weil sie uns helfen, über gedachte Grenzen hinauszugehen. Aber wir benötigen niemanden, der die Dinge für uns tut oder der uns klein und abhängig hält und als Schmarotzer von unserer Energie lebt.

Letztlich ist ein Lehrer wohl die Person, die uns hilft das zu sehen, was wir bereits wissen. Es liegt ein Problem darin, diese Dinge zu erkennen. Bei mir war es der Wunsch, andere Menschen darauf hinzuweisen. Mein Bestreben war es, andere Menschen an dem teilhaben zu lassen, was für mich selbst von Wert war. Ja, ich weiß mittllerweile, nicht immer – viel zu selten – können Menschen auf Grund von Hinweisen neue Perspektiven gewinnen. Das Alte hat seinen Reiz. Es ist bekannt, bequem und auch wenn qualitativ gesehen nicht hochwertig, dann doch zumindest verlässlich. Das Neue steht immer im Licht des Unbekannten; es ist nicht überschaubar, ist unsicher… Daher ist es nur allzu verständlich, das für Viele die damit verbundene Bedrohung zu mächtig scheint und sie lieber im Alten verbleiben.

Seit vielen Jahren interessiert mich, welche Faktoren einen Menschen hindern, sein volles Potential zu erreichen. Psychologisch betrachtet sind es einschränkende Glaubenssätze, die seit Generationen weitergegeben oder durch Manipulation in bestimmte Richtungen gelenkt werden, die den Menschen nicht frei sein lassen. Politisch sind es äußere starre Strukturen, Verbote, Drohungen und weitere Konzepte von Herrschaft, die ihn dort halten, wo er ist. Beiden Seiten muss der Kampf angesagt werden. Es gilt die inneren Fesseln abzuwerfen, genau wie die äußeren Fesseln. Der Mensch ist von Natur ein freies Wesen. Geboren, um sich auszuprobieren, um in Freiheit aus seinen Fehlern zu lernen. Interessant ist, dass der Mensch sich so sehr an seine Fesseln klammert, weil sie ihm Sicherheit versprechen. Im Versuch, dem Menschen seine Mauern aufzuzeigen, ist das erste, auf das du stößt, sein eigener Widerstand. Die Freiheit – die Innere wie die Äußere – ist so bedrohlich, das er sich wehren wird, seinen Käfig zu verlassen. Du kannst es sanft versuchen oder auch mit Druck, er wird erst seine eigenen unsicheren Schritte wagen, wenn er reif genug ist zu erkennen, dass es Mut braucht. Im gewissen Sinne sogar Todesmut, weil nur wenn der Mensch bereit ist, altes Terrain zu verlassen, welches ihm bislang Überleben versprochen hat, für etwas Erahntes, für eine neue Qualität, kann er die Erfahrung machen, das Entwicklung nur möglich ist, wenn dir Sicherheit nicht mehr als oberstes Gebot erscheint, sondern der Wunsch, die Qualität deines vollen Potentials zu ergründen. Larken Rose benennt es als das Problem der „professionellen Weltbild-Herausvorderer“. Für ihn stellt es sich so dar, als dass Menschen, die die Botschaften verstehen, sie letztlich gar nicht benötigen, weil sie bereits da sind. Andere, die diese Botschaft eigentlich bräuchten, wollen sie nicht, da sie in der Regel nicht bereit sind, ihre bisherigen Annahmen und Überzeugungen in Frage zu stellen. Diese Menschen mit solchen Botschaften zu konfrontieren führt in aller Regel zunächst zu einer Abwehr. Diese Abwehr richtet sich verständlicherweise gegen den Überbringer. Der Mechanismus ist verständlich. Die Reaktion ist nachvollziehbar. Dennoch ist und bleibt sie unangenehm. Für den der die Botschaft ablehnt, wie für den Überbringer.

Ein Mensch in Freiheit muss bereit sein, in Unsicherheit zu leben. Frei sein bedeutet, die Unsicherheit lieben gelernt zu haben. Freiheit bedeutet, bereit zu sein, sein Überleben zu riskieren, um Neues zu erfahren. In Sicherheit, in alten Gewohnten, ist weder Wachstum noch Entwicklung möglich. Trete mutig über deine gedachten Grenzen und entdecke, dass du viel mehr bist als die Summe deiner Teile. Dein tatsächlicher Wert ist grenzenlos.

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Wir müssen lernen, den gemeinsamen Feind zu sehen. Trotz aller Unterschiede werden Menschen in Frieden leben können, wenn sie nicht mehr zulassen, dass Herrscher sie für ihre selbstsüchtigen Ziele missbrauchen. Seit Generationen ist die Erde mit dem Geschwür der Herrschaft überzogen. Wie eine Flechte hat sich der Staat ausgebreitet und das Geburtsrecht der Menschen erstickt. Sich davon wieder zu befreien sollte unser erstes und oberstes Ziel sein. Dass Unsicherheit verbleibt, wie ein gemeinsames Leben nach dem Überwinden der Krankheit Staat aussieht, ist natürlich. Wir sind noch jung auf der Skala, als Mensch unser Potential zu entdecken. Doch müssen wir frei sein, um aus unseren Fehlern zu lernen.

Seit vielen Jahren befinde ich mich in diesem Feld. Ich mag nicht immer wieder von vorne beginnen. Gemeinschaften haben sich gebildet und haben sich wieder aufgelöst. Letztlich sind wir alle Individuen. Ich habe viele mir sehr wertvolle Menschen kennengelernt. Sie haben mir Impulse gegeben, mich zum Nachdenken angeregt, sie haben mir weitergeholfen. Gleichermaßen sind meine Botschaften für viel bedrohlich. Die Ablehnung, die mir entgegenschlägt ist häufig massiv. Wenn Menschen ihr Weltbild schützen wollen, sind sie in ihrer Abwehr häufig vehement. Ich bin ein Krieger, ein Kämpfer… ich kann nicht nur austeilen, sondern auch einstecken. Doch wo ist die Grenze? Anerkennung ist der Raum, in dem Loyalität existiert. Loyalität ist ein freies, bedingungsloses Geschenk, das von der Tatsache herrührt, dass es im Universum eine fundamentale Verbundenheit gibt. Wir achten viel zu wenig darauf, andere Menschen wissen zu lassen, welchen Wert sie in unserem Leben darstellen.

Manchmal denke ich, dass die Zeit gekommen ist, mit dem Schreiben aufzuhören. Menschen, die mich verstehen, brauchen mich nicht. Menschen die mich nicht verstehen, wollen mich nicht. Mir ist es zunehmend nicht mehr so wichtig. Ich habe einen Kreis von Menschen, mit denen ich mich leicht austauschen kann. Menschen stellen immer wieder dieselben Fragen, die schon tausendmal beantwortet wurden. Was an sich nicht ganz so schlimm wäre, wären sie denn tatsächlich offen für die Antwort. Doch die ihnen gegebene Antwort ist viel zu sperrig, zu groß, zu klein, zu lang, zu banal… letztlich zu bedrohlich, um sie wirklich anzunehmen. Das, was auf uns zukommt, wird unsere Verbindungen sowieso verändern. Das reine Überleben wird in naher Zukunft wieder mehr in den Fokus rücken. Wir werden von Psychopathen regiert und der nächste Krieg ist für ihr Überleben unausweichlich. Wohin die Reise letztlich gehen wird, weiß keiner. Wer weiß, vielleicht bleibt uns noch nicht einmal wirklich Zeit, uns angemessen zu verabschieden. Ich möchte euch schon an dieser Stelle wissen lassen, dass ihr alle mir sehr wertvoll seid. Danke für die gemeinsame Zeit.

Hier eine kleine Geschichte, die den Unterschied verdeutlicht, zwischen den Kriegen, die Herrscher führen, um Macht und neue Territorien und unserem Krieg, der ein Kampf um die Freiheit ist. Aus dem Buch „Traumwache“ von Florinda Donner-Grau.

„Wir durchfahren verzaubertes Terrain“, sagt sie, während sie von der köstlichen Schokolade trank. „Ein magisches Land, bevölkert von Menschen auf dem Kriegspfad.“
„Wer soll auf dem Kriegspfad sein?“ fragte ich und versuchte nicht allzu überheblich zu klingen.
„Die Yaqui von Sonora“, erwiderte sie und wartete schweigend auf meine Reaktion. „Ich bewundere die Yaqui dafür, dass sie sich in permanentem Kriegszustand befinden“, fuhr sie fort. „Zunächst waren es die Spanier und bis 1934 dann die Mexikaner, die die Schläue und Erbarmungslosigkeit der Yaqui zu spüren bekamen.“
„Ich habe für kriegerische Menschen nichts übrig“, erklärte ich. Um mich für meinen streitlustigen Tonfall zu entschuldigen, fügte ich gleich darauf hinzu, dass ich aus einer deutschen, durch die Kriegswirren getrennten Familie stamme.
„Dein Fall liegt anders“, behauptete sie. „Ihr habt nicht für die Freiheit gekämpft“.
„Augenblick“, protestierte ich. „Gerade weil wir für die Freiheit gekämpft haben, verabscheue ich den Krieg so nachdrücklich.“
„Wir reden von zwei verschiedenen Formen des Krieges“, beharrte sie.
„Krieg ist Krieg“, warf ich ein.
„Deine Art Krieg“, fuhr sie fort, ohne auf meinen Einwand einzugehen, „findet zwischen zwei Brüdern statt, die beide herrschen wollen und um die Vormacht kämpfen.
“Sie lehnte sich zu mir und fügte in dringlichem Flüsterton hinzu: „Der Krieg von dem ich spreche, ist der zwischen einem Sklaven und seinem Herrn, der Menschen als sein Eigentum betrachtet. Erkennst du den Unterschied?“

Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen „ihrem“ und „unserem“ Krieg. Ihr Krieg ist ein „Bruderkrieg“, ein Kampf um Herrschaft, um Macht, um Positionen… wohingegen unser/mein „Krieg“ ein Freiheitskrieg ist, ein Befreiungskrieg, in dem es sich nicht um Macht dreht, nicht um Profilierung oder um Führung… sondern um Freiheit. Dieser Unterschied ist aber den meisten nicht klar. Aus deren Perspektive scheint beides einfach Krieg zu sein. Und ja, mein Krieg ist tatsächlich ein Krieg! Ich bin ein „Krieger“ und unerbittlich in meinem Kampf für Freiheit. Und ich kämpfe gegen jeden, der es wagt, sich mir in den Weg zu stellen oder der meine Lieben und mir anvertraute Menschen daran hindern will, in Freiheit zu leben… und dies sollten wir alle tun. Wenn wir uns wirklich aus der Umklammerung der Herrscher befreien wollen, müssen wir kämpfen.
Das Problem waren schon immer die Regierungen, die Herrscher. Wir Menschen haben kein Interesse daran, im Krieg miteinander zu sein. Herrscher haben ein Interesse an Kriegen. Sie benutzen Menschen für ihre Kriege. Wir Menschen müssen lernen, zusammenzustehen gegen die Herrscher. Egal welcher Gruppierung du angehörst, welcher Philosophie der Freiheit du nahe stehst, wir haben alle einen gemeinsamen Feind. Wir sollten nicht untereinander kämpfen, sondern gemeinsam gegen den Unterdrücker der Freiheit.
Alle gemeinsam für die Freiheit!
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