Die Wahrheit – gibt es sie?

Gepostet am Aktualisiert am

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Die Wahrheit – gibt es sie?

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Der beste Weg zur Wahrheit zu gelangen ist dieser,
daß man die Dinge untersucht, wie sie wirklich sind und nicht schließt,
sie wären so, wie es uns andere zu glauben gelehrt haben.

John Locke


Über die Wahrheit ist viel geschrieben worden. Mehr noch darüber, dass es sie angeblich nicht geben würde. Mit der Wahrheit ist es so eine Sache, liegt sie doch wie der Volksmund sagt, meist im Auge des Betrachters. Tatsache ist, dass der Mensch dazu neigt, im außen Dinge für wahr zu halten, die seiner inneren Einstellung entsprechen. Man tut von daher gut daran zwischen subjektiver und objektiver Wahrheit zu unterscheiden. Dennoch, ganz so leicht ist es dann doch nicht. Die Philosophen haben viel darüber nachgedacht, wie es sich mit der Wahrheit verhält. Dem Begriff der Wahrheit leitet sich aus dem griechischen Wort ἀλήθεια – aletheia und dem lateinischen Wort veritas ab. Wer nun glaubt, dass Wahrheit eine einfach zu definierende Sache sei, der mache sich den Spaß und lese in Wikipedia zu dem Suchbegriff „Wahrheit“ nach. Vermutlich wird dem Leser nach kurzer Zeit schwindelig ob der schieren Anzahl verschiedener Ansätze Wahrheit zu definieren. Ich erspare es mir hier (und dem Leser) diese ganzen Begriffe erneut wiederzugeben und zu analysieren. Sind die Philosophen nicht zum Schluss gekommen, werden wir es hier durch die Gegenüberstellung der verschiedenen Ansätze wohl auch nicht. Meine Theorie ist an dieser Stelle eine ganz andere. Zunächst: Natürlich gibt es eine Wahrheit und sie ist für jeden Menschen auch findbar. Allerdings nur, wenn dem Menschen die obige Tatsache der Unterscheidung zwischen subjektiver und objektiver Betrachtungsweise bewusst ist. Im Weiteren lautet meine Theorie, dass es einigen Personen sehr recht ist, dass Menschen in Bezug auf Wahrheit eine Verwirrung empfinden. Ist es doch sehr leicht einem Menschen seine Möglichkeit Wahrheit zu empfinden abzusprechen, indem man damit kontert, dass es so etwas wie eine letztendliche Wahrheit nicht geben würde. Wird dies dann auch mit all den verschiedenen Theorien um die Wahrheit belegt, werden Menschen leicht unsicher und beginnen an ihrer Fähigkeit Wahrheit zu empfinden zu zweifeln.

Um so etwas wie ein Empfinden der Wahrheit zu bekommen, bedarf es der Fähigkeit des Menschen wahrzunehmen. Aufmerksame Leser stoßen jetzt hier auf das Phänomen, dass der Begriff „Wahrnehmen“ mit dem Begriff der Wahrheit eng zusammen steht. Bedeutet es etwa, dass der Menschen durch seine Fähigkeit wahrnehmen zu können, in der Lage ist, die Wahrheit zu erkennen? Ganz sicher können wir nicht den Schluss daraus ziehen, dass die Wahrnehmung eines Menschen auch der Wahrheit entspricht. Wissen wir doch, dass auch zusammengenommen alle Sinne des Menschen wie Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken nicht die tatsächliche Wirklichkeit abbilden können. Unsere Sinne nehmen jeweils nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Wirklichkeit wahr. Wale zum Beispiel hören in einem Bereich weit unter unserer Wahrnehmungsfähigkeit im Infraschallbereich und Delfine unterhalten sich im Ultraschallbereich, weit über unserer Hörgrenze. Unsere Augen nehmen ebenfalls Schwingungen wahr, die nur weitaus höher liegen, als dass unsere Ohren sie hören könnten. Doch Bienen und andere Insekten sehen ultraviolette Farben, die wir nicht sehen können. Alle unsere Sinne können zwar mit Hilfe von Instrumenten aufgeweitet werden, doch selbst dann bleibt die Frage unbeantwortet, ob dies nun die letztendliche Wirklichkeit ist, die wir momentan abbilden, weil wir wissen, dass durch weitere Entwicklung neue Anteile der „Wirklichkeit“ in unsere Wahrnehmung treten werden. Trotzdem bleibt die Tatsache bestehen, dass wir in Hinblick auf unsere Fähigkeit wahrnehmen zu können, auch Wahrheit empfinden könnten. Was ist mit anderen „Sinnen“, die wir bislang nicht betrachtet haben? Der kleine Prinz aus dem gleichnamigen Buch von Antoine de Saint-Exupéry sagt ja auch, dass es Dinge gäbe, die man nur mit dem Herzen sehen würde. Das Herz gilt nun nicht als ein verlässlicher Ratgeber, obwohl die meisten Menschen, was Entscheidungen angeht, dennoch letztlich diesem „Sinn“ folgen. Darauf angesprochen neigen sie natürlich dazu, schnell in Zweifel zu geraten, weil es keine Möglichkeit für sie gibt, ihre Entscheidung für andere nachvollziehbar – also objektiv – zu begründen. Nur Menschen, die immer wieder ihrem Herzen gefolgt sind und erfahren haben, das ihr Herz ein guter Ratgeber war – auch und insbesondere in Hinblick auf die Wahrheit – verteidigen ihre Fähigkeit der Wahrheitsfindung durch Wahrnehmung und kümmern sich nicht darum, ihre Entscheidungen anderen zu begründen.

Besonders schwierig wird es bei Wahrheiten, die zwar wahrgenommen werden, die aber nicht wahrgenommen werden dürfen, weil es ein Interesse anderer Personen gibt, dass diese Dinge nicht als wahr wahrgenommen werden.

Es gibt auch Wahrheiten, die von mehreren Menschen – teilweise von sehr vielen Menschen – wahrgenommen werden und die dennoch nicht der anerkannten Wahrheit entsprechen. Besonders schwierig wird es bei Wahrheiten, die zwar wahrgenommen werden, die aber nicht wahrgenommen werden dürfen, weil es ein Interesse anderer Personen gibt, dass diese Dinge nicht als wahr wahrgenommen werden. Geschichtliche Vorgänge sind häufig in dieser Kategorie, denn wie wir wissen, schreibt immer der Sieger die Geschichte. Die Wahrheit bleibt dabei leider sehr oft auf der Strecke. Was nicht heißt, dass die meisten Menschen nicht ein Empfinden dafür hätten, dass sie belogen werden. Es wird ihnen nur sehr schwer gemacht, ihrem Empfinden der Wahrheit einen Ausdruck zu geben.

Es ist schon eine gute Richtschnur, wenn du bemerkst, dass an gewissen Dingen in der Vergangenheit nicht gerührt werden darf, dass es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um eine Lüge handelt. Die Wahrheit bräuchte sich schließlich nicht hinter Verboten und der Androhung von Strafen verstecken. So sagt Thomas Jefferson sehr treffend:

„Nur die Lüge braucht die Stütze der Staatsgewalt. Die Wahrheit steht von alleine aufrecht.“

Was uns bleibt ist, unsere Wahrnehmung zu vertrauen. Auch dann, wenn wir keine Möglichkeit haben, unser Wissen objektiv zu belegen. Wir können nur vertrauen, dass wir Menschen mit unserer Fähigkeit wahrzunehmen, ein verlässliches Instrument zur Findung der Wahrheit besitzen und dass die Wahrheit ganz alleine immer wieder nach vorne kommen wird. Auch hier ist ein guter Maßstab, dass wenn Dinge einfach nicht zur Ruhe kommen – und dies trotz aller Verbote – es sich vermutlich um etwas Unterdrücktes handelt, was immer wieder nach vorne drängt und wahrgenommen werden will.

Niemand kann die Wahrheit auf Dauer unterdrücken. Kein Politiker der Welt kann seine gefälschte Geschichtsschreibung für alle Zeit aufrechterhalten. Die Wahrheit wird immer wieder ans Licht kommen. Die Einschränkung der Freiheit des Menschen und die Unterdrückung der Wahrheit gehen immer zusammen. Umso mehr die Wahrheit unterdrückt wird und dem Menschen die Möglichkeit der eigenen Recherche und seiner Schritte zur Wahrheitsfindung genommen wird, umso weniger Freiheit existiert. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass umso mehr die Menschen zur Freiheit drängen, umso mehr Wahrheit ans Licht kommen wird.

Wir leben in einer Zeit, in der die Freiheit und die Wahrheit gleichermaßen unterdrückt werden. Beides kann nicht auf Dauer geschehen. Trotz aller Unterdrückung und Androhung von Strafe sind wir Menschen auf einem unaufhaltsamen Weg in Richtung Freiheit. Und die Wahrheit wird auf diesem Weg gleich mit gefunden werden.

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