Geschichten, die das Leben schreibt

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Vom Umgang mit Bullys – und warum die Pfähle der Starenkästen eckig sind…


Liebe Freunde, mir kamen vor einiger Zeit zwei Geschichten zu Ohren, die ich euch gerne weitererzählen möchte. Sie haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun und stehen doch in einem, wie ich finde, engen Sinnzusammenhang. Vorausschicken sollte ich, dass mir versichert wurde, dass diese Geschichten sich tatsächlich so zugetragen haben. Ähnliche Geschichten geschehen immer wieder auch an anderen Orten. Ähnlichkeiten mit heutigen Begebenheiten sind also nicht zufällig, sondern hoffentlich auffällig.

Die erste Geschichte spielt vor einigen Jahren in einem kleinen Dorf im Süden Deutschlands. Ein „Dorfscheriff“, also ein Polizist, der in diesem kleinen Ort seiner Tätigkeit nachgeht, schikaniert die Dorfbewohner. Wegen jeder kleinsten Kleinigkeit verteilt er Strafzettel und nutzt die ihm per Gesetz übertragene Macht offensichtlich genüsslich aus. Er verlangt von allen Dorfbewohnern, dass sie sich strikt an das Gesetz halten und bringt jeden kleinsten Verstoß sofort zur Anzeige. Das menschliche Miteinander ist in diesem Dorf empfindlich gestört. Verständlicherweise möchte sich niemand ständig auf die Finger gucken lassen. Die Menschen haben Angst, Fehler zu machen. Schnell wird klar, dass das Gesetz mit Recht überhaupt nichts zu tun hat und dass es sich bei der Vorgehensweise des Polizisten nicht darum dreht, für Sicherheit und den Schutz der Dorfbewohner zu sorgen, sondern um Macht und darum, den Menschen Gehorsam beizubringen. Jede direkt an den Polizisten gerichtete Kritik an seinem Vorgehen wurde mit noch mehr Schikane beantwortet.

Eines Tages betritt der Polizist die Dorfkneipe, um wie immer „nach dem Rechten“ zu sehen. Ehe er sich versah, wurde ihm ein Sack über den Kopf gezogen und er spürte nur noch wie Schläge auf ihn einprasselten; dann wurde ihm schwarz vor Augen. Einige Zeit später wachte er im Krankenhaus wieder auf. Seit Körper war übersäht von blauen Flecken, die vermutlich von Faustschlägen oder auch Knüppeln herrührten. Für ein paar Tage oder Wochen war er dienstuntauglich. Zwischenzeitlich gingen jetzt die Untersuchungen los. Der Wirt dieser besagten Gaststätte gab an, zur fraglichen Zeit in seinem Weinkeller gewesen zu sein und nichts gehört zu haben. Er versicherte, dass weder vorher noch später, als er den Polizisten im Lokal fand, andere Personen zugegen waren. In diesem Dorf war es nicht unüblich, dass die Tür zur Gaststätte offen stand und jeder das Lokal hätte betreten können. Auch jeder der Dorfbewohner, die sonst regelmäßig in dem Lokal einkehrten, konnte ein Alibi vorweisen. Entweder waren es Freunde oder Nachbarn, die aussagten, dass die betreffende Person zu der Zeit nicht im Lokal gewesen sein konnte. Alle Ermittlungen führten ins Leere. Niemand hatte etwas gesehen oder gehört. Es hätte jeder sein können, aber niemandem konnte etwas nachgewiesen werden.

Kurze Zeit später konnte der Polizist seinen Dienst wieder antreten und war seit dem wie ausgewechselt. Es schien, als wenn er wohl eine Botschaft in diesem Vorfall herausgelesen hätte. Der Polizist kümmerte sich mehr um Verwaltungstätigkeiten und wurde nur noch selten auf der Straße gesehen. Die Schikanen hörten auf und das Dorfleben ging wieder seinen gewohnten Gang. Kurze Zeit später hat der Polizist das Dorf dann verlassen. Mit dem anderen nachfolgenden Dorfpolizisten soll es danach auch keine Probleme mehr gegeben haben. Die Begebenheiten hatten sich vermutlich herumgesprochen.

Die andere Geschichte spielt ebenfalls in einer ländlichen Umgebung. Zu der damaligen Zeit waren die Pfähle oder Rohre, auf denen die im Volksmund Starenkästen genannten Blitzapparate stehen, die angeschafft wurden, um neben den Steuereinnahmen für weiteres Geld für den Staat zu sorgen, noch rund und nicht wie heute üblich eckig. Jedenfalls häuften sich plötzlich die Meldungen, dass immer mehr dieser Radarfallen zerstört am Straßenrand lagen. Die Rohre waren kurz über dem Boden vermutlich mit einem Rohrschneider durchtrennt worden  und der eigentlich Blitzkasten mit einem Vorschlaghammer so bearbeitet, dass die Geräte nicht wieder aufgestellt werden konnten. Auch hier führten die Untersuchen zunächst in Leere. Immer wieder wurden des Nachts  Blitzfallen „umgelegt“ und zerstört und zwar immer da, wo die Augen der Gesetzeshüter gerade nicht hinschauten. Die Menschen in den Gemeinden fanden diese Angelegenheit eigentlich gar nicht so schlimm. Stattdessen spekulierte man, welchen Blitzer es wohl demnächst treffen würde. Die Kooperation der Menschen in der Umgebung mit der untersuchenden Polizei hielt sich also in Grenzen. Niemand hatte etwas gesehen oder gehört… bis eines Tages die damaligen Verursacher von jemandem verraten wurden. Irgendein „Hundertprozentiger“ verriet der Polizei wer der oder die Täter waren. Es war klar, dass der Tipp direkt aus der Bevölkerung gekommen sein musste, aber niemand trat hervor und outete sich als derjenige, der den entscheidenden Hinweis gab. Es gab Verdächtigungen, aber es war eben nichts sicher und die Atmosphäre in den umliegenden Dörfern und Gemeinden war empfindlich gestört. Schließlich wurden die Täter bestraft und die Blitzer wieder aufgestellt. Seitdem sind die Pfähle der Blitzanlagen nicht mehr rund, sondern eckig.

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Freiheit wird den Menschen niemals freiwillig gegeben. Die Unterdrückten müssen sie verlangen. – Martin Luther King, Jr.

Vielleicht ist dem Leser ja bereits eine Idee gekommen, wie diese beiden Geschichten zusammenhängen. In meinen Augen liegt die Verbindung im unterschiedlichen Zusammenhalt der Menschen untereinander. Entweder stellen sich die Menschen gemeinsam gegen einen Unterdrücker oder einer aus ihrer Mitte handelt als Verräter und betätigt sich als Blockwart, als Denunziant und vergiftet das Miteinander. Im ersten Fall sind die Menschen gemeinsam stark und schaffen es, sich erfolgreich auch gegen einen starken Unterdrücker zur Wehr zu setzen. Im zweiten Fall genügt eine einzige Stimme, um den Zusammenhalt der Menschen empfindlich zu stören. Die erste Geschichte zeigt für mich auch den einzigen wirkungsvollen Umgang mit einem Unterdrücker, egal aus welcher Ecke er stammt. Wenn alles gute Zureden nichts hilft, ist es hoffnungslos, auf Verständnis oder gar Einsicht zu warten. Wie damals auf dem Schulhof muss dem frechen Schläger beigebracht werden, wie er sich in einer Gemeinschaft von Menschen zu verhalten hat. Nach einer gehörigen Tracht Prügel verhält sich der Schläger danach meist lammfromm. Warum? Weil er das erste Mal eine deutliche Grenze erfahren hat. Es gibt Menschen, die dazu neigen, die normalen moralischen Grenzen des menschlichen Miteinander zu übertreten und sie – bei nicht vorhandener Gegenwehr – immer weiter auszuweiten und zwar solange, bis ein eindeutiges Signal ergeht, dass es hier nicht weiter geht. Wird diese Lektion mit aller Deutlichkeit gelehrt, hat die betreffende Person zumindest in dem Umfeld, in dem diese Lektion erteilt wurde, danach keine Lust mehr weiterzumachen. Die Person wird sich dann entweder an das normale soziale Miteinander anpassen oder zwangsläufig aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Die Menschen stehen füreinander, für ihre Freiheit, ein und sorgen gemeinsam dafür, dass jeglicher Versuch Herrschaft über sie auszuüben, unterbunden wird.

Im anderen Fall liegt die Moral der Geschichte darin, dass ein Verräter dieses Miteinander nachhaltig stören oder sogar zerstören kann. Cicero soll gesagt haben, dass eine Gemeinschaft ihre Dummköpfe und sogar ihre Ehrgeizigen überleben kann, aber nicht den Verräter von innen. Ein Feind am Tor ist weniger schrecklich, als der Verräter, der sich frei im Hause bewegt. Dessen listiges Geflüster durch alle Gänge raschelt  und sogar in den Hallen der Regierung gehört wird. Der Verräter erscheint nicht als Verräter; er spricht die Sprache seiner Opfer; er hat ihre Züge und trägt ihre Kleider und verdirbt die Seele des Landes.

So stehen diese beiden Geschichten als Metaphern für die beiden Möglichkeiten, die Menschen mit Unterdrückern haben. Entweder sie stehen zusammen gegen jeglichen Feind der Freiheit oder aus ihrer Mitte erhebt sich der giftige Verrat und verdirbt die Gemeinschaft. Schau dich um und du weißt, wo wir heute stehen.

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Ein Kommentar zu „Geschichten, die das Leben schreibt

    Runenkrieger11 sagte:
    25. Januar 2016 um 20:32

    Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

    Gefällt mir

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