Stationen der Wahrnehmung

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Vorwort des Übersetzers 

Dieser aus dem Amerikanischen übersetzte Text bezieht sich auf die Möglichkeit, dass Menschen legal eine Schusswaffe zum Selbstschutz führen dürfen. Diese Möglichkeit ist den Menschen in Deutschland auf Grund des derzeit gültigen Waffengesetzes leider verwehrt. Dennoch habe ich den Text in seiner ursprünglichen Form belassen, da zum einen der Übersetzer selbst der Meinung ist, das dieses Recht, eine Schusswaffe zum Selbstschutz zu führen, das Recht eines jeden freien Menschen sein sollte und sich zum anderen der Text leicht auf andere Formen der Selbstverteidigung mit alltäglichen Gegenständen wie Schlüssel, Scheckkarten, Kugelschreiber oder tatsächliche Waffen wie dem Kubotan und  Reizgas-Pistolen und -Revolver übertragen lässt, die legal in Deutschland mit kleinem Waffenschein geführt werden können.

Auch hat der Übersetzer in seinen Kursen zum Thema Selbstverteidigung immer wieder erfahren, dass die zur Selbstverteidigung zur Verfügung stehende Waffe letztlich zweitrangig ist. Vielmehr bereitet der mentale Faktor, die Bereitschaft, sein Leben unter allen Konsequenzen zu verteidigen, die meisten Schwierigkeiten. Egal ob mit Alltagsgegenständen, Waffen oder letztlich auch mit bloßen Händen; hier haben die Menschen auf Grund ihrer Konditionierung, sich nicht selbst verteidigen zu dürfen und immer nach einer Ordnungsmacht rufen zu müssen, die meisten Hemmungen. Meine Hoffnung ist, dass Menschen durch die Beschäftigung mit diesem Text aufmerksamer für ihre Umgebung werden und somit einem drohenden Unheil, sei es nur in Form einer einfachen Gefahr im Straßenverkehr, leichter ausweichen können und der Leser auch einem tatsächlichen Angriff auf seine Rechtsgüter Leib, Leben und Freiheit effektiver begegnen kann. Letztlich ist jedes dieser Rechtsgüter notwehrfähig. Für mich gilt in jedem Falle Opferschutz vor Täterschutz. Darüber hinaus bin ich auch der Meinung, dass dieses Thema Selbstverteidigung (auch mit Schusswaffen) in der nächsten Zeit noch massiv an Aktualität zunehmen wird. Der derzeitige Umgang mit dem Thema Selbstverteidigung hat zu der paradoxen Situation geführt, dass sich der Verteidiger mehr Gedanken um die Folgen seiner Abwehr macht, als der Angreifer um die Folgen seiner Tat. Dies ist in einer Situation, in der jede Sekunde buchstäblich über Leben und Tod entscheidet, natürlich ein unhaltbarer Zustand.

Die in diesem Text vorgeschlagenen Verhaltensweisen beziehen sich ausschließlich auf tatsächliche Notwehrsituationen und darüber hinaus in ihrer Form auf die Rechtslage in dem jeweiligen Land. Eine Rechtssicherheit aus dem Text abzuleiten ist nicht möglich. Die Übernahme und Anwendung der im Text vorgeschlagenen Verhaltensweisen erfolgt in jedem Fall auf eigene Verantwortung.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass ich mit der Übersetzung dieses Textes keinerlei finanzielle Absichten verfolge.

Der Text ist in der Originalsprache frei im Internet erhältlich unter der folgenden Adresse:
http://www.teddytactical.com/SharpenBladeArticle/4_States%20of%20Awareness.htm

Alle Rechte verbleiben beim Autor Tom Givens und Jeff Cooper.

 

Stationen der Wahrnehmung – die Cooper-Farbcodes

von Tom Givens (aus dem Amerikanischen von Rudolf Engemann)

Die meisten Menschen gehen durch ihr Leben und nehmen die Welt um sich herum gar nicht wirklich wahr. Sie sind mit ihren Gedanken bei der Arbeit, denken an persönliche Probleme oder daran, einen Termin zu bekommen oder sind mit anderen Kleinigkeiten beschäftigt, ohne einen Gedanken an ihre unmittelbare Umgebung aufzuwenden. Weil sie ihrer Umgebung keine Aufmerksamkeit schenken, begeben sie sich in unnötige Gefahr.

Betrachten Sie es als Übung und beobachten Sie nur für einen Abend die Notaufnahme eines Krankenhauses. Schauen Sie sich die Unglücklichen an, die für eine Behandlung dorthin kommen und Sie werden einen hervorragenden Einstieg in dieses Thema gewinnen. Ungefähr zwanzig Prozent der Patienten sind tatsächlich krank – die wollen wir hier nicht mitrechnen. Aber die restlichen achtzig Prozent sind in der Notaufnahme, weil sie unaufmerksam gegenüber ihrer Umwelt waren. Es sind Menschen, die von Laderampen gefallen sind oder aus drei Metern Höhe von der Leiter; Menschen, die in laufende Maschinen gegriffen haben, sich hinter einem wegfahrenden Fahrzeug befanden oder nicht mitbekommen haben, wie sich ein Angreifer an sie herangeschlichen hat, um sie mit einem Ziegelstein niederzuschlagen.

Natürlich können Sie für eine Zeit während ihrer Arbeit unaufmerksam sein, bis Sie eines Tages ihr Schicksal einholen wird und Sie sich verletzen werden. Das gleiche gilt auf der Straße. Sie können für eine Zeit unaufmerksam sein, bis ihr Weg sich eines Tages mit dem eines Kriminellen kreuzt. Die große Mehrheit der Verbrecher sind Opportunisten, die nur zuschlagen, wenn sich ihnen eine Gelegenheit bietet. Wenn Sie keine solche Gelegenheit bieten, minimieren Sie dadurch das Risiko, Opfer eines Angriffes zu werden!

Indem Sie lernen, Ihre Umgebung zu beobachten, indem Sie ständig auswerten was Sie sehen und entsprechend reagieren, können Sie ein hohes Maß an Kontrolle über Ihr Schicksal erreichen. Dies erfordert, dass Sie lernen, Ihre Aufmerksamkeit durch verschiedene Grade zu schalten, ähnlich wie das Getriebe eines Autos verschiedene Gänge besitzt und Sie so ihre Aufmerksamkeit an die aktuelle Situation anpassen. In einem Auto wählen Sie die verschiedenen Gänge in Bezug zur gewünschten Geschwindigkeit. Auf der Straße müssen Sie lernen, „die Gänge“ mental zu schalten, um dem Grad der Bedrohung begegnen zu können. Es gibt eine fließende Skala der Bereitschaft, die von einem Zustand der völligen Unaufmerksamkeit bis hin zum Zustand der sofortigen Bereitschaft reicht, selbst tödliche Gewalt anzuwenden, wenn Sie im Verteidigungsfall dazu gezwungen werden. Ein Überleben ist nicht möglich, wenn Sie an den jeweiligen Enden dieses Spektrums steckenbleiben.

Wenn Sie versuchen, am unteren Ende der Skala zu leben, werden Sie mit ziemlicher Sicherheit über kurz oder lang Opfer eines Unfalls oder eines kriminellen Angriffs. Hier ist es nur eine Frage des „wann“, nicht des „ob“. Auf der anderen Seite, ist es nicht angeraten, ständig eine Hand über der Pistole im Holster zu haben, bereit auf alles zu schießen, was sich bewegt! Sie müssen lernen, den Grad zwischen Deeskalation und Eskalation in Abhängigkeit zu Ihrer Umgebung zu steuern.

Dieser Text bietet Ihnen ein leicht zu erlernendes System, welches Ihnen hilft, durch die richtige Haltung, mit jedem Konflikt umzugehen, auf den Sie stoßen können.

 

Das System

Sollten Sie sich als ganz normale Person mit einem lebensbedrohlichen Angriff einer kriminellen Person konfrontiert sehen, werden Sie drei massiven Schwierigkeiten begegnen.

Diese sind:

  1. Die Gegenwart des Angreifers rechtzeitig wahrzunehmen,
  2. zu erkennen und zu akzeptieren, dass dieser Angreifer – genau dieser und genau jetzt – bereit ist, Sie zu verletzen oder sogar zu töten, aus Gründen, die Sie nicht verstehen, sofern Sie ihn nicht stoppen und
  3. ihre Hemmung zu überwinden, Gewalt (zur Not auch tödliche Gewalt) gegenüber Mitmenschen auszuüben.

Schauen wir uns jeden dieser Punkte der Reihe nach an:

Zuerst müssen Sie den Angreifer sehen und erkennen, dass es sich um eine Bedrohung handelt. Angreifer bestehen ebenfalls aus Fleisch und Knochen und sind nicht unsichtbar. Entgegen der öffentlichen Meinung, beamen sie sich nicht vom Mutterschiff herunter, greifen Sie an und verschwinden danach wieder. Sie gehen in der Regel direkt auf Sie zu, bleiben aber auf Grund des Nebels, in dem sich die meisten Menschen befinden, unbemerkt. Lernen Sie, den Nebel zu lichten, um die Warnsignale früher zu erkennen, so dass Sie vorbereitet sind.

Zweitens ist es sehr schwierig für einen normalen, rationalen, sozialisierten und zivilisierten Menschen, zu begreifen, dass sie dicht an dicht mit Menschen zusammenleben, die nicht normal, rational, sozialisiert  oder zivilisiert sind. Es gibt tatsächlich Menschen da draußen, denen Ihre Hoffnungen und Pläne für die Zukunft egal sind, denen das Schicksal Ihrer Familie egal ist, die sich nicht um den Schmerz und das Leiden kümmern, welches sie anrichten; Menschen, denen all das einfach egal ist. Diese Personen sind bereit, Sie für den Inhalt Ihrer Brieftasche zu töten, um sich von dem Geld den Tagesbedarf ihrer Drogen zu kaufen. Diese Personen werden Sie vergewaltigen, weil sie sich vielleicht machtlos und minderwertig fühlen, außer sie missbrauchen und entwürdigen jemanden anderen. Diese Personen töten auch einfach, um in ihrer „Gang“ einen höheren Status zu erlangen. Aber letztlich spielt das „warum“ keine Rolle. Eine typische Aussage eines Opfers ist: „Warum sollte mich jemand verletzen wollen?“.
Wen kümmert letztlich das „warum“?

Drittens ist es schwierig für jeden Menschen, auf die Mitte der Brust eines Angreifers zu zielen und den Abzug zu betätigen und zu wissen, dass Sie jetzt eine aufrecht stehende, lebende, atmende Person in einen horizontalen Haufen totes Fleisch verwandeln. Lassen Sie sich von niemandem einreden, dass dies einfach sein wird. Als Gesellschaft von Menschen wollen wir auch gar nicht, dass es einfach ist, oder? Das ist auch der Grund, weshalb legal bewaffnete Bürger Menschen nicht einfach wegen eines Streits oder eines Verkehrsunfalls erschießen. In der Tat geschehen Tötungen durch legal bewaffnete Bürger fast immer in tatsächlichen Notwehrsituationen, während fast ein Drittel der Schießereien, in denen die Polizei verwickelt ist, zumindest fraglich oder tatsächlich nicht angebracht ist. Tatsache ist, dass private Bürger zögern tatsächlich zu schießen, selbst dann, wenn es notwendig ist. Sie müssen lernen, dieses Hindernis zu überwinden, wenn Ihr Leben in Gefahr ist. Sie müssen erkennen, dass es Zeiten gibt, in denen tödliche Gewalt nicht nur entschuldbar, vertretbar oder akzeptabel ist, sondern tatsächlich notwendig.

Glücklicherweise gibt es ein System, welches Ihnen hilft, alle diese drei Probleme zu überwinden. Indem Sie lernen, dieses System zu nutzen, es üben und damit zu einem Teil Ihrer täglichen Routine machen, können Sie einen Angriff schon in seiner Entwicklung erkennen und sich somit geistig und körperlich darauf vorbereiten, sich zu verteidigen. Jeff Cooper, der bei ‚Gunsite‘ unterrichtete und später eine hervorragende Video-Präsentation aufgenommen hat, hat dieses System zuerst veröffentlicht und es „Farbcodes“ (Colorcodes) genannt. Ich hatte das große Glück, dieses System früh in meiner Karriere durch Jeff persönlich beigebracht zu bekommen und ich kann ohne Vorbehalt sagen, dass dieses System mein Leben mehrere Male gerettet hat. Es war nicht die Art der Waffe, die ich hatte, oder die  Munition, sondern die mentale Haltung. Ich bin so sicher, dass dies eine meiner wichtigsten Waffen in meinem Arsenal ist, so wichtig, dass ich es für meine Pflicht halte, mein Wissen mit Ihnen zu teilen.

Weiter oben habe ich bereits erwähnt, dass man lernen kann, seine Aufmerksamkeit durch eine Skala zu schalten, ähnlich wie das Schalten der Gänge in einem Auto. Diese Skala besteht aus vier mentalen Zuständen, denen Jeff Farbnamen gegeben hat. Diese Farben ermöglichen uns, das Konzept der grundlegenden mentalen Zustände zu verstehen. Sie müssen lernen, selbstständig zwischen diese mentalen Zustände zu wechseln, in Abstimmung zu den Umständen, während Sie durch ihr alltägliches Leben gehen.

 

Die Farbcodes

CooperColorCode

oblivious-ohne Wahrnehmung, aware-entspannte Aufmerksamkeit
alert-erhöhte Aufmerksamkeit mit Fokus, engaged-geistige Bereitschaft zu kämpfen

 

Condition White (Zustand weiß) – Weiß ist die niedrigste Stufe auf der Rolltreppe der mentalen Zustände. Im Zustand „weiß“ ist man nicht bewusst, nicht „wach“. Dieser Zustand kann als „Tagträumen“ beschrieben werden oder als „beschäftigt“ charakterisiert werden. Die Menschen im Zustand weiß neigen dazu, mit dem Kopf nach unten zu gehen, gerade so, als ob sie auf ihre eigenen Füße schauen würden. Sie bemerken die drohende Gefahr nicht, bis sie ihnen buchstäblich an die Kehle geht.

Beispiele für diese Geisteshaltung können Sie häufig sehen. Wann haben Sie das letzte Mal jemanden im Verkehr bemerkt, der einfach so die Spur gewechselt hat? Diese Menschen führen ihr Fahrzeug im Zustand „weiß“. Wenn ein Autofahrer einen Motorradfahrer überfährt und ihn tötet, was sind häufig die ersten Worte aus seinem Mund? „Ich habe ihn einfach nicht gesehen“. Und tatsächlich, dies ist nicht gelogen. Der Fahrer war so unaufmerksam und mit-sich-selbst-beschäftigt, dass er einen 90 Kilo Mann auf einer 200 Kilo schweren Maschine direkt vor sich nicht bemerkt hat. Wenn dieser gleiche Kerl ein Stopp-Schild übersieht, in Ihr Auto kracht und Ihr Kind tötet, wird er vermutlich sagen: „Ich habe das Schild nicht gesehen“.

Die gleichen Typen werden auch Opfer von Gewaltverbrechen, weil Kriminelle sich die Unaufmerksamen, die Selbstgefälligen, die Abgelenkten, die Beschäftigten als Ziele suchen. Warum? Weil der Kriminelle schnell bekommen will, was er will und auch schnell wieder weg will, ohne verletzt oder gefangen zu werden. Wer wäre das einfachste Opfer? Jemand im Zustand „weiß“!

Ich bin sicher, Sie kennen diese Karte, die Polizisten bei sich tragen von der sie einem Verdächtigen vor seiner Befragung die Rechte ablesen. Diese Art von Opfer tragen eine ähnliche Karte in ihrer Tasche. Wenn sie noch leben wenn die Polizei kommt, nehmen sie diese Karte aus der Tasche und lesen daraus folgendes vor: „Meine Güte, es ging alles so schnell. Er erschien direkt vor mir. Ich habe ihn gar nicht gesehen.“

Also, wann wäre es akzeptabel, im Zustand weiß zu sein? Wenn Sie in Ihrem eigenen Haus sind, die Türen verschlossen sind und Ihr Hund zu Ihren Füßen liegt. Dann können Sie Ihre Aufmerksamkeit herunterfahren, wenn Sie wollen, weil Sie genügend Schutz um sich herum haben und ausreichend Warnhinweise erhalten können, um aufzustehen, sich zusammenzureißen und den Kopf klar zu kriegen. Wenn Sie Ihr Haus verlassen, lassen Sie den Zustand weiß hinter sich. In dem Moment, in dem Sie Ihr Haus verlassen, gehen Sie in den nächsten Zustand, in den Zustand „gelb“.

 

Condition Yellow (Zustand gelb) – Dies ist ein entspannter Zustand der allgemeinen Wachheit, ohne spezifischen Schwerpunkt. Sie sind nicht auf der Suche nach irgendetwas oder jemanden im Besonderen; man hat einfach den Kopf oben und die Augen offen. Sie sind wachsam und aufmerksam für Ihre Umgebung. Sie sind schwer zu überraschen und von daher auch schwer zu verletzen. Sie erwarten nicht, heute angegriffen zu werden. Aber Sie wissen um die Möglichkeit.

Hier ist eine hervorragende Analogie. Sie befinden sich auf einem kleinen Marinepatrouillenboot in der Mitte des Mittelmeeres. Sie sind nicht im Krieg und erwarten nicht, angegriffen zu werden. Sie haben jedoch die Möglichkeit, weil sich 24 Stunden am Tag Ihr Radar kontinuierlich um 360-Grad dreht, auf der Suche nach potenziellen Problemen. Plötzlich gibt es einen Hinweis auf dem Radarschirm. An dem kleinen, grünlich-gelben Punkt auf dem Bildschirm kann man nicht ablesen, ob es sich um eine gute oder eine schlechte Sache handelt, so dass Sie einen Aufklärer losschicken, um nachzuschauen, was da los ist. Wenn es sich um ein Al Italia Flugzeug handelt, welches hundert Meilen vom Kurs abgekommen ist, wird der Pilot des Aufklärers ihm zuwinken. Wenn es sich ein feindliches bewaffnetes Boot handelt, wird er es abschießen. Er wird vorher nicht wissen, ob er winken oder schießen wird, zunächst beurteilt er den Hinweis als Bedrohung. Das ist genau der gleiche Prozess, den Sie durchlaufen. Wenn Sie das Haus verlassen, beobachten Sie Ihr „Radar“, während es die Gegend durchstreift, um Sie auf mögliche Gefahren aufmerksam zu machen. Wenn etwas ihre Aufmerksamkeit erregt, bewerten Sie es. Wenn es sich nicht um eine Bedrohung handelt, lassen sie es los. Wenn es eine Bedrohung ist, bereiten Sie sich geistig darauf vor, damit umzugehen.

Etwas oder Jemand in Ihrer unmittelbaren Nähe, das ungewöhnlich ist, fehl am Platz, oder nicht im Zusammenhang steht, muss als potentiell gefährlich angesehen werden, bis Sie eine Chance erhalten, es zu beurteilen. Jemand, der sich in Ihrer Nähe befindet, oder jemand, der eine Tätigkeit ausführt, die offensichtlich keinen legitimen Zweck hat, sollte sorgfältig geprüft werden. Wenn Ihr mentales Radar einen Hinweis erhält, wechseln Sie sofort in den nächsten Zustand auf der Skala, in den Zustand „orange“.


Condition Orange (Zustand orange)
– Dies ist ein Zustand erhöhter Aufmerksamkeit, mit einem bestimmten Schwerpunkt. Der Unterschied zwischen gelb und orange ist genau dieses eine spezifische Ziel für Ihre Aufmerksamkeit. Ihr Schwerpunkt ist die Person, die tut, was Ihre Aufmerksamkeit erregt hat. Es ist vielleicht nur die Tatsache, dass er mitten im August eine dicke Jacke anhat. Es könnte sein, dass diese Person an einer Säule vor der Parkgarage steht, statt in das Gebäude zu gehen, oder sich in ein Auto zu setzen und den Ort zu verlassen. Es könnte sein, dass Sie in fünf verschiedenen Läden waren und in jedem immer wieder den gleichen gesehen haben. Seine Handlungen haben verursacht, dass Sie ihn wahrgenommen haben, also müssen Sie ihn als mögliche Bedrohung einschätzen, wie der Kampfpilot der weiter oben einem Hinweis nachgegangen ist.

Wie kann man jemanden als eine Bedrohung einschätzen? Sie müssen die Gesamtheit all Ihrer Wahrnehmung berücksichtigen. Die Kleidung der Person, ihr Aussehen, ihr Verhalten, ihre Aktionen, alles, was er zu Ihnen sagt, alles das sind Wahrnehmungen.

Das wichtigste Stichwort ist die Körpersprache. Über 80 % der menschlichen Kommunikation geschieht durch Körpersprache. Angreifer zeigen subtile Aggression, die offensichtlich wird, wenn Sie lernen, auf sie zu achten.

Wenn Sie in den Zustand orange wechseln und Sie beginnen, Ihre Aufmerksamkeit auf diese eine Person zu richten, verlieren Sie dennoch nicht den allgemeinen Überblick. Sie wollen nicht blind für eventuelle Komplizen werden. Sie fangen an, diese Person zu beobachten und seine Absichten zu beurteilen, immer wieder auf der Suche nach neuen Hinweisen. In neun von zehn Fällen werden Sie nach ein paar Sekunden der Beobachtung in der Lage sein, einen harmlosen Grund für sein Verhalten zu erkennen und die Person dann aus Ihrer Aufmerksamkeit entlassen. Wenn Sie herausfinden, das er keine Bedrohung darstellt, entlassen Sie ihn aus Ihrer Aufmerksamkeit und deeskalieren Sie wieder auf gelb. Was aber ist im zehnten Fall? Er ist der Angreifer, der dich erwischt hätte, wenn du unaufmerksam gewesen wärest. Jetzt, da Sie ihn wahrgenommen haben, sind Sie weit weniger in Gefahr.

Wie Sie diese Faktoren im Einzelnen bewerten und Sie Dinge erkennen, die Sie mehr und mehr davon überzeugen, dass die Person tatsächlich böse Absichten hat, starten Sie das Spiel: „Was wäre, wenn ….“ im Kopf, um einen grundlegenden Plan zu entwickeln. Dies gibt uns einen kleinen Vorteil. Wenn die Person plötzlich angreift, müssen wir zumindest einen rudimentären Plan für den Umgang mit dieser Situation haben, so dass wir schnell genug reagieren können. Wenn Sie in Ihrem Inneren zu dem Schluss kommen: „Der Kerl sieht aus, als wenn er mich angreifen wollte – was habe ich für Möglichkeiten dagegen?“, beginnen Sie bereits mit der mentalen Vorbereitung, was entscheidend für den Ausgang in diesem Konflikt sein wird. Mit auch nur einem vorhandenen einfachen Plan, ist Ihre körperliche Reaktion sicherer und unmittelbarer, wenn der Angreifer seine Absichten in die Tat umsetzt. Wenn Sie nach Ihrer Beurteilung tatsächlich glauben, dass es sich um eine tatsächliche Bedrohung handelt, eskalieren Sie auf die höchste Stufe, in den Zustand „rot“ (Condition Red).


Condition Red (Zustand rot)
– Im Zustand „rot“ sind Sie bereit zu kämpfen! Sie können kämpfen, oder auch letztlich nicht kämpfen, aber Sie sind auf jeden Fall geistig bereit zu kämpfen. In vielen, vielleicht sogar den meisten Fällen, in denen Sie in den Zustand „rot“ wechseln, werden Sie tatsächlich physisch überhaupt nichts tun. Der gesamte Prozess der Eskalation von Gelb über Orange zu rot, führt danach gleich wieder nach unten auf der Skala in die Deeskalation, ohne jede tatsächliche körperliche Aktivität von Ihrer Seite. Der Schlüssel ist, dass Sie mental auf einen Konflikt vorbereitet waren und Sie physisch hätten handeln können, wenn es die Situation verlangt.

Wenn Sie in den Zustand „rot“ gewechselt haben, weil Sie glauben, dass tatsächlich eine Bedrohung vorliegt, warten Sie innerlich auf den Auslöser (Mental-Trigger), welcher aus einer bestimmten Abfolge, vorher festgelegter Handlungen von Seiten des Angreifers besteht und einer Reihe unmittelbarer, positiv-aggressiven und auch defensiven Reaktion von Ihrer Seite besteht. So erhalten sie den notwendigen Vorsprung, um in einer solchen Situation zu bestehen. Dadurch, dass Sie bereits vorher einen Plan und einen Entschluss gefasst haben, können Sie sich körperlich schnell genug bewegen, um mit dem Problem umzugehen. Ohne diese vorgefertigte Entscheidung würden Sie die wenige kostbare Zeit verschwenden, die Ihnen bleibt, zu entscheiden, was jetzt zu tun ist, nachdem der Angreifer seinen Angriff bereits gestartet hat.

Dieser Auslöser (Mental-Trigger) wird je nach den Umständen unterschiedlich sein. Es könnte zum Beispiel der Entschluss sein: „Wenn er (der Angreifer) seine Waffe in meine Richtung lenkt, werde ich auf ihn schießen“, es könnte der Auslöser sein: „Ich habe ihm (dem Angreifer) gesagt, er soll stoppen und wenn er sich noch einen Schritt weiter auf mich zubewegt, mit dem Messer (dem Schlagring / dem Schraubenzieher) in seiner Hand, werde ich auf ihn schießen“… Was auch immer die Faktoren sein werden, wenn dieser Auslöser einmal betätigt ist, führt dies zum sofortigen Handeln auf Ihrer Seite.

Ihr Hauptfeind ist die Reaktionszeit. Wenn Sie sich Ihrer Umgebung nicht bewusst sind und die verdächtigen Zeichen nicht vorher sehen, kann der Angreifer Sie überwältigen, bevor Sie eine effektive Verteidigung ausführen können. Auf der anderen Seite haben Sie vermutlich schon gewonnen, wenn Sie innerlich denken: „Vielleicht muss ich diesen Kerl verletzen, wenn er nicht klug wird“, weil Sie ein besseres Verständnis von dem haben, was vor sich geht, als der Angreifer. Der beste Kampf ist bereits vorbei, bevor der Verlierer völlig versteht, was gerade passiert ist. Wenn der Angreifer Sie im Zustand „weiß“ erwischt , werden Sie fünf bis sechs Sekunden brauchen, um zu erkennen, was passiert, bevor sich ihr Verstand einschaltet und Sie reagieren können. Sie haben einfach nicht so viel Zeit.

Es gibt ein paar Tricks, die Sie nutzen können, wenn Sie mit diesem Training beginnen. Erinnern Sie sich, dass eines der drei Probleme, die ich am Anfang erwähnt habe das „eigentliche tun“ ist; Gewalt anzuwenden (auch tödliche), wenn erforderlich. Jeden Morgen, wenn Sie Ihre Waffe einstecken, sagen Sie zu sich selbst: „Es kann sein, dass ich meine Waffe heute benutzen muss“. Dies festigt in Ihrem Unterbewussten (welches immerhin 90% ihres Lebens ausmacht) die Erkenntnis, dass es einen Grund gibt, weswegen Sie eine Waffe führen. Wir gebrauchen sie tatsächlich, um unser Leben zu retten! Wenn Sie dann auf eine potentielle Bedrohung reagieren und in den Zustand orange eskalieren, sagen Sie sich: „Es kann sein, das ich den Angreifer erschießen muss“. Glauben Sie mir, wenn Sie verinnerlicht haben, dass eine bestimmte Person eine tatsächliche Gefahr für Ihr Leben darstellt und dass Sie die Mittel haben ihn zu stoppen, wenn es sein muss, dann wird es einfacher sein, mental mit dieser Situation umzugehen.

 

Zusammenfassung

Lassen Sie uns abschließend noch durch ein Szenario gehen, um diese Prinzipien zu veranschaulichen. Angenommen, Sie arbeiten in einem Juweliergeschäft, eines mit diesen kleinen Schaufenstern in einem Einkaufszentrum in der Vorstadt. Alle anderen Mitarbeiter sind zum Mittagessen gegangen und Sie sind völlig alleine. In diesem Moment gibt es noch nicht einmal einen Kunden in dem Laden. In welchem mentalen Zustand befinden Sie sich? (Im Zustand „gelb“! Sie befinden sich nicht in Ihrem sicheren Haus, Sie befinden sich in der Welt da draußen). Also halten Sie Ihren Kopf oben, schauen gelegentlich durch die Glasschaufenster nach draußen und beobachten den Parkplatz. Da in diesem Moment sonst niemand im Laden ist, muss „das Problem“ von außen durch die Tür kommen. Sie möchten auf ein eventuelles Problem vorbereitet sein, bevor es geschieht und nicht erst, wenn es Ihnen am Tresen gegenüber steht.

Während Sie durch das Glas schauen, sehen Sie zwei Männer in einem alten Auto rückwärts vor Ihr Geschäft einparken und bemerken, dass diese beiden Männer identische Jogginganzüge tragen, auf die Tür zu Ihrem Laden zu gehen, eintreten und sich im Laden auseinander bewegen. Sofort wechseln Sie in den Zustand orange. Die Männer haben noch nichts Illegales gemacht  und sie waren nicht aggressiv, aber irgendwie sind sie sind fehl am Platz, fallen aus dem Rahmen, so dass Sie Ihren mentalen Zustand weiter eskalieren und beginnen zu denken: „Was sollte ich jetzt wirklich wissen? Das sieht wie ein beginnender Überfall aus. Vielleicht muss ich diese Jungs verletzen. Wenn es schlecht für mich läuft, kann ich mich hinter den Safe fallen lassen und kann von da aus in Richtung Wand schießen, ohne Gefahr zu laufen, unbeteiligte Personen auf dem Parkplatz in Gefahr zu bringen. Ich habe einen Plan“. Während Sie dies im Gedanken durchspielen, beobachten Sie weiter jede Bewegungen der Personen. Wenn sie das Geschäft wieder verlassen, deeskalieren Sie sofort wieder zu Gelb.

Wenn sie bleiben, werden sie wahrscheinlich auf einer Seite des Geschäftes zusammenkommen und kurz diskutieren, was sie gesehen haben. Sie werden dann zu Ihnen an die Ladentheke treten und versuchen Sie abzulenken (Kann ich den Ring da bitte einmal sehen?), dann ihre Waffen ziehen und den Überfall durchführen. Wenn Sie mit Hilfe des Systems von gelb zu orange gewechselt sind, während die Personen hereinkamen und zu rot wechseln, während die Personen auf Sie in Richtung Ladentheke gehen, dann sind Sie jetzt bereit. Weil Kriminelle geschickt im Lesen der Körpersprache ihrer Opfer sind (in ihrem Leben hängt ebenfalls viel von dieser Fähigkeit ab), werden sie erkennen, dass Sie bereit sind und vermutlich einfach das Geschäft verlassen. Etwa neun von zehn Angreifern werden an dieser Stelle den Ort des Geschehens verlassen, ohne eine Konfrontation zu beginnen. Wenn die Personen weggefahren sind, deeskalieren Sie aus rot über orange wieder zu gelb.

Was ist mit dem zehnten Angreifer? Vielleicht steht diese Person unter Drogen, ist betrunken, oder beides und versäumt es daher, Ihr Niveau der Bereitschaft zu erkennen. Diese Person könnte tatsächlich so dumm sein, den Überfall durchführen zu wollen. Laut FBI-Studien stehen tatsächlich 80% der Angreifer, gegen die Sie tatsächlich zu kämpfen haben, unter dem Einfluss von Drogen und/oder Alkohol. Wie lautet die gute Nachricht? Wenn diese Personen unter Drogen und/oder Alkohol stehen, sind ihre Reflexe, Reaktionszeit und Bewegungskoordination außerordentlich schlecht. Sie werden relativ leicht zu überwältigen sein, wenn Sie mental darauf vorbereitet sind und Ihre Hausaufgaben gemacht haben (Condition Red – Zustand rot).

Wenn die Personen herein kommen, Sie die Personen beobachten und auf orange wechseln, Sie auf rot wechseln, wenn die Personen sich Ihnen nähern und Sie deeskalieren, wenn die Personen das Geschäft wieder verlassen, dann sind Sie den ganzen Weg auf der Skala gegangen, ohne auch nur einmal nach Ihrer Waffe zu greifen. Und dies ist der übliche Ablauf. Der Punkt ist, Sie wären bereit gewesen, Ihre Waffe zu ziehen.

So gewinnen Sie Kämpfe! Indem Sie sich mental darauf vorbereiten, zu gewinnen.

 

“The first step in regaining control over your life is to recognize that YOU are responsible for your personal safety, not the police, nor the government, nor anybody else.” – Tom Givens

 

“Der erste Schritt, die Kontrolle über Ihr Leben zurückzugewinnen, ist zu erkennen, dass Sie selbst für Ihre persönliche Sicherheit verantwortlich sind; nicht die Polizei, nicht die Regierung oder sonst irgendjemand.” – Tom Givens

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