Monat: März 2016

Verborgene Herrschaft

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Es gibt 1000 und 1 Grund dafür, dass Freiheit etwas ganz natürliches ist. Alles, was die Freiheit einschränkt, ist hingegen nur ein Element, welches geschickt versucht, Menschen davon zu überzeugen, dass Freiheit eben nicht natürlich wäre. Allerhöchstens in geregelten Bahnen. Auf vorgeplanten und genau definierten Pfaden. Die Frage, welcher Grund dahintersteckt, was diese Elemente davon haben, lässt sich nur dahingehend beantworten, als dass es entweder die „reine Freude“ daran ist, Macht über andere Menschen auszuüben oder der Wunsch, einen unfairen Profit daraus zu schlagen. Sehr häufig sind diese Gründe auch miteinander verbunden. Damit dies nun „reibungslos“ funktioniert und die Herrschenden nicht ständig befürchten müssen, einen Kopf kürzer gemacht zu werden, weil es den Menschen nun einmal einfach nicht gefällt, wenn sich ständig einer erfrecht und ihnen die Freiheit nimmt, müssen sie es geschickt anstellen und ihre Herrschaft verbergen. Am besten ist sie dann verborgen, wenn die Menschen ihre Unfreiheit gar nicht mehr bemerken. Religionen zum Beispiel eignen sich hervorragend, um Aspekte von Herrschaft so in ihnen zu verbergen, dass Menschen folgsam sind. Das es Angst ist, was sie grundlegend „einen Herrscher“ – vielleicht nur den im Himmel bzw. seine allzu irdischen Botschafter – anerkennen lässt, ist den meisten gar nicht bewusst. Parallel dazu versaut einem so eine Religion auch noch die eigene Spiritualität. Ist doch häufig, nach langem Kampf der Befreiung von den die Freiheit raubenden Elementen innerhalb einer Religion, überhaupt kein Empfinden mehr von „eingebunden sein in ein größeres Gesamtgeschehen“ vorhanden. Verständlich vielleicht, weil doch erstmal jede auch noch so entfernte Idee an einen „Schöpfer“ oder einen „Sinn des Ganzen“ der verfluchten Religion viel zu nahe kommt. Ähnlich verhält es sich mit interdisziplinären Wissenschaften. Freiheit ist eben nicht nur in philosophischen Abhandlungen über den Libertarismus zu finden, sondern auch ganz grundlegend in der Psychologie (hier besonders die Aspekte, die benutzt werden, um geschickt Herrschaft zu erreichen und zu verbergen) und auf biologisch/struktureller Ebene. Die Freiheit der Menschen liegt sozusagen in seinen Genen. Wenn man es einmal schafft, die Spinnenweben beiseite zu wischen und ein wenig über den Tellerrand blickt, kann man sie tatsächlich überall entdecken. Der Mensch ist eben viel mehr, als die Summe seiner Teile…

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Die Schöpfung

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Yggdrasil

Yggdrasil – Der Weltenbaum

Es gibt Prinzip und Prozess. Und jeder Prozess folgt dem ihm zugrunde liegenden Prinzip.

„Eru war da, der Eine, der in Arda Ilúvatar heißt; und er schuf erstens die Ainur, die Heiligen, Sprößlinge seiner Gedanken; und sie waren bei ihm, bevor irgend andres erschaffen war. Und er sprach zu ihnen, sie Melodien lehrend, und sie sangen vor ihm, und er war froh. Lange aber sangen sie nur jeder für sich allein oder zu wenigen, während die andren lauschten, denn ein jeder verstand von Ilúvatars Gedanken nur jenen, aus dem er selber stammte, und nur langsam lernten sie auch ihre Brüder verstehen. Doch indem sie hörten, verstanden sie besser, und es wuchsen Einklang und Harmonie. Und es geschah, daß Ilúvatar die Ainur alle zusammenrief und sie eine gewaltige Melodie lehrte, die größere und herrlichere Dinge auftat, als er ihnen je gezeigt hatte; und der Glanz ihres Anfangs und die Pracht ihres Endes verwirrten die Ainur, so daß sie sich vor Ilúvatar verneigten und still waren. Da sagte Ilúvatar zu ihnen: »Aus dem Thema, das ich euch gewiesen, machet nun in Harmonie gemeinsam eine Große Musik. Und weil ich euch mit der unverlöschlichen Flamme angefacht habe, so zeiget eure Kräfte und führet mir dies Thema aus, ein jeder nach seiner Art und Kunst, wie’s ihm beliebt. Ich aber will sitzen und lauschen und froh sein, daß durch euch solche Schönheit zum Liede erwacht.« Da begannen die Stimmen der Ainur zu erschallen wie Harfen und Lauten, Flöten und Posaunen, Geigen und Orgeln, und sie machten aus Ilúvatars Thema eine große Musik; und ein Klang stieg auf von endlos ineinander spielenden Melodien, harmonisch verwoben, und verlor sich in die Höhen und Tiefen jenseits allen Gehörs, und die Räume, wo Ilúvatar wohnt, quollen über, und die Musik und ihr Echo hallten hinaus in die Leere, und sie war nicht mehr leer. Nie wieder haben seither die Ainur eine Musik gleich dieser gespielt, doch heißt es, eine noch schönere solle vor Ilúvatar nach dem Ende aller Tage erklingen, von den Chören der Ainur und der Kinder Ilúvatars. Dann werden die Themen Ilúvatars rechtens gespielt werden und das Sein erlangen in dem Augenblick, da sie erklingen, denn alle werden dann ganz verstanden haben, welches für ihr Teil Ilúvatars Absicht ist, und jeder wird wissen, was jeder weiß, und Ilúvatar wird ihren Gedanken das geheime Feuer geben, und er wird sein Wohlgefallen haben.

Jetzt aber saß Ilúvatar und lauschte, und lange schien es ihm, daß es gut sei, denn die Musik war ohne Fehl. Wie aber das Thema weiterging, kam es Melkor in den Sinn, Töne einzuflechten, die er selbst erdacht hatte und die nicht zu Ilúvatars Thema stimmten, denn er strebte nach mehr Glanz und Macht für die ihm zugewiesene Stimme. Melkor waren unter den Ainur die reichsten Gaben an Macht und Wissen verliehen, und an allen Gaben seiner Brüder hatte er teil. Oft war er allein in die Räume der Leere gegangen, um die Unverlöschliche Flamme zu suchen, denn heiß war sein Verlangen, Dinge in die Welt zu setzen, die sein eigen wären, und es schien ihm, daß Ilúvatar sich nicht um die Leere kümmerte; er aber war es nicht zufrieden, daß sie leer war. Doch er fand nicht das Feuer, denn es ist bei Ilúvatar. Als er aber allein war, hatte er begonnen, eigne Gedanken zu denken, andre als seine Brüder. Manche von diesen Gedanken flocht er nun in sein Lied, und Mißklang wuchs um ihn auf, und viele, die nahe bei ihm sangen, wurden unmutig; ihre Gedanken verwirrten sich, und ihr Gesang stockte; manche aber begannen sich auf ihn einzustimmen und von ihrem ersten Gedanken abzuweichen. Nun breitete sich Melkors Mißklang noch weiter aus, und die Melodien, die man zuvor gehört, scheiterten in einem Meer wirrer Töne. Ilúvatar aber saß und lauschte, bis daß es schien, ein Sturm dunkler Wasser tobe um seinen Thron, die in endlosem, unversöhnlichem Haß einander bekriegten. Da stand Ilúvatar auf, und die Ainur sahen, daß er lächelte. Und er hob die linke Hand, und ein neues Thema kam auf inmitten des Sturms, ähnlich dem ersten und doch anders, und es gewann Kraft und war von neuer Schönheit.

Doch die Mißtöne Melkors bäumten sich auf und widerstritten ihm, und abermals, heftiger als zuvor, führten die Töne Krieg, bis daß viele der Ainur sich fürchteten und nicht mehr sangen, und Melkor hatte die Oberhand. Abermals stand Ilúvatar auf, und die Ainur sahen, daß seine Miene streng war, und er hob die rechte Hand, und siehe, ein drittes Thema erwuchs aus der Wirrnis, und es war anders als die ersten. Denn zuerst schien es leis und sanft, nur ein Wellenspiel milder Laute in zarten Melodien, doch war es nicht zu übertönen und kam zu Kraft und Würde. Und so schien es nun, als ob zwei Lieder zu gleicher Zeit vor dem Thron Ilúvatars erklängen, und sie waren ganz Uneins. Das erste war tief und weit und schön, doch langsam und im Ton eines unermeßlichen Leides, aus dem seine Schönheit entsprang. Das andere hatte nun für sein Teil zu einer Einheit gefunden, doch war es schrill und leer und wiederholte sich endlos; und es hatte nicht viel Harmonie, sondern eine lärmende Einstimmigkeit, wie wenn viele Trompeten zwischen wenigen Tönen wechseln. Und es war bemüht, das andre Lied mit der Gewalt seiner Stimme zu ersticken, doch schien es, daß seine leuchtendsten Töne von dem andren Lied ergriffen und in dessen feierlicher Melodie mitgeführt wurden. Inmitten dieses Kampfes, der Ilúvatars Hallen erschütterte, so daß ein Beben in die Räume nie gebrochenen Schweigens hinauslief, stand Ilúvatar ein drittes Mal auf, und sein Antlitz war furchtbar zu schauen. Dann hob er beide Hände, und mit einem Akkord, der tiefer war als der Abgrund, höher als das Firmament und durchdringend wie das Licht aus dem Auge Ilúvatars, endete die Musik.

Da sprach Ilúvatar, und er sagte: »Mächtig sind die Ainur, und am mächtigsten unter ihnen Melkor; daß er’s aber wisse, er und alle Ainur, daß ich Ilúvatar bin, will ich euch jene Dinge zeigen, die ihr gesungen, und möget ihr sehen, was ihr getan. Und du, Melkor, sollst sehen, kein Thema kann gespielt werden, das nicht in mir seinen tiefsten Grund hätte, noch kann das Lied einer ändern, mir zum Trotz. Denn wer dies unternimmt, nur als mein Werkzeug wird er sich erweisen, um Herrlicheres zu schaffen, von dem er selbst nichts geahnt.«

Da fürchteten sich die Ainur, und sie verstanden noch nicht die Worte, die sie vernommen hatten; und Melkor war von Scham erfüllt, aus der geheimer Zorn wuchs. Ilúvatar aber erhob sich in Herrlichkeit, und er schritt fort von den lichten Gefilden, die er für die Ainur geschaffen hatte, und die Ainur folgten ihm. Als sie aber in die Leere gekommen waren, da sagte Ilúvatar zu ihnen: »Sehet, dies ist euer Lied!« Und er zeigte ihnen ein Gesicht und gab ihnen zu sehen, was sie zuvor nur gehört hatten; und sie sahen eine neue Welt, und sie wölbte sich in der Leere und wurde von der Leere getragen, doch war sie nicht gleich ihr. Und als sie sahen und staunten, da tat diese Welt ihre Geschichte vor ihnen auf, und sie schien zu leben und zu wachsen.

Und nachdem die Ainur eine Weile geschaut hatten und schwiegen, da sagte Ilúvatar abermals: »Sehet nun eure Musik! Dies ist euer Gesang, und ein jeder von euch soll hier eingeschlossen finden, in dem Plan, den ich euch vor Augen führe, wovon immer ihn dünken mag, er selbst habe es ersonnen oder hinzugetan. Und du, Melkor, wirst all die heimlichen Gedanken deines Geistes entdecken, und wirst erkennen, nur ein Teil des Ganzen sind sie und ihm Untertan


Aus dem Buch: „Das Silmarillion“ von J.R.R. Tolkien

Die Freistadt

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Das Institut Freiheitswelle erforscht die Möglichkeiten moderner freiheitlicher Gesellschaftskonzepte, die sich an tatsächlichen realen Begebenheiten orientieren und möchte Wege aufzeigen, diese Konzepte in die Realität zu überführen. Im Zuge dieser Bestrebungen stellen wir uns der Frage, wie eine freiheitliche Gesellschaft aus den Wurzeln heraus entstehen kann.

In libertären Kreisen wird häufig darüber philosophiert, welche Attribute ein freies Land besitzen sollte, doch ist die Realisation eines derartigen Projektes in der gegenwärtigen politischen Lage sehr unwahrscheinlich. Dies hieße, dass die Regierung eines beliebigen Landes eine Kehrtwende machen müsste und die Menschen von einem Tag auf den anderen in einem Freistaat leben würden. Völlig ungeachtet der Tatsache, dass viele Menschen in einem solchen Land gar nicht damit umgehen könnten, da sie plötzlich unter anderen Vorzeichen, nämlich denen der Freiheit leben würden. Sehr viele können sich darunter gar nichts vorstellen oder wären sogar, wegen gewisser Vorurteile, einfach dagegen. Über die Köpfe dieser Menschen hinweg würde eine Entscheidung gefällt werden, die viele nicht verstehen und deswegen auch nicht mittragen würden. Eine „Volksbefragung“ würde die Zerrissenheit innerhalb der Bevölkerung schnell deutlich machen. Selbst wenn es eine Mehrheit gäbe, die hinter dem Projekt eines freien Landes stünde, so würde die Umsetzung dennoch gegen den Willen eines großen Teils der im Land lebenden Menschen vollzogen werden müssen. Das bedeutet, dass auch ein gegen den Willen von vielen Menschen gegründeter freier Staat, im Kern den Zwang beinhalten würde, weil plötzlich alle Menschen in einem freien Land leben müssten; auch die, die es gar nicht wollen. Und wie wir wissen, ist die Aussage, das Land zu verlassen, wenn dir das Leben dort nicht gefällt, keine wirkliche Option. Zumindest dann nicht, wenn man das Land nicht freiwillig verlassen will. Freiheit, die den Menschen gegen ihren Willen verordnet werden würde, wäre keine Freiheit, sondern Zwang. Der geschilderte Vorgang wäre somit nicht organisch.

Stellen wir uns für einen Moment einmal vor, dass ein Blatt eines Baumes plötzlich beschließen würde, seine Form verändern zu wollen. Selbst wenn dieses Blatt auch andere Blätter des Baumes davon überzeugen könnte, dass seine Initiative Vorteile beinhalten würde und sich Nachahmer fänden, so würde doch aus den Wurzeln des Baumes eine Gegenkraft erfolgen, die das Blatt wieder zu seiner ursprünglichen Aufgabe, seiner angestammten Form, zurückführen wollte. Dieses Blatt würde sich in einem ständigen Kampf befinden, sein Vorhaben gegen den Willen des Baumes zu verwirklichen. Die Chancen, dass alle Blätter des Baumes sich verändern und ebenfalls die andere Form annehmen, sind sehr gering. Ein Baum verändert sich nicht, weil ein Blatt beschließt, den Baum zu ändern. Eher entscheidet sich der Baum, sich dieses opportunistischen und somit unliebsamen Blattes zu entledigen und es einfach abzuwerfen. Zusammen mit all den anderen Blättern, die vielleicht dem Beispiel des ersten Blattes gefolgt sind. Der Baum bestimmt, welche Form ein Blatt hat und nicht umgekehrt.

Natürlich ist die Geschichte dieses Blattes nur eine Metapher, doch zeigt sie auf, wie schwierig oder gar unmöglich es ist, eine bestehende Struktur verändern zu wollen, wenn man selbst ein Teil dieser Struktur ist. Auch eine große Gruppe gleichgesinnter Menschen wird innerhalb eines Staates nicht bewirken können, dass sich die grundlegende Ausrichtung eines Staates verändert.

Ein System besteht immer aus Verbänden von Einheiten. Dieses auch als „parts into wholes“ bezeichnete Prinzip, ist in jedem komplexen System zu finden. Einzelne Untereinheiten (Zellen) verbinden sich zu größeren Einheiten und werden zu Organen, die wiederum in ihrer Verbindung einen Organismus bilden. Jedes Teil ist auf der jeweiligen Ebene gleichzeitig ein Teil und ein Ganzes. Ein Gesamtsystem ist in seiner Funktion von der Einbindung seiner Teile abhängig. Einzelne, sich plötzlich anders verhaltene Untereinheiten, werden vom Gesamtorganismus als Bedrohung wahrgenommen und dementsprechend bekämpft und schließlich abgestoßen. Organische Veränderung findet nicht aus der Initiative rebellischer Untereinheiten statt. Die bestehende „Ordnung“ innerhalb eines Systems muss unter allen Umständen gewahrt bleiben. Die Konsistenz und Form eines Systems ist sozusagen selbstschützend. Interessant bei dieser Betrachtung ist die Tatsache, dass dieses Prinzip nichts über die Qualität des jeweiligen Systems aussagt. Nur das Überleben der jeweiligen Struktur ist wichtig. Sofern sich Strukturen innerhalb ihrer „Überlebensmechanismen“ bewegen, spielt Qualität eine untergeordnete Rolle.

Wenn wir nun die Entwicklung in Richtung Freiheit als Qualität definieren, so kann dies nur bedeuten, dass Untereinheiten, die aus freiheitlich ausgerichteten Teilen bestehen, sich zu freiheitlichen Organen verbinden und völlig unabhängig von bisherigen Systemen existieren müssen. Bestehende Systeme können in der bisherigen Betrachtungsweise nicht verändert werden. Die einzige Möglichkeit in diesem Kontext ist, neue Systeme zu bilden, die im Zuge der Evolution nun ihre höherwertige Qualität beweisen müssen. Über lange Zeit werden verschieden ausgerichtete Systeme in größeren Systemen in einer Art evolutionärer Konkurrenz stehen, bis die Zeit zeigen wird, welches System bessere Überlebenschancen aufweist. Anders gesprochen findet organische Entwicklung innerhalb unserer Betrachtungsweise immer aus dem Individuum heraus statt, welches sich mit anderen Individuen zu größeren organischen Verbindungen zusammenfindet, die mit anderen Systemen in Konkurrenz stehen werden. Als Individuum das Ganze verändern zu wollen wäre ein recht aussichtsloses Unterfangen. Viel realistischer wäre es, sich zu kleineren Untereinheiten zu verbinden, zu Gruppen oder besser „Gemeinschaften“, die dann beweisen müssen, dass sie für weitere Untereinheiten nicht nur in Hinblick auf ihre Qualität attraktiv sind, sondern auch das Überleben der jeweiligen Untereinheiten sichern können.

Natürlich wird es auch auf diese Gemeinschaften Angriffe der alten Systeme geben, sie wieder in bisherige Bahnen zu zwingen, doch steigen die Chancen auf Fortbestand in dem Maße, wie überlebensfähig und vor allem unabhängig sich die neuen Systeme über die Zeit beweisen. Wenn ich mich noch einmal der weiter oben geschilderten Metapher bediene, heißt dies: Wir müssen aus der Wurzel heraus neue Bäume gestalten, die in einem Wald anderer bisheriger Bäume beweisen müssen, dass sie nicht nur eine bessere Qualität aufweisen, sondern ihren Untereinheiten auch ein Überleben ermöglichen und somit in evolutionärer Sicht zeigen müssen, dass sie auch überlebensfähig sind. Dazu braucht es Autonomie. Das Überleben eines höherwertigen neuen Systems in Konkurrenz zu den bestehenden in qualitativer Hinsicht minderwertigen alten Systemen hängt also in ganz entscheidendem Maße von seiner Überlebensfähigkeit ab.

Der erste Schritt in Richtung einer freien Gemeinschaft ist also ihre Autonomie. Sie muss unter allen Umständen überlebensfähig sein. Sie muss sich weitestgehend von alten Systemen abkoppeln und unabhängig machen. Nur dann wird es möglich sein, auch andere Menschen gleicher Ausrichtung anzuziehen und somit Wachstum und Entwicklung zu erfahren. Wie auch auf zellularer Ebene muss eine Abgrenzung gegenüber schädlicher Elemente erfolgen. Sowie jedes Individuum eine Grenze besitzt, die das Individuum vom anderen abgrenzt und somit unterscheidbar macht (sonst gäbe es keine Individuen) braucht auch jede Gruppe eine Grenze, die ihre Ausrichtung definiert (sonst gäbe es keine Gruppe). Die Überlebensfähigkeit eines Individuums ist in hohen Maße von seiner Einbindung in eine Gruppe abhängig. Hier sei noch einmal daran erinnert, dass das Überleben einer Struktur innerhalb eines Verbundes im gewissen Sinne wichtiger ist, als die Qualität die dieser Verbund aufweist. Doch wenn das Überleben in konkurrierenden Systemen gleichermaßen gesichert ist, entscheidet die Qualität in evolutionärer Sicht, welches System über die Zeit größere Verbreitung finden wird. Einfacher Ausgedrückt, folgen die meisten Menschen alten Staatsstrukturen, weil ihnen vermittelt wird, dass in ihnen ihr Überleben gesichert wäre. Wie wir alle sehen, spielt hierbei die Qualität des Lebens kaum eine Rolle. Stattdessen sehnen sich die Menschen nach Strukturen, in denen sie Einbindung erfahren können, die sowohl für ihr Überleben sorgen, als auch eine gute Qualität besitzen. Sind beide Elemente zu finden, entscheidet sich jeder intelligente Organismus für die Anbindung an das qualitativ höherwertige System. Das System würde somit wachsen und dies ohne jeglichen Zwang, sozusagen aus sich selbst heraus, was Kennzeichen einer tatsächlich organischen Entwicklung wäre.

Wenn wir die bisherigen Ausführungen zusammenfassen, ergibt sich folgende Aussage:

Die Chance auf eine freiheitliche Gesellschaft ergibt sich aus einem in freiheitlichen Aspekten entwickelten Individuum im Verbund zu anderen ebenso entwickelten Individuen, die eine freiheitliche Gemeinschaft vom Menschen bilden. Diese Gemeinschaft muss nicht nur der Qualität eines freiheitlichen Lebens verbunden sein, sondern auch das Überleben der einzelnen Mitglieder gewährleisten. Sie muss größtmögliche Autonomie und somit Unabhängig von gegenwärtigen politischen Systemen anstreben und Geduld haben, dass organische Entwicklung und Wachstum nur durch Beispiel entstehen kann. Auch Freiheit darf niemandem aufgezwungen werden.

Wie groß derartige Gemeinschaften durch entwickelte freiheitliche Individuen sind, in Bezug auf die in ihr gelebte Qualität, ist letztlich zweitrangig. Entscheidend ist, dass nur größere Gemeinschaften das Überleben ihrer Mitglieder gewährleisten können. Umso größer die Gemeinschaft, umso größer die Möglichkeit, sich Autonomie zu erarbeiten und anderen an Freiheit interessierten Menschen ein attraktives Beispiel zu sein. Kleinere Gruppierungen können es relativ schnell schaffen, sich in einem der Gemeinschaft gehörenden Areal zusammenzufinden. Selbst die Idee einer virtuellen Stadt ist ein Schritt, eine derartige Gemeinschaft gleichgesinnter Menschen zu erschaffen. In einem nächsten Schritt ist es natürlich notwendig, auch in der Realität ein Haus oder ein Stück Land zu erwerben. Viele dieser Projekte gibt es bereits. Was meines Erachtens fehlt, ist die Verbindung dieser bislang einzelnen Projekte hin zu einem größeren Gefüge. Nur in Ausnahmefällen gelang es bisher, sich in größeren Verbänden zusammenzufügen. Meine Hoffnung ist, dass immer mehr Menschen das oben geschilderte Prinzip erkennen und daraus ein gemeinsames Ziel definieren. In weiteren Schritten wären dann einzelne freiheitliche Dörfer und sogar Städte vorstellbar.

Anhand des Beispiels einer freiheitlichen Stadt, die vielleicht zunächst klein ist, aber nach oben geschilderten Kriterien organisch wachsen könnte, wird schnell deutlich, dass wir durchaus Chancen haben – auf lange Sicht – auch eine freiheitliche Gesellschaft zu erschaffen, da mehr und mehr Menschen sich ganz natürlich der höherwertigen Qualität eines freiheitlichen Lebens zuwenden werden. Wichtig ist nur, dass jeder Einzelne in diesem Verbund die Sicherheit verspürt, die für sein Überleben notwendig ist. Dazu bedarf es auf jeder Entwicklungsstufe funktionierender Grenzen, die die Sicherheit der Bevölkerung gewährleisten. Wie an anderer Stelle hinreichend erklärt, dienen Grenzen in erster Linie der Sicherheit. Sie sichern das Überleben derjenigen, die sich innerhalb der Grenzen befinden. Sie sorgen auch für die Darstellung der jeweiligen Gruppierung, da sie sich nur innerhalb sicherer Grenzen entwickeln kann. Nur weil es eine Grenze gibt, ist zu erkennen, dass hier das eine endet und das andere beginnt. Es ist immer wieder erstaunlich, dass gerade Libertäre, die Individualität als eines ihrer wichtigsten Kriterien in Hinblick auf Freiheit betonen, diese Tatsache ignorieren. Das Überleben eines Individuums ist in hohem Maße von seiner Grenze abhängig. Keine Grenze – kein Individuum. Das Überleben eines Einzelnen ist in hohem Maße von seiner Einbindung in eine Gruppe oder Gemeinschaft abhängig und auch diese muss sich von Gegenkräften abgrenzen. Ohne Grenzen – keine Gemeinschaft – und keine Individuen. Gemeinschaften müssen sich, um ihre Qualität zu bewahren und das Überleben der einzelnen Mitglieder zu gewährleisten, zu größeren Verbänden zusammenschließen. Diese Verbände einzelner Gruppierungen müssen sich von Gegenkräften abgrenzen. Ohne Grenzen – keine Verbände – keine Gemeinschaften und keine Individuen. Schnell wird hier deutlich, welch zentrale Rolle eine Grenze im Zusammenhang zur Freiheit hat. Keineswegs ist eine Grenze ein Gefängnis oder gar als Ursache von Unfreiheit zu sehen, sondern ganz im Gegenteil gewährleistet erst eine Grenze das Überleben der Menschen. Jedes Dorf muss solange eine Grenze zu einem anderen Dorf bewahren, bis ein vollständiger organischer Zusammenschluss mit anderen Dörfern erfolgen kann. Dann übernimmt eine andere Grenze den Schutz dieses Verbundes von einzelnen Dörfern, bis daraus eine Stadt entstehen kann, weil mittlerweile so viele Menschen organisch in ihr ein Zuhause gefunden haben. Selbstverständlich muss diese Stadt eine Grenze besitzen über die sie sich definiert und präsentiert. Wenn dieses Beispiel Schule macht, werden mehr Städte folgen, bis eines Tages aus einem Zusammenschluss einzelner Städte ein ganzes Land entsteht, in dem freiheitliche Aspekte wertgeschätzt werden und welches die Sicherheit seiner Bewohner gewährleistet.

Im Grunde haben wir hiermit die Entwicklung über die Zeit beschrieben, die zu den heutigen Dörfern, Städten und schließlich sogar Ländern geführt haben. Das einzige Kriterium, welches bislang nicht die Beachtung gefunden hat, da ihr Stellenwert bislang nicht deutlich war, ist die Qualität. Die Qualität, die wir in diesem Text als Freiheit definiert haben. Da Menschen sich meist mehr Gedanken um ihr Überleben als um die Qualität ihres Lebens Gedanken machen, ist dies absolut nachvollziehbar. Wie wir wissen, ist auch auf zellularer Ebene die Qualität dem Überleben untergeordnet. Und dies ist die Basis auf der alles Leben ruht.

In einer freiheitlichen Gesellschaft muss der Qualität eine viel größere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Das „wie“ muss zumindest einen gleichwertigen Stellenwert haben, wie das „was“. Nur wenn beides – Qualität und Überleben – gleichwertig nebeneinander stehen, kann sich tatsächlich im Zuge der Evolution das Höherwertige verbreiten.

Die Qualität unseres Miteinander muss auf selber Stufe stehen, wie das Gewährleisten unseres Überlebens. Nur dann wird es zu freiheitlichen Gemeinschaften, zu freiheitlichen Dörfern und Städten kommen, bis eines Tages ein ganzes Land die Fahne der Freiheit aufziehen wird und signalisiert, dass sich hier die Grenze zu einem freiheitlichen Land befindet. Wenn du dich ebenfalls dieser Qualität der Freiheit anschließen magst, dann bist du herzlich willkommen und wir werden für deinen Schutz sorgen. Wenn du unsere Idee – die Idee der Freiheit – zerstören willst, wenn es sich dir nur darum dreht, zu nehmen und nicht zu geben, dann bist du hier nicht willkommen und wirst die Grenze nicht passieren können. Wir werden unsere Grenze mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen, weil wir dies den Menschen innerhalb unseres freiheitlichen Landes schuldig sind. Wir stehen für Qualität und für Überleben!