Monat: November 2016

Der lange Marsch des Islam durch die Institutionen

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„In einer säkularisierten Gesellschaft, in der Religion Privatsache ist, können Gefühle nicht geschützt werden,“ schrieb Henryk M. Broder vor gut zehn Jahren im „Tagesspiegel“, „dann hätten auch Atheisten, Agnostiker und Ungläubige das garantierte Recht, sich immerzu beleidigt, gekränkt, verletzt zu fühlen: zum Beispiel wenn irgendwo Minderjährige gehängt, untreue Ehefrauen gesteinigt und Homosexuelle ausgepeitscht werden – alles im Namen des Allmächtigen, gepriesen werde sein Name!“

Wie wahr: An sich ist schon jede Religion als solche eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes. Nur merken das viele nicht, weil dieser Mangelware ist. „Kein Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft“, hat Bertolt Brecht uns hinterlassen.

Besonders irre ist es, wenn der gesunde Menschenverstand völlig fehlt oder eine gänzlich andere Vorstellung von dem herrscht, was „gesund“ heißt. Nehmen wir nur mal diese Mohammed-Karikaturen. Da fühlten sich angeblich weltweit 1,3 Milliarden Muslime beleidigt. Kann man sich das vorstellen! Dänemark hatte am 1. Januar 2006 5.427.459 Einwohner. Außer denen spricht wohl niemand dänisch. Schon gar nicht die 29.417.599 Muslime in Saudi-Arabien und die 68.017.860 im Iran, von denen ein großer Prozentsatz Analphabeten ist und bis dato vermutlich nicht einmal Kenntnis von der Existenz eines Staats namens Dänemark hatte. Zwar wissen wir aufgeklärten Europäer seit Shakespeares Hamlet, dass etwas faul ist im Staate Dänemark (Something is rotten in the state of Denmark), aber wir wussten bisher nicht, was. Jetzt wissen wir’s. Dass 0,08 Prozent der Weltbevölkerung 20 Prozent derselben derart in Rage bringen können, ist und bleibt erstaunlich. Allahu akbar, nicht kleinkariert. Das ist schon richtig. Aber Allah hat sich ja auch nicht aufgeregt, sondern die Muslime.

Muslime haben ständig was zu jammern

Ey, Alter, das ist lange her, ruft jemand dazwischen, der aufgepasst hat. Stimmt. Oder auch nicht. Muslime haben ständig was zu jammern, beklagen sich andauernd über angebliche Diskriminierung und „Islamophobie“, sehen sich überall in der Opferrolle. Wie Lamya Kaddor in diesen Tagen, die Henryk M. Broder mitverantwortlich für Morddrohungen im Netz macht, die ihr derart zugesetzt hätten, dass sie um ihre Beurlaubung vom Schuldienst gebeten hat. In denselben Topf wirft sie auch Ralph Giordano, der bis zu seinem natürlichen Tod am 10. Dezember 2014 weit über 1.000 Morddrohungen erhalten hat. Und auch der unter Polizeischutz stehende Muslim Hamed Abdel-Samed trägt, laut Kaddor, eine Mitschuld an der islamkritischen „Stimmungsmache“, die das Leben für Muslime in Deutschland schwer, teilweise sogar unerträglich mache. Außer Henryk M. Broder auf der Achse hat auch Gerd Buurmann in einem offenen Brief dazu das Nötige gesagt, siehe auch hier, so dass ich mir weitere Ausführungen ersparen kann.

Ich bin nicht gläubig, aber das weiß kaum jemand, vor allem kein Muslim. Ich bin getauft und christlich erzogen und in den Augen der übrigen Welt deshalb Christ. Mich persönlich stört es zwar nicht, dass Muslime mich und meinesgleichen ständig als Ungläubige bezeichnen; denn ich bin es ja tatsächlich. Aber eine Frechheit ist es natürlich trotzdem. Dabei können wir noch froh sein, dass sie uns nicht als Söhne von Affen und Schweinen beschimpfen, was für jeden Muslim eine gängige Bezeichnung für Juden ist. Dafür muss ich aber mit anhören, dass die deutschen Mädchen und Frauen Huren seien, nur weil sie sich nicht verhüllen, sondern bauchfrei und im Minirock rumlaufen und nicht unberührt in die Ehe gehen. Und wenn man sieht, wie viele Muslime ihre eigenen Frauen behandeln, hält es einen kaum im Sessel. Bei uns bauen sie Moscheen (davon allein 51 mit dem Namen Fatih-Moschee, Eroberer-Moschee, nach Sultan Mehmet II, dem Eroberer des christlichen Konstantinopel am 29. Mai 1453), predigen Hass und Tod den Ungläubigen und führen bei jeder Gelegenheit die Menschenrechte ins Feld (nur die eigenen natürlich).

Wenn ich aber nach Saudi-Arabien einreisen wollte, dürfte ich noch nicht einmal eine Bibel im Handgepäck mitführen. Und der seinerzeitige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, durfte dort mitnichten seinen Wunsch verwirklichen, einen Gottesdienst zu halten, geschweige denn eine christliche Kirche zu bauen. So sieht die oft beschworene Toleranz der „Religion des Friedens“ aus. Man stelle sich einmal vor, wir würden eine Kirche in irgendeinem islamischen Land „Gottfried-von-Bouillon-Kirche“ nennen oder saudischen Muslimen das Mitbringen des Korans verbieten. Nicht auszudenken. Da würde Aiman Mazyek vor Wut und Empörung wahrscheinlich ein Stück aus seinem Gebetsteppich herausbeißen und sich anschließend von der Kanzlerin und dem Bundespräsidenten vor dem Brandenburger Tor zum Trost umarmen lassen. Und Claudia Roth und Katrin Göring-Eckardt würden anschließend zum x-ten Mal die Wiederkehr einer längst überwunden geglaubten Vergangenheit beschwören.

„Keine Lehren aus der Geschichte“

Vor rund zehn Jahren schrieb ich: „Mehrmals stand ‚der Islam‘ schon vor den Toren Europas und versuchte mit militärischen Mitteln, sich Zutritt zu verschafften. Jedes Mal wurde er zurückgeschlagen (wobei die Araber ‚al-Andalus‘, also die iberische Halbinsel, erst 1492 nach fast 800 Jahren verließen): Einmal 732 bei Tours und Poitiers durch Karl Martell, ein anderes Mal 1529, als Süleyman der Prächtige die Belagerung von Wien (wegen ausgebrochener Seuchen) abbrechen musste, und ein weiteres Mal 1683 wiederum vor Wien durch Ernst Rüdiger Graf von Starhemberg mit Unterstützung des ‚Christlichen Bündnisses‘, nachdem die Osmanen rund 100 Jahre zuvor in der Seeschlacht von Lepanto (1571) den Mythos der Unbesiegbarkeit gegen die „Heilige Liga“ eingebüßt hatten (Historiker mögen mir diese grob vereinfachte Darstellung nachsehen).

Richard Reifenscheid bewertet das so: „Das größte Verdienst der Habsburger … war es, das christliche Abendland vor der Überflutung durch den Islam und damit vor der Gewalt des Osmanischen Reiches bewahrt zu haben. … Die weltgeschichtliche Bedeutung dieses Vorgangs vermag vielleicht erst unsere Zeit richtig zu erkennen, nachdem vieles von diesem Erbe in unserem Jahrhundert verspielt wurde.“ Doch wie sagte schon der arabische Schriftsteller und Historiker Mas’udi (gestorben 956 oder 957): ‚Aus der Geschichte können wir lernen, dass noch nie aus der Geschichte gelernt wurde.“

Denn eine weitere Offensive erleben wir gegenwärtig. Aber dieses Mal sind die Muslime klüger: Sie verzichten auf Waffen und versuchen es mit Hilfe des „langen Marsches durch die Institutionen“. So hat z.B. Mehmet Sabri Erbakan, der Vorsitzende von Milli Görüs, am 15. April 2001 erklärt: ‚Die Europäer glauben, dass die Muslime nur zum Geldverdienen nach Europa gekommen sind. Aber Allah hat einen anderen Plan.“ („Muslim-Test“ Seite 160 folgende)

Diese Einschätzung hat sich seither mehr und mehr als zutreffend erwiesen. Doch nach wie vor stoßen Menschen, die vor der Islamisierung Deutschlands und Europas warnen, bei Angela Merkel and friends auf taube Ohren, und werden mit Antworten abgespeist, die geradezu lächerlich wirken, auch wenn ein Blatt wie „Focus“ sie „großartig“ findet (siehe auch hier). Jetzt hat auch der Muslim Bassam Tibi in der Basler Zeitung seine Sorge um „Die verdeckte Islamisierung Europas“ zum Ausdruck gebracht . Mal sehen, ob und wie die Kanzlerin darauf reagiert. Irgendjemand sollte sie mal an diesen Satz von Jean-Paul Sartre erinnern: „Wenn ihr eure Augen nicht gebraucht, um zu sehen, werdet ihr sie brauchen, um zu weinen.“

Geistig noch immer im Mittelalter

Also, um es klar zu sagen: Ich fühle mich ständig durch die Borniertheit und Verbissenheit muslimischer Fundamentalisten und Fanatiker beleidigt und trage mich ernst­haft mit dem Gedanken, dem nächsten, der mir blöd kommt, zu sagen, dass er  … Doch was soll’s? Im Grunde können einem die armen Kerle (bald hätte ich Schweine gesagt! Ausgerechnet.), die geistig noch immer im Mittelalter verweilen, leidtun; von den Frauen ganz zu schweigen.

Deshalb würge ich meinen Ärger runter und denke an einen weisen Spruch meiner Mutter: Erwarte nicht von einem Ochsen, dass er dir Milch gibt (oder von einem Hahn, dass er Eier legt).

Eine kleine Gemeinheit habe ich mir aber kürzlich doch gegönnt: Ich habe eine meiner Koran-Ausgaben an einer beliebigen Stelle aufgeschlagen (Istikhara nennt man das, fromme Muslime machen das – jedenfalls laut Nahed Selim –, wenn sie der Zweifel gepackt hat und sie sich nicht entscheiden können) und einen auf Einstein gemacht. Das fand ich besonders pikant, zumal Einstein Jude war. Und als ich näher hinschaute, hatten einige Spritzer meines Speichels – völlig unbeabsichtigt natürlich – Sure 15, 21 getroffen: „Und es gibt kein Ding, von dem Wir nicht Schätze hätten; aber Wir senden es nur nach bestimmtem Maß hinab.“ Dabei kann es sich nur um den gesunden Menschenverstand gehandelt haben. Zwar hat Ludwig Wittgenstein richtig erkannt: „Seltsamer Zufall: Bei allen Menschen, denen man nach dem Tode den Schädel geöffnet hat, hat man ein Hirn gefunden.“ Aber das ist eben nur die Form. Auf den Inhalt kommt es an.

Rainer Grell

Der Artikel erschien zuerst auf der Seite achgut.com

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Quo vadis, Amerika?

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In weniger als 24 Stunden werden wir wissen, wer der neue Präsident (oder die neue Präsidentin) der Vereinigten Staaten sein wird. Der Wahlkampf ist dann vorbei, doch besser oder auch nur ruhiger wird es danach nicht werden. Ganz im Gegenteil.

Die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Das gängige Narrativ berichtet dabei von einer abgehängten, weißen Mittelschicht, die bei der Globalisierung auf der Strecke geblieben und auch ansonsten irgendwie rückständig ist. Mit Waffen und einem ausgeprägten Hang zu Freiheit und/oder Religion – Dinge jedenfalls, mit denen gerade in Deutschland viele so rein gar nichts anfangen können.

In der Tat haben wir es zumindest zum Teil mit einem gesellschaftlichen respektive kulturellen Phänomen zu tun, das sich jedoch ebenso in ganz realen, wirtschaftlichen wie politischen Erscheinungen manifestiert. Man muss weit in die Vergangenheit zurückschauen, um zu verstehen, was hier wirklich passiert.

Amerika ist entstanden als „the land of the free“. Unabhängigkeitserklärung und Verfassung zeigen den Geist und das Selbstverständnis der Republik. Der Staat spielte in den USA der Gründerväter eine klar begrenzte Rolle und wurde als notwendiges Übel erachtet, das es im Zaum zu halten gilt. Der Einzelne und seine Freiheit standen klar im Mittelpunkt des gesamten gesellschaftlichen und politischen Denken und Handelns. Außenpolitische Ambitionen und staatliche Interventionen in die Wirtschaft, kurz: alle Ausprägungen eines „starken Staates“, waren den USA über lange Zeit völlig fremd.

Spätestens am Anfang des 20. Jahrhunderts haben die USA diesen Weg verlassen, vielmehr: die amerikanische Politik hat diesen Weg verlassen. Dabei entstanden ist ein amerikanischer Sonderweg, der die USA in eine prekäre und schier ausweglose Situation gebracht hat:

Die USA haben es geschafft, den US-Dollar als Weltwährung durchzudrücken. Wer Öl kaufen oder verkaufen will, muss dies in Dollar tun. (Was passiert, wenn man diesen Mechanismus aufzubrechen versucht, haben Saddam Hussein und Gaddafi zu spüren bekommen.) Dadurch können die Vereinigten Staaten Geld drucken, ohne dass dies im Inland zu einem galoppierenden Anstieg der Preise führen würde. Nur dadurch sind die USA in der Lage, auf Dauer ein massives Außenhandelsdefizit aufrecht zu erhalten. Nota bene: Dazu braucht es allerdings einen Gegenpart im Ausland, der dieses Spiel mitspielt. Und dieser Jemand war über die letzten 20 bis 30 Jahre China: Das Land hat bewusst und sehenden Auges fast spiegelbildlich entsprechende Außenhandelsüberschüsse erzielt. Zum Teil wurden diese dann in reale Güter wie Rohstoffe und ausländische Unternehmen investiert, zum großen Teil aber eben auch in US-amerikanische Staatsanleihen. Das Problem dabei: Diese Anleihen werden die USA niemals zurückzahlen können. Den Chinesen dürfte dies bewusst sein. Bestenfalls werden sie diese dann abschreiben als Preis für den Aufbau der industriellen Infrastruktur im eigenen Land. Schlimmstenfalls werden sie die Schulden der Amerikaner als Waffe einsetzen.

Zentrales Puzzlestück neben dem US-Dollar ist die Rolle des amerikanischen Militärs respektive der amerikanischen Außenpolitik. Was hat die USA zum „Weltpolizisten“ werden lassen? Ich behaupte: Das war ganz überwiegend ein ökonomischer Prozess. Der militärisch-industrielle Komplex ist für Amerika vor allem ein riesengroßes Konjunktur- bzw. Arbeitsbeschaffungsprogramm. Durch die Great Depression, aber auch durch die beiden Weltkriege hat die amerikanische Politik „Blut geleckt“: Sowohl das Militär selbst als auch die Rüstungsunternehmen sind gerade für Amerika der „ideale“ Mechanismus für staatliche Interventionen in die Wirtschaft und zwar aus einem besonderen, sehr amerikanischen Grund: Während in Europa vergleichsweise leicht Mehrheiten für „linke Konjunkturprogramme“ zu gewinnen sind, sind große Teile der amerikanischen Bevölkerung gegenüber dem „welfare state“ sehr skeptisch. Just in diesen Kreisen jedoch hat der „warfare state“ viel Sympathie -aus ideologischen wie ökonomischen Gründen.

Und hier schließt sich der Kreis nun wieder: Die amerikanische Politik braucht das Militär und eine interventionistische Außenpolitik als Vehikel für staatliche Wirtschaftsprogramme – und zwar nicht im Interesse der Menschen, sondern im Interesse einer Ausweitung und Stabilisierung ihrer Macht. Gleichzeitig dient das Militär dazu, den Status des US-Dollar als Weltwährung aufrecht zu erhalten und mögliche „Abweichler“ in Schach zu halten oder im Zweifel zu eliminieren. Öl spielt dabei nur eine Nebenrolle: Es geht nicht um den Zugang zum Öl vor allem im arabischen Raum, es geht auch nicht um einen niedrigen Ölpreis. Es geht darum, dass Öl weiter in US-Dollar gehandelt wird und damit die Nachfrage nach diesem wichtigsten amerikanischen „Export-Produkt“ nicht einbricht.

Dummerweise erzeugt dieses perverse Spiel eine ganze Reihe schwerwiegender Nebenwirkungen: Die US-Wirtschaft wird komplett verzerrt, ihr produktiver Kern mehr und mehr ausgehöhlt. Mehr und mehr Menschen sind in eigentlich unproduktiven Bereichen tätig – von der Waffenproduktion, über das Militär bis hin zur politischen Administration. Die lockere Geldpolitik verführt dazu, „auf Pump“ zu leben und zerstört Sparsamkeit und Investitionen, treibt gleichzeitig den Konsum und damit das Außenhandelsdefizit und die gesamte Verschuldung immer weiter in die Höhe.

Aufgrund des grotesken Ausmaßes ökonomischer Fehlallokationen wird jeder Versuch einer Korrektur zeitaufwändig und äußerst schmerzhaft sein. Die Widerstände der Profiteure dieses Systems werden enorm sein. Gleichzeitig ist klar, dass der Status Quo nicht beliebig lange aufrechterhalten werden kann. Die Entwicklung der Verschuldung und der Druck auf die Zinsen zeigen, dass das „Ende der Fahnenstange“ nicht mehr weit entfernt ist.

Wie ist nun die aktuelle Präsidentschaftswahl in diesen Kontext einzuordnen? Fangen wir mit Hillary Clinton an, dies ist der einfachere Teil: Clinton steht für ein entschiedenes „Weiter so“, für eine Fortführung des Warfare State. Wie bei den Demokraten und so zuletzt auch unter Obama üblich, wird sie versuchen, on top (!) auch den Welfare State und allgemein das Ausmaß staatlicher Intervention in den USA auszubauen. Es kann gut sein, dass es mit einer Präsidentin Clinton kurzfristig nicht „knallt“ – der „Druck im Kessel“ wird aber weiter ansteigen. Und mit jedem weiteren Anstieg steigt das Risiko, weil die politische Klasse zu immer extremeren Maßnahmen greifen muss, um den Status Quo aufrechtzuerhalten. Das schließt m.E. auch ausdrücklich ein erhöhtes Risiko eines eskalierenden Krieges, bis hin zu einem Krieg mit Russland und im Worst Case einem Dritten Weltkrieg, mit ein. Zumindest steht gerade bei einem knappen Wahlausgang zugunsten Clintons zu befürchten, dass die „Trump-Anhänger“ das Ergebnis nicht akzeptieren werden. Wie auch immer die Reaktion aussehen wird, ich erwarte von Clinton in einem solchen Fall kein versöhnliches, sondern eher ein repressives Vorgehen. Themen und Anlässe für eine (provozierte) innenpolitische Eskalation gibt es zuhauf, man denke nur an das Thema Waffenrecht.

Sollte Trump hingegen die Wahl gewinnen, ist die weitere Entwicklung weit schwerer vorhersehbar. Es kann durchaus zu einer wirren Mischung aus „Weiter so“ sowie sinnvollen, aber auch schädlichen Veränderungen kommen. Denn das ist das größte Problem des Kandidaten Trump: Er erkennt einen Teil der Probleme des Landes, aber kaum die wahren Wurzeln des Übels. Soweit er sich mit einer Kurskorrektur gegen das politische Establishment durchsetzen kann, ist völlig offen, ob dies eine Korrektur zum Besseren sein wird. Trotz aller Aufregungen im Vorfeld erwarte ich im Falle eines Wahlsiegs von Trump keine wie auch immer geartete dramatische Entwicklung. Eines nämlich hat die mediale Dämonisierung Trumps sicherlich bewirkt: Viele rechnen mit dem Schlimmsten – und insofern kann es da nur besser kommen.

So oder so gibt es nach der Wahl bestenfalls eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlichen, dramatischen Entwicklungen in den USA stehen noch bevor.

Moritz M.Meier