Gedankensplitter

Der lange Marsch des Islam durch die Institutionen

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„In einer säkularisierten Gesellschaft, in der Religion Privatsache ist, können Gefühle nicht geschützt werden,“ schrieb Henryk M. Broder vor gut zehn Jahren im „Tagesspiegel“, „dann hätten auch Atheisten, Agnostiker und Ungläubige das garantierte Recht, sich immerzu beleidigt, gekränkt, verletzt zu fühlen: zum Beispiel wenn irgendwo Minderjährige gehängt, untreue Ehefrauen gesteinigt und Homosexuelle ausgepeitscht werden – alles im Namen des Allmächtigen, gepriesen werde sein Name!“

Wie wahr: An sich ist schon jede Religion als solche eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes. Nur merken das viele nicht, weil dieser Mangelware ist. „Kein Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft“, hat Bertolt Brecht uns hinterlassen.

Besonders irre ist es, wenn der gesunde Menschenverstand völlig fehlt oder eine gänzlich andere Vorstellung von dem herrscht, was „gesund“ heißt. Nehmen wir nur mal diese Mohammed-Karikaturen. Da fühlten sich angeblich weltweit 1,3 Milliarden Muslime beleidigt. Kann man sich das vorstellen! Dänemark hatte am 1. Januar 2006 5.427.459 Einwohner. Außer denen spricht wohl niemand dänisch. Schon gar nicht die 29.417.599 Muslime in Saudi-Arabien und die 68.017.860 im Iran, von denen ein großer Prozentsatz Analphabeten ist und bis dato vermutlich nicht einmal Kenntnis von der Existenz eines Staats namens Dänemark hatte. Zwar wissen wir aufgeklärten Europäer seit Shakespeares Hamlet, dass etwas faul ist im Staate Dänemark (Something is rotten in the state of Denmark), aber wir wussten bisher nicht, was. Jetzt wissen wir’s. Dass 0,08 Prozent der Weltbevölkerung 20 Prozent derselben derart in Rage bringen können, ist und bleibt erstaunlich. Allahu akbar, nicht kleinkariert. Das ist schon richtig. Aber Allah hat sich ja auch nicht aufgeregt, sondern die Muslime.

Muslime haben ständig was zu jammern

Ey, Alter, das ist lange her, ruft jemand dazwischen, der aufgepasst hat. Stimmt. Oder auch nicht. Muslime haben ständig was zu jammern, beklagen sich andauernd über angebliche Diskriminierung und „Islamophobie“, sehen sich überall in der Opferrolle. Wie Lamya Kaddor in diesen Tagen, die Henryk M. Broder mitverantwortlich für Morddrohungen im Netz macht, die ihr derart zugesetzt hätten, dass sie um ihre Beurlaubung vom Schuldienst gebeten hat. In denselben Topf wirft sie auch Ralph Giordano, der bis zu seinem natürlichen Tod am 10. Dezember 2014 weit über 1.000 Morddrohungen erhalten hat. Und auch der unter Polizeischutz stehende Muslim Hamed Abdel-Samed trägt, laut Kaddor, eine Mitschuld an der islamkritischen „Stimmungsmache“, die das Leben für Muslime in Deutschland schwer, teilweise sogar unerträglich mache. Außer Henryk M. Broder auf der Achse hat auch Gerd Buurmann in einem offenen Brief dazu das Nötige gesagt, siehe auch hier, so dass ich mir weitere Ausführungen ersparen kann.

Ich bin nicht gläubig, aber das weiß kaum jemand, vor allem kein Muslim. Ich bin getauft und christlich erzogen und in den Augen der übrigen Welt deshalb Christ. Mich persönlich stört es zwar nicht, dass Muslime mich und meinesgleichen ständig als Ungläubige bezeichnen; denn ich bin es ja tatsächlich. Aber eine Frechheit ist es natürlich trotzdem. Dabei können wir noch froh sein, dass sie uns nicht als Söhne von Affen und Schweinen beschimpfen, was für jeden Muslim eine gängige Bezeichnung für Juden ist. Dafür muss ich aber mit anhören, dass die deutschen Mädchen und Frauen Huren seien, nur weil sie sich nicht verhüllen, sondern bauchfrei und im Minirock rumlaufen und nicht unberührt in die Ehe gehen. Und wenn man sieht, wie viele Muslime ihre eigenen Frauen behandeln, hält es einen kaum im Sessel. Bei uns bauen sie Moscheen (davon allein 51 mit dem Namen Fatih-Moschee, Eroberer-Moschee, nach Sultan Mehmet II, dem Eroberer des christlichen Konstantinopel am 29. Mai 1453), predigen Hass und Tod den Ungläubigen und führen bei jeder Gelegenheit die Menschenrechte ins Feld (nur die eigenen natürlich).

Wenn ich aber nach Saudi-Arabien einreisen wollte, dürfte ich noch nicht einmal eine Bibel im Handgepäck mitführen. Und der seinerzeitige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, durfte dort mitnichten seinen Wunsch verwirklichen, einen Gottesdienst zu halten, geschweige denn eine christliche Kirche zu bauen. So sieht die oft beschworene Toleranz der „Religion des Friedens“ aus. Man stelle sich einmal vor, wir würden eine Kirche in irgendeinem islamischen Land „Gottfried-von-Bouillon-Kirche“ nennen oder saudischen Muslimen das Mitbringen des Korans verbieten. Nicht auszudenken. Da würde Aiman Mazyek vor Wut und Empörung wahrscheinlich ein Stück aus seinem Gebetsteppich herausbeißen und sich anschließend von der Kanzlerin und dem Bundespräsidenten vor dem Brandenburger Tor zum Trost umarmen lassen. Und Claudia Roth und Katrin Göring-Eckardt würden anschließend zum x-ten Mal die Wiederkehr einer längst überwunden geglaubten Vergangenheit beschwören.

„Keine Lehren aus der Geschichte“

Vor rund zehn Jahren schrieb ich: „Mehrmals stand ‚der Islam‘ schon vor den Toren Europas und versuchte mit militärischen Mitteln, sich Zutritt zu verschafften. Jedes Mal wurde er zurückgeschlagen (wobei die Araber ‚al-Andalus‘, also die iberische Halbinsel, erst 1492 nach fast 800 Jahren verließen): Einmal 732 bei Tours und Poitiers durch Karl Martell, ein anderes Mal 1529, als Süleyman der Prächtige die Belagerung von Wien (wegen ausgebrochener Seuchen) abbrechen musste, und ein weiteres Mal 1683 wiederum vor Wien durch Ernst Rüdiger Graf von Starhemberg mit Unterstützung des ‚Christlichen Bündnisses‘, nachdem die Osmanen rund 100 Jahre zuvor in der Seeschlacht von Lepanto (1571) den Mythos der Unbesiegbarkeit gegen die „Heilige Liga“ eingebüßt hatten (Historiker mögen mir diese grob vereinfachte Darstellung nachsehen).

Richard Reifenscheid bewertet das so: „Das größte Verdienst der Habsburger … war es, das christliche Abendland vor der Überflutung durch den Islam und damit vor der Gewalt des Osmanischen Reiches bewahrt zu haben. … Die weltgeschichtliche Bedeutung dieses Vorgangs vermag vielleicht erst unsere Zeit richtig zu erkennen, nachdem vieles von diesem Erbe in unserem Jahrhundert verspielt wurde.“ Doch wie sagte schon der arabische Schriftsteller und Historiker Mas’udi (gestorben 956 oder 957): ‚Aus der Geschichte können wir lernen, dass noch nie aus der Geschichte gelernt wurde.“

Denn eine weitere Offensive erleben wir gegenwärtig. Aber dieses Mal sind die Muslime klüger: Sie verzichten auf Waffen und versuchen es mit Hilfe des „langen Marsches durch die Institutionen“. So hat z.B. Mehmet Sabri Erbakan, der Vorsitzende von Milli Görüs, am 15. April 2001 erklärt: ‚Die Europäer glauben, dass die Muslime nur zum Geldverdienen nach Europa gekommen sind. Aber Allah hat einen anderen Plan.“ („Muslim-Test“ Seite 160 folgende)

Diese Einschätzung hat sich seither mehr und mehr als zutreffend erwiesen. Doch nach wie vor stoßen Menschen, die vor der Islamisierung Deutschlands und Europas warnen, bei Angela Merkel and friends auf taube Ohren, und werden mit Antworten abgespeist, die geradezu lächerlich wirken, auch wenn ein Blatt wie „Focus“ sie „großartig“ findet (siehe auch hier). Jetzt hat auch der Muslim Bassam Tibi in der Basler Zeitung seine Sorge um „Die verdeckte Islamisierung Europas“ zum Ausdruck gebracht . Mal sehen, ob und wie die Kanzlerin darauf reagiert. Irgendjemand sollte sie mal an diesen Satz von Jean-Paul Sartre erinnern: „Wenn ihr eure Augen nicht gebraucht, um zu sehen, werdet ihr sie brauchen, um zu weinen.“

Geistig noch immer im Mittelalter

Also, um es klar zu sagen: Ich fühle mich ständig durch die Borniertheit und Verbissenheit muslimischer Fundamentalisten und Fanatiker beleidigt und trage mich ernst­haft mit dem Gedanken, dem nächsten, der mir blöd kommt, zu sagen, dass er  … Doch was soll’s? Im Grunde können einem die armen Kerle (bald hätte ich Schweine gesagt! Ausgerechnet.), die geistig noch immer im Mittelalter verweilen, leidtun; von den Frauen ganz zu schweigen.

Deshalb würge ich meinen Ärger runter und denke an einen weisen Spruch meiner Mutter: Erwarte nicht von einem Ochsen, dass er dir Milch gibt (oder von einem Hahn, dass er Eier legt).

Eine kleine Gemeinheit habe ich mir aber kürzlich doch gegönnt: Ich habe eine meiner Koran-Ausgaben an einer beliebigen Stelle aufgeschlagen (Istikhara nennt man das, fromme Muslime machen das – jedenfalls laut Nahed Selim –, wenn sie der Zweifel gepackt hat und sie sich nicht entscheiden können) und einen auf Einstein gemacht. Das fand ich besonders pikant, zumal Einstein Jude war. Und als ich näher hinschaute, hatten einige Spritzer meines Speichels – völlig unbeabsichtigt natürlich – Sure 15, 21 getroffen: „Und es gibt kein Ding, von dem Wir nicht Schätze hätten; aber Wir senden es nur nach bestimmtem Maß hinab.“ Dabei kann es sich nur um den gesunden Menschenverstand gehandelt haben. Zwar hat Ludwig Wittgenstein richtig erkannt: „Seltsamer Zufall: Bei allen Menschen, denen man nach dem Tode den Schädel geöffnet hat, hat man ein Hirn gefunden.“ Aber das ist eben nur die Form. Auf den Inhalt kommt es an.

Rainer Grell

Der Artikel erschien zuerst auf der Seite achgut.com

Quo vadis, Amerika?

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In weniger als 24 Stunden werden wir wissen, wer der neue Präsident (oder die neue Präsidentin) der Vereinigten Staaten sein wird. Der Wahlkampf ist dann vorbei, doch besser oder auch nur ruhiger wird es danach nicht werden. Ganz im Gegenteil.

Die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Das gängige Narrativ berichtet dabei von einer abgehängten, weißen Mittelschicht, die bei der Globalisierung auf der Strecke geblieben und auch ansonsten irgendwie rückständig ist. Mit Waffen und einem ausgeprägten Hang zu Freiheit und/oder Religion – Dinge jedenfalls, mit denen gerade in Deutschland viele so rein gar nichts anfangen können.

In der Tat haben wir es zumindest zum Teil mit einem gesellschaftlichen respektive kulturellen Phänomen zu tun, das sich jedoch ebenso in ganz realen, wirtschaftlichen wie politischen Erscheinungen manifestiert. Man muss weit in die Vergangenheit zurückschauen, um zu verstehen, was hier wirklich passiert.

Amerika ist entstanden als „the land of the free“. Unabhängigkeitserklärung und Verfassung zeigen den Geist und das Selbstverständnis der Republik. Der Staat spielte in den USA der Gründerväter eine klar begrenzte Rolle und wurde als notwendiges Übel erachtet, das es im Zaum zu halten gilt. Der Einzelne und seine Freiheit standen klar im Mittelpunkt des gesamten gesellschaftlichen und politischen Denken und Handelns. Außenpolitische Ambitionen und staatliche Interventionen in die Wirtschaft, kurz: alle Ausprägungen eines „starken Staates“, waren den USA über lange Zeit völlig fremd.

Spätestens am Anfang des 20. Jahrhunderts haben die USA diesen Weg verlassen, vielmehr: die amerikanische Politik hat diesen Weg verlassen. Dabei entstanden ist ein amerikanischer Sonderweg, der die USA in eine prekäre und schier ausweglose Situation gebracht hat:

Die USA haben es geschafft, den US-Dollar als Weltwährung durchzudrücken. Wer Öl kaufen oder verkaufen will, muss dies in Dollar tun. (Was passiert, wenn man diesen Mechanismus aufzubrechen versucht, haben Saddam Hussein und Gaddafi zu spüren bekommen.) Dadurch können die Vereinigten Staaten Geld drucken, ohne dass dies im Inland zu einem galoppierenden Anstieg der Preise führen würde. Nur dadurch sind die USA in der Lage, auf Dauer ein massives Außenhandelsdefizit aufrecht zu erhalten. Nota bene: Dazu braucht es allerdings einen Gegenpart im Ausland, der dieses Spiel mitspielt. Und dieser Jemand war über die letzten 20 bis 30 Jahre China: Das Land hat bewusst und sehenden Auges fast spiegelbildlich entsprechende Außenhandelsüberschüsse erzielt. Zum Teil wurden diese dann in reale Güter wie Rohstoffe und ausländische Unternehmen investiert, zum großen Teil aber eben auch in US-amerikanische Staatsanleihen. Das Problem dabei: Diese Anleihen werden die USA niemals zurückzahlen können. Den Chinesen dürfte dies bewusst sein. Bestenfalls werden sie diese dann abschreiben als Preis für den Aufbau der industriellen Infrastruktur im eigenen Land. Schlimmstenfalls werden sie die Schulden der Amerikaner als Waffe einsetzen.

Zentrales Puzzlestück neben dem US-Dollar ist die Rolle des amerikanischen Militärs respektive der amerikanischen Außenpolitik. Was hat die USA zum „Weltpolizisten“ werden lassen? Ich behaupte: Das war ganz überwiegend ein ökonomischer Prozess. Der militärisch-industrielle Komplex ist für Amerika vor allem ein riesengroßes Konjunktur- bzw. Arbeitsbeschaffungsprogramm. Durch die Great Depression, aber auch durch die beiden Weltkriege hat die amerikanische Politik „Blut geleckt“: Sowohl das Militär selbst als auch die Rüstungsunternehmen sind gerade für Amerika der „ideale“ Mechanismus für staatliche Interventionen in die Wirtschaft und zwar aus einem besonderen, sehr amerikanischen Grund: Während in Europa vergleichsweise leicht Mehrheiten für „linke Konjunkturprogramme“ zu gewinnen sind, sind große Teile der amerikanischen Bevölkerung gegenüber dem „welfare state“ sehr skeptisch. Just in diesen Kreisen jedoch hat der „warfare state“ viel Sympathie -aus ideologischen wie ökonomischen Gründen.

Und hier schließt sich der Kreis nun wieder: Die amerikanische Politik braucht das Militär und eine interventionistische Außenpolitik als Vehikel für staatliche Wirtschaftsprogramme – und zwar nicht im Interesse der Menschen, sondern im Interesse einer Ausweitung und Stabilisierung ihrer Macht. Gleichzeitig dient das Militär dazu, den Status des US-Dollar als Weltwährung aufrecht zu erhalten und mögliche „Abweichler“ in Schach zu halten oder im Zweifel zu eliminieren. Öl spielt dabei nur eine Nebenrolle: Es geht nicht um den Zugang zum Öl vor allem im arabischen Raum, es geht auch nicht um einen niedrigen Ölpreis. Es geht darum, dass Öl weiter in US-Dollar gehandelt wird und damit die Nachfrage nach diesem wichtigsten amerikanischen „Export-Produkt“ nicht einbricht.

Dummerweise erzeugt dieses perverse Spiel eine ganze Reihe schwerwiegender Nebenwirkungen: Die US-Wirtschaft wird komplett verzerrt, ihr produktiver Kern mehr und mehr ausgehöhlt. Mehr und mehr Menschen sind in eigentlich unproduktiven Bereichen tätig – von der Waffenproduktion, über das Militär bis hin zur politischen Administration. Die lockere Geldpolitik verführt dazu, „auf Pump“ zu leben und zerstört Sparsamkeit und Investitionen, treibt gleichzeitig den Konsum und damit das Außenhandelsdefizit und die gesamte Verschuldung immer weiter in die Höhe.

Aufgrund des grotesken Ausmaßes ökonomischer Fehlallokationen wird jeder Versuch einer Korrektur zeitaufwändig und äußerst schmerzhaft sein. Die Widerstände der Profiteure dieses Systems werden enorm sein. Gleichzeitig ist klar, dass der Status Quo nicht beliebig lange aufrechterhalten werden kann. Die Entwicklung der Verschuldung und der Druck auf die Zinsen zeigen, dass das „Ende der Fahnenstange“ nicht mehr weit entfernt ist.

Wie ist nun die aktuelle Präsidentschaftswahl in diesen Kontext einzuordnen? Fangen wir mit Hillary Clinton an, dies ist der einfachere Teil: Clinton steht für ein entschiedenes „Weiter so“, für eine Fortführung des Warfare State. Wie bei den Demokraten und so zuletzt auch unter Obama üblich, wird sie versuchen, on top (!) auch den Welfare State und allgemein das Ausmaß staatlicher Intervention in den USA auszubauen. Es kann gut sein, dass es mit einer Präsidentin Clinton kurzfristig nicht „knallt“ – der „Druck im Kessel“ wird aber weiter ansteigen. Und mit jedem weiteren Anstieg steigt das Risiko, weil die politische Klasse zu immer extremeren Maßnahmen greifen muss, um den Status Quo aufrechtzuerhalten. Das schließt m.E. auch ausdrücklich ein erhöhtes Risiko eines eskalierenden Krieges, bis hin zu einem Krieg mit Russland und im Worst Case einem Dritten Weltkrieg, mit ein. Zumindest steht gerade bei einem knappen Wahlausgang zugunsten Clintons zu befürchten, dass die „Trump-Anhänger“ das Ergebnis nicht akzeptieren werden. Wie auch immer die Reaktion aussehen wird, ich erwarte von Clinton in einem solchen Fall kein versöhnliches, sondern eher ein repressives Vorgehen. Themen und Anlässe für eine (provozierte) innenpolitische Eskalation gibt es zuhauf, man denke nur an das Thema Waffenrecht.

Sollte Trump hingegen die Wahl gewinnen, ist die weitere Entwicklung weit schwerer vorhersehbar. Es kann durchaus zu einer wirren Mischung aus „Weiter so“ sowie sinnvollen, aber auch schädlichen Veränderungen kommen. Denn das ist das größte Problem des Kandidaten Trump: Er erkennt einen Teil der Probleme des Landes, aber kaum die wahren Wurzeln des Übels. Soweit er sich mit einer Kurskorrektur gegen das politische Establishment durchsetzen kann, ist völlig offen, ob dies eine Korrektur zum Besseren sein wird. Trotz aller Aufregungen im Vorfeld erwarte ich im Falle eines Wahlsiegs von Trump keine wie auch immer geartete dramatische Entwicklung. Eines nämlich hat die mediale Dämonisierung Trumps sicherlich bewirkt: Viele rechnen mit dem Schlimmsten – und insofern kann es da nur besser kommen.

So oder so gibt es nach der Wahl bestenfalls eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlichen, dramatischen Entwicklungen in den USA stehen noch bevor.

Moritz M.Meier

Der lange Abschied

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Der lange Abschied

Ich war auf Reisen. Unter anderem in der ungarischen Hauptstadt Budapest, die ja nach Darstellung der linken deutschen Schmierenpresse der Vorhof einer protofaschistischen Hölle sein müsste; verloren, zerquetscht in den Krallen eines menschenhassenden Dämons.

Sie ist es selbstverständlich nicht.

Sie ist wunderschön. Gelassen, friedlich und gleichzeitig verführerisch. Guter, schwerer Wein und schöne Frauen; mit geradem Rücken, kilometerhohen Wangenknochen und kobaltschwarzen Haaren.

Aber lassen wir uns nicht ablenken.

Ich habe dort geweint, was lange nicht mehr passiert ist, denn ich habe gesehen und besser als jemals zuvor verstanden, was wir – und damit meine ich die Völker des nun in den Abgrund stürzenden Nord-/Westeuropas – verloren haben, und dies wohl unwiederbringlich.

Souveränität. Sicherheit. Präsenz.

Und ja, auch Stolz; berechtigten Stolz.

Ich bin zurückgekommen in ein Viertel, eine Stadt, ein Land, wo ich selber nun de facto Fremder bin.

Wo es in einem typischen, «sozial schwachen» (ein Euphemismus für «eroberten») Stadtviertel einer typischen Großstadt nicht ratsam ist, nach Einbruch der Dunkelheit noch auf die Straße zu gehen.

Wo nun die Knie der ewigen achtzigprozentigen Mehrheit der Guten™ wundgescheuert sind ob der Anbetung des Fremden.

Wo auch der Präsident, der ja selber am Ende jedes Volk auf Erden schöner und begehrenswerter fand als das eigene, sich den Vertreter eines zivilisationsfeindlichen Glaubens gut als seinen Nachfolger vorstellen kann.

Wo vor den Shisha-Bars die Protzkarossen der immer gleichen Klientel quer über den Bürgersteig stehen und man weiß, was passieren würde, wenn man dumm genug wäre, sich hierüber zu beschweren.

Wo kaum Anstoß daran genommen wird, wenn ehemals wertkonservative Zeitungen Menschen, die so denken wie ich, verhöhnen und von ihrer devot die Merkel-Winkelelemente schwingenden Gefolgschaft in den sozialen Medien dann noch einmal verhöhnen lassen (denn natürlich hat jede Invasion ihre Speichellecker und Büchsenspanner).

Wo die Kinder und Enkel derer, die dieses Land groß gemacht haben, nun eine bedrohte Spezies im wahrsten Sinne sind.

Wo nun immer deutlicher wird, wer die neuen Herren im Haus sind, und wer ihnen Tribut zollt – wahlweise charakter- und rückgratlos oder in vorauseilender, hündischer Begeisterung über die transzendente Erfahrung der Selbstaufgabe.

Ich habe dann – zurückgekehrt, rat- und rastlos – in Gesellschaft von Menschen, die mir etwas bedeuten, darüber nachgedacht, gelesen und diskutiert, was in den letzten zwei Jahrzehnten in Deutschland geschehen ist. Wo wir unseren Weg verloren haben. Und natürlich war dies nicht ohne Selbstkritik möglich.

(Man «steht» ja nicht im Stau; niemals. Man ist ein Teil des Staus.)

Wie steht es um uns, wie geht es weiter?

Dies muss selbstverständlich jeder für sich selbst klären und daraus die notwendigen Schlussfolgerungen ziehen.

Der folgende Standpunkt ist meiner, und ich verlange von niemandem, dass er ihn teilt oder auch nur gutheißt. Auf persönliche Beleidigungen, so viel sei dann aber doch gesagt, kann ich recht gut verzichten. Wer nicht hören mag, was ich zu sagen habe, lege sein Ohr eben an ein anderes Gleis; es gibt ja so viele.

Ich glaube, dass wir – als Land und Volk – verloren haben und verloren sind.

Ja: Auch in fünfzig oder hundertzwanzig Jahren wird – so es keinen Atomkrieg oder eine andere zivilisationszerstörende Katastrophe gibt – auf dem heutigen Territorium vermutlich ein Land namens «Deutschland» existieren.

Aber es wird wenig, sehr wenig gemein haben mit dem Land, in dem ich großgeworden bin, in dem ich eine glückliche Jugend und ein weitgehend sorgenfreies Leben als junger Erwachsener erleben durfte. In dem man sagen durfte, was man denkt und jeder Tag ein wenig mehr Freiheit versprach als der vorherige (wenn dieses Versprechen auch oft nicht eingelöst wurde).

Es wird ein Land sein, in dem die Muslime die größte weltanschauliche Gruppe (von einer Religion mag ich nun nicht mehr sprechen; man nennt ja auch den Nationalsozialismus nicht «Philosophie») stellen.

Es wird dementsprechend ein Land sein, in dem der alle Lebensbereiche umfassende Definitions- und Regelungsanspruch des Islams in Form der Scharia das tägliche Leben der Menschen dominieren wird.

Es wird ein Land sein, in dem die «Biodeutschen» eine ähnlich marginalisierte Existenz führen werden wie die indianische Urbevölkerung Amerikas nach der Landnahme der Europäer – mit Rechten, die die neuen Herren ihnen in mitleidiger Großzügigkeit gewähren werden.

Es wird ein Land sein – respektive werden – wie Spanien, das siebenhundert Jahre lang unter muslimischer Herrschaft stand. Ob hier jemals auf eine Reconquista zu hoffen ist, vermag ich nicht zu sagen.

Ich werde nichts von all dem erleben, denn die Biologie setzt Grenzen, über die man nicht jeden Tag unglücklich ist.

Aber es tut mir leid um die Kinder derer, die die Katastrophe kommen sahen und nicht gehört wurden. So sehr.

Ich bleibe in meiner Stadt, in meinem Stadtviertel, bis es nicht mehr zu ertragen ist. Rauer wird der Wind schon heute, aber noch kann man sich wehren, abgrenzen, behaupten; mag der Rahmen auch schmaler werden.

Ich bleibe in Deutschland, bis es auch in den Rückzugsgebieten nicht mehr geht.

Und wenn ich dann noch die materiellen Möglichkeiten und die Kraft habe, werde ich das Land verlassen; hoffentlich nicht alleine.

Bis dahin gebe ich in der Wahlkabine denen meine Stimme, von denen ich glaube, dass sie uns – den Bestand; die früher gekommenen Boden- und Kopfarbeiter, den wurzeldurchdrungenen Boden dieses Landes – nicht vollends aufgegeben haben. Die sich schämen, schämen würden, würfe man ihnen Verrat vor, anstatt der Kritik auf einer Wolke «postfaktischer» Ignoranz zu entschweben.

Unterstütze materiell und ideell diejenigen, von denen ich glaube, dass sie guten Willens sind:

Demokraten. Patrioten. Herzensgebildete. Freie Menschen.

Aber ich werde mir nicht mehr einreden, dass wir dieses Land zurückbekommen können.

Wir können es nur noch – um der Kinder und Alten willen, für die wir Verantwortung haben, die nicht von heute auf morgen weggehen können – ein paar Jahrzehnte lang halten.

Warum nicht mehr Widerstand?

Weil wild um sich schlagende Graurücken ein trauriger Anblick sind. Der Revierkampf war seit jeher eine Sache der Jungen, und sie werden ihn gegen die zahlenmäßig überlegenen jungen Männer aus kriegerischen Regionen verlieren, welche man bei uns zu entsorgen offensichtlich mehrheitlich beschlossen hat.

Zornige, wehrhafte Nachkommenschaft, die sich der frechen Grausamkeit des EU-Imperiums, ihren Verteilungsquoten und Selbstauflösungsgeboten in den Weg stellen könnten (so, wie es Ungarn, Polen und Tschechen heute noch tun, mit noch unsicheren Erfolgsaussichten) – sie wurde in Deutschland nie geboren.

Wir sind nun ein Volk, das auf einem abschmelzenden, jeden Tag etwas schmaler werdenden Sockel steht wie ein Eisbär auf dünn gewordener Scholle.

Oder, um es in der trockenen Sprache der Demographie zu sagen: Unsere Fertilitätsrate ist eine der niedrigsten der Welt – ein Fluch, den wir mit anderen hoch entwickelten postindustriellen Gesellschaften teilen, und der diskutiert, aber nicht weggepredigt werden kann. Die aktuellen Zahlen sind leicht zu enttarnender Budenzauber.

Nun wäre ja nicht einmal das ein (akutes) Problem: Es ließe sich auch gut leben in einem friedlichen, demokratischen Deutschland, in dem zum Beispiel statt 80 nur 50 Millionen Menschen morgens aufstehen und der eine oder andere Landstrich wieder Füchsen und Hasen gehört. Die Weite des Blicks hat noch niemandem geschadet, und die Zukunft hält ohnehin nicht genug Arbeitsplätze für all jene bereit, die – anders als eine KI, ein Industrieroboter – schlafen und essen und sich gelegentlich auch einmal vergnügen müssen.

Aber die Natur hasst das Vakuum – und ein Merkelist/EU-Politiker, der gewählt und am Steuer-Schweinetrog fett werden will, hasst solch ein Vakuum noch viel mehr, denn es verspricht ihm keinen Verdienst.

Also wird er die (gemeinte) Leere mit Menschen füllen.

Vielen Menschen.

Menschen, denen Worte wie «Demokratie», «Kultur», «Forschergeist», «Schaffensfreude» und «Freiheit des Denkens und Handelns» recht wenig bedeuten.

Und weil sich die herrschende Klasse einig ist, dass der geschundene Esel schon bald gegen etwas Besseres ausgetauscht werden kann, stehen uns Entwicklungen ins Haus, die Merkels feige Grenzfreigabe in 2015 rückblickend wie einen Windhauch durch das offene Fenster vor dem landeszerstörenden Sturm erscheinen lassen werden.

Der Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe Gunnar Heinsohn rechnet damit, dass im Jahr 2050 etwa neunhundert Millionen Afrikaner auf gepackten Koffern sitzen werden. Ihr Ziel muss kein perfektes, kein gelobtes Land sein. Ihr Ziel muss nur – da ist unsere Spezies seit jeher pragmatisch – ein wenig besser sein als das täglich erlebte Elend.

Und wenn uns die Vergangenheit auch nur den geringsten Rückschluss auf die Zukunft erlaubt, dann wird im Jahr 2050 jeder Ort auf Erden besser sein als das überbevölkerte, von Gewalt, Krankheit und dumpfem Hass zerrissene Afrika. Afrika, das seine Lektion nicht lehren wollte und – nachdem es die ressourcengierigen europäischen Zucht- und Lehrmeister vor die Tür setzte – sich nun wieder von den eigenen Dämonen piesacken lässt.

Diese 900 Millionen Menschen werden nicht in die Vereinigten Staaten von Amerika, nicht nach Kanada, Australien oder Neuseeland gehen. Denn nicht einmal der schafsköpfigste Politiker in einem dieser Länder wird dort so dumm sein, einem solchen Heer der Habenichtse Einlass zu gewähren.

Aber die Europäer. Sie werden dumm genug sein. Sie werden schwach genug sein. Und die Tore offen halten.

Wir hier, die wir ahnen/wissen, was Deutschland / Nordeuropa droht; die erkennen, was bereits geschehen ist – wir sind ein paar tausend, ein paar zehntausend. Eine Million oder zwei, wenn es hochkommt, wenn es ernst wird.

Vor der Tür aber stehen die Ungezählten, die es nicht erwarten können, in Merkels nihilistischer Suppe aufgelöst zu werden: Deutsche, Passdeutsche, Deutschenhasser, Neudeutsche, «Schutzsuchende», denen die deutsche Politik bereitwillig all das zu Füßen legt, wofür angeblich Jahrzehnte lang kein Geld da war, wenn ein hier Geborener es begehrte.

Diese Menschen werden jedes Tor, jedes Fenster wieder aufreißen, das wir zu sichern versuchen.

Und die Zukunft wird uns vom Spielfeld nehmen.

Weil wir zu wenige, zu zivil, zu optimistisch, zu spät waren.

Es ist – beinahe – vorbei.

Spielen wir unser letztes Spiel dennoch anständig.

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Anmerkung zu diesem Text:
Dieser Text entstammt einer öffentlich geteilten FB Notiz. Die Person, die diesen Text verfasst hat, beschreibt die Gefühle, die viele Menschen in diesen Tage haben. Es sind die Gefühle der Menschen, die ihr Land lieben und verzweifelt nach einer Lösung suchen. Menschen, die gekämpft haben und erkannt haben, dass sie kaum mehr eine Chance haben. Menschen, die mit ansehen müssen, wie ihre Heimat zerstört wird und ihr Leben und das ihrer Kinder unwiederbringlich verloren ist. Menschen, die dennoch nicht ihre Würde verlieren, sondern gerade und mit erhobenem Haupt, sich dem Unausweichlichen stellen und bis zum letzten Atemzug für die Freiheit einstehen.
Die Freiheitswelle bedankt sich sehr, für das in-Worte-fassen dieser äußerst tragischen Umstände. Für das Mitteilen der Verzweiflung, für den geteilten Schmerz… den wir mittragen. Wir rufen dir zu, Autor dieser Zeilen, du bist nicht alleine. Wir teilen deinen Schmerz  – genauso wie auch wir bis zu unserem letzten Atemzug für den Erhalt der Heimat und die Freiheit der Menschen einstehen werden.

Fakten zum Waffenbesitz

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Jeder Mensch mit klaren Verstand wird zugeben, dass eine Gazelle das Recht hat, sich mit ihren Hörner gegen einen Angreifer zu verteidigen. Doch anderen Wesen, wie dem Menschen, wird dieses Recht offensichtlich abgesprochen. Verschärfungen der Waffengesetze sehen vor, dass der Gazelle die Hörner abgeschnitten werden sollen. Die propagierte Idee dahinter ist, dass es dadurch weniger Angreifer geben wird… Das ist so offensichtlich dumm, dass es schon schmerzt, diese Gedanken überhaupt zu denken. Niemals wird sich ein Krimineller von Waffengesetzen abhalten lassen, sich zu bewaffnen. Kriminelle hatten und werden IMMER Waffen haben. Das einzige was Verschärfungen der Waffengesetze bewirken, ist, dass der Gazelle die Hörner abgeschnitten werden. Und für diejenigen, die es immer noch nicht begriffen haben: DU BIST DIE GAZELLE!

Hier die Übersetzung des Videos:

„Es gibt Fakten, über die nicht im Fernsehen berichtet werden. So werde ich dir etwas über Verschärfungen der Waffengesetze erzählen. Warum berichten die Mainstreammedien immer nur über Terrorakte mit Waffengewalt und niemals darüber, dass in den Gegenden in denen Waffen bereits verboten sind, es immer wieder zu Morden und Gewalttaten mit Schusswaffen kommt? Es scheint eine Agenda hinter den Meldungen in den Medien zu geben, wenn sie nicht darüber berichten, dass es immer wieder zu Gewaltakten mit Schusswaffen kommt, gerade in Gegenden mit den schärfsten Waffengesetzen überhaupt und diese Verschärfungen ganz offensichtlich nicht funktionieren.

Ich trage eine Waffe, weil es nur zwei Arten von Wesen auf diesem Planeten gibt: Angreifer und Beute. Niemand wird einer flüchtenden Gazelle das Recht absprechen, sich mit ihren Hörner gegen einen Angreifer zu verteidigen. Doch es gibt Menschen, die genau dieses Recht auf Selbstverteidigung uns Menschen absprechen wollen. Diese Personen propagieren, dass wenn der Gazelle die Hörner abgeschnitten werden, es plötzlich keine Angreifer mehr geben wird. Dass wenn du es dem Angreifer einfacher machen würdest, seine Beute zu machen, der Angreifer plötzlich aufhört, ein Angreifer zu sein. Aber so funktioniert es nicht. Tatsache ist: Wenn du es dem Angreifer einfacher machst, wird es nur mehr Beute geben.

Ich trage eine Waffe, weil ich weiß, dass wenn der Angreifer davon ausgehen muss, dass eine Beute sich verteidigen kann, er sich seinen Angriff zweimal überlegen wird. Es gibt bereits viele Untersuchungen die klar ergeben haben, dass in Gegenden, in denen Menschen das Führen von Waffen erlaubt ist, die Kriminalität mit Schusswaffen sofort zurückgeht. In Gegenden, in denen sich Waffen in Haushalten befinden, gibt es deutlich weniger Einbrüche und Raubüberfälle.

Ich trage eine Waffe, weil die Wahrscheinlichkeit diese für einen Mord zu missbrauchen oder Selbstmord damit zu verüben, wesentlich geringer ist als die Wahrscheinlichkeit, sie zum Zwecke der Selbstverteidigung zu benutzen. Schusswaffen werden 300mal öfter zur Selbstverteidigung benutzt als zum Angriff. Und eine riesige Zahl von Straftaten wird alleine durch das Führen einer Schusswaffe verhindert, ohne dass ein einziger Schuss fällt.

Ich trage eine Waffe, nicht, weil es ein Angriffswerkzeug, sondern ein Werkzeug zur Verteidigung ist. Hunderttausende von Frauen benutzen ihre Waffen, um sich gegen sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen zu verteidigen.

Ich trage eine Waffe, weil die allermeisten Massenmorde mit Schusswaffen an Orten stattgefunden haben, in denen das Tragen einer Schusswaffe verboten war. Gesetzes- und rechtstreue Bürger werden gezwungen, ihr Recht auf Selbstverteidigung abzugeben, während sich überall die Kriminellen mehr und mehr bewaffnen.

Ich trage meine Waffe, weil es in Gegenden, in denen den Menschen verboten ist, sich mit Waffen zu verteidigen, es sehr viel einfacher für einen Angreifer ist, seine Beute zu machen. Striktere Waffengesetze führen ebenso wenig zu weniger Gewalt, wie das Verbot von Drogen zu weniger Drogenmissbrauch führt.

Ich trage eine Waffe, weil es eine Tatsache ist, dass in Gegenden, die schärfere Waffengesetze haben, die Mordrate mit Schusswaffen wesentlich höher ist, als in Gegenden, in denen Menschen Schusswaffen führen dürfen.

Ich trage eine Waffe, weil ich weiß, dass Scheren und Messer wesentlich häufiger für Morde benutzt werden, als Schusswaffen. Ein Werkzeug zu verbieten wird niemals das Problem beseitigen.

Ich trage eine Waffe, weil Kriminelle ihre Taten mit oder ohne Schusswaffen ausführen werden. Es werden Teppichmesser benutzt oder Sprengstoff aus Düngemitteln hergestellt. Ich verstehe, dass es für einige einfach scheint, Dinge für Taten verantwortlich zu machen. Ich verstehe, dass Menschen irgendetwas verantwortlich machen wollen. Aber es sind nicht die Werkzeuge, die töten, sondern Kriminelle, die Werkzeuge benutzen. Ich verstehe, dass wir uns wirklich um etwas kümmern müssen, nämlich um Gewalt, Mord und Wahnsinn.

Ich trage eine Waffe, weil ich weiß, wer die Personen im Hintergrund sind, die für schärfere Waffengesetze eintreten. Weil ich weiß, dass auch die Politiker wissen, dass es zu mehr Gewalttaten mit Schusswaffen kommen wird, wenn den Menschen das Recht auf den Besitz und das Führen von Schusswaffen versagt wird.

Ich trage eine Waffe, weil ich weiß, dass Spielsüchtige immer mehr spielen wollen, Alkoholiker immer mehr Alkohol haben wollen und Personen mit Macht immer mehr Macht haben wollen.

Ich trage eine Waffe, weil ich weiß, dass jedes Land frei war, bevor die Politiker kamen und es danach nicht mehr frei war.

Ich trage eine Waffe, weil ich weiß, dass das Führen einer Schusswaffe einer vermeintlichen Beute eine wesentlich höhere Chance gibt, sich gegen einen Angreifer zu verteidigen, völlig egal ob zu Hause, auf der Straße oder in der Natur. Es gibt viel zu viele Menschen, die Überfälle beobachten und nichts tun werden.

Und das ist der Grund, weswegen so viele Organisationen in allen Ländern sich gegen die Verschärfung von Waffengesetzen aussprechen. Weswegen wir alle so sehr um Aufklärung bemüht sind, was der eigentliche Grund der Entwaffnung der Bevölkerung ist.

Ich trage eine Waffe, weil sie einen Ausgleich zwischen einer Beute und einem Angreifer schafft.

Ich trage meine Waffe nicht, weil ich Angst hätte, sondern weil sie mich befähigt, keine Angst zu haben. Es behindert nicht die Möglichkeiten derjenigen, die mit mir verhandeln wollen, es behindert nur die Möglichkeiten derjenigen, die mich zu etwas zwingen wollen.

Ich trage meine Waffe nicht, weil ich jemanden angreifen will, sondern weil ich in Frieden gelassen werden will. Menschen können nur auf zwei Arten von etwas überzeugt werden: Mit Argumenten oder durch Gewalt. Eine Waffe zu besitzen, vermindert die Möglichkeit, mich mit Gewalt zu etwas zu zwingen. Eine Waffe zu tragen entfernt den Zwang aus der Gleichung. Eine Waffe zu tragen hilft, die Möglichkeiten eines Angreifers einzuschränken.

Deswegen ist es wichtig, Werkzeuge zur Verteidigung zu haben. Deswegen ist es wichtig, immer wieder auf das Recht eines jeden Wesens, eines jeden Menschen hinzuweisen, sich selbst verteidigen zu dürfen. Und in einer Welt, in der es Schusswaffen gibt, schließt dieses Recht auch das Führen einer Schusswaffe ein.“

Das „medizinische“ Modell vs. Heilung

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Der prozessorientierte Ansatz im Vergleich zum „medizinischen Modell“

 

Vorbetrachtung

In der Betrachtung der prozessorientierten Begleitung von Suchterkrankungen ist es zunächst einmal wichtig zu erkennen, dass wir es in der Landschaft der Medizin und der Psychiatrie, die im allgemeinen mit der Behandlung von Suchterkrankungen beauftragt ist, mit zwei deutlich unterschiedlichen Ansätzen zu tun haben. Das eine ist der herkömmliche Ansatz, der sich zum Beispiel in der Medizin auch als das „medizinische Modell“ bezeichnen lässt und der von der Annahme ausgeht, dass Menschen in einer gegebenen Gesellschaft nicht befriedigend funktionieren, krank sind und verändert werden sollten. Notwendigerweise wird versucht, den Grund für eine Störung zu suchen und diesen dann zu beseitigen, um den Menschen wieder gesund zu machen. Hier wird deutlich, dass dieser Ansatz ein kausaler Ansatz ist und die Lösung für ein Problem außerhalb der erkrankten Person liegt. Eine Person zu heilen bedeutet in diesem Kontext, ihre Symptome zu beseitigen, sodass die Person wieder einer allgemein anerkannten Definition eines normalen Individuums entspricht.

Der prozessorientierte Ansatz geht hingegen nicht davon aus, dass der Mensch grundlegend krank ist, sondern die auftretende „Störung“ gleichsam einen potentiellen Entwicklungsschritt in sich trägt. Die Äußerungen eines Individuums in Form einer Symptomatik sind von daher bedeutsam und tragen eine Lösung in sich selbst. Dieser Ansatz ist akausal, da der Grund einer Störung oder Erkrankung nicht gleichermaßen für alle befriedigend nachvollziehbar ist, sondern sich meist nur der Person innerhalb ihres individuellen Kontextes erschließt, obwohl dennoch kausale Elemente in die Betrachtung mit einbezogen werden können.

Für diesen Ansatz braucht es eine gute und geschulte Aufmerksamkeit für die Signale, die nahe der persönlichen Identität der begleiteten Person liegen – also der primären – und insbesondere eine Aufmerksamkeit für die sekundären Signale, die Elemente, die momentan nicht mit der Identität des begleiteten Menschen verbunden sind. Daneben braucht es auch ein gewisses Maß an Mut und Vertrauen, da der Lösungsweg, der sich durch das Einladen des sekundären Materiales ergibt, grundsätzlich nicht vorhersagbar ist. Dieser Mut, wie auch das damit einhergehende Vertrauen, kann nur durch die persönliche Erfahrung wachsen, dass in der Begegnung mit dem sekundären Material eine Chance für persönliches wie auch kollektives Wachstum zu finden ist.

Die Krise in der herkömmlichen Medizin

Es ist auch sinnvoll, sich die Krise zu vergegenwärtigen, in der sich das medizinische Modell befindet. Neben einer deutlichen Unzulänglichkeit was die tatsächliche Heilung eines Menschen angeht, gibt es eine ganze Reihe von starken Nebenwirkungen einer solchen Herangehensweise, die sich von der Entmündigung des Patienten bis zur Veränderung der Symptomatik durch Symptom-unterdrückende Behandlungsansätze und dem Erscheinen von deutlich beeinträchtigenden Krankheitsbildern, die erst durch die Behandlung hervorgerufen werden, erstrecken. Die Bevölkerung wird über die völlig unbefriedigenden Erfolge dieser Herangehensweise im Unklaren gelassen und es wird stattdessen in der Öffentlichkeit und in den Medien ein Bild der herkömmlichen Medizin und der Pharmaindustrie gezeichnet, welches eine ständige Entwicklung und immer neue Erfolge im Kampf gegen die Krankheit suggeriert.

Verschwiegen werden all die Fälle, in der erst die Behandlung zu Schäden führt, wie die große Zahl an Fällen, in der Menschen an vorbeugenden Maßnahmen wie Impfungen erkranken[1], wie auch die Fälle, wo die Behandlung der Erkrankung die spätere Todesursache ist, wie bei der herkömmlichen Behandlung von Aids.

Im Bereich der Psychiatrie sind es weit über 40% aller mit Psychopharmaka oder auch Neuroleptika behandelten Menschen, die auch schon nach einer Kurzzeit-Behandlung mit genannten Mitteln an so genannter Tardiver Dyskinesie (TD) erkranken[2]. Die Symptome dieser erst durch die medizinische Behandlung hervorgerufenen Erkrankung sind unter anderem unwillkürliche, veitstanzartige Bewegungen. Diese Erkrankung ist irreversibel, d.h. die Menschen, die an TD erkranken, haben keinerlei Aussicht auf Heilung. Wie Arnold Mindell in seinem Buch „Die Schatten der Stadt[3]“ schreibt, halten selbst erfahrene Praktiker Halluzinationen und weitere Symptomatik der Ersterkrankung, mit der die Menschen in die Behandlung kommen, für erträglich, im Vergleich zu den Leiden der TD[4]. Die Anzahl so genannter Iatrogener Krankheiten, d.h. Krankheiten, die erst als Folge eines ärztlichen Eingriffes auftreten, ist weitaus höher als allgemein angenommen.

Bei Suchterkrankungen können Medikamente Rückfälle nicht verhindern. Bei der Verwendung von Ersatzpräparaten (zum Beispiel Methadon) zur Behandlung von Suchterkrankungen ist letzten Endes das Substitut selbst stark suchterzeugend und führt so nur zu einer Abhängigkeit auf anderer Ebene. Die Argumentation der Vertreter dieses Behandlungsansatzes lautet, dass bei starker Abhängigkeit, wie zum Beispiel der Heroinabhängigkeit, die betroffene Person aus dem Kreis der Beschaffungskriminalität herausgeholt wird, es drohen ihr aber neben der Abhängigkeit von staatlichen und städtischen Institutionen, in denen außer der Vergabe des Mittels meist keine weiterführenden Behandlungen angeboten werden, starke körperliche und psychische Nebenwirkungen wie Hypotonie (niedriger Blutdruck), Tachykardie (sehr schneller Herzschlag), Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen. Dazu kommen dann Antriebslosigkeit, oftmals gepaart mit depressiven Schüben, Alkoholmissbrauch und eine nachlassende, oft überhaupt nicht mehr vorhandene Libido[5]. Da diese „Suchtersatzstoffe“ meist über einen sehr langen Zeitraum in hohen Dosen eingenommen werden, sind die körperlichen und psychischen Folgen dieser Nebenwirkungen meist sehr stark und führen zu einer sozialen Isolation, welche dann im weiteren Verlauf die Ausgrenzung des Menschen aus der Gesellschaft wiederum verstärkt.

Generell kann man sagen, dass die herkömmliche Medizin und die Psychiatrie zur wirklichen Behandlung von Suchterkrankungen wenig bis gar nichts zur Verfügung stellen kann. In der herkömmlichen Medizin, wie auch in der Psychiatrie, wird zwar durch das Tragen von weißen Kitteln – die der Abgrenzung der „Wissenden“ von den „Unwissenden“ dienen – und durch den Gebrauch einer komplizierten und im allgemeinen unverständlichen Sprache der Eindruck einer kompetenten Institution erweckt, welcher sich aber bei genauer und vor allem kritischer Betrachtung sehr schnell verflüchtigt. Die Einteilung der sich in medizinischer wie in psychiatrischer Behandlung befindlichen Menschen geschieht auf Grund von Diagnosen. Die sich anschließende Behandlung erfolgt dann aufbauend auf diesen Diagnosen. In der Psychiatrie ist eine Diagnose zum Beispiel die Schizophrenie, an der angeblich über die Hälfte aller Patienten leiden sollen. Der Rest teilt sich auf in Kategorien wie depressive oder manische Zustände, Suizidalität, „Verhaltensstörungen“ und chronischer Alkoholismus oder Drogensucht. Spannend ist die Tatsache, dass nicht nur von einem Land zu einem anderen diese Diagnosen sich deutlich unterscheiden können, sondern sogar von einem Hospital zum nächsten und von einer Gemeinde zur anderen. Es scheint leichter zu sein, Krankheitsmerkmale durch eine Diagnose festzuhalten und passende Medikamente zu verabreichen, als über einen möglichen Sinn einer Erkrankung oder einer Sucht nachzudenken. Im weiteren Verlauf einer solchen „Behandlung“ wird dann jeder Zugang zu normaler Kommunikation unterbunden und zwar auf zwei Ebenen: einmal durch den nicht vorhandenen Willen des Behandlers sich auf diese Auseinandersetzung einzulassen und eine Erkrankung oder Sucht zu prozessieren und zum anderen durch die Vernebelung der Wahrnehmung des Patienten durch die Verabreichung von Psychopharmaka.

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Die Pharmaindustrie

Behandlungsmethoden hängen also stark von der Persönlichkeit des Behandlers ab und in vielen Fällen von der Vorliebe für gewisse Medikamente, welche meist durch die Vergabe von Prämien wie Urlaub in der Südsee, Aufenthalte in Firstclass Hotels oder andere Vergünstigungen (meist finanzieller Art) von Seiten der Pharmaindustrie gesteuert wird. Überhaupt ist die Macht der Pharmaindustrie hinter der herkömmlichen Medizin deutlich größer als allgemein angenommen. Es ist auch nicht so, dass überwiegend zuerst eine Krankheit vorhanden wäre und dann mit großem Forschungsaufwand ein Medikament dagegen gesucht würde, sondern es gibt zuerst eine Reihe von „wirksamen“ Präparaten, für die dann ein Absatzmarkt gesucht wird. Wenn dieser dann nicht vorhanden ist, wird kurzerhand eine neue Krankheit „designed“ und mit großem Werbeaufwand durch die Massenmedien in die Köpfe der Menschen gezaubert[6]. So wurde zum Beispiel die „Depression“ in den 90er-Jahren von der Pharmaindustrie weltweit als unzureichend vermarktet erkannt, was dazu führte, dass in den folgenden Jahren durch aggressive und suggestive „Aufklärungskampagnen“ und durch gezielte Werbung für Antidepressiva die Zahl der gegen Depressionen behandelten Menschen von 1987 bis 1997 sich fast vervierfacht hat (alleine in den USA von 1,6 auf 6,3 Millionen[7]).

Ein weiteres sehr krasses Beispiel finden wir im Falle des Schlafmittels Contergan, welches überhaupt erst in der Form in der Gesellschaft Akzeptanz finden konnte, nachdem die Wichtigkeit des Vorhandenseins eines Schlafmittels, welches völlig harmlos und nebenwirkungsfrei einen erholsamen und wohltuenden Schlaf verspricht, durch immensen Werbeaufwand propagiert wurde[8]. Die Idee war wohl: Wenn schon die wachsenden Sorgen um die Zukunft den Menschen nicht mehr schlafen lassen, dann sorgen wir doch für ein Mittel, welches zumindest für ein paar Stunden ein Vergessen verspricht.

Als dann die ersten Fälle von schwersten Missbildungen bei Kindern auftraten, ignorierte die Pharmafirma Grünenthal Chemie, die dieses Mittel auf den Markt brachte, nicht nur lange die aufkommende Kritik, sondern verklagte die Kritiker wegen Rufschädigung. Das Mittel wurde dann auch noch in andere europäische Länder gebracht, bis dann schließlich auch der amerikanische Markt gewonnen wurde. Erst als die Zahl der erkrankten Kinder alleine in Deutschland über 5000 stieg, wovon im weiteren Verlauf nur die Hälfte überlebt hat, wurde das Mittel 1961 vom deutschen Markt genommen.

Später wurde dann auch publik, dass der Contergan-Entwickler Dr. Heinrich Mückter, der bei Grünenthal Chemie zu Ruhm und Ansehen kam, von der polnischen Justiz als Nazi-Arzt wegen seiner Fleckfieber-Experimente an KZ-Häftlingen gesucht wurde. Der anschließende Prozess gegen Mückter und andere Verantwortliche der Grünenthal Chemie endete dann auch – nach wohlwollender Beihilfe durch die nordrhein-westfälische Landesregierung – mit einem Justizskandal. Es gab einen Freispruch “wegen geringer Schuld” und “wegen geringer Bedeutung für die Öffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland”. Nach Unterzeichnung einer Zwangserklärung, die alle weiteren Ansprüche ausschloss, erhielt jedes Contergan-Kind eine monatliche Rente zwischen 100 und 500 Euro, wovon der Bund (also der Steuerzahler) auch noch die Hälfte bezahlt.

Welche Lobbyisten dort ihre Finger im Spiel hatten wird deutlich, wenn Mittel, die den Wirkstoff „Thalidomid“ enthalten, welches der zentrale Wirkstoff des Contergan-Mittels ist, auch heute noch, natürlich in „Dritte Welt Ländern“, auf dem Markt sind. Es gibt nicht nur eine Generation von Contergan-Kindern, sondern bis heute dauert die Vergiftung der Menschen mit diesem Mittel an. In dem Film „Der Contergan-Skandal“ von Walter Harrich und Danuta Harrich-Zandberg heißt es dann auch an einer Stelle: Die Pillen von damals sehen aus wie die Tabletten von heute und die Thalidomid-Opfer von heute sehen aus wie die Contergan-Kinder von damals. Von der Vorstellung, die Pharmaindustrie hätte das Wohl der Menschen im Blick, dürfen wir uns also getrost verabschieden.

Wie schon im Zusammenhang mit der Kritik gegen das Contergan-Mittel erwähnt, ist es nicht leicht, sich einem solch übermächtigen Gegner zu stellen. Umso erwähnenswerter ist es, wenn Menschen aus direkt von dieser Industrie abhängenden Branchen den Mut finden und die Dinge beim Namen nennen. So betreibt Dr. med. Klaus Dörner in einem Artikel mit dem Titel: „Gesundheitssystem – in der Fortschrittsfalle“, der im deutschen Ärzteblatt (Nr. 38/09 2002) erschienen ist, eine Analyse eines Systems, das des Profits wegen Krankheit erfindet, erzeugt, pflegt und institutionalisiert.

Ein Auszug aus dem genanntem Artikel[9] beschreibt die Motivation der Pharmafirmen wie ich finde recht deutlich: […] Der Wettbewerb zwingt zur Erschließung neuer Märkte. Das Ziel muss die Umwandlung aller Gesunden in Kranke sein, also in Menschen, die sich möglichst lebenslang sowohl chemisch-physikalisch als auch psychisch für von Experten therapeutisch, rehabilitativ und präventiv manipulierungsbedürftig halten, um „gesund leben“ zu können. Das gelingt im Bereich der körperlichen Erkrankungen schon recht gut, im Bereich der psychischen Störungen aber noch besser, zumal es keinen Mangel an Theorien gibt, nach denen fast alle Menschen nicht gesund sind.

Der prozessorientierte Ansatz

Dies soll uns nun genügen, um den Ansatz des „medizinischen Modells“ und den Einsatz pharmakologischer Mittel einzuschätzen. Wie verhält es sich nun mit dem prozessorientierten Ansatz?

In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts beschrieb C.G. Jung, dass psychische Störungen nicht nur pathologisch seien, sondern Manifestationen einer sinnvollen Kraft. Dies ist eine deutlich andere Sichtweise, die in physischen wie in psychischen Krankheiten eine Herausforderung und eine immanente Chance zur Entwicklung des Menschen sieht. Hier soll uns nun genügen, dass diese Betrachtung einer Einheit des Menschen mit seiner Umgebung und seinem Erleben eine Grundvoraussetzung für die prozessorientierte Begleitung eines Menschen ist. Viele Methoden in der Begleitung von Menschen in Krisen bauen auf diesem Ansatz auf. Der Sinngebende Inhalt einer Krise soll in einigen Therapieformen, wie zum Beispiel der Tanztherapie, so vollständig wie möglich ausgedrückt werden.

Transpersonale Therapien[10] sehen Krankheiten und Krisen als Herausforderungen und Chancen für die Evolution des menschlichen Geistes auf dem Weg zum „Selbst“ und Gruppentherapien, Familientherapie und sonstige systemische Ansätze beschäftigen sich unter anderem mit Kommunikationsproblemen in der Umgebung, aus der der Klient kommt, in der Annahme, dass das krankmachende Muster in der Umgebung indirekt eine Unterstützung erfährt. Alle diese Ansätze gehen also davon aus, dass der Mensch kein von seiner Umgebung unabhängiges Individuum ist, sondern versuchen die Verbindung eines Menschen zu seinen Mitmenschen bzw. seiner Mitwelt in ihre methodenspezifische Behandlungsweise einzubeziehen.

Der britische Psychiater Ronald D. Laing (1927 – 1989) sieht schließlich die psychische Erkrankung eines Menschen als Kompensation für eine Welt, in der die öffentlichen Folgen von Verrücktheit gefürchtet werden. Dieser Ansatz ist in sofern radikal, als dass er zum ersten Mal deutlich einen Zusammenhang der psychischen Erkrankung und auch einer Sucht in Beziehung zur Umwelt bzw. Mitwelt[11] beschreibt. Menschen, die erkranken, erkranken somit nicht mehr in Ausschließlichkeit für sich selbst, sondern auch für die Gemeinschaft der Menschen, die sich der Auseinandersetzung mit Entwicklungsfördernden Themen verweigern. Natürlich wird diese Sichtweise in Kreisen des medizinischen Modells mit aller Vehemenz abgelehnt, begründete doch R.D. Laing zusammen mit einigen anderen die antipsychiatrische Bewegung, die sich insbesondere gegen die Erklärung der Schizophrenie als psychische Erkrankung wendet und nicht nur, wie andere Psychiatriekritiker, Missstände und heikle Entwicklungen anprangert, sondern die Psychiatrie insgesamt radikal in Frage stellt.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist die Diagnose ein Merkmal des medizinischen Modells, die schon bei der Behandlung physischer Erkrankungen zu Problemen führt. Sehr viel mehr noch ist eine Diagnose im Bereich der psychischen Erkrankungen ein Problem, da psychische Störungen immer als Abweichung von einer Norm definiert werden. Dies wirft natürlich die Frage auf: Wer definiert eigentlich, was die Norm ist? Unterschiedliche Kulturen haben deutlich unterschiedliche Sichtweisen von „was normal ist und was nicht“. So galt beispielsweise Homosexualität lange Zeit als behandlungsbedürftige psychische Störung. Und Untersuchungen in den USA zeigten, dass Schizophrenie häufiger bei Angehörigen der Unterschicht, besonders bei Schwarzen, diagnostiziert wurde als bei Personen aus der weißen Mittelschicht, was den Verdacht einer Bestrafung schichtspezifischer Unangepasstheit durch Etikettierung mit dem Begriff „krank“ nahe zu legen scheint.

Hier wird deutlich, dass die Diagnose und die Bezeichnung von sozial abweichendem bzw. gesellschaftlich unangepasstem Verhalten als Krankheit, sowie die darauffolgende ablehnende und ausstoßende Reaktion der Mitmenschen das eigentliche Problem darstellt. Da also die Ursache für eine Erkrankung in den gesellschaftlichen Strukturen zu finden ist, wären bei genauer Betrachtung eigentlich gar nicht die Erkrankten zu behandeln, sondern die Gesellschaft.

Die andere Sicht

Auch wenn diese Meinung insgesamt die psychiatrische Weltsicht in unserer Gesellschaft bislang nur wenig verändert hat, so liegt doch immerhin hier begründet, dass die Verweildauer von Patienten in psychiatrischen Kliniken sich deutlich verringert hat und die so genannten Zwangseinweisung gegen den Willen des oder der Betroffenen einer genaueren Kontrolle unterliegt. Es gibt mittlerweile auch Bestrebungen[12], für so genannte „Weglaufhäuser“ zu sorgen, die als Zufluchtsort für Menschen dienen, die psychiatrische Behandlungen meiden wollen und/oder eine Alternative zur herkömmlichen psychiatrischen Behandlung suchen.

Über die USA und die Schweiz sind die Soteria-Häuser (soteria griech. „Rettung“) nach Deutschland gekommen, die eine alternative stationäre Behandlung bei psychotischen Krisen anbieten. In diesen Häusern gibt es keine „Therapie“ im herkömmlichen Sinne. Die Mitarbeiter stützen oder fordern je nach aktueller Befindlichkeit die Bewohner und sind angehalten, die Erkrankung der Person ideologiefrei positiv zu bewerten. Die Mitarbeiter und Bewohner gestalten ihre Beziehung gleichwertig, es gibt wenig Rollendifferenzierung und wenig Hierarchie. Eine spürbare Nähe zu Menschen wird für die Bewohner als äußerst wichtig anerkannt und durch personelle Kontinuität gewährleistet. Es wird sozusagen eine Familie auf Zeit geschaffen, in der die gemeinsame Entwicklung konkreter Lebensziele und das alltagsorientierte Leben und Lernen in der Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen.

Es ist also hervorzuheben, dass diese Ansätze auf der Akzeptanz und Wertschätzung der Erkrankung des Menschen basieren. In einem weiteren Schritt wird im prozessorientierten Ansatz generell und im speziellen bei der Begleitung von Suchtphänomenen anerkannt, dass das Geschehen nicht in Ausschließlichkeit mit der betreffenden Person zu tun hat, sondern darüber hinaus auch Ausdruck eines kollektiven Verdrängungs-Mechanismus sein kann. Außerhalb der in einer Gesellschaft akzeptierten Verhaltensnorm liegen Wachstumspotentiale, die von einigen wenigen Menschen aus einem Randbereich heraus den Menschen der Masse angeboten werden, die sich weigert diese verdrängten Anteile zu leben bzw. sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Dazu passt auch, dass viele aus den Augen der Gesellschaft gesehen schwer gestörte Menschen selbst nicht das Gefühl haben gestört zu sein und aus dem Grunde auch nicht aus eigenem Antrieb in die Behandlung kommen. Diese Menschen bestehen oft darauf, dass die Gesellschaft in der sie leben selbst krank sei. Aus der Perspektive innerhalb der gesellschaftlich anerkannten Norm gesehen, sieht dies natürlich wie eine Bedrohung aus und wird dementsprechend mit Ablehnung und Ausgrenzung beantwortet.

Aus den Augen des prozessorientierten Ansatzes gesehen ist diese Sichtweise jedoch elementar, da sie den Begleiter zu dem nötigen Respekt führt, den eine Begleitung erfordert. Spannenderweise verändert sich unter diesem Blickwinkel auch sofort die Kommunikation zu diesen Menschen. Der Tenor der prozessorientierten Herangehensweise lautet: „Lehre mich, was das Muster deiner Sucht beinhaltet. Was ist deiner Sucht innewohnend, was mir – und der Gesellschaft, in der wir beide leben – vielleicht fehlt?“ Die Frage ist nicht nur: „Was gibt dir deine Sucht und wohin führt dich der Gebrauch der Substanz, welche Räume eröffnet dir der Gebrauch der Substanz, die sonst verschlossen wären“, sondern: „Was daran ist die Chance für unser aller Wachstum und die Entwicklung der Gemeinschaft der Menschen?“

Dadurch, dass ein Mensch ausgegrenzte Teile seiner selbst anerkennt und sie durch seine Auseinandersetzung mit ihnen integriert und daran wächst, sich in qualitativer Hinsicht erweitert und komplettiert, erlöst er im gewissen Sinne andere Menschen, diese Teile in teilweise starker Ausgrenzung und Ablehnung der Gesellschaft zu leben.

In dieser Anerkennung liegt die „Wahrnehmung“, das „für-wahr-nehmen“ des Menschen in seiner gegenwärtigen Situation. Die grundlegende Anerkennung der Sinnhaftigkeit seines aktuellen Problems und im Speziellen das „für-wahr-nehmen“ seiner individuellen Empfindung, seiner Sichtweise und Schilderung. Aus dieser Form des Wahrnehmens folgt die Berührung im Sinne eines wirklichen Miteinanders. Arnold Mindell nennt diese Form des Wahrnehmens auch den „Anfänger-Geist“ und benennt damit eine vorurteilslose, offene, nicht auf vorgefasste Meinungen oder festgeschriebene Kategorien basierende Form des in-Kontakt-sein mit anderen Menschen. Die sich da heraus ergebende Berührung ist wiederum Basis einer jeden Begleitung. Im für-wahr-nehmen und der (nicht physischen) „Berührung“ spiegelt sich die Innere Haltung als die Grundlage der Integrativen Prozessbegleitung wieder. Ohne die Innere Haltung kann es aus Sicht der Integrativen Prozessbegleitung keine Begleitung geben. Und ohne dieses Fundament sind alle methodischen Ansätze nur seelenlose „Techniken“, die am eigentlichen vorbeigehen. Andersherum gesehen gibt es auf der Basis der Inneren Haltung eine Vielzahl von Möglichkeiten, um im weiteren Verlauf einer Begleitung den Prozess eines Menschen zu Unterstützen und den natürlichen Prozess der Integration von neuen erweiternden und komplettierenden Anteilen zu begleiten.

 

[1] „Impfen – Völkermord im Dritten Jahrtausend?“ von Stefan Lanka und „Das Geschäft mit der Angst“ von Gerhard Buchwald

[2] Kessler, Waletzky 1981

[3] „Die Schatten der Stadt“ von Arnold Mindell – Jungfermann 1989

[4] Janson et al. 1985

[5] Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Methadon

[6] Bücher hierzu: „Die Krankheitserfinder“ oder „Heillose Medizin“ von Jörg Blech und „Das Medizinkartell – Die sieben Todsünden der Gesundheitsindustrie“ von Kurt Langbein

[7] Deutsches Ärzteblatt 38/09 2002 „Gesundheitssystem – in der Fortschrittsfalle“

[8] Der Film: „Der Contergan-Skandal“ von Walter Harrich und Danuta Harrich-Zandberg

Die Ausstrahlung eines weiteren Films mit dem Titel „Eine einzige Tablette“ ist von Anwälten der Firma Grünthal im Juli 2006 per Einstweiliger Verfügung gestoppt worden.

[9] Den Artikel von Dr. med. Klaus Dörner mit dem Titel: „Gesundheitssystem – in der Fortschrittsfalle findest du im Internet unter: www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=32976. Einen weiteren Artikel, der sich der Vorgehensweise der Pharmaindustrie annimmt, findest du unter: www.heise.de/tp/r4/html/result.xhtml?url=/tp/r4/artikel/22/22971/1.html&words=Gesundheitsreform. In einem Interview wird hier der Gesundheitsökonom Karl Lauterbach zur Korruption im deutschen Gesundheitswesen, zur Manipulation von medizinischen Studien und zur Beeinflussung von Behörden und der Parteien befragt.

[10] Siehe die Bücher von Ken Wilber

[11] Den Ausdruck „Mitwelt“ prägte Ervin Laszlo

[12] Natürlich gibt es auch die Gegenbewegung: So gibt es auch Bestrebungen für einen vereinfachten Psychiatrie-Erlass zu sorgen, um Menschen wieder leichter in psychiatrische Kliniken einweisen zu können. Der ehemalige Direktor der psychiatrischen Klinik Gütersloh Dr. Klaus Dörner schätzt, dass in Deutschland z. Zt. ungefähr zehntausend Menschen ungerechtfertigt und ohne wirklichen medizinischen Grund in psychiatrischen Einrichtungen eingesperrt sind. (Quelle: Magazin 2000plus 2007/4)

Libertarismus braucht Grenzen

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Eine Spaltung ist eingetreten. Während vor einiger Zeit noch der Begriff „Libertär“ für Freiheit und ein friedliches Miteinander stand und von Menschen benutzt wurde, um anzuzeigen, dass sie der Vision einer Zukunft ohne Staat folgen, ohne Eingriffe in den freien Markt, ohne Subventionen, ohne Unterteilung in Herrscher und Beherrschte, so muss man heute sehr genau hinschauen, wer sich eigentlich hinter diesem Begriff verbirgt. Letztlich kam die Präzisierung des Begriffes Libertär von Hans Herman Hoppe, der als erster den Begriff „Linkslibertär“ benutzte, um aufzuzeigen, dass sich auch hinter diesem Begriff Personen und Gruppierungen verstecken, die sozialistische und damit die Freiheit bedrohende Ideen mit libertären Aussagen vermengen.

Hans Hermann Hoppe

Darauf angesprochen war sogar die Reaktion dieser Gruppierungen ganz ähnlich anderer sozialistischen Gruppierungen: Sie konterten auf den Begriff „Linkslibertär“ mit dem Vorwurf, dass diejenigen, die jetzt Kritik üben, „rechts“ wären. Sie taten dies auch in vollem Wissen, dass in der heutigen Zeit der Vorwurf „rechts“ zu sein, bei den meisten Menschen heftige Reaktionen der Ablehnung hervorruft. Sie taten dies in vollem Bewusstsein, dass diese reaktive Ablehnung dann NICHTS mit den tatsächlichen Inhalten zu tun haben wird, sondern sich nur auf ein künstlich hergestelltes auf Manipulation basierendes und verdrehtes BILD bezieht, welches das Gegenteil von Links automatisch als rechtsgerichtet und damit als schlecht und verabscheuungswürdig verortet. Doch das Gegenteil von Links ist nicht rechts, sondern frei. Die Reaktion der Links-Libertären war also ähnlich der sprichwörtlich getroffenen Hunde, die umso lautstarker bellen, umso mehr ihre eigene Ideologie sichtbar wird.

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Ich will dabei noch nicht einmal behaupten, dass es sich bei allen bellenden Hunden um tatsächliche Sozialisten handelt, die sich chamäleonartig dem jeweiligen Zeitgeist anpassen, um die Geisel dieser Ideologie von Generation zu Generation weiterzugeben. Sehr viele – vermutlich die meisten – wurden nur Opfer ihrer eigenen Indoktrination. Die Angst davor, als „rechts“ gebrandmarkt zu werden, bestimmte ihre Ablehnung. Also stimmten sie in das Geheul mit ein und merkten gar nicht, dass sie sich mit der Übernahme der Idee der offenen Grenzen (open border) auf eine Stufe mit den etablierten Parteien wie Grüne, SPD, CDU und Linke stellten. Sie merkten vermutlich lange Zeit nicht, dass die Wand, auf die sie mit großer Geschwindigkeit zu fuhren, ihnen immer näher kam, bis ein Ausweichen nicht mehr möglich war.

Die Vertreter der „Open Border“-Philosophie der Libertären haben sich selbst gegen die Wand gefahren. Nur den wirklich verbohrten ist dies noch nicht aufgefallen. Sehr vielen Menschen ist mittlerweile klar geworden, das Grenzen nicht für Gefängnisse stehen, sondern Schutz bedeuten. Jede Gemeinschaft – gerade auch freiheitliche Gemeinschaften – brauchen den Schutz einer Grenze. Auch der Vorwurf, dass Grenzen automatisch für einen Staat stehen würden, hält sich nur noch bei den völlig verblendeten oder denjenigen, die tatsächlich ein Interesse daran haben, die libertäre Bewegung in Deutschland mit sozialistischen Inhalten zu verseuchen und damit zu zerstören.

Doch glücklicherweise scheinen die Menschen mehr und mehr Aufmerksam zu sein und sind nicht mehr so anfällig für die verführerischen Begriffe „Gemeinwohl“ und „Allgemeinheit“. Auch haben mittlerweile viele erkannt, dass die Nazis Sozialisten waren und der Vorwurf „rechts“ zu sein, nur eine Nebelkerze ist. Langsam scheinen sich die Menschen wieder an Begriffe wie „Heimat“ und den Erhalt von Werten, wie einer Sprache, Gebräuchen und vor allem UNTERSCHIEDEN heranzutasten. Sie haben erkannt, dass in Unterschieden nur Vorteile liegen und dass es eine Gleichheit gar nicht gibt. Was es gibt, ist nur der Versuch der „Gleichmacherei“ und der geht IMMER mit Gewalt und Zwang einher. Menschen sind nicht gleich. Sie sind verschieden. Und es ist gut und richtig, dass sie selbst für den Erhalt ihrer Unterschiedlichkeit eintreten. Und Unterschiedlichkeit braucht Grenzen. Eine Grenze zeigt auf, dass hier das eine endet und das andere beginnt. Hier bin ich und dort bist du. Das Individuum existiert nur durch eine Grenze. Grenzen schützen das Individuum.

Ehemals war das Individuum das zentrale Element des Libertarismus. An dem Beispiel der Open Border Philosophie kann man leicht erkennen, wie zerstörerisch sich diese Ideen auf den Libertarismus ausgewirkt haben. In der Tat soll das Individuum geopfert werden durch die Vorgabe der offenen Grenzen. Verkleidet hinter den pseudomenschlichen Idealen der Gleichheit, wird das Individuum auf dem Altar der ungehinderten Zuwanderung geopfert.

Glücklicherweise erscheinen die Rufe, zunächst den Sozialstaat abschaffen zu wollen, damit sich dann das Problem der massenhaften Zuwanderung von selber löst, mehr und mehr lächerlich, in Anbetracht der immer schlimmer werdenden Situation.

Die Links-Libertären haben sich selbst an die Wand gefahren. Die Zeit scheint reif, dass immer mehr Menschen erkennen, dass wahre Freiheit Grenzen braucht.

Libertarismus braucht Grenzen.

Die „vergessene“ Psychologie

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Sagt nicht: „Ich habe die Wahrheit gefunden“, 
sondern lieber: „Ich habe eine Wahrheit gefunden.“

Sagt nicht: „Ich habe den Pfad der Seele gefunden.“
Sagt lieber: „Ich habe die Seele auf dem Pfad wandelnd getroffen.“
Denn die Seele wandelt auf allen Pfaden.

Die Seele wandelt nicht auf einer Linie, noch wächst sie wie ein Schilfrohr.
Die Seele entfaltet sich wie eine Lotusblume mit zahllosen Blättern.

Khalil Gibran

c-g-jung

C.G. Jung und Synchronizität

Vorwort

Noch immer ist die Landschaft der Begleitung von Menschen hauptsächlich geprägt von den in unserer Gesellschaft allgemein anerkannten Sichtweisen der Psychologie, die auf die Person Sigmund Freunds zurückgehen. Nur in gesellschaftlichen Randbereichen und in weniger etablierten Methoden der Begleitung von Menschen, spiegelt sich die Sichtweise einer anderen Person wieder, die neben dem „Begründer“ der westlichen Psychologie ein Schattendasein zu führen scheint. Zumindest in Deutschland geschieht es immer wieder, dass wir auf Menschen treffen, vielleicht sogar auf Menschen, die meinen, sich im Bereich der Psychologie auszukennen, denen die Person C.G. Jungs fast gänzlich unbekannt ist.

Das liegt zum Teil sicherlich daran, dass in der akademischen Psychologie C.G. Jung und seine Forschung wenig zur Sprache kommen. Aber warum dies so ist, ist erst einmal unklar. Einige kennen vielleicht noch seinen Namen, aber wer genau war C.G. Jung und was war oder ist das Besondere seiner Arbeit?

Ich möchte im Folgenden die Person C.G. Jung vorstellen, seine Forschung und seine Sicht der Dinge ein wenig erläutern und vielleicht gelingt es mir sogar, verständlich zu machen, warum dieser Mensch in der damaligen Gesellschaft so viel weniger Anerkennung finden konnte als Sigmund Freud. Auch heute noch fällt es vielen Menschen auf Grund der gesellschaftlichen Prägung schwer, sich dieser gänzlich anderen Sichtweise C.G. Jungs vorbehaltlos zu nähern, da wir „Neuem“ grundsätzlich erst einmal sehr skeptisch gegenüberzustehen scheinen.

Wer war C.G. Jung?

C.G. Jung wurde 1875 im Schweizer Dorf Kesswill geboren. C.G. Jung und Sigmund Freud trafen sich zum ersten Mal im Jahre 1907. Schon zu der Zeit hatte C.G. Jung auf dem Gebiet der Psychologie Bedeutendes geleistet. Was zu der Zeit niemand ahnen konnte: dieses Treffen sollte vieles in Bewegung bringen und Dinge nachhaltig beeinflussen und verändern. Spannend ist, dass C.G. Jung schon damals, als er Freud zum ersten Mal traf, von einem „religiösen“ Zusammentreffen sprach und auch Sigmund Freud schien dieses Treffen in einem anderen Aspekt mehr als gelegen zu kommen.

Freud schrieb damals in einem Brief an C.G. Jung: „Ich hätte mir niemanden besseren wünschen können als dich, um meine Arbeit fortzusetzen“. Diese Aussage spiegelt meines Erachtens nach auch gleich die Essenz dieser Beziehung wider, die sich in den folgenden Jahren immer wieder zeigen sollte und dann schließlich zum offenen Konflikt zwischen Jung und Freud führte. Freud sah in C.G. Jung einen Nachfolger und nicht einen Kollegen. Er hatte die Vorstellung das C.G. Jung seiner Annahme der Psychologie der Menschen folgen würde und nichts Eigenes dazu hätte beitragen können. Doch zunächst vertiefte sich die Beziehung der beiden schnell, und schon im Jahre 1908 empfahl Sigmund Freud auf dem ersten Kongress der Psychoanalytischen Vereinigung C.G. Jung zum Präsidenten dieser Institution zu wählen.

Trotz dieser ersten scheinbar sehr intensiven und intimen Zeit ihrer Beziehung, zeigte sich schnell und immer wieder die grundlegend andere Herangehensweise der beiden in der Arbeit mit Menschen. Während Freud die Meinung vertrat, dass unser unbewusstes Leben von Trieben, Instinkten und Verdrängung beherrscht wird, so betrachtete Jung das Unbewusste als eine Art schöpferische Dimension.

Schon im Jahre 1909, also gerade mal zwei Jahre nach ihrem ersten Zusammentreffen, gab es starke Spannungen innerhalb ihrer Beziehung und Freud begann Jung wegen seines Interesses an Spiritualität zu rügen. Einmal während eines Gespräches, in dem wieder eine solche Bemerkung fiel, verspürte Jung ein glühend heißes Empfinden in seinem Zwerchfell und im selben Moment fiel ein Buch aus einem Regal. C.G. Jung bezeichnete dies als in Zusammenhang mit diesem Gespräch stehend, was Freud mit der Bemerkung: „…völliger Quatsch“ abtat.

Im Jahre 1912, mittlerweile hatte sich C.G. Jung wieder auf seine eigene Forschung konzentriert, gab es eine Begebenheit, in der C.G. Jung Freud in einem Brief auf sein „ignorantes Verhalten“ ansprach und in der Folge als Präsident der psychoanalytischen Vereinigung zurücktrat. Diese Handlung wurde von Freud begrüßt, mit der Bemerkung: „… so sind wir ihn denn endlich los, diesen heiligen Jung und seine Nachbeter“.

Epiphanie

Nach der Trennung von Freud entwickelte C.G. Jung seine eigene Sichtweise der Psychologie sehr viel ungehinderter und freier weiter. Er stürzte sich richtiggehend in seine Arbeit und drang immer tiefer in die verborgenen Bereiche seines oder eigentlich präziser Ausgedrückt: des Geistes ein. C.G. Jung begann hier nämlich einen Bereich seines Geistes zu entdecken, den er später das „kollektive Unbewusste“ nannte. Er entdeckte, dass dieser Bereich der ganzen Menschheit eigen ist und fand dies beschrieben, in einer Vielzahl von Berichten, Erzählungen und Überlieferungen aus aller Welt, wie auch in Symbolen ausgedrückt, die überall in der Welt und in allen Zeitepochen zu finden sind.

Im Jahre 1916 ereignete sich dann das, was einige als den „Zusammenbruch“ von C.G. Jung interpretierten. Schon vorher sprach Jung von „Wesenheiten“ und „Geistern“, zu denen er Kontakt hatte. Dieser Kontakt intensivierte sich nun dermaßen, dass er über Tage das Haus nicht verließ und das erlebte, was er später in einem seiner Werke mit dem Namen: „Sieben Reden an die Toten“ niederschrieb. Er „empfing“, wie er später schrieb, binnen dreier Nächte eine vollständige Kosmologie des Universums. Er beschrieb, dass der menschliche Geist weit über das persönliche Unbewusste hinaus ergründet werden kann, er sprach von einer reichen Ordnung, von symmetrischen Mustern und sprach davon, dass man darüber hinaus zu einem gemeinsamen Grund kommen kann, auf dem Materie und Geist entstehen…

Vielleicht haben wir als „neuzeitliche Menschen“ das Gefühl, als wenn dies gar nicht so etwas Besonderes sei. Entweder wir sehen die Dinge abgeklärt rational und sagen: okay, warum nicht, jeder hat mal einen „Ausklinker“… oder aber, wenn wir ein wenig „esoterisch angehaucht“ sind, sagen wir: dieser Mensch hatte so etwas wie ein Erleuchtungserlebnis, wie es in anderen Teilen der Welt, zum Beispiel in Asien, Gang und Gebe ist. Tatsache ist, dass die meisten Menschen, damals und vielleicht auch heute noch, geneigt sind, dieses Verhalten als „verrückt“ abzutun. Aber was heißt das? Die Welt die C.G. Jung beschrieb, war nicht verrückt, sondern höchst geordnet, mit tiefen Einsichten und Entdeckungen, die die Grundlage all seiner späteren Arbeit bilden sollte. Sein Erlebnis war eine Epiphanie, eine Erscheinung. Seine Erkenntnisse waren voller Analogien zu anderen Berichten von Menschen in anderen Teilen der Welt und zu anderen Zeiten. Aber die Welt, die er beschrieb, war eine Andere als die der „normalen“ westlichen Menschen zu der Zeit. Sie trug einen Sinn in sich und band den Menschen ein, in ein größeres Gesamtgefüge. Und seine Erlebnisse, Erfahrungen und Schilderungen drohten das damalige etablierte gesellschaftliche Denken zu revolutionieren.

Wir Menschen neigen dazu, Dinge, die neu in unsere Wahrnehmung treten, zu ignorieren und wenn uns dies nicht gelingt, sie mit herkömmlichen Mitteln zu interpretieren bzw. zu rationalisieren. Nehmen wir zum Beispiel an, dass unsere Welt nur aus drei Farben besteht, aus Rot, Gelb und Blau. Sagen wir nun, wir begegnen der Farbe Grün… So sind wir zuerst geneigt, wenn jemand mit einem grünen Pullover an uns vorübergeht, zu denken: War das Grün? Nein, das war kein grün! Oder doch? Nein, nein, ich habe mich getäuscht, das war kein grün, das kann kein grün gewesen sein…

Stell dir vor, zum nächsten Weihnachtsfest, wenn alle Menschen, alle Verwandten beieinander sitzen, die Eltern, vielleicht die Schwiegereltern, die Onkel und Tanten… und plötzlich fragt einer: Wie ist das eigentlich so, mit eurem Sex…? Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass das Gespräch so weitergeht, als wäre nichts geschehen. Dass alle so tun, als wäre nichts gewesen. War da eine Frage? Nein, da war keine Frage! Oder doch? Nein, nein, da war keine Frage…

Falls jetzt „grün“ nicht aufhört uns zu „belästigen“, dann fangen wir an zu rationalisieren und zu interpretieren… „Das ist so, weil…“, „kein Wunder, bei den Eltern…“, oder: „damals, als ich noch jung war, da hatte ich auch solche Gedanken…“

Ich denke, das genügt, um einen kleinen Geschmack dieses Mechanismus der Verdrängung zu vermitteln.

Die Versprechen der Wissenschaft

Das, worauf ich jetzt zu sprechen kommen möchte, ist der Bereich der Analogien und Symmetrien der Jungschen Psychologie. Und insbesondere das, was C.G. Jung später „Synchronizität“ genannt hat. Als Synchronizität bezeichnete Jung: „Akausale durch einen Sinn verbundene Zustände“. Zuerst: was bedeutet „akausal“? Einfach ausgedrückt bedeutet Akausal so viel wie nicht-kausal. Der Begriff „kausal“ bzw. Kausalität ist ein Begriff des mechanistischen Weltbildes (oder des sog. Newtonschen Weltbildes) und bedeutet: Kette von Ursache und Wirkung. Das heißt, dass in jedem Geschehen ein nachweisbarer materieller Grund zu finden ist. Seit der Entdeckung der universellen Gravitation von Newton trat die Wissenschaft einen Siegeszug sondergleichen an. An Stelle der bis zu dem Zeitpunkt auch bei uns im Westen vorherrschenden gesellschaftlichen Meinung, der geheimnisvollen Beziehungen und Verbindungen zwischen dem Menschen und äußeren Geschehnissen, trat jetzt die Vorstellung von einer Kraft, die exakt gemessen werden konnte. Diese Entdeckung führte zu allen weiteren Entwicklungen der Wissenschaft, zu den Entdeckungen der Anatomie, zum Verständnis des Blutkreislaufes, zu all den Entwicklungen der Medizin… man kann sagen: dies brachte uns sogar schließlich zum Mond (wenn denn tatsächlich jemals jemand dort oben war…)

Doch in dieser „wissenschaftlichen“ Welt war kein Platz mehr für Sinn oder für „inneres Leben“, für Spiritualität und Verbundenheit. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Newtonsche Mechanik Grundlage jeder anderen Wissenschaft geworden. Selbst die menschliche Natur konnte offenbar mit dem Wirken von Instinkten und Verdrängung, mit Energieströmen und elektrochemischen Reaktionen erklärt werden. Träume und Nahtod-Erlebnisse, Erscheinungen und selbst spirituelle Erfahrungen waren plötzlich nichts anderes mehr, als ein Zucken in irgendwelchen Nervenbahnen. Vor dieser Zeit war der Mensch verbunden mit den Geschehnissen in der Natur. Der Flug eines Vogels hatte eine Bedeutung. Oder die Begegnung mit Naturerscheinungen, wie einem Wirbelsturm, oder das Auftauchen von Tierschwärmen, die Wanderung der Wale… all dies war Teil einer Beziehung, war Botschaft und Hinweis, war die Sprache der Natur zu uns Menschen, als eingebundener Teil einer größeren Ganzheit. Doch all dies war jetzt vergessen und die Wissenschaft propagierte, alles beherrschen und kontrollieren zu können und versprach, die Lösung des letzten Rätsels stünde unmittelbar bevor. Das letzte Rätsel, die Frage nach dem was Leben ist, schien fast gelöst, und es sah so aus, als wenn es nur noch eine Frage der Zeit wäre, bis auch die Lösung dieses letzten Geheimnisses von den Wissenschaftlern der Natur abgerungen werden würde. Der Tod schien fast besiegt… die Wissenschaftler versprachen, dass sie alle Krankheiten werden eliminieren können… irgendwann… und ewiges Leben stand unmittelbar bevor…

Und hinein in diese Zeit kamen nun solche Menschen wie C.G. Jung und andere und sprachen von Akausalität, von durch Sinn verbundenen Geschehnissen.

„Grün“ war auf einmal da und störte ganz gewaltig!

Freundschaft

C.G. Jung war gut befreundet mit Wolfgang Pauli, einem Physiker, der im Jahre 1900 in Wien geboren wurde. Auch Pauli beschäftigte sich mit der Koinzidenz zweier oder mehrerer kausal nicht verknüpfter Ereignisse und beschrieb in seinen Arbeiten einen Sinnzusammenhang in Geschehnissen. Gesellschaftlich gesehen war Pauli zu der Zeit in gewissen Kreisen ebenso unbeliebt wie C.G. Jung und es wurden Geschichten erzählt von Pauli, die von Zusammenhängen berichteten, von seiner Gegenwart und damit in Zusammenhang stehenden „unerklärlichen“ Geschehnissen in den Laboren der Wissenschaftler. Es war die Rede von platzenden Reagenzgläsern und defekten Messgeräten wenn er hereinkam. Zu der Zeit war der so genannte „Pauli-Effekt“ in aller Munde und überall in den etablierten Wissenschaftskreisen wurde darüber gespöttelt. Es dauerte dann noch eine Weile, bis Wolfgang Pauli und ein weiterer Freund von ihm, Werner Heisenberg, zusammen mit anderen namhaften Wissenschaftlern, wie Albert Einstein und Erwin Schrödinger mit ihren Forschungen und Erkenntnissen, die Wissenschaft vollständig auf den Kopf stellen sollten.

Die Beziehung von Wolfgang Pauli und C.G. Jung begann, als Pauli wegen schlecht vorbereiteter Vorlesungen als Professor an der Universität für theoretische Physik in Zürich zunehmend in Schwierigkeiten geriet. Er war immer schon für seine zwar intelligente, aber beißende Kritik bekannt und hatte von daher auch wenig Einbindung in das gesellschaftliche Geschehen. Als Neunundzwanzig-jähriger heiratete er eine im Kabarett auftretende Gelegenheitssängerin, die ihn einige Wochen später wieder verließ. Zu der Zeit war er bereits ein starker Trinker und wurde sogar wegen einer Schlägerei aus einer Bar geworfen. All dies brachte sein Leben derart in Unordnung, dass er schließlich zu C.G. Jung in die Praxis ging. Für Pauli hatte dies den Effekt, dass er über die kommende Zeit sein Leben allmählich wieder auf die Reihe bekam und sich weiter mit Symmetrien und Harmonien beschäftigte, und für C.G. Jung war dies eine Möglichkeit, um gemeinsam mit seinem neuen Kollegen auch auf physikalisch wissenschaftlicher Ebene seine Forschungen weiter zu betreiben. Zeit ihres Lebens, bis zum Tode Paulis im Jahre 1958, waren beide freundschaftlich miteinander verbunden und eröffneten einen Dialog zwischen der Physik und der Psychologie, der im Späteren von Arnold Mindell, dem Begründer der Prozessarbeit, dann aufgegriffen und weiter fortgeführt werden sollte.

Synchronizität

Was sind denn nun Synchronizitäten? Was bedeutet dies nun, anzuerkennen, dass es Geschehnisse gibt, die nicht kausal, sondern durch einen Sinn miteinander verbunden sind?

Von C.G. Jung gibt es viele Berichte über Synchronizitäten. Eine der bekanntesten Begebenheiten ist wohl die Geschichte mit dem Skarabäuskäfer. Jung hatte schon einige Zeit mit einer Patientin gearbeitet, die er als recht verschlossen und schwierig beschrieb, als eines Tages diese Patientin ihm während einer Sitzung einen Traum schilderte, den sie letzte Nacht gehabt hatte, in dem ein goldener Skarabäuskäfer vorkam. Während sie darüber sprachen und die Patientin ihren Traum schilderte, hörten beide ein Geräusch am Fenster. Jung stand auf um nachzuschauen und fand auf der Fensterbank einen goldenen Skarabäuskäfer, den er in die Hand nahm und der Patientin zeigte, mit den Worten, dass dies vielleicht der Käfer aus dem Traum sei…

Die folgende Entwicklung in der Behandlung der Frau beschrieb Jung als bemerkenswert. Die anschließende Besserung der Patientin und auch ihre zunehmende Öffnung und Teilnahme am Leben führte Jung darauf zurück, dass diese Frau sich auf einmal wieder als ein eingebundener Teil eines größeren Gesamtgeschehens empfinden konnte. Das Umgebende sprach zu ihr. Das Leben hatte wieder einen Sinn und alle darin enthaltenen Geschehnisse standen in einem Bezug, in einem Sinnzusammenhang zu ihr.

C.G. Jung nahm an, dass es die „Wiederentdeckung des Sinns“ war, was diese bemerkenswerte Veränderung bewirkte. Der Mensch erfährt sich als eingebundener Teil eines größeren Gesamtgeschehens und findet zu einem Sinn innerhalb seines Lebens und seines Erlebens und dies führt zu bemerkenswerten Veränderungen seiner Körperlichkeit und seiner Psyche.

Serialität

Die Beobachtung von unerklärlichen Zusammenhängen in der Natur reichen schon viel weiter zurück. Einer der ersten, die sich mit diesen Vorfällen wissenschaftlich beschäftigte, war ein Biologe namens Kammerer. Schon um die Jahrhundertwende beobachtete der Österreicher „Gleichzeitigkeiten“ und Ereignisbündelungen, ein Phänomen, welches er „Serialität“ nannte. Geschehnisse und Ereignisketten, die über eine Zeit auftreten und in denen gewisse Muster erkennbar sind, die sich wiederholen und in „Bündeln“ auftreten. Wir alle kennen solche Situationen, wenn sich ein bestimmter Name zum Beispiel immer wiederholt. Wir hören ihn in einem Gespräch und später sitzen wir im Bus und lesen diesen Namen innerhalb eines Textes auf einer Reklametafel. Abends vor dem Fernseher hören wir ihn vielleicht noch in den Nachrichten und in der nächsten Woche bekommen wir einen Anruf von einem alten Schulfreund, der eben genau diesen Namen trägt. Oder das klassische Beispiel der werdenden Mutter, die vielleicht noch gar nicht um ihre Schwangerschaft weiß und auf einmal überall Kinderwagen sieht. (Das ganze gibt es analog auch bei den Männern, wenn es sich um den Kauf eines Autos, um eben genau diese Automarke dreht, die dann auf einmal überall herumfährt…)

Was die Unterscheidung ausmacht, zwischen der Serialität, die Kammerer beobachtete und der Synchronizität C.G. Jungs, ist der Sinnzusammenhang, mit denen diese Ereignisse in Zusammenhang zum Erlebenden stehen. Dem Menschen geschehen diese Ereignisse aus einem bestimmten Grund, ohne dass kausal, also allgemeingültig nachvollziehbar, ein Beweggrund dafür vorhanden wäre. Der Sinnzusammenhang erschließt sich immer nur dieser Person. Wir alle kennen auch solche Ereignisse und wissen im Allgemeinen sehr genau, warum genau dies uns zugestoßen ist, wenn vielleicht auch nicht immer unmittelbar oder auf völlig bewusster Ebene.

Hierin, in all diesen Beschreibungen, zeigte sich erstmals wieder für die westliche wissenschaftliche Welt die integrative Tendenz des Universums. Es zeigte sich verbindend und umfassend. Das Universum zeigte sich zielgerichtet oder, wie es auch bezeichnet wird, organizitär in seiner Entwicklung. Es zeigte sich auch partizipatorisch, also anteilnehmend und es wurde deutlich, dass das Geschehen in der Welt auf tiefster beobachtbarer Ebene intelligent ist und einen Sinn verfolgt, auch wenn der Sinn sich nicht für alle Menschen gleichermaßen erschließt.

Und dies revolutionierte das gesellschaftlich vorherrschende Weltbild. Genau genommen bis in die heutige Zeit hinein. Obwohl die Beobachtungen und Forschungen dieser Menschen schon über hundert Jahre zurückliegen und in der Zeit bis heute, in anderen Bereichen der Wissenschaft, weitere das mechanistische Denken noch viel stärker erschütternde Erkenntnisse gewonnen wurden, zeigt sich bislang wenig davon gelebt in der Gesellschaft. Die Menschen kranken weiter an dem Empfinden der Sinnlosigkeit und es scheint, als wenn die Macht des mechanistischen Denkens sie weiterhin gefangen halten wollte.

Noch niemals zuvor in der Geschichte unserer Welt gab es eine Gesellschaft, die so absolut auf den Prinzipen des mechanistischen Denkens aufgebaut war und deren gesellschaftliches Funktionieren bis in die kleinsten Verästelungen damit verknüpft ist. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Menschen, auch innerhalb der westlichen Gesellschaft, die wieder zurückfinden, zurückbinden (lat. religio) und sich als Teil eines größeren Gesamtgeschehens erfahren und ihre Handlungen darauf abstimmen. Nur sehen sich diese Menschen nach wie vor, ähnlich wie Kammerer, C.G. Jung und Pauli, konfrontiert mit all der Ablehnung und all der Ignoranz, mit der Menschen auf „weltbilderneuernde“ und erweiternde Geschehnisse und Erkenntnisse reagieren.

Vorväter der Nachkommen

Montagepunkt

Der Begriff„Konsensusrealität“ entstammt der Prozessarbeit von Arnold Mindell. Angelehnt ist dieser Begriff an das Wort „Montagepunkt“, ein Begriff´, der in der schamanischen Terminologie Carlos Castanedas Verwendung findet. Der Begriff Konsensusrealität bezeichnet den Teil der Wirklichkeit, über den es innerhalb der Gesellschaft so etwas wie einen Konsens, eine Übereinkunft gibt. Es ist eine geteilte Wirklichkeit. Bereiche innerhalb der Konsensusrealität sind etabliert und anerkannt, man „geht davon aus“ und über vieles macht man sich kaum noch Gedanken. Es ist wie ein großer Bühnenscheinwerfer, der einen Teil der Bühne eines Theaters beleuchtet, der für „die Realität“ gehalten wird. Alles andere, welches von diesem Scheinwerfer nicht erfasst wird, ist nicht existent (ist „grün“) und wird mit den Mechanismen belegt, von denen wir Eingangs sprachen (Ignoranz oder Interpretation). Konsensusrealität bezeichnet also einen Teil der Wirklichkeit und durch diese Übereinkunft wirkt dieser Ausschnitt, als sei es die Wirklichkeit. Der Begriff des Montagepunktes geht aber noch einen Schritt weiter. Er benennt eine allgemein menschliche Ebene der Wahrnehmung über gesellschaftliche Grenzen und selbst über kulturelle Grenzen hinaus, die für die Abbildung und Wahrnehmung dessen, was wir als Realität empfinden, verantwortlich ist. Eine allgemein menschliche Übereinkunft, eine Ausrichtung der menschlichen Wahrnehmung, die dazu führt, dass wir die Dinge so wahrnehmen, wie wir sie wahrnehmen. Aus einer (unendlichen) Vielzahl von Wahrnehmungsmöglichkeiten greifen wir als Mensch sozusagen ein Bündel heraus und generieren daraus unsere „Wirklichkeit“.

In den schamanischen Lehren ist der Montagepunkt aber nicht nur für die Wahrnehmung dieses Teils der Wirklichkeit zuständig, sondern sorgt auch für all die physischen „Gesetzmäßigkeiten“ mit der sich dieser Teil der Wirklichkeit in uns, und in Abhängigkeit davon um uns herum, abbildet. So ist für die Schamanen auch die Gravitation oder unsere Körperlichkeit und all die anderen von uns als so fest und unabdingbar real empfundenen Bereiche unsere Welt nur ein Teil der wirklichen Wirklichkeit. Die Welt aus diesem Blickwinkel gesehen ist unendlich viel mehr als unser physischer und psychischer „Abbildungs-Apparat“ uns jemals wird zeigen können. Spannend ist, dass auch in der Wissenschaft mittlerweile davon ausgegangen wird, dass diese Welt, dieses Universum nur eines von vielen, von unendlich vielen parallelen Universen ist, die nicht alle zwingend auf denselben physikalischen Grundgesetzen basieren müssen. Das heißt, es scheint andere „Wirklichkeiten“ zu geben, die völlig anders aufgebaut sein können, mit anderen „Naturgesetzen“, die den unseren vielleicht sogar konträr gegenüberstehen können. Die Schamanen unterscheiden jedenfalls zwischen verschiedenen Möglichkeiten, den Montagepunkt für die Wahrnehmung der jeweiligen Wirklichkeiten zu verschieben: von der „leichten Verschiebung“, die zur Wahrnehmung anderer Wirklichkeitselemente führt, bis hin zu „starker Verschiebung“, welches bis zum Verlust der menschlichen Form führen kann und den Menschen auf gänzlich andere Wahrnehmungsebenen führt, die weit jenseits des in diesem Universum angesiedelten menschlich Vorstellbaren liegen.

Moderne Forschung

Die heutige Wissenschaft ist viel weiter davon entfernt, die letztendliche Frage zu beantworten, was Leben ist, als wir bislang dachten. Im Moment ist es so, dass in Bereichen der Wissenschaft, zum Beispiel in der Quantenmechanik, uns jede neue Entdeckung in Bereiche hineinführt, die alles bisher Gedachte und Vorgestellte völlig revolutioniert. Da stehen Partikel miteinander in Verbindung, die mit weit über Lichtgeschwindigkeit miteinander kommunizieren (EPR Paradoxon), welches heute bereits in der Kryptografie Anwendung findet. Da gibt es Teilchen, die sich der Bestimmung widersetzen Materie oder reine Schwingungsenergie zu sein (Doppelspaltexperiment). Da werden mittlerweile Elementarteilchen in Nullzeit durch den Raum „teleportiert“ (Experiment von Anton Zeilinger 1997). Da sind Beobachter, die Methode und das beobachtete Element, non-lokale Phänomene und der Impuls zur Beobachtung geht erstaunlicherweise vom beobachteten Element aus.

All dies ist viel weiterführender und komplexer, als dass wir wieder einmal annehmen könnten, wir wüssten jetzt, wie das Universum aufgebaut ist. Die Geschwindigkeit mit der wir neue Erkenntnisse gewinnen, potenziert sich in immer kleineren zeitlichen Abständen, und die moderne Wissenschaft dringt immer schneller in unvorstellbare und phantastische Bereiche ein. Die Erkenntnisse sind so weitreichend und wirken so verstörend auf das momentan noch allgemein gültige und in der Gesellschaft herrschende Weltbild, dass sich die Wissenschaftler auf einem Kongress in Stockholm geeinigt haben, keine Erkenntnisse und keine Interpretationen, was den Wirklichkeitscharakter unseres Weltbildes angeht, mehr in die Öffentlichkeit zu geben, was natürlich (und glücklicherweise) so nicht funktioniert. Das Universum will beobachtet, will angesehen und erkannt werden. Das Universum will sich selbst erkennen. Albert Einstein, der im Alter, zum Ende seiner Forschung, selbst Schwierigkeiten hatte, das in aller Tragweite anzuerkennen, was er im Laufe seines Lebens entdeckt hat, bekam von John Wheeler, dem Entdecker der schwarzen Löcher, eine Skulptur geschenkt, von einem Wal, der auf seinen eigenen Schwanz blickt, der sich selbst anschaut.

Damit ist vielleicht die einzige Antwort gegeben, die wir bislang zu geben in der Lage sind: die Natur, der Mensch, das gesamte Universum ist ein „Bewusstwerdungsprozess“ und will sich selbst erkennen. Aber die Fragen, deren Antwort uns die etablierte Wissenschaft stets versprochen hat, sind nach wie vor ungelöst. Vielleicht sind wir weiter von den Antworten entfernt, als jemals zuvor: Was ist der Mensch? Was ist Leben? Was ist das, was uns alle umgibt und miteinander verbindet? Was ist Körperlichkeit? Was ist der Tod?

Wir wissen es nicht! Was wir aber mittlerweile wissen, ist, dass es nicht das ist, was wir glaubten, das es ist und vielleicht lässt uns dies ein wenig innehalten, vielleicht führt uns diese Erkenntnis dazu, dem „Grün“ ein wenig offener zu begegnen.