Angst

Der lange Abschied

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Der lange Abschied

Ich war auf Reisen. Unter anderem in der ungarischen Hauptstadt Budapest, die ja nach Darstellung der linken deutschen Schmierenpresse der Vorhof einer protofaschistischen Hölle sein müsste; verloren, zerquetscht in den Krallen eines menschenhassenden Dämons.

Sie ist es selbstverständlich nicht.

Sie ist wunderschön. Gelassen, friedlich und gleichzeitig verführerisch. Guter, schwerer Wein und schöne Frauen; mit geradem Rücken, kilometerhohen Wangenknochen und kobaltschwarzen Haaren.

Aber lassen wir uns nicht ablenken.

Ich habe dort geweint, was lange nicht mehr passiert ist, denn ich habe gesehen und besser als jemals zuvor verstanden, was wir – und damit meine ich die Völker des nun in den Abgrund stürzenden Nord-/Westeuropas – verloren haben, und dies wohl unwiederbringlich.

Souveränität. Sicherheit. Präsenz.

Und ja, auch Stolz; berechtigten Stolz.

Ich bin zurückgekommen in ein Viertel, eine Stadt, ein Land, wo ich selber nun de facto Fremder bin.

Wo es in einem typischen, «sozial schwachen» (ein Euphemismus für «eroberten») Stadtviertel einer typischen Großstadt nicht ratsam ist, nach Einbruch der Dunkelheit noch auf die Straße zu gehen.

Wo nun die Knie der ewigen achtzigprozentigen Mehrheit der Guten™ wundgescheuert sind ob der Anbetung des Fremden.

Wo auch der Präsident, der ja selber am Ende jedes Volk auf Erden schöner und begehrenswerter fand als das eigene, sich den Vertreter eines zivilisationsfeindlichen Glaubens gut als seinen Nachfolger vorstellen kann.

Wo vor den Shisha-Bars die Protzkarossen der immer gleichen Klientel quer über den Bürgersteig stehen und man weiß, was passieren würde, wenn man dumm genug wäre, sich hierüber zu beschweren.

Wo kaum Anstoß daran genommen wird, wenn ehemals wertkonservative Zeitungen Menschen, die so denken wie ich, verhöhnen und von ihrer devot die Merkel-Winkelelemente schwingenden Gefolgschaft in den sozialen Medien dann noch einmal verhöhnen lassen (denn natürlich hat jede Invasion ihre Speichellecker und Büchsenspanner).

Wo die Kinder und Enkel derer, die dieses Land groß gemacht haben, nun eine bedrohte Spezies im wahrsten Sinne sind.

Wo nun immer deutlicher wird, wer die neuen Herren im Haus sind, und wer ihnen Tribut zollt – wahlweise charakter- und rückgratlos oder in vorauseilender, hündischer Begeisterung über die transzendente Erfahrung der Selbstaufgabe.

Ich habe dann – zurückgekehrt, rat- und rastlos – in Gesellschaft von Menschen, die mir etwas bedeuten, darüber nachgedacht, gelesen und diskutiert, was in den letzten zwei Jahrzehnten in Deutschland geschehen ist. Wo wir unseren Weg verloren haben. Und natürlich war dies nicht ohne Selbstkritik möglich.

(Man «steht» ja nicht im Stau; niemals. Man ist ein Teil des Staus.)

Wie steht es um uns, wie geht es weiter?

Dies muss selbstverständlich jeder für sich selbst klären und daraus die notwendigen Schlussfolgerungen ziehen.

Der folgende Standpunkt ist meiner, und ich verlange von niemandem, dass er ihn teilt oder auch nur gutheißt. Auf persönliche Beleidigungen, so viel sei dann aber doch gesagt, kann ich recht gut verzichten. Wer nicht hören mag, was ich zu sagen habe, lege sein Ohr eben an ein anderes Gleis; es gibt ja so viele.

Ich glaube, dass wir – als Land und Volk – verloren haben und verloren sind.

Ja: Auch in fünfzig oder hundertzwanzig Jahren wird – so es keinen Atomkrieg oder eine andere zivilisationszerstörende Katastrophe gibt – auf dem heutigen Territorium vermutlich ein Land namens «Deutschland» existieren.

Aber es wird wenig, sehr wenig gemein haben mit dem Land, in dem ich großgeworden bin, in dem ich eine glückliche Jugend und ein weitgehend sorgenfreies Leben als junger Erwachsener erleben durfte. In dem man sagen durfte, was man denkt und jeder Tag ein wenig mehr Freiheit versprach als der vorherige (wenn dieses Versprechen auch oft nicht eingelöst wurde).

Es wird ein Land sein, in dem die Muslime die größte weltanschauliche Gruppe (von einer Religion mag ich nun nicht mehr sprechen; man nennt ja auch den Nationalsozialismus nicht «Philosophie») stellen.

Es wird dementsprechend ein Land sein, in dem der alle Lebensbereiche umfassende Definitions- und Regelungsanspruch des Islams in Form der Scharia das tägliche Leben der Menschen dominieren wird.

Es wird ein Land sein, in dem die «Biodeutschen» eine ähnlich marginalisierte Existenz führen werden wie die indianische Urbevölkerung Amerikas nach der Landnahme der Europäer – mit Rechten, die die neuen Herren ihnen in mitleidiger Großzügigkeit gewähren werden.

Es wird ein Land sein – respektive werden – wie Spanien, das siebenhundert Jahre lang unter muslimischer Herrschaft stand. Ob hier jemals auf eine Reconquista zu hoffen ist, vermag ich nicht zu sagen.

Ich werde nichts von all dem erleben, denn die Biologie setzt Grenzen, über die man nicht jeden Tag unglücklich ist.

Aber es tut mir leid um die Kinder derer, die die Katastrophe kommen sahen und nicht gehört wurden. So sehr.

Ich bleibe in meiner Stadt, in meinem Stadtviertel, bis es nicht mehr zu ertragen ist. Rauer wird der Wind schon heute, aber noch kann man sich wehren, abgrenzen, behaupten; mag der Rahmen auch schmaler werden.

Ich bleibe in Deutschland, bis es auch in den Rückzugsgebieten nicht mehr geht.

Und wenn ich dann noch die materiellen Möglichkeiten und die Kraft habe, werde ich das Land verlassen; hoffentlich nicht alleine.

Bis dahin gebe ich in der Wahlkabine denen meine Stimme, von denen ich glaube, dass sie uns – den Bestand; die früher gekommenen Boden- und Kopfarbeiter, den wurzeldurchdrungenen Boden dieses Landes – nicht vollends aufgegeben haben. Die sich schämen, schämen würden, würfe man ihnen Verrat vor, anstatt der Kritik auf einer Wolke «postfaktischer» Ignoranz zu entschweben.

Unterstütze materiell und ideell diejenigen, von denen ich glaube, dass sie guten Willens sind:

Demokraten. Patrioten. Herzensgebildete. Freie Menschen.

Aber ich werde mir nicht mehr einreden, dass wir dieses Land zurückbekommen können.

Wir können es nur noch – um der Kinder und Alten willen, für die wir Verantwortung haben, die nicht von heute auf morgen weggehen können – ein paar Jahrzehnte lang halten.

Warum nicht mehr Widerstand?

Weil wild um sich schlagende Graurücken ein trauriger Anblick sind. Der Revierkampf war seit jeher eine Sache der Jungen, und sie werden ihn gegen die zahlenmäßig überlegenen jungen Männer aus kriegerischen Regionen verlieren, welche man bei uns zu entsorgen offensichtlich mehrheitlich beschlossen hat.

Zornige, wehrhafte Nachkommenschaft, die sich der frechen Grausamkeit des EU-Imperiums, ihren Verteilungsquoten und Selbstauflösungsgeboten in den Weg stellen könnten (so, wie es Ungarn, Polen und Tschechen heute noch tun, mit noch unsicheren Erfolgsaussichten) – sie wurde in Deutschland nie geboren.

Wir sind nun ein Volk, das auf einem abschmelzenden, jeden Tag etwas schmaler werdenden Sockel steht wie ein Eisbär auf dünn gewordener Scholle.

Oder, um es in der trockenen Sprache der Demographie zu sagen: Unsere Fertilitätsrate ist eine der niedrigsten der Welt – ein Fluch, den wir mit anderen hoch entwickelten postindustriellen Gesellschaften teilen, und der diskutiert, aber nicht weggepredigt werden kann. Die aktuellen Zahlen sind leicht zu enttarnender Budenzauber.

Nun wäre ja nicht einmal das ein (akutes) Problem: Es ließe sich auch gut leben in einem friedlichen, demokratischen Deutschland, in dem zum Beispiel statt 80 nur 50 Millionen Menschen morgens aufstehen und der eine oder andere Landstrich wieder Füchsen und Hasen gehört. Die Weite des Blicks hat noch niemandem geschadet, und die Zukunft hält ohnehin nicht genug Arbeitsplätze für all jene bereit, die – anders als eine KI, ein Industrieroboter – schlafen und essen und sich gelegentlich auch einmal vergnügen müssen.

Aber die Natur hasst das Vakuum – und ein Merkelist/EU-Politiker, der gewählt und am Steuer-Schweinetrog fett werden will, hasst solch ein Vakuum noch viel mehr, denn es verspricht ihm keinen Verdienst.

Also wird er die (gemeinte) Leere mit Menschen füllen.

Vielen Menschen.

Menschen, denen Worte wie «Demokratie», «Kultur», «Forschergeist», «Schaffensfreude» und «Freiheit des Denkens und Handelns» recht wenig bedeuten.

Und weil sich die herrschende Klasse einig ist, dass der geschundene Esel schon bald gegen etwas Besseres ausgetauscht werden kann, stehen uns Entwicklungen ins Haus, die Merkels feige Grenzfreigabe in 2015 rückblickend wie einen Windhauch durch das offene Fenster vor dem landeszerstörenden Sturm erscheinen lassen werden.

Der Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe Gunnar Heinsohn rechnet damit, dass im Jahr 2050 etwa neunhundert Millionen Afrikaner auf gepackten Koffern sitzen werden. Ihr Ziel muss kein perfektes, kein gelobtes Land sein. Ihr Ziel muss nur – da ist unsere Spezies seit jeher pragmatisch – ein wenig besser sein als das täglich erlebte Elend.

Und wenn uns die Vergangenheit auch nur den geringsten Rückschluss auf die Zukunft erlaubt, dann wird im Jahr 2050 jeder Ort auf Erden besser sein als das überbevölkerte, von Gewalt, Krankheit und dumpfem Hass zerrissene Afrika. Afrika, das seine Lektion nicht lehren wollte und – nachdem es die ressourcengierigen europäischen Zucht- und Lehrmeister vor die Tür setzte – sich nun wieder von den eigenen Dämonen piesacken lässt.

Diese 900 Millionen Menschen werden nicht in die Vereinigten Staaten von Amerika, nicht nach Kanada, Australien oder Neuseeland gehen. Denn nicht einmal der schafsköpfigste Politiker in einem dieser Länder wird dort so dumm sein, einem solchen Heer der Habenichtse Einlass zu gewähren.

Aber die Europäer. Sie werden dumm genug sein. Sie werden schwach genug sein. Und die Tore offen halten.

Wir hier, die wir ahnen/wissen, was Deutschland / Nordeuropa droht; die erkennen, was bereits geschehen ist – wir sind ein paar tausend, ein paar zehntausend. Eine Million oder zwei, wenn es hochkommt, wenn es ernst wird.

Vor der Tür aber stehen die Ungezählten, die es nicht erwarten können, in Merkels nihilistischer Suppe aufgelöst zu werden: Deutsche, Passdeutsche, Deutschenhasser, Neudeutsche, «Schutzsuchende», denen die deutsche Politik bereitwillig all das zu Füßen legt, wofür angeblich Jahrzehnte lang kein Geld da war, wenn ein hier Geborener es begehrte.

Diese Menschen werden jedes Tor, jedes Fenster wieder aufreißen, das wir zu sichern versuchen.

Und die Zukunft wird uns vom Spielfeld nehmen.

Weil wir zu wenige, zu zivil, zu optimistisch, zu spät waren.

Es ist – beinahe – vorbei.

Spielen wir unser letztes Spiel dennoch anständig.

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Anmerkung zu diesem Text:
Dieser Text entstammt einer öffentlich geteilten FB Notiz. Die Person, die diesen Text verfasst hat, beschreibt die Gefühle, die viele Menschen in diesen Tage haben. Es sind die Gefühle der Menschen, die ihr Land lieben und verzweifelt nach einer Lösung suchen. Menschen, die gekämpft haben und erkannt haben, dass sie kaum mehr eine Chance haben. Menschen, die mit ansehen müssen, wie ihre Heimat zerstört wird und ihr Leben und das ihrer Kinder unwiederbringlich verloren ist. Menschen, die dennoch nicht ihre Würde verlieren, sondern gerade und mit erhobenem Haupt, sich dem Unausweichlichen stellen und bis zum letzten Atemzug für die Freiheit einstehen.
Die Freiheitswelle bedankt sich sehr, für das in-Worte-fassen dieser äußerst tragischen Umstände. Für das Mitteilen der Verzweiflung, für den geteilten Schmerz… den wir mittragen. Wir rufen dir zu, Autor dieser Zeilen, du bist nicht alleine. Wir teilen deinen Schmerz  – genauso wie auch wir bis zu unserem letzten Atemzug für den Erhalt der Heimat und die Freiheit der Menschen einstehen werden.
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Das „medizinische“ Modell vs. Heilung

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Der prozessorientierte Ansatz im Vergleich zum „medizinischen Modell“

 

Vorbetrachtung

In der Betrachtung der prozessorientierten Begleitung von Suchterkrankungen ist es zunächst einmal wichtig zu erkennen, dass wir es in der Landschaft der Medizin und der Psychiatrie, die im allgemeinen mit der Behandlung von Suchterkrankungen beauftragt ist, mit zwei deutlich unterschiedlichen Ansätzen zu tun haben. Das eine ist der herkömmliche Ansatz, der sich zum Beispiel in der Medizin auch als das „medizinische Modell“ bezeichnen lässt und der von der Annahme ausgeht, dass Menschen in einer gegebenen Gesellschaft nicht befriedigend funktionieren, krank sind und verändert werden sollten. Notwendigerweise wird versucht, den Grund für eine Störung zu suchen und diesen dann zu beseitigen, um den Menschen wieder gesund zu machen. Hier wird deutlich, dass dieser Ansatz ein kausaler Ansatz ist und die Lösung für ein Problem außerhalb der erkrankten Person liegt. Eine Person zu heilen bedeutet in diesem Kontext, ihre Symptome zu beseitigen, sodass die Person wieder einer allgemein anerkannten Definition eines normalen Individuums entspricht.

Der prozessorientierte Ansatz geht hingegen nicht davon aus, dass der Mensch grundlegend krank ist, sondern die auftretende „Störung“ gleichsam einen potentiellen Entwicklungsschritt in sich trägt. Die Äußerungen eines Individuums in Form einer Symptomatik sind von daher bedeutsam und tragen eine Lösung in sich selbst. Dieser Ansatz ist akausal, da der Grund einer Störung oder Erkrankung nicht gleichermaßen für alle befriedigend nachvollziehbar ist, sondern sich meist nur der Person innerhalb ihres individuellen Kontextes erschließt, obwohl dennoch kausale Elemente in die Betrachtung mit einbezogen werden können.

Für diesen Ansatz braucht es eine gute und geschulte Aufmerksamkeit für die Signale, die nahe der persönlichen Identität der begleiteten Person liegen – also der primären – und insbesondere eine Aufmerksamkeit für die sekundären Signale, die Elemente, die momentan nicht mit der Identität des begleiteten Menschen verbunden sind. Daneben braucht es auch ein gewisses Maß an Mut und Vertrauen, da der Lösungsweg, der sich durch das Einladen des sekundären Materiales ergibt, grundsätzlich nicht vorhersagbar ist. Dieser Mut, wie auch das damit einhergehende Vertrauen, kann nur durch die persönliche Erfahrung wachsen, dass in der Begegnung mit dem sekundären Material eine Chance für persönliches wie auch kollektives Wachstum zu finden ist.

Die Krise in der herkömmlichen Medizin

Es ist auch sinnvoll, sich die Krise zu vergegenwärtigen, in der sich das medizinische Modell befindet. Neben einer deutlichen Unzulänglichkeit was die tatsächliche Heilung eines Menschen angeht, gibt es eine ganze Reihe von starken Nebenwirkungen einer solchen Herangehensweise, die sich von der Entmündigung des Patienten bis zur Veränderung der Symptomatik durch Symptom-unterdrückende Behandlungsansätze und dem Erscheinen von deutlich beeinträchtigenden Krankheitsbildern, die erst durch die Behandlung hervorgerufen werden, erstrecken. Die Bevölkerung wird über die völlig unbefriedigenden Erfolge dieser Herangehensweise im Unklaren gelassen und es wird stattdessen in der Öffentlichkeit und in den Medien ein Bild der herkömmlichen Medizin und der Pharmaindustrie gezeichnet, welches eine ständige Entwicklung und immer neue Erfolge im Kampf gegen die Krankheit suggeriert.

Verschwiegen werden all die Fälle, in der erst die Behandlung zu Schäden führt, wie die große Zahl an Fällen, in der Menschen an vorbeugenden Maßnahmen wie Impfungen erkranken[1], wie auch die Fälle, wo die Behandlung der Erkrankung die spätere Todesursache ist, wie bei der herkömmlichen Behandlung von Aids.

Im Bereich der Psychiatrie sind es weit über 40% aller mit Psychopharmaka oder auch Neuroleptika behandelten Menschen, die auch schon nach einer Kurzzeit-Behandlung mit genannten Mitteln an so genannter Tardiver Dyskinesie (TD) erkranken[2]. Die Symptome dieser erst durch die medizinische Behandlung hervorgerufenen Erkrankung sind unter anderem unwillkürliche, veitstanzartige Bewegungen. Diese Erkrankung ist irreversibel, d.h. die Menschen, die an TD erkranken, haben keinerlei Aussicht auf Heilung. Wie Arnold Mindell in seinem Buch „Die Schatten der Stadt[3]“ schreibt, halten selbst erfahrene Praktiker Halluzinationen und weitere Symptomatik der Ersterkrankung, mit der die Menschen in die Behandlung kommen, für erträglich, im Vergleich zu den Leiden der TD[4]. Die Anzahl so genannter Iatrogener Krankheiten, d.h. Krankheiten, die erst als Folge eines ärztlichen Eingriffes auftreten, ist weitaus höher als allgemein angenommen.

Bei Suchterkrankungen können Medikamente Rückfälle nicht verhindern. Bei der Verwendung von Ersatzpräparaten (zum Beispiel Methadon) zur Behandlung von Suchterkrankungen ist letzten Endes das Substitut selbst stark suchterzeugend und führt so nur zu einer Abhängigkeit auf anderer Ebene. Die Argumentation der Vertreter dieses Behandlungsansatzes lautet, dass bei starker Abhängigkeit, wie zum Beispiel der Heroinabhängigkeit, die betroffene Person aus dem Kreis der Beschaffungskriminalität herausgeholt wird, es drohen ihr aber neben der Abhängigkeit von staatlichen und städtischen Institutionen, in denen außer der Vergabe des Mittels meist keine weiterführenden Behandlungen angeboten werden, starke körperliche und psychische Nebenwirkungen wie Hypotonie (niedriger Blutdruck), Tachykardie (sehr schneller Herzschlag), Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen. Dazu kommen dann Antriebslosigkeit, oftmals gepaart mit depressiven Schüben, Alkoholmissbrauch und eine nachlassende, oft überhaupt nicht mehr vorhandene Libido[5]. Da diese „Suchtersatzstoffe“ meist über einen sehr langen Zeitraum in hohen Dosen eingenommen werden, sind die körperlichen und psychischen Folgen dieser Nebenwirkungen meist sehr stark und führen zu einer sozialen Isolation, welche dann im weiteren Verlauf die Ausgrenzung des Menschen aus der Gesellschaft wiederum verstärkt.

Generell kann man sagen, dass die herkömmliche Medizin und die Psychiatrie zur wirklichen Behandlung von Suchterkrankungen wenig bis gar nichts zur Verfügung stellen kann. In der herkömmlichen Medizin, wie auch in der Psychiatrie, wird zwar durch das Tragen von weißen Kitteln – die der Abgrenzung der „Wissenden“ von den „Unwissenden“ dienen – und durch den Gebrauch einer komplizierten und im allgemeinen unverständlichen Sprache der Eindruck einer kompetenten Institution erweckt, welcher sich aber bei genauer und vor allem kritischer Betrachtung sehr schnell verflüchtigt. Die Einteilung der sich in medizinischer wie in psychiatrischer Behandlung befindlichen Menschen geschieht auf Grund von Diagnosen. Die sich anschließende Behandlung erfolgt dann aufbauend auf diesen Diagnosen. In der Psychiatrie ist eine Diagnose zum Beispiel die Schizophrenie, an der angeblich über die Hälfte aller Patienten leiden sollen. Der Rest teilt sich auf in Kategorien wie depressive oder manische Zustände, Suizidalität, „Verhaltensstörungen“ und chronischer Alkoholismus oder Drogensucht. Spannend ist die Tatsache, dass nicht nur von einem Land zu einem anderen diese Diagnosen sich deutlich unterscheiden können, sondern sogar von einem Hospital zum nächsten und von einer Gemeinde zur anderen. Es scheint leichter zu sein, Krankheitsmerkmale durch eine Diagnose festzuhalten und passende Medikamente zu verabreichen, als über einen möglichen Sinn einer Erkrankung oder einer Sucht nachzudenken. Im weiteren Verlauf einer solchen „Behandlung“ wird dann jeder Zugang zu normaler Kommunikation unterbunden und zwar auf zwei Ebenen: einmal durch den nicht vorhandenen Willen des Behandlers sich auf diese Auseinandersetzung einzulassen und eine Erkrankung oder Sucht zu prozessieren und zum anderen durch die Vernebelung der Wahrnehmung des Patienten durch die Verabreichung von Psychopharmaka.

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Die Pharmaindustrie

Behandlungsmethoden hängen also stark von der Persönlichkeit des Behandlers ab und in vielen Fällen von der Vorliebe für gewisse Medikamente, welche meist durch die Vergabe von Prämien wie Urlaub in der Südsee, Aufenthalte in Firstclass Hotels oder andere Vergünstigungen (meist finanzieller Art) von Seiten der Pharmaindustrie gesteuert wird. Überhaupt ist die Macht der Pharmaindustrie hinter der herkömmlichen Medizin deutlich größer als allgemein angenommen. Es ist auch nicht so, dass überwiegend zuerst eine Krankheit vorhanden wäre und dann mit großem Forschungsaufwand ein Medikament dagegen gesucht würde, sondern es gibt zuerst eine Reihe von „wirksamen“ Präparaten, für die dann ein Absatzmarkt gesucht wird. Wenn dieser dann nicht vorhanden ist, wird kurzerhand eine neue Krankheit „designed“ und mit großem Werbeaufwand durch die Massenmedien in die Köpfe der Menschen gezaubert[6]. So wurde zum Beispiel die „Depression“ in den 90er-Jahren von der Pharmaindustrie weltweit als unzureichend vermarktet erkannt, was dazu führte, dass in den folgenden Jahren durch aggressive und suggestive „Aufklärungskampagnen“ und durch gezielte Werbung für Antidepressiva die Zahl der gegen Depressionen behandelten Menschen von 1987 bis 1997 sich fast vervierfacht hat (alleine in den USA von 1,6 auf 6,3 Millionen[7]).

Ein weiteres sehr krasses Beispiel finden wir im Falle des Schlafmittels Contergan, welches überhaupt erst in der Form in der Gesellschaft Akzeptanz finden konnte, nachdem die Wichtigkeit des Vorhandenseins eines Schlafmittels, welches völlig harmlos und nebenwirkungsfrei einen erholsamen und wohltuenden Schlaf verspricht, durch immensen Werbeaufwand propagiert wurde[8]. Die Idee war wohl: Wenn schon die wachsenden Sorgen um die Zukunft den Menschen nicht mehr schlafen lassen, dann sorgen wir doch für ein Mittel, welches zumindest für ein paar Stunden ein Vergessen verspricht.

Als dann die ersten Fälle von schwersten Missbildungen bei Kindern auftraten, ignorierte die Pharmafirma Grünenthal Chemie, die dieses Mittel auf den Markt brachte, nicht nur lange die aufkommende Kritik, sondern verklagte die Kritiker wegen Rufschädigung. Das Mittel wurde dann auch noch in andere europäische Länder gebracht, bis dann schließlich auch der amerikanische Markt gewonnen wurde. Erst als die Zahl der erkrankten Kinder alleine in Deutschland über 5000 stieg, wovon im weiteren Verlauf nur die Hälfte überlebt hat, wurde das Mittel 1961 vom deutschen Markt genommen.

Später wurde dann auch publik, dass der Contergan-Entwickler Dr. Heinrich Mückter, der bei Grünenthal Chemie zu Ruhm und Ansehen kam, von der polnischen Justiz als Nazi-Arzt wegen seiner Fleckfieber-Experimente an KZ-Häftlingen gesucht wurde. Der anschließende Prozess gegen Mückter und andere Verantwortliche der Grünenthal Chemie endete dann auch – nach wohlwollender Beihilfe durch die nordrhein-westfälische Landesregierung – mit einem Justizskandal. Es gab einen Freispruch “wegen geringer Schuld” und “wegen geringer Bedeutung für die Öffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland”. Nach Unterzeichnung einer Zwangserklärung, die alle weiteren Ansprüche ausschloss, erhielt jedes Contergan-Kind eine monatliche Rente zwischen 100 und 500 Euro, wovon der Bund (also der Steuerzahler) auch noch die Hälfte bezahlt.

Welche Lobbyisten dort ihre Finger im Spiel hatten wird deutlich, wenn Mittel, die den Wirkstoff „Thalidomid“ enthalten, welches der zentrale Wirkstoff des Contergan-Mittels ist, auch heute noch, natürlich in „Dritte Welt Ländern“, auf dem Markt sind. Es gibt nicht nur eine Generation von Contergan-Kindern, sondern bis heute dauert die Vergiftung der Menschen mit diesem Mittel an. In dem Film „Der Contergan-Skandal“ von Walter Harrich und Danuta Harrich-Zandberg heißt es dann auch an einer Stelle: Die Pillen von damals sehen aus wie die Tabletten von heute und die Thalidomid-Opfer von heute sehen aus wie die Contergan-Kinder von damals. Von der Vorstellung, die Pharmaindustrie hätte das Wohl der Menschen im Blick, dürfen wir uns also getrost verabschieden.

Wie schon im Zusammenhang mit der Kritik gegen das Contergan-Mittel erwähnt, ist es nicht leicht, sich einem solch übermächtigen Gegner zu stellen. Umso erwähnenswerter ist es, wenn Menschen aus direkt von dieser Industrie abhängenden Branchen den Mut finden und die Dinge beim Namen nennen. So betreibt Dr. med. Klaus Dörner in einem Artikel mit dem Titel: „Gesundheitssystem – in der Fortschrittsfalle“, der im deutschen Ärzteblatt (Nr. 38/09 2002) erschienen ist, eine Analyse eines Systems, das des Profits wegen Krankheit erfindet, erzeugt, pflegt und institutionalisiert.

Ein Auszug aus dem genanntem Artikel[9] beschreibt die Motivation der Pharmafirmen wie ich finde recht deutlich: […] Der Wettbewerb zwingt zur Erschließung neuer Märkte. Das Ziel muss die Umwandlung aller Gesunden in Kranke sein, also in Menschen, die sich möglichst lebenslang sowohl chemisch-physikalisch als auch psychisch für von Experten therapeutisch, rehabilitativ und präventiv manipulierungsbedürftig halten, um „gesund leben“ zu können. Das gelingt im Bereich der körperlichen Erkrankungen schon recht gut, im Bereich der psychischen Störungen aber noch besser, zumal es keinen Mangel an Theorien gibt, nach denen fast alle Menschen nicht gesund sind.

Der prozessorientierte Ansatz

Dies soll uns nun genügen, um den Ansatz des „medizinischen Modells“ und den Einsatz pharmakologischer Mittel einzuschätzen. Wie verhält es sich nun mit dem prozessorientierten Ansatz?

In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts beschrieb C.G. Jung, dass psychische Störungen nicht nur pathologisch seien, sondern Manifestationen einer sinnvollen Kraft. Dies ist eine deutlich andere Sichtweise, die in physischen wie in psychischen Krankheiten eine Herausforderung und eine immanente Chance zur Entwicklung des Menschen sieht. Hier soll uns nun genügen, dass diese Betrachtung einer Einheit des Menschen mit seiner Umgebung und seinem Erleben eine Grundvoraussetzung für die prozessorientierte Begleitung eines Menschen ist. Viele Methoden in der Begleitung von Menschen in Krisen bauen auf diesem Ansatz auf. Der Sinngebende Inhalt einer Krise soll in einigen Therapieformen, wie zum Beispiel der Tanztherapie, so vollständig wie möglich ausgedrückt werden.

Transpersonale Therapien[10] sehen Krankheiten und Krisen als Herausforderungen und Chancen für die Evolution des menschlichen Geistes auf dem Weg zum „Selbst“ und Gruppentherapien, Familientherapie und sonstige systemische Ansätze beschäftigen sich unter anderem mit Kommunikationsproblemen in der Umgebung, aus der der Klient kommt, in der Annahme, dass das krankmachende Muster in der Umgebung indirekt eine Unterstützung erfährt. Alle diese Ansätze gehen also davon aus, dass der Mensch kein von seiner Umgebung unabhängiges Individuum ist, sondern versuchen die Verbindung eines Menschen zu seinen Mitmenschen bzw. seiner Mitwelt in ihre methodenspezifische Behandlungsweise einzubeziehen.

Der britische Psychiater Ronald D. Laing (1927 – 1989) sieht schließlich die psychische Erkrankung eines Menschen als Kompensation für eine Welt, in der die öffentlichen Folgen von Verrücktheit gefürchtet werden. Dieser Ansatz ist in sofern radikal, als dass er zum ersten Mal deutlich einen Zusammenhang der psychischen Erkrankung und auch einer Sucht in Beziehung zur Umwelt bzw. Mitwelt[11] beschreibt. Menschen, die erkranken, erkranken somit nicht mehr in Ausschließlichkeit für sich selbst, sondern auch für die Gemeinschaft der Menschen, die sich der Auseinandersetzung mit Entwicklungsfördernden Themen verweigern. Natürlich wird diese Sichtweise in Kreisen des medizinischen Modells mit aller Vehemenz abgelehnt, begründete doch R.D. Laing zusammen mit einigen anderen die antipsychiatrische Bewegung, die sich insbesondere gegen die Erklärung der Schizophrenie als psychische Erkrankung wendet und nicht nur, wie andere Psychiatriekritiker, Missstände und heikle Entwicklungen anprangert, sondern die Psychiatrie insgesamt radikal in Frage stellt.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist die Diagnose ein Merkmal des medizinischen Modells, die schon bei der Behandlung physischer Erkrankungen zu Problemen führt. Sehr viel mehr noch ist eine Diagnose im Bereich der psychischen Erkrankungen ein Problem, da psychische Störungen immer als Abweichung von einer Norm definiert werden. Dies wirft natürlich die Frage auf: Wer definiert eigentlich, was die Norm ist? Unterschiedliche Kulturen haben deutlich unterschiedliche Sichtweisen von „was normal ist und was nicht“. So galt beispielsweise Homosexualität lange Zeit als behandlungsbedürftige psychische Störung. Und Untersuchungen in den USA zeigten, dass Schizophrenie häufiger bei Angehörigen der Unterschicht, besonders bei Schwarzen, diagnostiziert wurde als bei Personen aus der weißen Mittelschicht, was den Verdacht einer Bestrafung schichtspezifischer Unangepasstheit durch Etikettierung mit dem Begriff „krank“ nahe zu legen scheint.

Hier wird deutlich, dass die Diagnose und die Bezeichnung von sozial abweichendem bzw. gesellschaftlich unangepasstem Verhalten als Krankheit, sowie die darauffolgende ablehnende und ausstoßende Reaktion der Mitmenschen das eigentliche Problem darstellt. Da also die Ursache für eine Erkrankung in den gesellschaftlichen Strukturen zu finden ist, wären bei genauer Betrachtung eigentlich gar nicht die Erkrankten zu behandeln, sondern die Gesellschaft.

Die andere Sicht

Auch wenn diese Meinung insgesamt die psychiatrische Weltsicht in unserer Gesellschaft bislang nur wenig verändert hat, so liegt doch immerhin hier begründet, dass die Verweildauer von Patienten in psychiatrischen Kliniken sich deutlich verringert hat und die so genannten Zwangseinweisung gegen den Willen des oder der Betroffenen einer genaueren Kontrolle unterliegt. Es gibt mittlerweile auch Bestrebungen[12], für so genannte „Weglaufhäuser“ zu sorgen, die als Zufluchtsort für Menschen dienen, die psychiatrische Behandlungen meiden wollen und/oder eine Alternative zur herkömmlichen psychiatrischen Behandlung suchen.

Über die USA und die Schweiz sind die Soteria-Häuser (soteria griech. „Rettung“) nach Deutschland gekommen, die eine alternative stationäre Behandlung bei psychotischen Krisen anbieten. In diesen Häusern gibt es keine „Therapie“ im herkömmlichen Sinne. Die Mitarbeiter stützen oder fordern je nach aktueller Befindlichkeit die Bewohner und sind angehalten, die Erkrankung der Person ideologiefrei positiv zu bewerten. Die Mitarbeiter und Bewohner gestalten ihre Beziehung gleichwertig, es gibt wenig Rollendifferenzierung und wenig Hierarchie. Eine spürbare Nähe zu Menschen wird für die Bewohner als äußerst wichtig anerkannt und durch personelle Kontinuität gewährleistet. Es wird sozusagen eine Familie auf Zeit geschaffen, in der die gemeinsame Entwicklung konkreter Lebensziele und das alltagsorientierte Leben und Lernen in der Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen.

Es ist also hervorzuheben, dass diese Ansätze auf der Akzeptanz und Wertschätzung der Erkrankung des Menschen basieren. In einem weiteren Schritt wird im prozessorientierten Ansatz generell und im speziellen bei der Begleitung von Suchtphänomenen anerkannt, dass das Geschehen nicht in Ausschließlichkeit mit der betreffenden Person zu tun hat, sondern darüber hinaus auch Ausdruck eines kollektiven Verdrängungs-Mechanismus sein kann. Außerhalb der in einer Gesellschaft akzeptierten Verhaltensnorm liegen Wachstumspotentiale, die von einigen wenigen Menschen aus einem Randbereich heraus den Menschen der Masse angeboten werden, die sich weigert diese verdrängten Anteile zu leben bzw. sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Dazu passt auch, dass viele aus den Augen der Gesellschaft gesehen schwer gestörte Menschen selbst nicht das Gefühl haben gestört zu sein und aus dem Grunde auch nicht aus eigenem Antrieb in die Behandlung kommen. Diese Menschen bestehen oft darauf, dass die Gesellschaft in der sie leben selbst krank sei. Aus der Perspektive innerhalb der gesellschaftlich anerkannten Norm gesehen, sieht dies natürlich wie eine Bedrohung aus und wird dementsprechend mit Ablehnung und Ausgrenzung beantwortet.

Aus den Augen des prozessorientierten Ansatzes gesehen ist diese Sichtweise jedoch elementar, da sie den Begleiter zu dem nötigen Respekt führt, den eine Begleitung erfordert. Spannenderweise verändert sich unter diesem Blickwinkel auch sofort die Kommunikation zu diesen Menschen. Der Tenor der prozessorientierten Herangehensweise lautet: „Lehre mich, was das Muster deiner Sucht beinhaltet. Was ist deiner Sucht innewohnend, was mir – und der Gesellschaft, in der wir beide leben – vielleicht fehlt?“ Die Frage ist nicht nur: „Was gibt dir deine Sucht und wohin führt dich der Gebrauch der Substanz, welche Räume eröffnet dir der Gebrauch der Substanz, die sonst verschlossen wären“, sondern: „Was daran ist die Chance für unser aller Wachstum und die Entwicklung der Gemeinschaft der Menschen?“

Dadurch, dass ein Mensch ausgegrenzte Teile seiner selbst anerkennt und sie durch seine Auseinandersetzung mit ihnen integriert und daran wächst, sich in qualitativer Hinsicht erweitert und komplettiert, erlöst er im gewissen Sinne andere Menschen, diese Teile in teilweise starker Ausgrenzung und Ablehnung der Gesellschaft zu leben.

In dieser Anerkennung liegt die „Wahrnehmung“, das „für-wahr-nehmen“ des Menschen in seiner gegenwärtigen Situation. Die grundlegende Anerkennung der Sinnhaftigkeit seines aktuellen Problems und im Speziellen das „für-wahr-nehmen“ seiner individuellen Empfindung, seiner Sichtweise und Schilderung. Aus dieser Form des Wahrnehmens folgt die Berührung im Sinne eines wirklichen Miteinanders. Arnold Mindell nennt diese Form des Wahrnehmens auch den „Anfänger-Geist“ und benennt damit eine vorurteilslose, offene, nicht auf vorgefasste Meinungen oder festgeschriebene Kategorien basierende Form des in-Kontakt-sein mit anderen Menschen. Die sich da heraus ergebende Berührung ist wiederum Basis einer jeden Begleitung. Im für-wahr-nehmen und der (nicht physischen) „Berührung“ spiegelt sich die Innere Haltung als die Grundlage der Integrativen Prozessbegleitung wieder. Ohne die Innere Haltung kann es aus Sicht der Integrativen Prozessbegleitung keine Begleitung geben. Und ohne dieses Fundament sind alle methodischen Ansätze nur seelenlose „Techniken“, die am eigentlichen vorbeigehen. Andersherum gesehen gibt es auf der Basis der Inneren Haltung eine Vielzahl von Möglichkeiten, um im weiteren Verlauf einer Begleitung den Prozess eines Menschen zu Unterstützen und den natürlichen Prozess der Integration von neuen erweiternden und komplettierenden Anteilen zu begleiten.

 

[1] „Impfen – Völkermord im Dritten Jahrtausend?“ von Stefan Lanka und „Das Geschäft mit der Angst“ von Gerhard Buchwald

[2] Kessler, Waletzky 1981

[3] „Die Schatten der Stadt“ von Arnold Mindell – Jungfermann 1989

[4] Janson et al. 1985

[5] Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Methadon

[6] Bücher hierzu: „Die Krankheitserfinder“ oder „Heillose Medizin“ von Jörg Blech und „Das Medizinkartell – Die sieben Todsünden der Gesundheitsindustrie“ von Kurt Langbein

[7] Deutsches Ärzteblatt 38/09 2002 „Gesundheitssystem – in der Fortschrittsfalle“

[8] Der Film: „Der Contergan-Skandal“ von Walter Harrich und Danuta Harrich-Zandberg

Die Ausstrahlung eines weiteren Films mit dem Titel „Eine einzige Tablette“ ist von Anwälten der Firma Grünthal im Juli 2006 per Einstweiliger Verfügung gestoppt worden.

[9] Den Artikel von Dr. med. Klaus Dörner mit dem Titel: „Gesundheitssystem – in der Fortschrittsfalle findest du im Internet unter: www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=32976. Einen weiteren Artikel, der sich der Vorgehensweise der Pharmaindustrie annimmt, findest du unter: www.heise.de/tp/r4/html/result.xhtml?url=/tp/r4/artikel/22/22971/1.html&words=Gesundheitsreform. In einem Interview wird hier der Gesundheitsökonom Karl Lauterbach zur Korruption im deutschen Gesundheitswesen, zur Manipulation von medizinischen Studien und zur Beeinflussung von Behörden und der Parteien befragt.

[10] Siehe die Bücher von Ken Wilber

[11] Den Ausdruck „Mitwelt“ prägte Ervin Laszlo

[12] Natürlich gibt es auch die Gegenbewegung: So gibt es auch Bestrebungen für einen vereinfachten Psychiatrie-Erlass zu sorgen, um Menschen wieder leichter in psychiatrische Kliniken einweisen zu können. Der ehemalige Direktor der psychiatrischen Klinik Gütersloh Dr. Klaus Dörner schätzt, dass in Deutschland z. Zt. ungefähr zehntausend Menschen ungerechtfertigt und ohne wirklichen medizinischen Grund in psychiatrischen Einrichtungen eingesperrt sind. (Quelle: Magazin 2000plus 2007/4)

Vom Führen zum Folgen

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Das Institut Freiheitswelle erforscht die Möglichkeiten moderner freiheitlicher Gesellschaftskonzepte, die sich an tatsächlichen realen Begebenheiten orientieren und möchte Wege aufzeigen, diese Konzepte in die Realität zu überführen. Im Zuge dessen stellen wir uns der Frage, wie Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie, der Kommunikationsforschung und der Systemtheorie als Basis unserer Bestrebungen nach fruchtbaren und gewaltfreien Beziehungen in Gemeinschaften dienen können.

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Vom Führen zum Folgen

Die in den achtziger Jahren von Harrison Owen entwickelte O.S.T. (Open SpaceTechnology) ist eine innovative Form der Kommunikationsbegleitung von Menschen in großen Gruppen, die Wandel weder erkämpft noch bekämpft, sondern mit dem Fluss des Geschehens geht. Sie ist eng mit Erkenntnissen der Chaosforschung und der Systemtheorie verknüpft. Es gibt eine Verbindung zu verschiedenen anderen Methoden prozessorientierter Arbeit und insbesondere zur prozessorientierten Gruppenarbeit Arnold Mindells, die wiederum aktuelle Erkenntnisse anderer Wissenschaftszweige wie z.B. der Quantenphysik integriert. Auch die im Späteren ebenfalls von Arnold Mindell entwickelte Weltarbeit (Worldwork), die soziologische Schwester der Prozessarbeit, basiert auf diesen Elementen. Neben den „modernen“ wissenschaftlichen Anteilen, beinhalten all diese Methoden indigenes Wissen um die Verbindung des Menschen zu seiner Umwelt, schamanistische Elemente und Anteile der Weisheitslehren dieser Welt, wie der Lehre des Tao.

Im Grunde beschreibt die Entwicklung der Gesamtheit dieser Arbeit den Übergang der bis zu dem Moment in der Gesellschaft fest verankerten Ansichten über die Notwendigkeit fester Führungsstrukturen für Entwicklung und Wachstum, hin zu den Entdeckungen und Formulierungen der Chaosforschung und der Systemtheorie. In diesen neuen Wissenschaftszweigen gab es Entdeckungen, die zu kontroversen Aussagen führten. Einfach formuliert, beinhaltete laut dieser Aussagen das Chaos tiefe komplexe Ordnungsstrukturen und Systeme entwickelten und organisierten sich nicht auf Grund äußerer Einflüsse, sondern aus sich selbst heraus. Diese Entdeckungen waren revolutionär, standen sie doch der bisherigen Sicht entgegen, dass Ordnung erst vom Menschen der vermeintlich zutiefst ungeordneten und chaotischen Natur beigebracht werden muss.

All die Jahre seit Begründung der Naturwissenschaften durch Descartes hatte man versucht, das scheinbar so willkürlich hereinbrechende Schicksal zu kontrollieren und den vermeintlichen Fehler in der Weltmaschine zu finden. Nun plötzlich zeigten sich höchst geordnete, aber dabei sehr komplexe Strukturen, die alle darauf hindeuteten, dass organische Systeme einen eigenen inneren Entwicklungsplan in sich tragen und somit ihre Entwicklung aus sich selbst heraus planvoll organisieren. Begriffe wie Organizität (Selbstorganisation) oder deterministisches Chaos machten die Runde und konfrontierten uns mit unserer seit 400 Jahren gewachsenen und eingewöhnten Vorstellung von linearer Entwicklung und gewünschter Kontrolle der Vorgänge in der Natur und der Menschen.

Entdeckungen der Chaos- und Systemtheorie

Die Chaosforschung beobachtete und beschrieb Vorgänge in der Natur, deren Dynamik zwar von bestimmten Anfangsbedingungen abhängen, sich dann aber durch seltsame Attraktoren (strange attractors) sozusagen nicht-linear und nicht vorhersagbar weiterentwickeln und dennoch in ihrer Entwicklung eine äußerst komplexe Ordnung aufweisen. Beispiele hierfür sind so genannte Fraktale, Bilder seltsamer Schönheit, die durch Iteration von einfachen mathematischen Gleichungen entstehen und die sich auf Grund einer komplizierten und scheinbar irregulären inneren geometrischen Struktur und durch Bifurkation zu ihrer höchst komplexen Ordnungsstruktur entwickeln. Diese Aussagen ließen sich auf bestimmte Musterbildungsprozesse in der Natur wie das Wetter, auf Turbulenzen in der Luft, auf Verwirbelungen im Wasser, Flussläufe und Küstenlinien, bei der Erosion, aber auch auf Wirtschaftskreisläufe und damit letztendlich auch auf das menschliche Verhalten übertragen.

Die Systemtheorie tat ihren Teil dazu, indem sie die systeminhärente Entwicklung in komplexen Systemen verifizierte und ebenfalls beschrieb, dass Systeme sich aus sich selbst heraus, sozusagen einem eigenen inneren Entwicklungsplan folgend, in nichtlinearer Form durch nicht-vorhersagbare Entwicklungssprünge entwickeln. Im Grunde ist die Systemtheorie kein eigener Wissenschaftszweig, sondern ein interdisziplinäres Erklärungsmodell. Sie beschäftigt sich mit Elementen der Physik, der Biologie, der Ethnologie und der Philosophie. Der Gebrauch des Begriffes System (gr. das Verbundene), weißt darauf hin, dass alle Elemente so aufeinander bezogen und miteinander verbunden sind, dass es ein Ganzes ergibt. In diesem Zusammenhang gibt es den Begriff der „Autopoiese“ (altgr. selbst und machen) der von den Neurobiologen Maturana und Valera geprägt wurde und in ihrem Buch „Der Baum der Erkenntnis“ beschrieben wird. Wer sich weiter mit Themen der Systemtheorie im Bereich der Biologie bis hin zur Quantenphysik beschäftigen möchte, dem seien unter anderem folgende Arbeiten empfohlen: Das Buch: „Die Selbstorganisation des Universums“ des Systemtheoretikers Erich Jantsch, das Buch „Synchronizität“ – die verborgene Ordnung von F. David Peat, „Das schöpferische Universum“ von Rupert Sheldrake und das Buch „Wendezeit“ von Frietjof Capra.

Alle diese Aussagen standen im krassen Widerspruch zu der bis dato in der Gesellschaft vorherrschenden Meinung, Systeme durch Kontrolle auf gedachte lineare Entwicklungsbahnen bringen zu müssen. Im Grunde standen hier alle Vorgänge in der Natur, wie Wettervorhersagen, aber auch die Bekämpfung der Krankheiten in der Medizin, bis hin zu den Ansichten die Erziehung unserer Kinder betreffend, zur Disposition. Schmerzlich mussten die Menschen sich von ihrer Vorstellung einer krankheitsfreien Welt und einer menschlichen Entwicklung, die auf gedachten westlichen (also lokalen) kulturellen Bahnen abläuft verabschieden. Kinder entwickelten sich nicht wegen unserer Erziehung, sondern glücklicherweise trotz unserer Erziehung.

Die Entwicklung der Open Space Technology (O.S.T.)

Harrison Owen kam auf verschlungenen Wegen zur Arbeit mit Menschen in großen Gruppen.  Eigentlich anglikanischer Pfarrer (mit dem Schwerpunkt Mythen und Rituale) und Epistemologe (ein Wissenschaftszweig, der untersucht wie Menschen zu Wissen gelangen), kam er in den sechziger Jahren in Kontakt zu den Menschenrechtsbewegungen in den USA, war dann in Gemeinde-Aktionsprogrammen in Amerika und im Nahen Osten tätig und arbeitete dann in verschiedenen Gesundheitsprogrammen. In seiner Arbeit als Berater und Organisationsentwickler beobachtete er ebenfalls, dass sich Organisationen in merkwürdiger Weise verhielten und statt netten und ordentlich geplanten Entwicklungsmustern zu folgen, diskontinuierliche Sprünge taten. Seiner damaligen Einstellung folgend war natürlich, dieses verwirrende und oft auch für alle Beteiligten schmerzhafte Geschehen zu durchschauen und in geordnete Bahnen zu lenken. Das was er als Berater erwartete, war „Entwicklung“, die nach damaliger Definition geplant werden und gedachten Regeln folgen muss, doch was er beobachtete war „Transformation“, ein Begriff, der eine systeminhärente Entwicklung benennt, eine Entwicklung aus sich selbst heraus und unabhängig von äußerer Planung. Und wie er selbst schließlich zugeben musste, hatten er und seine Kollegen überhaupt keinen Schimmer davon, was eigentlich vor sich ging.

Die Entwicklung von O.S.T. begann mit der Beobachtung, dass – einfach ausgedrückt – alle eigentlich wirklich wichtigen Dinge, die zur Entwicklung (Transformation) in Betrieben und Organisationen führten, allesamt in den Kaffeepausen stattfanden. Dies war für ihn nach all den Jahren seiner Versuche, Dinge in endlosen Komitees und Sitzungen zu strukturieren, natürlich ein Schock. Führung war nach dem allgemeinen Verständnis bislang da, um Sinn in das Chaos zu bringen, Zweifel in Sicherheit zu verwandeln und positive Handlungspläne zu entwerfen, um unwägbare Paradoxien zu lösen. Seine Idee war, dass gute Leiter die Dinge einfach in Ordnung bringen müssen.

Alles das, was die Teilnehmer der zahllosen Symposien aus den Treffen aber wirklich mitnahmen, waren Dinge, mit denen er und seine Kollegen im Grunde nichts zu tun hatten. All die aufgestellten Veränderungspläne und Diskussionen darüber, was zu tun jetzt „richtig“ wäre, führten letztendlich nicht zu den gewünschten Ergebnissen. Auf großen Universitätsgeländen rauften sich die Organisatoren die Haare ob des Versuches, die Studenten zu veranlassen, die nach langer Planung und wohlüberlegt auf dem Reißbrett entstandenen Fußwege nicht zu verlassen. Stattdessen liefen die Studenten einfach und scheinbar (!) planlos quer über den Rasen und suchten (und fanden) ihre eigenen Wege. Keine Absperrung half und keine Ge- oder Verbote konnten die Studenten an diese „geplanten“ Wege gewöhnen. Sie konnten den Menschen noch so schöne Räume zur Verfügung stellen, in denen sie sich treffen sollten, um ihre Anliegen zu besprechen, sie trafen sich dennoch weiter in alten Gebäuden und suchten sich dort „ihre“ Ecken. Durch diese und weitere Beobachtungen kam es dann zu einer der wichtigsten späteren Definitionen der O.S.T. – Arbeit Harrison Owens – dass  das „Ziel von Führung nicht die Etablierung irgendeines gedachten perfekten Zustandes (oder der „richtigen“ Sache) ist, sondern das Erkennen einer höheren Qualität im Unterwegssein.“

Parallel dazu sprach der Wissenschaftszweig der Systemtheorie davon, dass Chaos eine eigene komplexe Ordnung beinhaltet und dass es Sicherheit in Vorhersagen bestenfalls noch als Wahrscheinlichkeiten gab. Führung, die versucht, irgendetwas in Ordnung zu bringen, konnte jetzt nur noch versagen. Die Zeit der herkömmlichen Organisationsentwicklung war vorbei. Transformation ist das, was gerade jetzt stattfindet  – nicht später, nicht bald, sondern genau jetzt in diesem Augenblick und sie geschah aus sich selbst heraus. Der Versuch das Chaos zu beseitigen und Ordnung zu erzeugen, schien auf einmal gleichbedeutend damit, das Leben selbst zu eliminieren.

Als Harrison Owen eines Tages unter einem Baum lag und über all das nachdachte, empfand er die Verbindung nicht nur zum Baum unter dem er lag, sondern auch zur Erde, zum Himmel, zu den Menschen, zu allen Hunden und Katzen und wilden Kreaturen und er fand, dass der Begriff „Spirit“ für ihn das Wort war, welches am ehesten diese verbindende und gleichzeitig tragende Kraft beschreiben konnte. Er selbst sagte später, dass er im Grunde gar nicht weiß, was „Spirit“ wirklich ist und dass er sogar wenig Neigung zu einer genauen Definition verspürt. Vielleicht hängt es mit dem Unvermögen unserer Sprache zusammen, dass wir, sowie wir etwas benennen, keinen Raum mehr dafür lassen, dass es auch noch etwas anderes sein kann. Benennungen scheinen andere Möglichkeiten tendenziell auszuschließen. Der Begriff „Spirit“ hat im Englischen, wie auch im Deutschen eine Vielzahl von möglichen Bedeutungen. Begriffe unserer Sprache wie Geist, Lebenshauch oder auch Seele sind alle möglich, wie auch Begriffe im Sinne von Spiritualität und Inspiration. Der Begriff Geist und seine Umschreibungen findet sich dann wieder in „Teamgeist“, „Kampfgeist“ oder „Sportsgeist“, die alle letztlich eine Form von Kraft und Dynamik benennen, die nicht-materieller, also „geistiger“ Natur sind.

Das Wesen des Facilitators

Veränderungsprozesse sind nicht immer angenehm, ja, sie können geradezu erschreckend sein. Veränderung bedeutet, dass unsere alten Lebensformen weggefegt und beiseite geschoben werden und dies führt natürlicherweise zu Unsicherheit und zu Ängsten. Gleichermaßen eröffnet sich dadurch aber ein Raum, in dem sich Neues gestalten kann und ein neuer Ausdruck unserer Selbst entsteht. Für diejenigen, die ihren Sinn allein in den Formen und Strukturen des Lebens sehen und versuchen, ihr Leben in vorgeplanten Bahnen zu leben, ist diese Erfahrung ein Schrecken ohnegleichen, denn es scheint so, als würden sich Abgründe auftun und das Leben selbst würde erlöschen. Für die Menschen aber, die hinter dieser Kraft das Wirken inner inneren im gewissen Sinne „lenkenden“ Kraft erkennen können, eröffnet sich ein ganz neuer Umgang mit sich verändernden Strukturen jeglicher Art. Diese Fähigkeit führt sie zur ruhigen Betrachtung ihres eigenen Lebensweges, bis hin zur Begleitung von Veränderungsprozessen bei Einzelnen, Paaren und in Organisationen.

Die Rolle eines Menschen der diese Veränderungsprozesse begleitet, muss zwangsläufig eine andere sein, als die bislang in der Gesellschaft geforderte. Diesen Erkenntnissen folgend dreht es sich viel weniger um „tun“, als vielmehr um „geschehen lassen“. Hier gibt es kein geplantes Ziel und kein Wissen um ein „wohin“, als vielmehr ein Vertrauen in den ureigenen Weg eines Geschehens. Es dreht sich um Raum, in dem sich Dinge aus sich selbst heraus gestalten können. Von daher fand der ebenfalls in der Prozessarbeit von Mindell  gebrauchte Begriff des „Facilitators“ auch in der O.S.T. Verwendung. Dieser Begriff aus dem englischen „to facilitate“ hat eng mit den Begriffen „erleichtern und „unterstützen“ zu tun. Ebenfalls spielen Begriffe wie“Gelegenheit“, „Leichtigkeit“, „Geschick“ oder auch „Möglichkeit“ mit hinein. Es geht also um unterstützende Anwesenheit, was scheinbar wenig „macht“, aber letztendlich sehr viel „ist“. Ein Facilitator öffnet den Raum und hält den Raum offen. Er öffnet den Raum, damit der „Spirit“ sich zeigen kann und er hält den Raum offen, damit der „Spirit“ seine Arbeit tun kann.

Der „Rang“ des Facilitators

Eine weitere Besonderheit der O.S.T ist der Umgang mit dem „Rang“, der hierarchischen Stellung des Facilitators. In der eher „klassischen“ Sicht in der Arbeit mit Menschen hält die Person des Führers eine völlig andere Rangposition inne, als es die Begleitung von Prozessen fordert. Obwohl die Arbeit eines Facilitators eine besondere Positionen beinhaltet, – sie öffnet den Raum und sie hält den Raum offen, – so bekleidet sie nicht ständig den „Rang“ einer Person, die die „Richtung“ des Prozesses bestimmt. Der Facilitator initiiert sozusagen einen Prozess (den Raum öffnen), der dann eigenen inneren Regeln folgend abläuft. Im Weiteren bedarf es dann nur noch des Haltens der Energie (den Raum offen halten) und an besonderen Stellen einer Sortierung oder Hervorhebung von speziellen Stellen innerhalb des Prozesses. Alles andere geschieht in wechselnden Rollen innerhalb der Gruppe selbst.

Da es sich mir in dieser Ausarbeitung eher um den Übergang von der O.S.T. hin zur prozessorientierten Gruppenarbeit dreht, möchte ich jetzt nicht weiter auf die technischen Aspekte der O.S.T. eingehen. Jedem, der sich näher mit dieser Arbeit beschäftigen möchte, sei das Buch „The Spirit of Leadership“ von Harrison Owen sehr empfohlen.

Prozessorientierte Gruppenarbeit

Der gesamte Bereich des prozessorientierten Arbeitens, sei es mit Einzelnen, Paaren  oder mit Gruppen, basiert auf der grundlegenden Einstellung, dass sich die Dinge aus sich selbst heraus gestalten. Diese Sichtweise ist nicht neu und erst mit den Entdeckungen der modernen Wissenschaften zu uns gekommen, sondern uralt und findet sich bei allen Naturvölkern und in allen spirituellen Sichtweisen dieser Welt. Sehr klar spricht die mehr als 4000 Jahre alte Lehre des TAO des LaoTse vom Entstehen und Werden aller Dinge aus sich selbst heraus.

So heißt es im zweiten Vers des Tao Te King:

„Wenn auf Erden alle das Schöne als schön erkennen,

so ist dadurch schon das Hässliche gesetzt.

Wenn auf Erden alle das Gute als gut erkennen,

so ist dadurch schon das Nicht-gute gesetzt.

Denn Sein und Nichtsein erzeugen einander.

Schwer und Leicht vollenden einander.

Lang und Kurz gestalten einander.

Hoch und Tief verkehren einander.

Stille und Ton vermählen sich miteinander.

Vorher und Nachher folgen einander.“ 

Das Begleiten von Prozessen erfolgt aus dem Wissen des Facilitators, dass sich Dinge aus sich selbst heraus gestalten und findet sich in anderen prozessorientierten Ansätzen und Methoden und somit auch in der Prozessarbeit Arnold Mindells. Die Arbeit mit Gruppen ist auf Grund ihrer Komplexität, ihrer teilweise enormen Dynamik und der Unvorhersagbarkeit auch in den prozessorientierten Ansätzen ein spezielles Feld. Es bedarf schon eines gewissen Mutes (und/oder eines durch Erfahrung gewachsenen Vertrauens), sich der prozessorientierten Gruppenarbeit zuzuwenden. Alle bislang geltenden „Sicherheitsleinen“ vorgefertigter Konzepte halten hier nicht mehr stand. Selbst die vielleicht an anderer Stelle in allem Bemühen für die Sache so mühsam erworbene Rolle eines „Führers“, schrumpft hier zusammen auf scheinbar so unwesentliche Handlungen, wie das Öffnen und Halten eines Raumes. Natürlich gibt es auch in der prozessorientierten Arbeit gewisse Techniken die von Methode zu Methode auch variieren können, doch sie ruhen alle – oder besser –  sie gründen sogar auf der Erkenntniss, dass alle Dinge einem eigenen inneren Entwicklungsplan folgen und sind abhängig von den Fertigkeiten des Facilitators, die Dinge geschehen zu lassen.

In der Prozessarbeit nach Mindell sind es die „Metaskills“, die es dem Facilitator ermöglichen, dem „Spirit“ die „Führung“ zu überlassen und sich immer wieder mit dem Vertrauen zu verbinden, dass genauso wie Sonne und Mond ihrer Bahn folgen oder die Jahreszeiten für Wachstum und Erneuerung sorgen, sich die Dinge einem innewohnen Prinzip nach entfalten.

Die Arbeit des Facilitators

 In der prozessorientierten Gruppenarbeit besteht die Rolle des Facilitators darin, den Dialog zwischen den Rollen und Stimmen zu facilitieren, d.h. dem sich entfaltenden Prozess einen Raum zu geben und eine Gruppe darin zu ermuntern, aufmerksam dafür zu sein, dass zusätzliche Rollen auftauchen können. Des Weiteren fällt dem Facilitator die Aufgabe zu, Rollen zu positionieren, ihnen einen Platz zu geben oder auch einen Rollenwechsel bei allen Beteiligten zu ermutigen, sofern seine Wahrnehmung das Auftauchen dieser Strömungen anzeigt. Hier wird deutlich, dass dem Einnehmen von Rollen in der prozessorientierten Gruppenarbeit eine besondere Bedeutung zufällt. So gibt es in der Prozessarbeit besondere Sichtweisen eine Rolle betreffend:

  • jede Rolle ist nonlokal, d.h. sie ist nicht an die Person gebunden, die sie innehat. Der Begriff „nonlokal“ findet u.a. in der Quantenphysik Verwendung und weißt darauf hin, dass nicht nur die veränderte Position des Beobachters das beobachtete Objekt verändert, sondern auch das beobachtete Objekt einen Einfluss auf den Beobachter hat. Dies führt zu der Aussage, dass innerhalb eines Feldes einzelnen Positionen nicht genau bestimmbar sind. Die Person kann sich selbst in ihrer Rolle repräsentieren, die repräsentierte Rolle kann aber auch irgendeine andere Person im Raum sein oder auch außerhalb des Raumes. Die Person, die eine Rolle innehat, gibt dieser Rolle (dieser Energie) lediglich eine Stimme.
  • Jede Rolle ist größer als eine Person und braucht mehrere Personen um wirklich ausgefüllt zu werden.
  • Gleichermaßen ist aber auch jede Person größer als eine Rolle, da jede Person alle möglichen Rollen in sich trägt.

 

Die Stationen der prozessorientierten Gruppenarbeit

Im Weiteren gibt es dann gewisse Stationen oder Aspekte innerhalb eines Gruppenprozesses, an denen der Facilitator gewisse Aufgaben übernimmt und die der Erfahrung nach einem chronologischen Ablauf zu folgen scheinen und vielleicht so etwas darstellen, wie eine natürliche, dem Prozess innewohnende Struktur oder Gestalt. In Anerkennung und im Gebrauch dieser Aspekte wird der Gruppe die nötige Sicherheit vermittelt, um in ihrem Kreis den Prozess entstehen und sich entfalten zu lassen

Sammeln der Themen (sorting)

Zu Beginn eines Gruppenprozesses steht das Sammeln der von den einzelnen Gruppenmitgliedern gewünschten Themen. Dem Facilitator fällt hier die Aufgabe zu, diesen Prozess einzuladen, die einzelnen Themen zu sammeln, sie aufzuschreiben und sie auf Unterthemen hin zu untersuchen, so dass es zu einer Sortierung in Form von Themengruppen kommt. Dazu ist es wichtig, schon hier die Atmosphäre der Gruppe aufzunehmen und sie vielleicht auch wertfrei zu benennen, ob die Gruppe eher angespannt, entspannt, aggressiv oder liebevoll ist. Hier gilt es zu beachten, dass all diese in der Gruppe vorhandenen Empfindungen sich zu einem Gruppengefühl aufsummieren und nur eine Momentaufnahmen darstellen und sich dementsprechend die Atmosphäre innerhalb der Gruppe sehr schnell und überraschend verändern kann.2.

Konsens finden

Nach Abschluss der Themensammlung muss ein Konsens darüber gefunden werden, welches der Themen jetzt angeschaut werden soll. Dieser Konsens stellt jedoch nur eine momentane Gruppenübereinkunft dar. Der Spirit selbst würde dafür sorgen, dass marginalisierte Themen nach vorne kommen. Schon das Benennen eventuell vorhandener anderer wichtiger Themen kann dafür sorgen, dass die Gruppe zu einer Einigung darüber kommt, welches Thema jetzt angeschaut werden soll und welches Thema für eine Zeit noch hinten angestellt wird.

Rollen und Geistrollen

Nachdem ein Thema gewählt wurde, wird angestrebt, sich der verschiedenen Rollen im Gruppenfeld bewusst zu werden. Da jede Rolle nonlokal ist, was besagt, dass sie nicht die Person, die diese Rolle innehat repräsentiert, sondern die Person in diese Rolle hinein und auch wieder aus ihr herausgehen kann, werden Positionen angeboten, von denen aus Menschen in die verschiedenen Rollen schlüpfen können. Manchmal kann das Rollenspiel am Anfang etwas künstlich wirken, doch eröffnet dieser Schritt die Möglichkeit, Dinge auszusprechen, vor denen es sonst z.B. eine zu große Furcht gäbe. Sobald ein Fluss entsteht und sich die dem Prozess innewohnende Dynamik zu zeigen beginnt, zeigen sich auch eher persönliche und mit tatsächlichen empfundenen Emotionen gefüllte Rollen.

Wie schon Eingangs beschrieben, ist es wichtig zu erkennen, dass jede Rolle größer ist, als eine einzelne Person und sie von daher auch mehrere Personen benötigt, um tatsächlich ausgefüllt zu werden. Gleichermaßen ist aber auch jede Person mehr als eine Rolle, denn wir alle tragen letztlich alle Rollen auch in uns. Diese Erkenntnis ist wichtig, um zu verhindern, dass jemand in einer „Rolle“ stecken bleibt und so zum „Sündenbock“ für seine Rolle in der Gruppe wird.

Neben den eingenommen und so sicht- und hörbar gewordenen Rollen, gibt es auch so genannte „Geisterrollen“, die zwar gefühlt werden können, aber die von niemandem bislang übernommen wurden. Das Benennen einer Geisterrolle und das Bereiten eines Raumes und einer Position für sie, ist für den Gruppenprozess von außerordentlicher Wichtigkeit und Aufgabe eines Facilitators. Personen innerhalb der Gruppe, die schweigen, repräsentieren ebenfalls eine Rolle, die das Feld der Gruppe mit aufrecht hält und von daher fällt ihr eine ebenso wichtige Position für den Gruppenprozess zu.

Barrieren (Edges) und Hot Spots

Wie in jeder einzelnen Person gibt es auch in der Gruppenarbeit Barrieren, zu der die Gruppe keinen bewussten Kontakt hat. In einem Gruppenprozess kann sowohl die Person selbst zu einer Barriere in sich kommen, als auch die Rolle, die die Person innehat. Der Punkt, an dem sich eine Gruppe mit einer neuen, gerade hervorkommenden Identität konfrontiert sieht, empfindet die Gruppe oft als gegen ihre primäre Identität gerichtet. Dies ist der Brennpunkt, der das größte Wandlungspotential beinhaltet. Oft wird dies auch als ein Bereich betrachtet, in dem die Dinge dabei sind, außer Kontrolle zu geraten. Hier ist es Aufgabe des Facilitators diese Barrieren wertfrei zu beschreiben und zu untersuchen, sobald sie erscheinen.

Ein so genannter „Hot Spot“ ist ein weiteres wichtiges Element im Gruppenprozess. Hot Spots sind intensive emotionale Augenblicke, die oft dann eintreten, wenn eine im Kontext der betreffenden Gruppe verbotene Feststellung, Handlung, oder ein verbotener Kommunikationsstil sich zu zeigen beginnt, was ein allgemeines Gefühl der Unruhe in der Gruppe hervorruft. Signale wie plötzliches Schweigen, Lachen oder Unruhe können einen Hot Spot anzeigen. Es ist hilfreich, den Hot Spot festzuhalten, indem man ihm einen Raum in der Gruppe gibt. Dadurch wird es möglich, tiefer in die Standpunkte, die Gefühle und Essenzen hinter jede Seite eines Konfliktes zu blicken. Im Grunde ist ein Hot Spot die Repräsentation der Gruppenbarriere und zeigt sich durch einen Moment plötzlicher und extremer Energie, sobald die Grenze des Bekannten erreicht ist und etwas Neues potentiell im Begriff ist zu geschehen. Wie jede einzelne Person, tendiert auch die Gruppe dazu, diesen Bereich zu vermeiden und „ins bekannte Land“ zurück gehen zu wollen. Es ist wichtig, bei diesen Hot Spots zu bleiben und das „Neue Land“ zu erkunden.

Momentane Lösungen

Die Rolle eines Facilitator beinhaltet nicht mehr die Verantwortung, eine Lösung für ein Problem zu finden. Ein Facilitator arbeite ausschließlich in Richtung mehr Bewusstheit und Aufmerksamkeit und für Kommunikation und ein Verstehen rund um ein Thema. Zeiten in denen es zu momentanen Lösungen kommt, entstehen spontan und aus sich selbst heraus und häufig dann, wenn es eine Übereinkunft zwischen Seiten oder Rollen gibt, die vorher polarisiert waren. Diese Momente gilt es zu bemerken und die Gruppe für die geleistete Arbeit anzuerkennen, bevor dann meist die nächste Runde eines Konfliktes eingeläutet wird.

Metakommunikation und Rahmen (framing)

Wie ein Schirm über allem, steht bei einem Facilitator die Fähigkeit zur Metakommunikation. Die Fähigkeit, das anzusprechen was geschieht, während es geschieht. Der dadurch entstehende Rahmen gibt der Gruppe die nötige Sicherheit, um ihren Weg zu gehen. So kann eine Benennung der wechselnden Atmosphäre einer Gruppe, einer plötzlichen Unruhe oder auch ein Hinweis auf ein entstandenes Schweigen, der Schlüssel für die wachsende Bewusstheit einer Gruppe sein. An Stellen kann es wichtig sein, Geschehenes zusammenzufassen und einen Überblick über den Verlauf des Gruppenprozesses zu geben.

An bestimmten Stellen innerhalb eines Gruppenprozesses kann sich die Gruppe auf die Geschichte und den Erfahrungshintergrund einer bestimmten Person konzentrieren. Dies wäre dann eine individuelle Ebene, die innerhalb eines Gruppenprozesses bearbeitet werden würde. Der Prozess kann sich eventuell auch auf einerBeziehungsebene in einer Interaktion zwischen zwei Personen abspielen. Hier arbeitet die Gruppe dann gemeinsam an der Beziehung zweier Menschen. Auf der Gruppenebeneliegt der Fokus auf einem Thema, das die betreffende Gruppe als Ganzes bearbeitet, wie z.B. die Rolle einer Organisation. Auf der systemischen Ebene dreht es sich um die Identität der Gruppe in der Gesellschaft und um äußere strukturelle Veränderungen, die vielleicht vorgenommen werden müssen und mit denen die Gruppe dann eventuell nach außen tritt.

Der Älteste

Über all den anderen Punkten steht die Innere Haltung, mit der sich der Facilitator als Begleiter in einer Gruppe bewegt. Diese besondere innere Haltung sorgt auch in schwierigen Momenten – wenn alles außer Kontrolle zu geraten scheint – dafür, dem Prozess zu vertrauen. Die Bewusstheit darüber, dass alle auftauchenden Stimmen Teil der Gruppe und jedes Einzelnen sind und gebraucht werden, um zu einer höheren Ganzheit zu finden.

Der Begriff des Ältesten beschreibt eine Ebene in uns allen, die viel tiefer und weiser ist, als die Persönlichkeit des Menschen. Wir haben in der deutschen Sprache keine wirkliche Übersetzung des englischen Begriffes „Elder“. Zwar übersetzt mit dem Begriff des „Ältesten“, hat diese Bezeichnung jedoch nichts mit dem physischen Alter eines Menschen zu tun, sondern benennt eine gewisse Form der spirituellen Reife eines Menschen und sein Wissen um die Verbindungen der Dinge untereinander. Die Qualität eines Ältesten kann auch in jüngeren Menschen vorhanden sein. Wir alle tragen einen „Ältesten“ in uns. Der Älteste in uns war schon vor uns da und bleibt dem „alchemistischen Kochprozess“ einer prozessorientierten Gruppenarbeit auch dann in allem Vertrauen zugewandt, wenn die Person eher ins Zweifeln und ins Wanken gerät.

Weltarbeit

Da wie jeder Prozess auch ein Gruppenprozess eigenen inneren Regeln folgt, bleibt das Begleiten eines jeden Gruppenprozesses ein Abenteuer. Wie Arnold Mindell in seinem Buch „Mitten im Feuer“ sagt, ist eine besondere Form der inneren Arbeit notwendig, um sich mit dem „Ältesten“ in uns zu verbinden, um „im Feuer sitzen zu können“. Diese innere Arbeit ist ein Lebenslanger Prozess, der sich mit dem Kennenlernen der eigenen inneren Werturteilen und den eigenen Grenzen und Festigkeiten beschäftigt. Jedes Werturteil schließt einen Teil auf der anderen Seite aus, polarisiert und führt so zur Marginalisierung eines wesentlichen Anteiles eines Gesamtgeschehens. Diese Beschäftigung ist letztlich unser aller Reise durch unser Leben und die Berührung mit den Vorkommnissen und schicksalhaften Geschehnissen unseres Lebens. In diesem „individuellen Prozess“ verbrennt das Holz unserer Persönlichkeit.

Aber vielleicht bleibt noch die Frage, warum sich als Begleiter in dieses Feuer begeben, und nicht, wie so viele andere auch, Gruppenprozesse und mögliche Konflikte in Gemeinschaften einfach zu meiden? Die Antwort hat möglicherweise damit zu tun, ob wir erkennen, dass wir alle eine gemeinsame Welt bewohnen und ob wir anerkennen können, dass in jeder Stimme eines anderen Menschen auch eine Stimme unseres Inneren erklingt. Wenn wir die nonlokalen Aspekte der prozessorientierten Gruppenarbeit tatsächlich anerkennen, so müssen wir auch anerkennen, dass wir mit jeder Arbeit die wir tun über lokale Grenzen hinaus arbeiten. Alles was wir tun hat Auswirkungen auf jeden anderen Menschen und somit auf die ganze Welt.

Vielleicht stellt diese Erkenntnis für uns einen möglichen Übergang dar, um in Zukunft mit Konflikten einen anderen Umgang zu finden, als unseren bisherigen, in dem wir Konflikte tendenziell eher unterdrückten, Stimmen an den Rand drängten und Einzelne oder Gruppierungen marginalisierten. In dem wir uns wertfrei und offen den Konflikten stellen und sie nicht unterdrücken und so schnell wie möglich vom Tisch haben wollen, liegt für uns alle eine Chance. In den leisen Stimmen oder gar stummen Stimmen dieser Welt liegt unsere gemeinsame Zukunft. Wir können auf sie zu gehen, sie einladen, zu uns zu sprechen und so zu einer größeren Ganzheit und einer wirklichen Gemeinschaft heranreifen – oder wir können weiterhin unsere Ohren und Augen für sie verschließen.

 

Die Parabel der Trapeze

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„Wir können keine neuen Ozeane entdecken,
wenn wir nicht den Mut haben,
die Küste aus den Augen zu verlieren“.

Du willst neue Ufer entdecken? Neue Räume erkunden? Du willst Freiheit erfahren? Dann musst du Altes hinter dir lassen. Du musst loslassen. Hab Vertrauen! Der Mensch ist in Freiheit geboren. Und obwohl der Staat dir seit deiner Kindheit erzählt, dass du ihn benötigen würdest, ist es eine Lüge. Deine Eltern haben dich angelogen, weil sie bereits angelogen wurden. Deine Lehrer haben dich angelogen, weil auch sie bereits angelogen wurden. Deine Mitmenschen lügen dich an, weil sie alle belogen wurden. Nur die wenigsten kennen die Wahrheit: das du ein Wesen bist, welches ohne einen Herrscher leben kann.

Wirkliches Leben findet sogar erst ab dem Moment statt, an dem du vermeintliche Sicherheit hinter dir lässt und vertraust… für einen Moment vertraust… und zwischen zwei Trapezstangen schwebst, ohne zu wissen, ob die Neue, nach der du im nächsten Moment greifen wirst, dich verlässlich halten wird. An einer Trapezstange hängend findet kein Leben statt. Dein Schwung kommt schnell zum erliegen und letztlich kommt sowieso der Moment, an dem du loslassen musst. Jeder Mensch, jedes Lebewesen wird schließlich loslassen müssen.

Willst du dein Leben beenden, ohne je nach einer weitere Stange gegriffen zu haben? Ohne Neues zu wagen? Ohne dich überhaupt fortbewegt zu haben? Oder greifst du mutig nach der Freiheit? Entscheide dich. Freiheit zu erreichen ist ein aktiver Akt. Du entscheidest ob du frei sein willst oder dein Leben als Sklave unter irgendeinem Herrscher verbringst.

Von der Furcht vor der Verwandlung zur Verwandlung der Furcht.

Manchmal denke ich, mein Leben sei eine Serie von Trapezschwüngen. Entweder hänge ich an einem Trapezbalken, der vor sich hinschwingt, oder, einige Augenblicke meines Lebens lang, schleudere ich durch den Raum zwischen zwei Trapezen.

Die meiste Zeit meines Lebens verbringe ich damit, mich an meiner Trapezstange-des-jeweiligen-Augenblicks festzuklammern, als ginge es um mein Leben. Sie schwingt mich in einem bestimmten festen Rhythmus hin und her, und das gibt mir das Gefühl, mein Leben unter Kontrolle zu haben. Ich kenne die meisten richtigen Fragen und sogar einige der Antworten.

Aber hin und wieder, wenn ich glücklich (oder nicht ganz so glücklich) vor mich hin schwinge, schaue ich ein Stück vor mich und was sehe ich? Ich sehe, wie mir eine andere Trapezstange entgegenschwingt. Die Trapezstange ist leer und ich weiß, in dieser Stelle in mir, die weiß, dass auf dieser neuen Trapezstange mein Name steht. Sie ist mein nächster Schritt, mein Wachstum, meine Lebendigkeit, die gekommen ist, um mich zu holen. Tief in meinem Herzen weiß ich, dass ich, um zu wachsen, meinen Halt dieser augenblicklichen, wohlbekannten Stange loslassen und mich zur nächsten schwingen muss.

Jedes Mal, wenn mir das passiert, hoffe ich (nein, ich bete), dass ich meine alte Stange nicht ganz loslassen muss, bevor ich die neue greifen kann. Aber in dieser Stelle in mir, die weiß, ist mir klar, dass ich meinen Halt an meiner alten Stange erst völlig loslassen und für einen Augenblick in der Zeit durch den Raum schleudern muss, bevor ich die neue Stange greifen kann.

Das erfüllt mich jedes Mal mit Schrecken. Es hilft auch nichts, dass ich es in all meinen früheren Schwüngen durch die Leere des Unbekannten immer geschafft habe. Jedes Mal habe ich Angst, dass ich danebengreifen werde, dass ich auf den unsichtbaren Felsen in der bodenlosen Kluft zwischen den Trapezstangen zerschmettert werde. Ich tue es trotzdem. Vielleicht ist dies das Wesen dessen, was die Mystiker „Erfahrung des Glaubens“ nennen. Keine Garantien, kein Netz, keine Versicherungspolice, aber sie tun es trotzdem. Irgendwie steht es einfach nicht mehr länger auf der Liste der möglichen Alternativen, weiter an dieser alten Trapezstange zu hängen. Also erhebe ich mich für eine Ewigkeit, die eine Mikrosekunde oder Tausende von Lebenszeiten dauern kann, durch die dunkle Leere des Zwischenstadiums, das da heißt: „das Vergangene ist vorbei, die Zukunft ist noch nicht da“. Man nennt das „Übergang“. Ich habe glauben gelernt, dass dieser Übergang der einzige Ort ist, wo sich wahre Veränderung vollzieht. Ich meine wahre Veränderung, nicht die Pseudo-Veränderung, die nur so lange anhält, bis ich das nächste Mal einen Tritt in den Hintern erhalte.

In unserer Kultur wird dieser Übergangsbereich als „Nichts“ angesehen, als ein „Nicht-Ort“ zwischen den Orten. Klar, die alte Trapezstange war real, und ich hoffe, dass es die neue Stange, die auf mich zukommt, auch sein wird. Aber die Leere dazwischen? Ist das nur ein angsterregendes, verwirrendes, orientierungsloses Nichts, durch das man so schnell und so ahnungslos wie möglich hindurch muss? NEIN! Was wäre das für eine verschwendete Gelegenheit. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass dieser Übergangsbereich das einzig Reale ist und die Trapezstangen Illusionen sind. Wir haben sie uns erträumt, um die Leere zu vermeiden, die sich für uns dann auftut, wenn wirkliche Veränderung, wirkliches Wachstum für uns geschieht. Ob meine Vermutung stimmt oder nicht, sicher ist, dass die Übergangsbereiche unseres Lebens ungeheuer reiche Orte sind. Man sollte sie respektieren, ja sogar genießen. Trotz all des Schmerzes und der Furcht und den Gefühlen, außer Kontrolle zu sein – Empfindungen, die solche Übergänge begleiten können (jedoch nicht notwendigerweise müssen) – sind sie trotzdem die lebendigsten, wachstumserfülltesten, leidenschaftlichsten, ergreifensten Augenblicke in unserem Leben.

Aus „Krieger des Herzens“ von Danaan Parry

Widerstand

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Seit vielen Jahren interessiert mich, welche Faktoren einen Menschen hindern, sein volles Potential zu erreichen. Psychologisch betrachtet sind es einschränkende Glaubenssätze, die seit Generationen weitergegeben oder durch Manipulation in bestimmte Richtungen gelenkt werden, die den Menschen nicht frei sein lassen. Politisch sind es äußere starre Strukturen, Verbote, Drohungen und weitere Konzepte von Herrschaft, die ihn dort halten, wo er ist. Beiden Seiten muss der Kampf angesagt werden. Es gilt die inneren Fesseln abzuwerfen, genau wie die äußeren Fesseln. Der Mensch ist von Natur ein freies Wesen. Geboren, um sich auszuprobieren, um in Freiheit aus seinen Fehlern zu lernen.

Interessant ist, dass der Mensch sich so sehr an seine Fesseln klammert, weil sie ihm Sicherheit versprechen. Im Versuch, dem Menschen seine Mauern aufzuzeigen, ist das erste, auf das du stößt, sein eigener Widerstand. Die Freiheit – die Innere wie die Äußere – ist so bedrohlich, das er sich wehren wird, seinen Käfig zu verlassen. Du kannst es sanft versuchen oder auch mit Druck, er wird erst seine eigenen unsicheren Schritte wagen, wenn er reif genug ist zu erkennen, dass es Mut braucht. Im gewissen Sinne sogar Todesmut, weil nur wenn der Mensch bereit ist, altes Terrain zu verlassen, welches ihm bislang Überleben versprochen hat, für etwas Erahntes, für eine neue Qualität, kann er die Erfahrung machen, das Entwicklung nur möglich ist, wenn dir Sicherheit nicht mehr als oberstes Gebot erscheint, sondern der Wunsch, die Qualität deines vollen Potentials zu ergründen. Ein Mensch in Freiheit muss bereit sein, in Unsicherheit zu leben. Frei sein, bedeutet, die Unsicherheit lieben gelernt zu haben. Freiheit bedeutet, bereit zu sei, sein Überleben zu riskieren, um Neues zu erfahren. In Sicherheit, in altem Gewohnten, ist weder Wachstum noch Entwicklung möglich. Trete mutig über deine gedachten Grenzen und entdecke, dass du viel mehr bist als die Summe deiner Teile. Dein tatsächlicher Wert ist grenzenlos.

Das Gewaltmonopol des Staates

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Das Gewaltmonopol des Staates ‐ Kein Recht auf Waffenbesitz für den Bürger?

Immer wieder habe ich in Diskussionen mit Waffengegnern, aber auch mit Waffenbesitzern, gehört, dass das Recht der Menschen auf Waffenbesitz durch das Gewaltmonopol des Staates aufgehoben sei. So als wenn in dem Moment, in dem das Gewaltmonopol des Staates Gültigkeit bekam, der Bürger das Recht verloren hätte, sich mit einer Schusswaffe zu verteidigen. Bei den Waffenbesitzern ist es meist die Gruppe der Sportschützen, die sich vor Diskussionen um das Recht auf Waffenbesitz bzw. Selbstverteidigung mit Waffen scheuen, weil sie um die ihnen aus ihrer Sicht gewährten Privilegien fürchten. So achten viele der Waffenbesitzer, die ihre Waffe über den Bedürfnisgrund Sport erhalten haben, peinlich darauf, den Sport als Grund ihres Waffenbesitzes in den Vordergrund zu stellen. Sie tun dies aus gutem Grund, da der Staat genauestens darauf achtet, dass Waffenbesitz an ein Bedürfnis gekoppelt ist. Tatsächlich ist Waffenerwerb heute nur noch möglich über die Bedürfnisbegründung Jagd und/oder Sport.

Daran wird deutlich, dass Waffenbesitz der Bürger von Seiten des Staates nur in Ausnahmefällen geduldet wird. Damit verbunden ist dann auch gleich die Furcht, dieses Privileg, Waffenbesitz „genehmigt“ bekommen zu haben, wieder zu verlieren, sofern man sich als Waffenbesitzer allzu weit aus dem Fenster lehnt und insbesondere als Nicht‐Jurist an der Art des Umgangs des Staates mit seinem Souverän Kritik äußert. Dieses Damokles‐Schwert schwebt über jedem Waffenbesitzer, da es in der momentanen Gesetzeslage tatsächlich so ist, dass der Staat jederzeit die Erlaubnis, eine Waffe zu besitzen, zurückziehen kann.

Besonders die Sportschützen scheinen im Fokus der Ämter zu sein, gilt doch nach neuester Lesart der Politiker gerade der Sportschütze als potentiell gefährlich. Sicher gab es auch bei den Sportschützen Unfälle und Missbrauch bzw. Waffenkriminalität, aber insgesamt gesehen ist der Missbrauch von Waffen in den Kreisen der Legalwaffenbesitzer als äußerst gering anzusehen. Sehr viel häufiger kommen sogenannte illegale Waffen ins Spiel, also Waffen, die von keinem Waffengesetz erfasst werden können, sofern es sich um Straftaten mit Waffen handelt.

Ich möchte an dieser Stelle auch erwähnen, dass ich eine deutliche Unterscheidung zwischen den natürlichen „Rechten“, die laut Grundgesetz unantastbar sind, wie dem Recht auf körperliche Unversehrtheit, Recht auf Besitz etc. und dem „Recht“, welches durch ein Gesetz definiert ist, unterscheide. Erstere sind für alle Menschen zu jeder Zeit gleich und universell, deshalb auch „Menschenrechte“, wohingegen das Recht, welches durch ein Gesetz definiert ist, sich von Zeit zu Zeit und auch von Land zu Land ändern kann. So gibt es in Deutschland gewisse per Gesetz definierte Rechte und Pflichten, die an der Landesgrenze enden und es gab in Deutschland vor einiger Zeit noch Gesetze, die ‐ würde sich heute ein Mensch danach richten und danach handeln ‐ ihn sofort ins Gefängnis bringen würden.

Ein Beispiel für ein universelles Menschenrecht ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Nur zur Frage, wie diese körperliche Unversehrtheit gewährleistet werden soll, gibt es unterschiedliche per Gesetz definierte Möglichkeiten. Diese Gesetze haben sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert und werden sich auch in Zukunft verändern. Sich über Gesetze zu unterhalten, heißt nicht etwas Unveränderliches in Frage zu stellen, sondern kritisch die Pragmatik zu überprüfen, den Wert dessen, was das Gesetz dem Menschen in Bezug auf sein Zusammenleben mit anderen bringt, ob es nutzbringend und förderlich ist.

Ich erwähnte weiter oben, dass der Waffenerwerb der Menschen nach heutiger Gesetzeslage praktisch nur noch über den Bedürfnisgrund Jagd oder Sport möglich ist. Wie sieht es nun aber mit der Möglichkeit aus, sich mit Schusswaffen zu verteidigen? Fakt ist, dass in der heutigen Gesetzeslage der Bedürfnisgrund Selbstverteidigung für den Erwerb einer Schusswaffe nur in den allerseltensten Fällen anerkannt wird. Im Grunde kann man sagen, dass der Faktor Selbstverteidigung in der öffentlichen Diskussion um Waffenbesitz vollständig weggefallen ist. Man muss eine außerordentliche Gefährdungslage nachweisen, um einen Waffenschein, die Erlaubnis zum Führen einer Waffe, genehmigt zu bekommen. Ansonsten wird strikt davon ausgegangen, dass der Bürger ausreichend durch den Staat beschützt würde und dass das bestehende Notwehrgesetz dem Bürger genügend Möglichkeit bietet, sich im Falle eines Angriffes selbst zu verteidigen. Schließlich heißt es ja in diesem Gesetz, dass der Bürger jedes ihm zur Verfügung stehende Mittel zur Abwehr einer gegenwärtigen Gefahr benutzen kann (Paragraph 32 StGB, Abschnitt 2). (1) Fußnoten am Ende des Artikels

Doch steht ihm in der Realität eben selten ein geeignetes Mittel zur Verfügung, um sich gegen einen gewalttätigen Angriff zu verteidigen. Insbesondere dann nicht, wenn der Angreifer selbst bewaffnet ist und zwar mit einer Waffe, die von keinem Waffengesetz erfasst werden kann, da Kriminelle sich bekanntlich wenig um Gesetze kümmern. Und obwohl die weitere Definition innerhalb des Notwehrparagraphen sehr genau darauf eingeht, dass der Angriff, der eine Notwehr rechtfertigt, nicht nur gegenwärtig, also unmittelbar bevorstehend, im Moment stattfindend und andauernd sein muss, sondern eben auch rechtswidrig, d.h. dass er gegen bestehende Gesetze verstoßen muss, wird völlig offen gelassen, wie denn eine Verteidigung gegen solche Art von Angriffen aussehen kann. Übrigens ist jedes Rechtsgut notwehrfähig. Es ist nicht von Belang, ob der Angriff gegen die Freiheit, gegen das Eigentum oder gar gegen das Leben gerichtet ist.

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Die ebenfalls im Notwehrparagraphen aufgeführte und oft zitierte Verhältnismäßigkeit definiert nur, dass das mildeste Mittel eingesetzt werden muss, um einen Angriff erfolgreich abzuwehren. Verhältnismäßigkeit bedeutet aber keineswegs, dass nur eine schwache Frau sich gegen einen stärkeren Angreifer zur Wehr setzen darf, sondern natürlich darf sich ein dem Angreifer ebenbürtiges oder ein sogar körperlich überlegenes Opfer gleichermaßen zur Wehr setzen. In der Praxis sucht sich ein Angreifer aber meist eine körperlich unterlegene Person für sein kriminelles Vorhaben. Und natürlich sind deshalb Frauen, die häufig den Männern körperlich unterlegen sind, das bevorzugte Ziel. Doch nicht jeder Mensch ist in einer Selbstverteidigungsmethode ausgebildet, was nebenbei bemerkt auch jahrelanges Training und andauernde Praxis erfordert, um körperliche Unterlegenheit einem Angreifer gegenüber auszugleichen. Eine Waffe wäre das einzige Mittel, um tatsächlich einen Ausgleich zwischen einem stärkeren Angreifer oder mehreren Angreifern und einem männlichen Opfer oder einem männlichen Angreifer und einem weiblichen Opfer zu schaffen. Doch genau diese Möglichkeit ist dem Bürger im Moment durch bestehende Gesetze verwehrt.

Wie Eingangs beschrieben wird gerne das Gewaltmonopol des Staates als Argument benutzt, den Wegfall des Rechtes auf Waffenbesitz des Bürgers zu begründen. Doch was besagt der Begriff Gewaltmonopol? Und bedeutet das Anerkennen des Gewaltmonopols des Staates tatsächlich automatisch den Wegfall des Rechtes auf Waffenbesitz der Bürger?

Per Definition gehört zu den Merkmalen des modernen „Rechtsstaates“, dass die Bürger den Schutz ihrer Rechte an den Staat übertragen haben. Er soll dann dieser Schutzfunktion durch Erlassen von Gesetzen nachkommen, deren Einhaltung er durch Verwaltung und die Polizei überwacht und per Gerichtsbarkeit für alle Menschen gleichermaßen durchsetzt (2). Damit der Staat dies tun kann, besitzt er das Gewaltmonopol, das ihm vom Bürger übertragene „Recht“, physische Zwangsmaßnahmen im Falle eines Unrechtes bzw. eines Angriffes auf eines der Rechtsgüter der Menschen auszuüben bzw. seine Beamten zu ermächtigen dies zu tun. Der Bürger überträgt den Schutz seines Rechtes auf körperliche Unversehrtheit bzw. Schutz seines Eigentums auf den Staat, der ihm im Gegenzug verspricht, alles in seiner Macht stehende zu tun, diese Rechtsgüter zu schützen.

Die exekutiven Organe des Staates unterliegen natürlich auch den Gesetzen und sollten auch nur innerhalb dieses Rahmens tätig werden. In der Praxis kommt es aber immer wieder vor, dass Handlungen von Personen der Exekutive völlig anders bewertet werden, als gleichartige Handlungen eines normalen Bürgers. Das Gewaltmonopol gibt dem Staat keinen Freibrief, sondern verpflichtet ihn vielmehr, die rechtliche und soziale Ordnung notfalls auch mit Gewalt zu sichern und insbesondere bei Gewaltausübung gegen den Souverän einzuschreiten.

Wann immer der Schutz der Rechtsgüter durch den Staat nicht gewährleistet werden kann, steht dem Bürger das Notwehrrecht zur Verfügung. Daher leuchtet es unmittelbar ein, dass ein Gewaltmonopol nicht automatisch das Monopol auf Waffenbesitz auf den Staat überträgt, denn womit sonst soll sich der Bürger im Falle eines Angriffes verteidigen, wenn staatlicher Schutz nicht zur Verfügung steht? Ebenso steht nirgendwo geschrieben, dass das Gewaltmonopol per se in Händen des Staates liegen müsste. Der Bürger überträgt ihm dieses Recht durch Einverständnis durch den sogenannten Gesellschaftsvertrag (3), dem jeder Bürger quasi zustimmt, wenn er innerhalb der Grenzen dieses Landes geboren wird. Doch wenn erkennbar wird, dass der Staat seine Aufgaben nicht mehr zur Zufriedenheit des Bürgers ausführen kann, muss dem Bürger die Möglichkeit offen stehen, sein Recht auf Schutz seines Eigentums seiner Freiheit und seines Lebens selbst zu gewährleisten.

Es gibt keinen Paragraphen und kein Gesetz welches dem Staat ein Anrecht auf das Gewaltmonopol einräumen würde. Was allerdings per Paragraph geregelt ist, wird im Grundgesetz Artikel 20, Absatz 2 deutlich, nämlich dass alle Gewalt vom Volke ausgeht. Die Bürger (das Volk) wählen ihre Vertreter, die wiederum die Regierung stellen und somit die Spitze der gesetzgebenden Gewalt darstellen (Legislative) und zusammen mit der ebenfalls von ihnen (!!!) eingesetzten rechtsprechenden Gewalt (Judikative) die demokratische Ordnung aufrechterhalten sollen. Nicht vom Volk legitimierte Gewalt, die nicht innerhalb der vom Volk übertragenen Rechte liegt, ist folglich ausgeschlossen. Das heißt, dass der Staat ausschließlich im Auftrage des Bürgers unterwegs ist, insbesondere wenn es sich um die Durchsetzung von Gesetzen durch staatliche Gewalt (Exekutive) handelt.

Mit gutem Grund wurde das Grundgesetz, ähnlich der amerikanischen Verfassung, so präzise formuliert, da auch bei uns der Gefahr begegnet werden sollte, dass sich undemokratische Kräfte (wie damals in der NS‐Zeit) des Staates und somit des Gewaltmonopoles bemächtigen. Als 1968 zur Ablösung der bis dahin geltenden Kontrolle der Siegermächte die Notstandsverfassung auf den Weg gebracht wurde, wurde Artikel 20 sogar noch um einen weiteren Paragrafen ergänzt. Es steht dort, dass allen Deutschen ein Recht (im äußersten Fall auch durch Gewalt) zusteht, sich gegen jeden zu wehren, der es unternimmt, die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen (4).

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Das dem Staat vom Bürger im Vertrauen übertragene Gewaltmonopol ermächtigt den Staat also in keiner Weise, in Gestalt seiner Behörden und Beamten in die gesetzlich verbrieften Rechte der Bürger willkürlich einzugreifen. Gerade die im Grundgesetz garantierten Freiheitsrechte stehen nicht zur Disposition. Stattdessen ist der Staat per Gesetz gebunden, diese Freiheitsrechte der Menschen zu schützen. In Bezug auf Waffen kommt das Gewaltmonopol nur insoweit zum Tragen, als zu den Schutzaufgaben des Staates die leibliche und seelische Unversehrtheit des Bürgers gehört. Der Staat überträgt den ausführenden Organen der Exekutive also das Recht, Waffen zu führen, um die Menschen innerhalb des Landes zu schützen. Keinesfalls ist aus diesem letztlich vom Bürger übertragenen Recht abzuleiten, dass der Staat seine Waffen einsetzen dürfte, um Gewalt oder Zwangsmaßnahmen gegen die Bürger auszuüben, die nicht mit bestehenden Gesetzen in Konflikt geraten sind oder um die allgemeinen Freiheiten der Bürger weiter einzuschränken.

Natürlich gehört zur Schutzfunktion des Staates auch, gefährliche Gegenstände aus der Hand der Bürger zu entfernen, die ihrerseits wiederum die leibliche und seelische Unversehrtheit anderer Menschen bedrohen. Aber daraus abzuleiten, dass den Bürgern eines Staates, dem das Gewaltmonopol übertragen wurde, der Waffenbesitz grundsätzlich verwehrt ist, wäre absurd. Es widerspräche zunächst allen Grundrechten auf Privateigentum und auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und ‐ dies ist in diesem Kontext besonders wichtig ‐ es stünde im Konflikt mit dem Notwehrrecht. Denn wie soll sich der Bürger gegenüber Kriminellen wehren, die Waffen einsetzen und sich nicht an Recht und Gesetz halten, wenn der Staat der Ausübung seiner Schutzpflicht nicht (oder nur sehr eingeschränkt) nachkommt bzw. nicht nachkommen kann? Und wie soll der Bürger sich gegen die Übernahme der Demokratie durch demokratiefeindliche Kräfte wehren, wenn er gar nicht die Möglichkeit dazu hat?

Der Staat sollte sich stattdessen seiner ebenfalls wehrhaften Bürger freuen, ähnlich wie es in der Schweiz der Fall ist, da durchaus Szenarien denkbar sind, in denen der Staat und der Bürger Hand in Hand arbeiten müssen, um einer gegenwärtigen Gefahr auf Eigentum, Leib oder Leben zu begegnen. Wie soll der Bürger seinen Pflichten gegenüber anderen gerecht werden? Wie kann ein Mensch einem anderen Menschen im Falle eines Angriffes beistehen? Auch die Nothilfe ist im Grundgesetz geregelt und weist den Bürger an, ja verpflichtet ihn im Falle eines Angriffes auf Dritte sogar, dem Angegriffenen zur Hilfe zu eilen. Soll er sich mit Worten einem oder mehreren Angreifern oder gar einer Übermacht an demokratiefeindlichen Kräften im Landesinneren stellen?

Zudem gibt ein Monopol (egal welches) dem Inhaber nicht mehr Rechte, sondern nimmt ihn in die Pflicht, dass was ihm (den Inhaber des Monopols) an Rechten übertragen wurde, mit äußerster Sorgfalt und zum Wohle aller auszuüben. In einer Demokratie regeln die von der Legislative erlassenen Gesetze, welche Rechte und Pflichten der Einzelne hat, aber kein Vertreter staatlicher Gewalt steht per Gesetz über dem Bürger, handelt es sich doch bei ihm ebenfalls um einen Bürger. Die Übernahme des Gewaltmonopols überträgt dem Staat gewisse Rechte, aber eben keine höheren Rechte. Stattdessen übernimmt er aber zusätzliche Pflichten, für die er schließlich durch unsere Steuern ja auch bezahlt wird.

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Wenn ein Staat die Rechte seiner Bürger, auch das Recht auf Waffenbesitz, immer weiter einschränkt, sollten wir aufmerksam werden. Wenn ein Staat seinen Bürgern nicht mehr traut und er eher an seinem eigenen Schutz Interesse zeigt, er seine Aufgabe nicht mehr primär im Schutz der Bürger und der Überwachung ihrer im Grundgesetz verbrieften Rechte sieht, sollten wir sehr aufmerksam sein. Und wenn die natürlichen Rechte eines jeden Menschen auf Eigentum und Selbstentfaltung und insbesondere Selbstschutz immer weiter eingeschränkt werden, sollten die Alarmglocken schrillen.

Gustav Heinemann, der als Bundespräsident im Jahre 1972 eine massive Einschränkung der Rechte der Bürger unterzeichnet hat, welches den Namen Waffengesetz (5) trägt, tat dies nicht ohne mahnende Worte. Ganz offensichtlich war er sich der Gefahr für die Freiheit des Bürgers bewusst und warnte davor, dass der Staat dem Bürger mehr und mehr seine Rechte nehmen könnte. Er wusste aus der Geschichte und wohl auch aus eigener Erfahrung, dass wann immer der Staat seinen Bürgern das Tragen von Waffen verboten hatte, unmittelbar die Zerstörung der Bürgerrechte die Folge war. Wenn der Bürger wehrlos ist, ist eine totalitäre Staatsmacht nicht mehr fern. Das hat die Geschichte immer wieder bewiesen. Aus diesem Grunde formulierte er den Satz: „Ein Staat ist immer nur so frei, wie seine Waffengesetze.“ (6).

Er erkannte, dass jedes Waffengesetz eine Einschränkung der individuellen Freiheitsrechte der Bürger mit sich bringt. Der einmal an den Staat gegebene Auftrag zum Schutz der bürgerlichen Rechte an den Staat, kann allzu leicht ausgenutzt werden, in dem ein überbordender Staat die Rechte der Bürger durch Regularien immer weiter einschränkt und ihn im Falle der Waffengesetze sogar die Möglichkeit nimmt ein Notwehrrecht gegenüber einer kriminellen Bedrohung wahrzunehmen. Jede Einschränkung der Möglichkeit, sich zu schützen bzw. sich selbst zu verteidigen, führt automatisch zu mehr Wehrlosigkeit gegenüber kriminellen Subjekten, die sich sowieso niemals an irgendwelche Gesetze halten werden.

Cesare Beccaria, der als „Vater des modernen Strafrechts“ gilt, formulierte es so: “Gesetze, welche das Tragen von Waffen verbieten (…) entwaffnen nur jene, welche weder geneigt noch entschlossen sind, Verbrechen zu begehen. (…) Solche Gesetze verschlimmern die Dinge für die Überfallenen und machen sie besser für die Angreifer; sie helfen eher Morde zu fördern als sie zu verhindern, denn ein unbewaffneter wird mit größerer Sicherheit angegriffen als ein bewaffneter Mann” (7).

Das heißt, das jede bisherige und jede weitere Einschränkung des natürlichen Rechtes des Menschen auf Waffenbesitz nur diejenigen Menschen trifft, die sich sowieso schon an einer inneren Moral in Bezug auf Eigentum und körperliche Unversehrtheit orientieren. Für diese Menschen ist der initiierende Einsatz von Gewalt unmoralisch und durch nichts zu rechtfertigen. Einzig das Recht auf Selbstverteidigung, also “antwortende” oder “abwehrende” Gewalt, ist selbstverständlich legitim und ein natürliches Menschenrecht, doch in Bezug auf die Auswahl der Mittel ist es eingeschränkt und zwangsweise ins Ungleichgewicht verschoben. Alle Einschränkungen treffen nur moralisch gefestigte Menschen. Kein Waffengesetz kann jemals einen Menschen schützen, sondern spielt immer nur kriminellen Subjekten in die Hand.

Jede Einschränkung des natürlichen Rechtes des Menschen auf Waffenbesitz trifft nur diejenigen Menschen, die sich sowieso schon an einer inneren Moral in Bezug auf Eigentum und körperliche Unversehrtheit orientieren. Für diese Menschen ist der initiierende Einsatz von Gewalt unmoralisch und durch nichts zu rechtfertigen. Einzig das Recht auf Selbstverteidigung, also “antwortende” oder “abwehrende” Gewalt, ist selbstverständlich legitim und ein natürliches Menschenrecht, doch in Bezug auf die Auswahl der Mittel ist es eingeschränkt und zwangsweise ins Ungleichgewicht verschoben. Alle Einschränkungen treffen deshalb nur moralisch gefestigte Menschen. Kein Waffengesetz kann jemals einen Menschen schützen, sondern spielt immer nur kriminellen Subjekten in die Hand.

In den meisten Diskussionen dreht es sich um Kritik an einzelnen Punkten des Waffengesetzes oder um Forderungen, das Waffengesetz in Bereichen zu „liberalisieren“, also vermeintlich freiheitlicher zu gestalten. Dabei wird völlig außer Acht gelassen, dass Freiheit und Waffengesetz im Gegensatz zueinander stehen. Jegliche Waffengesetze schränken die Freiheit des Bürgers bzw. sein Recht auf Waffenbesitz ein. Jedes Waffengesetz und sei es noch so „liberal“ ist per se eine Einschränkung der Freiheitsrechte des Bürgers. Jeder Mensch hat elementare Rechte. Diese grundlegenden Rechte auf Selbstbestimmung kann kein Staat einem Menschen geben, denn jeder Mensch besitzt sie bereits seit Geburt an. Alles was eine Regierung jemals tun kann, ist den Menschen in seinen Rechten zu beschneiden. Manchmal werden dann großzügig Dinge erlaubt, die sowieso innerhalb der natürlichen Rechte liegen. Was aber eine Regierung hauptsächlich tut, ist Verbote auszusprechen und Menschen in ihren elementaren Rechten einzuschränken.

Freiheit und Waffengesetz stehen im Gegensatz zueinander. Jegliche Waffengesetze schränken die Freiheit des Bürgers bzw. sein Recht auf Waffenbesitz ein. Jedes Waffengesetz und sei es noch so „liberal“ ist per se eine Einschränkung der Freiheitsrechte des Bürgers. Jeder Mensch hat elementare Rechte. Diese grundlegenden Rechte auf Selbstbestimmung kann kein Staat einem Menschen geben, denn jeder Mensch besitzt sie bereits seit Geburt an. Alles was eine Regierung jemals tun kann, ist den Menschen in seinen Rechten zu beschneiden.

Jeder, der für mehr Waffenkontrolle ist, ist für mehr Unfreiheit und vor allem mehr Ungleichgewicht. Jeder, der für mehr Waffenkontrolle ist, fördert das Ungleichgewicht des Staates gegen den Bürger, aber auch der Subjekte, die sich sowieso an keinerlei Gesetze halten, gegenüber dem freien Menschen; heute nicht, morgen nicht und niemals! Waffenkontrolle führt automatisch und zwangsläufig zu mehr illegalen Waffen und dazu, dass “nur” noch diejenigen bewaffnet sind, die das Ungleichgewicht zu ihren Gunsten ausnutzen wollen. Wer dies leugnet, ignoriert alle Erfahrungen der Vergangenheit – und dies ist schlichtweg Dummheit!

Von einer Waffen‐freien Welt zu phantasieren, spielt ebenfalls nur dem Staat bzw. den Kriminellen in die Hände. Wenn es keine Waffen gäbe, würden sie morgen erfunden werden. Waffen wurden zur Selbstverteidigung gegenüber stärkeren Angreifern ersonnen. Wann immer es darum ging, sich zu verteidigen, schufen Waffen den Ausgleich zwischen Männern und kräftemäßig unterlegenden Frauen, zwischen körperlich stärkeren und weniger starken Menschen. Hierbei ist auch völlig unerheblich, um welche Waffen es sich dreht. Waffen waren früher Steine, Stöcke, danach Bögen, dann Schwerter… und jetzt, in einer Welt in der es Schusswaffen gibt, sind es nun einmal Schusswaffen. Künstlich ein Ungleichgewicht herstellen zu wollen verrät, was die Unterstützer dieser Einschränkungen vorhaben!

Ein von mir sehr geschätzter Schützenkollege hat es an anderer Stelle sehr treffend formuliert:

„Wir brauchen keine Waffengesetze, niemand braucht die. Jede Straftat, die mit Waffen begangen werden kann, ist bereits im StGB eingebunden. Eine Straftat wird nicht dadurch schlimmer, weil als Tatmittel eine Waffe eingesetzt wurde. Waffengesetze dienen und dienten immer einzig und allein dazu, dem Volk gewisse Gegenstände vorzuenthalten, vor denen die Regierung Angst hat, dass diese im Widerstandsfall gegen sie selbst eingesetzt werden könnten. Wer was anderes auch nur in Erwägung zieht, ist meiner Meinung nach der Gruppe der “seligen Unwissenden” zuzuordnen. Keine Regierung dieser Welt hat bei Verschärfungen von Waffengesetze auch nur einen Hauch Interesse an der Sicherheit ihrer Bürger. Je mehr die Regierungen weltweit an den Waffengesetzen schrauben und drehen, desto mehr nähern wir uns der Unterdrückung und einem Völkermord biblischen Ausmaßes.“

Diese Worte beschreiben natürlich das Extrem, aber sie mahnen deutlich zur Vorsicht. Zum einen machen sie klar, dass wir das Waffengesetz zur Regelung des Waffenbesitzes im Grunde nicht bräuchten. Alle Straftaten mit oder ohne Gegenstände die zur Gewaltanwendung benutzt werden können, sind bereits über das Strafgesetzbuch abgedeckt. Und zum anderen verdeutlichen sie, dass jeglicher Ansatz, am Waffengesetz Veränderungen oder eine Liberalisierung desselben zu verlangen, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Kompetentere Personen oder Gruppierungen sollten sich stattdessen auf das Grundgesetz bzw. die darin definierten grundlegenden Rechte eines jeden Menschen berufen und eine Wiederherstellung der bereits verlorenen Freiheit oder eine Klärung der eigentlichen Aufgaben des Staates bzw. seiner Grenzen suchen.

Als Fazit bleibt: Wo sind die tatsächlich rechtskundigen Mitmenschen, die Anwälte und Juristen aus den Reihen der freiheitsliebenden und durch die Geschichte aufgeklärten staatskritischen Bürger, die mit Fug und Recht die momentane Praxis der Exekutive in Bezug auf Privatwaffenbesitz hinterfragen? Wieso gibt es niemanden, der unser Recht auf Selbstverteidigung (auch mit Schusswaffen) an höchster Stelle einklagt? Auch wenn uns dieses Recht durch die momentane Gesetzeslage genommen ist, ändert es nichts daran, dass sich selbst zu verteidigen ein universelles Menschenrecht ist. Und natürlich schließt dies in einer Gesellschaft in der Waffen existieren, auch den Gebrauch von Schusswaffen als Mittel zur Selbstverteidigung ein. Ohne die Möglichkeit ist der Bürger kriminellen Subjekten, die sich niemals an irgendwelche Gesetze halten werden, schutzlos ausgeliefert.

Das, was wir im Moment erleben, ist stückchenweise die Demontage unserer bürgerlichen Rechte. Die Rechtfertigung für diese Demontage ist rechtlich gesehen nicht aufrecht zu erhalten und für jeden denkenden Menschen leicht als völlig haltlos zu durchschauen. Wenn dem mündigen Bürger das Recht auf Waffenbesitz bzw. das Recht auf das Führen einer Waffe zum Selbstschutz oder zum Schutz anderer streitig gemacht wird, wird nur der kriminelle Täter in der Ausübung seiner Taten bevorzugt. Waffengesetze ermächtigen kriminelle Subjekte, ihre Taten gefahrlos auszuüben. Der Besitz von Waffen bringt Leib und Leben der Menschen nicht unmittelbar in Gefahr. Gefahr entsteht immer nur aus dem Missbrauch. Jeder Gegenstand ließe sich zu einer Gefahr für Leib und Leben der Menschen umfunktionieren und somit missbrauchen. Nur weil jemand mit einem Auto überfahren werden kann, kommt niemand auf die Idee, den Besitz oder die Verwendung von Autos einzuschränken oder gar zu verbieten.

So hört man folgende Worte nur in einer freien Gesellschaft. In einem Staat, in dem durch sein Handeln deutlich wird, dass er seinen Bürgern noch traut:

„Privatwaffenbesitz ist ein hohes Gut. Das höchste Gut in jeder freien Gesellschaft überhaupt. Wilhelm Tell erschoss den Tyrannen Geßler mit seiner privaten Armbrust. Nicht mit einer dienstlich gelieferten oder einer Behördenarmbrust. Wer Privatwaffenbesitz einschränkt, entmündigt seine Bürger und spricht ihnen Eigenverantwortung ab. Die Waffe ist Sportgerät, Sammelobjekt, Jagdinstrument aber auch Interaktionsmittel mit meiner Umwelt, wenn alle anderen Möglichkeiten der gewaltfreien Verständigung ausgeschöpft sind. Wer einen dieser Bereiche – Sport, Jagd, Kulturgegenstand oder Selbstverteidigung – ausklammert, setzt sich dem Vorwurf des Separatismus und des Eigennutz aus. Die Evolution vom Säugetier hin zum aufrecht gehenden, selbstbestimmt denkenden, eigenverantwortlich handelnden, freien Bürger ist geprägt durch den Besitz und die Verwendung von Waffen. Die Waffe ist fester Bestandteil unserer kulturellen Entwicklung“ (8).

Natürlich sollten Risiken minimiert werden, aber vollständige Sicherheit kann es niemals geben. In der Gesetzgebung muss immer abgewogen werden zwischen tatsächlicher Gefahr und der Beschränkung der Rechte des Einzelnen. Gesetze regeln nicht nur die Rechte und Pflichten des Bürgers, sondern ebenfalls und in besonderem Maße die Pflichten des Staates. Jüngst wird erneut von offensichtlich demokratiefeindlichen Vereinigungen gefordert, das Waffengesetz noch weiter zu verschärfen und das Ungleichgewicht der Waffen weiter in Richtung derjenigen zu verschieben, die sich nicht an das Waffengesetz gebunden fühlen. Im Grunde spielen sie damit in die Hand der Kriminellen und stellen sich ganz offensichtlich gegen die Freiheit, den Schutz des Eigentums und das Recht auf körperliche Unversehrtheit eines jeden freiheitsliebenden Menschen.

Dies dürfen wir nicht mehr länger hinnehmen.

Rechtliche Hinweise:

Der Autor ist kein Jurist und stellt nicht den Anspruch, dass der Inhalt des Artikels rechtlich gesehen bis ins Detail stimmt. Er ist dennoch in diesem Gebiet bewandert und sieht sich als besorgter Bürger, dem die Freiheit des Menschen als oberstes zu verteidigende Gut am Herzen liegt. Darüber hinaus ist er neben weiteren Ausbildungen Fachkraft für Personenschutz und Sicherheit, ist in Besitz der Waffensachkunde für Berufswaffenträger §7 und selber Waffenbesitzer mit dem Bedürfnisgrund Sportschütze. Im Zuge dessen gibt er seine Begeisterung am Schießen auch sehr gerne an andere Menschen weiter, in dem er als Pistolenreferent Menschen das Schießen mit der Pistole näher bringt und allgemeine Waffensachkunde unterrichtet.

Fußnoten

(1) Als einzige Ausnahme wird den Politikern im Bundestag auf Antrag das „Recht“ zugestanden, eine Waffe zum Selbstschutz zu führen. Hierüber wird natürlich Stillschweigen gewahrt, müsste man sich sonst doch die Fragen gefallen lassen, warum das Leben eines Politikers als wertvoller erachtet wird, als das eines normalen Menschen? Politiker geben sich gewissermaßen selbst die Erlaubnis (da sie an der Gesetzgebung beteiligt sind) und versagen diese Erlaubnis anderen Menschen, was einmal mehr zeigt, dass die Gesetze nicht die Rechte der Menschen schützen, sondern grundsätzlich ihre Rechte einschränken.

(2) Diese Gedanken werden ebenfalls in dem sehr empfohlenen Buch „Waffenrepublik Deutschland“ von Lars Winkelsdorf (erschienen bei Fackelträger 2010) ausgeführt.

(3) Dieser im Grunde nicht existente und dementsprechend auch von niemandem unterschriebene „Gesellschaftsvertrag“ (Rousseau) wird als ein Wegbereiter der modernen Demokratie angesehen. Hiermit wird das Einverständnis des Bürgers z.B. zum Gewaltmonopol des Staates stillschweigend vorausgesetzt.

(4) Artikel 20 Absatz 4 ermächtigt ausdrücklich die Bürger. Natürlich wird in der Auslegung dieses Zusatzes immer betont, dass dies keinen zivilen Ungehorsam der Bürger rechtfertigen würde. So kann man sich nur wundern, dass nach Lesart der jetzigen Regierung dieser Paragraph selbst dann nicht greifen würde, wenn die Regierung Grundgesetze verletze.

(5) Das erste Gesetz, das Waffenbesitz und ‐tragen grundsätzlich in ganz Deutschland beschränkte, stammt aus dem Jahr 1878. Bereits bei diesem ersten „Waffengesetz“ ging es nicht darum, die Bevölkerung vor Gewalt zu schützen, sondern die Bevölkerung zu entwaffnen, damit der Staat ungehindert durchgreifen konnte. 1919 verfügte dann die “Verordnung des Rates der Volksbeauftragten über Waffenbesitz”, das Besitz und Tragen von Waffen außer mit einem Waffen‐ oder Jagdschein verboten waren. Waffen und Munition mussten abgeliefert werden. 1938 „reformierten“ dann die Nationalsozialisten das Waffengesetz. Wohin die Entwaffnung der Bevölkerung damals führte, muss an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden. Fazit: Das bestimmende Moment aller Waffengesetze in Deutschland war es, aus Sicht des Staates zuverlässigen Personen in Maßen Besitz und Tragen von Waffen zuzugestehen, aber dafür alle potentiellen oder vermeintlichen Gegner und unliebsamen Personen zu entwaffnen. (nachzulesen in „Deutschland belehrt die amerikanischen Waffennarren“).

(6) Obwohl diese Aussage tausendfach im Internet zitiert wird, gibt es keinen Beleg dafür, dass Gustav Heinemann diesen Ausspruch tatsächlich getätigt hat. Der Wunsch, zumindest einen Bundespräsidenten gehabt zu haben, dem die Freiheit des Bürgers am Herzen liegt, erklärt vielleicht die rasante Verbreitung dieser Aussage.

(7) Aus „Von den Verbrechen und von den Strafen“, Kapitel 40, „Falsche Vorstellungen von Nützlichkeit“.

(8) gefunden in der Pilotausgabe des Open Source Magazin für Waffenanwender aus der Schweiz „Die Waffenkultur“  http://www.waffenkultur.com.

Die große Krise

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Immer wieder fragen die Menschen: Wird es demnächst die große Krise geben? Kann es nicht auch genauso gut sein, dass es noch etwas dauert? Das wir vielleicht demnächst erst eine kleine Krise haben werden, bevor dann die große Krise kommt?“

Natürlich weiß ich es nicht. Ich bin kein Seher in dem Sinne, als das ich in die Zukunft sehen könnte. Ich lese aber dennoch Zeichen und ahne Schlimmes auf uns zukommen. Wenn Menschen derartiges fragen, weiß ich noch nicht einmal, was sie damit meinen, wenn sie hoffen, dass die „schlimme Krise“ noch etwas auf sich warten lässt. Ist die schlimme Krise der Zusammenbruch des Geldsystems? Oder der tatsächliche Ausbruch des dritten Weltkrieges? Ist die schlimme Krise dann da, wenn in unseren Straßen der Bürgerkrieg tobt? Oder kommt die schlimme Krise, wenn der Krieg seine heiße Phase hinter sich hat, wenn Deutschland in Trümmern liegt, von den NATO Bomben zerstört. Ist sie vorbei, wenn das Giftgas, welches sie versprüht haben, um den russischen Angriff auf die NATO-Basen zu verhindern, abertausende von unschuldigen Menschen, getötet hat? Was kommt danach? Glaubt ihr nicht, dass sich diejenigen, die all dies in Szene gesetzt haben, in sichere Gefilde zurückziehen und nach diesem Spektakel wieder aus ihren Löchern hervor kriechen, um ihren Plan der totalen Herrschaft über alle Menschen weiter fortzuführen. Kommt dann die große Krise? Wenn alle Menschen schwach sind, ausgelaugt, hungrig, verzweifelt und die Herrscher mit absoluter militärischer Übermacht, die noch Verbliebenen zur Sklavenarbeit für sie zwingen?

Oder ist es bereits jetzt in genau diesem Moment schon schlimm genug. Jetzt in diesem Moment, wo du nichts mehr an dem tun kannst, was vor deinen Augen geschieht. Wo du der Zerstörung deines Lebens und des Lebens deiner Kinder tatenlos zuschauen musst? Wo du „Pack“ genannt wirst, wenn du deinen Sorgen Ausdruck gibst? Wo Politiker dich auffordern, dein eigenes Land zu verlassen, wenn es dir nicht passt, was sie tun? Wie groß muss eine Krise sein, um eine große Krise zu sein? Und wenn sie dann die große Krise ist, gibt es keine mehr, die noch größer sein wird? Eine noch größere Krise?

Wenn deine Freiheit auch nur in wenigen Bereichen eingeschränkt ist, bist du bereits ein Sklave. Wenn du gezwungen wirst, auch nur einen kleinen Teil deines Verdienstes an die Herrscher abzugeben, bist du bereits ein Sklave. Wenn du gezwungen wirst, deine Kinder in Institutionen der Indoktrination zu schicken, weil dir sonst das Sorgerecht entzogen wird, dann bist du bereits ein Sklave. Wenn deine Herrscher sich auf eine angebliche Mehrheit berufen, die in Wahrheit nur einen kleinen Bruchteil ausmacht, mit der sie sich quasi selbst in ihr Amt „gewählt“ haben und behaupten, dass dies ihre Legitimation wäre, über dich und dein Geschick zu bestimmen und du ihnen das glaubst, dann bist du bereits ein Sklave.

Es ist egal, ob du 8 Stunden für sie arbeitest oder 15… Es ist egal, ob du zwei Drittel des Jahres für sie und ein Drittel für dich arbeitest oder umgekehrt, es ist egal, ob du noch Bereiche hast, in denen du noch unbehelligt leben kannst… denn in anderen Teilen, in weiten Teilen stehst du unter ihrer Kontrolle. Für alles Mögliche brauchst du Erlaubnisse. Glaubst du, wenn du brav alle diese Erlaubnisse einholst, dich an alle Regeln und Gesetze hältst, deine Lizenzgebühren und deine Steuern bezahlst, dass du dann frei wärest?

Du bist jetzt in diesem Moment ein Sklave! Dir wird Gewalt angetan. Deine Kinder werden unter deinen Augen gequält. Dein Land, deine Heimat zerstört. Dein wertvolles Leben rinnt dir durch die Finger und du wartest auf eine große Krise?

Wie groß muss die Krise denn noch werden, bevor du begreifst, dass sie längst da ist?