Gesellschaft

Evolution is conservative

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„It is a truism of biology that evolution is conservative. When something evolves, it must build upon what nature has already produced. New features may be added, and old features may undergo some alteration, but most things remain the same. It is for this reason that the wings of bats, the hands of human beings, and the fins of whales look astonishingly alike in their skeletal form. They even have the same number of bones. Evolution laid down the cornerstones for basic physiology long ago.“

Jordan B. Peterson

 

In einem vorangegangenen Text schrieb ich, dass wir nicht alles zerstören müssen, um Neues zu erschaffen. Meine Worte dort lauteten: Um etwas „besser“ zu machen, muss nicht alles Alte bis auf die Grundmauern abgerissen werden. Es liegt viel Gutes in unserer Vergangenheit. Um eine Zukunft zu erfahren, in der Freiheit wieder den Stellenwert einnimmt, der ihr zusteht, muss nicht alles Bisherige dem Erdboden gleichgemacht werden. (Link)

In der obige Aussage von Jordan B. Petersen finden wir ähnliches. In der derzeitigen Situation haben sehr viele Menschen das Gefühl, dass Altes zerstört werden müsste, um Neues zu erschaffen. Ganz davon abgesehen, dass dies eine enorme Anstrengung wäre, die mit viel Schweiß – und im beschriebenen Kontext auch mit viel vergossenem Blut – einhergehen würde, warum nicht von der Natur lernen oder besser: im Einklang mit der Natur handeln?

Im obigen Text bezieht sich Peterson natürlich auf die evolutionäre Entwicklung der verschiedenen Spezies. Doch wissen Leser meiner Texte, dass ich ein Verfechter der Sichtweise „wie im Kleinen, so im Großen“ bin. Und ich denke wirklich, dass auch die politischen Entwicklung im gewissen Sinne ein evolutionäres Geschehen ist. Natürlich ist die Demokratie nicht der Weisheit letzter Schluss. Und ja, die Demokratie beinhaltet noch sehr viele Elemente verborgener Herrschaft und der Weg in Richtung Freiheit mag noch lang und steinig sein, doch ist es – zumindest in meinen Augen – deutlich, dass wir Menschen uns entwickelt haben. Ältere Formen der Herrschaft haben wir überwunden. Um jetzt unseren Weg der Entwicklung weiterzugehen, müssen wir nicht das Alte zerstören. Wir können darauf aufbauen; das Alte wertschätzen. Wir können handeln, wie es in der Natur zu beobachten ist. Wir können verändern und bewahren. In diesem Kontext liegt darin kein Widerspruch.

Evolution statt Revolution.

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Evolution statt Revolution

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Die amerikanische Verfassung war das bislang freiheitlichste Regelwerk zum Zusammenleben von Menschen. Dass dieses Werk über die Zeit korrumpiert wurde, ist nicht den Gründervätern anzulasten, sondern der Dummheit der Menschen und ihrer Bequemlichkeit. Freiheit braucht ständige Überwachung. Und wohl kaum ein Amerikaner würde auf die Idee kommen, dass die amerikanische Verfassung nicht für ihn gelten würde, auch wenn er lange nach dem 17. September 1787 geboren wurde.

Und trotz dem das deutsche Grundgesetz, welches im Mai 1949 beschlossen wurde, unter ganz anderen Vorzeichen stand, stellt man bei näherer Beschäftigung fest, dass auch in diesem Werk die Freiheit des Menschen an erster Stelle stand. So gibt es im Grundgesetz keine Paragrafen, sondern nur Artikel. Es handelt sich also nicht um Vorschriften, sondern um die Definition der Rechte, die jeder Mensch in Deutschland besitzt. Und auch hier gilt, dass der Verfall Deutschlands nicht im Grundgesetz selbst liegt, sondern in der Unaufmerksamkeit der Menschen.

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Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika, sagte: „Diejenigen, die bereit sind, grundlegende Freiheiten aufzugeben, um ein wenig kurzfristige Sicherheit zu erlangen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.“

Eine ähnliche Aussage eines deutschen „Gründervaters“ ist mir zwar nicht bekannt, doch ist doch klar, dass wir auch hier in Deutschland sträflich versäumt haben, die Freiheit des Menschen als das höchste Gut zu schützen.

In Deutschland ist es zudem so, dass sich sehr viele Menschen nicht mehr auf das Grundgesetz beziehen. Zum einen wird es von Personen abgelehnt, die behaupten, dass es sich bei dem Grundgesetz nicht um eine Verfassung handeln würde. Andere (Libertäre) lehnen generell grundlegende Vereinbarungen zum Zusammenleben von Menschen ab und erkennen nicht die Komplexität eines derartigen Unterfangens. Es ist eben nicht damit getan, zu behaupten, dass alle Menschen die gleichen Rechte hätten und man sich aus dem Grund nähere Gedanken zum Zusammenleben von Menschen in großen Gruppen (und nichts anderes sind Staaten) sparen könnte.

Wie gesagt, die Verfassung der vereinigten Staaten war das bisher freiheitlichste Regelwerk und das deutsche Grundgesetz ist ebenfalls eine sehr gute Grundlage. Der „Fehler“ liegt weder in der Verfassung, noch im Grundgesetz, sondern in der Ignoranz und Faulheit, im Desinteresse der Menschen. Selbst wenn man jetzt anerkennt, dass gewisse Kräfte, jenseits des großen Teichs, wie auch in Deutschland, bewusst für die Verdummung der Menschen gesorgt haben, um ihre egoistischen Ziele zu verfolgen und die Freiheit der Menschen einzuschränken, bleibt es dennoch die Verantwortung der Menschen, dass sie es nicht verhindert haben.

Dies ist die große Lernaufgabe dieser Generation und der Folgenden. Wir dürfen nicht mehr zulassen, dass die Freiheit ausgehöhlt wird. Und dazu gehört, nicht mehr reaktiv alles zu verdammen, was mit Staat oder Verfassung und mit Rechten und Pflichten zu tun hat. Um etwas „besser“ zu machen, muss nicht alles Alte bis auf die Grundmauern abgerissen werden. Es liegt viel Gutes in unserer Vergangenheit. Um eine Zukunft zu erfahren, in der Freiheit wieder den Stellenwert einnimmt, der ihr zusteht, muss nicht alles Bisherige dem Erdboden gleichgemacht werden.

Es sind also nicht „die dort oben“, die als die Zerstörer der Freiheit gesehen werden sollten, denn so machen wir uns nur zum Opfer. Es sind wir alle! Wir haben zugelassen, dass „die dort oben“ die Freiheit immer mehr eingeschränkt haben. In der Übernahme der Verantwortung für ein Geschehen liegt ein enormes Potential. Wenn wir aufhören, anderen die Schuld an unserem Schicksal zu geben, können wir unser Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen. Wir müssen nicht zerstören, um etwas Neues zu erschaffen.

Deshalb steht die Freiheitswelle nicht für Revolution, sondern für Evolution.

Libertäre Trigger-Worte

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Richtiger müsste die Überschrift natürlich lauten: „Trigger-Worte der Libertären“, denn schließlich sind ja nicht die Worte libertär, doch das erschien mir zu sperrig und die Genauigkeit der Sprache hat über die letzte Zeit doch ziemlich gelitten. Ich habe mich dennoch für obige Überschrift entschieden, will aber zumindest darauf hinweisen, weil mir Genauigkeit wichtig ist – und das nicht nur im Gebrauch der Sprache.

Was sind denn nun „Libertäre Trigger-Worte? Zunächst… was meine ich mit dem Begriff „Trigger“? Ein „Trigger“ ist ein Auslöser. In der Psychologie spricht man von einem Trigger, wenn ein Begriff, ein Wort (oder ein visuelles, kinästhetisches oder olfaktorisches Ereignis zu einem Ablauf eines Geschehens führt, welches nicht der Kontrolle der betreffenden Person unterliegt. Man spricht auch von einem Automatismus. Es ist ähnlich, wie wenn ein Knopf gedrückt werden würde und ein Geschehen (eine Reaktion) in Gang gesetzt wird. Im Unterschied zu einer Reaktion liegt einer Handlung eine Reflexion zugrunde. Man könnte auch sagen, dass die betreffende Person bei einer Handlung eine Wahl hätte. Bei einer Reaktion liegt keine Wahl zu Grunde. Die Person wählt nicht, ob sie so oder so handelt, sondern sie handelt nach einem festgelegten Muster. Es ist ein Mechanismus, dem keine bewusste Entscheidung zugrunde liegt.

Wenn man genau sein möchte, dann müsste man noch erwähnen, dass diese „Wahl“ irgendwann einmal getroffen wurde und fortan einer Handlung ohne erneute Überprüfung zugrunde liegt. Ich spreche hier gerne von einem „Überlebensmechanismus“ und unterscheide somit zwischen „Überleben“ und „Qualität“, da einer einmal getroffenen Entscheidung ja nur in dem jeweiligen Moment eine Qualität innewohnt. Diese Entscheidung war das Beste, was dem Menschen in dem Moment zur Verfügung stand, um einer Situation zu begegnen. Sobald Ereignis und Reaktion eine Verbindung eingegangen sind, steht die Reaktion natürlich sehr schnell zur Verfügung und sorgt somit für Überleben. Eine Qualität hingegen braucht Reflexion, also ein erneutes Betrachten einer Situation, um dann – nach Überprüfung der in dem Moment vorhandenen Handlungsoptionen – die beste herauszusuchen. Das braucht Zeit und Bewusstheit und eignet sich von daher nicht für Situationen, in denen das Überleben bedroht ist.

Soweit so gut. Problematisch wird es eigentlich erst in dem Moment, wenn Menschen zu Reaktionen greifen, in denen das Überleben gar nicht bedroht ist. Hier leidet nämlich die Qualität. Aus immer gleichen Reiz-Reaktions-Mustern erfolgen nämlich meist gleiche bzw. sehr ähnliche Erfahrungen. Daher kommt auch der Spruch: Wenn du etwas anderes erleben willst, musst du etwas anderes tun. Nur – wie gesagt – dieser Vorgang braucht Zeit und Reflexion und vor allem Mut! Warum Mut? Ganz einfach. Es braucht Mut, weil man sich der neuen Situation erneut stellen muss und schließlich wollen wir ja alle überleben. Um sich allerdings zu entwickeln braucht es neue Erfahrungen. Neue Erfahrungen bringen Erweiterungen, neue Erkenntnisse und damit neue Optionen. Das ist also die Qualität…

Also ein Trigger-(Wort) löst ein Reiz-Reaktions-Muster aus. Der Reaktion liegt keine Reflexion zugrunde, die natürlich immer im Hier und Jetzt erfolgen muss. Der Mensch überprüft nicht mehr, sondern zeigt eine Reaktion.

Nach meinen bisherigen Erfahrungen wären libertäre Trigger-Worte Begriffe wie das Wort „Grenze“… oder auch „Land“… Beim Letzteren wäre die Reaktion, den Begriff „Land“ nicht mehr von dem Begriff „Staat“ trennen zu können und automatisch bei dem Begriff „Land“ an den Begriff „Staat“ zu denken und dementsprechend all das zu fühlen, was mit den Begriffen „Herrschaft“, „Kontrolle“, „Unterdrückung“ usw. einhergeht, aber mit dem Begriff „Land“ überhaupt nichts zu tun hat.

Ähnliches passiert auch in einem Libertären in Bezug auf das Wort „Grenze“. Obwohl Grenzen natürlich sind und (Über-)Leben überhaupt erst durch Grenzen möglich wird, gibt es eine Koppelung an den Begriff „Staat“ und somit sind Grenzen schlecht, da sie Staaten definieren. Zumeist werden „Grenzen“ dann als Gefängnisse wahrgenommen und nicht mehr in ihrer ursprünglichen Funktion, die mit Sicherheit zu tun hat, denn Grenzen haben in erster Linie eine Schutzfunktion. Grenzen schützen. Das Grenzen schützen und das Staat und Land zwei verschiedenen Dinge sind, ist für jemanden, der innerhalb eines Reiz-Reaktions-Schemas lebt, nicht mehr wahrnehmbar. Sad but true. Wäre ich jetzt Therapeut und die betreffende Person würde sich Hilfe wünschen, da sie selbst gemerkt hat, dass ein Reiz-Reaktions-Muster ihre Lebensqualität einschränken, dann hätte ich Verständnis und könnte helfen. Voraussetzung ist aber die Erkenntnis der betreffenden Person, dass ihr etwas fehlt (nämlich die Fähigkeit zu entscheiden) und der Wunsch, daran etwas verändern zu wollen. Ist weder Wunsch noch Erkenntnis vorhanden, gibt es keine Möglichkeit des Kontaktes. Reiz-Reaktions-Muster sind nämlich geschützt. Da das Überleben an dieser Stelle im Vordergrund steht, wird eine Berührung an dieser Stelle als Bedrohung wahrgenommen. Da diese Bedrohung mit der Situation verbunden wird und das Gegenüber meist Teil dieser Situation ist, wird diese Bedrohung als vom Gegenüber kommend interpretiert und das Gegenüber abgelehnt. Soweit so schlecht, denn hier geht es nun nicht weiter. Das Gegenüber hat keine Chance mehr, die Person tatsächlich zu erreichen. Für dich als Nicht-Therapeut erscheint die Person starrköpfig und unwillig, sich der Situation zu stellen und sehr schnell wirst du die Lust verlieren, dich mit der Person noch weiter zu beschäftigen. Die Person selbst nimmt dich als Bedrohung wahr und will auch am liebsten nichts mehr mit dir zu tun haben.

Als weiteres libertäres Trigger-Wort hat sich der Begriff „Pflicht“ herauskristallisiert. „Pflichten“ scheinen etwas zu sein, was mit „Zwang“ in Verbindung gebracht wird. Auch hier scheint eine Vermischung beider Begriffe stattzufinden, obwohl „Pflicht“ und „Zwang“ völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. Eine Pflicht ist nämlich etwas, was sich die Person selbst auferlegt hat. Sie hat sich dazu entschieden etwas zu tun, in dem Wissen, dass es ihr nicht immer gleichermaßen leichtfallen wird, sie es aber dennoch tun will. Bei einem Zwang ist es natürlich anders. Hier wird die Person gegen ihren Willen zu etwas gezwungen. Wenn ich jetzt einer Pflicht nachkomme, dann tue ich es, weil ich es will, auch wenn es mir nicht immer leichtfällt.

„Zwang“ ist ein weiteres Trigger-Wort der Libertären. Pflicht und Zwang sind zwei verschiedene Begriffe und das nicht ohne Grund. Bei dem Begriff „Zwang“ handelt es sich um ein Element, welches auch in keiner noch so freien Gesellschaft fehlen darf. Wenn mir mein Eigentum weggenommen wird, dann darf ich mich wehren. Wenn mein Leben bedroht wird ebenso. Diese auch im deutschen Rechtssystem enthaltenen Optionen sind als „Jedermannsrechte“ bekannt. An anderer Stelle habe ich ausführlicher über diese Jedermannsrechte und den sich daraus entwickelnden Sonderrechte geschrieben. (Link)

Tatsächlich sind Sonderrechte nur die Erweiterung der Jedermannsrechte. Sonderrechte stehen nur bestimmten Personen innerhalb einer Gesellschaft zu. Es ist vollkommen unmöglich eine Gesellschaft aufzubauen, in der jeder die gleichen Rechte hat. Ganz grundlegend ist dies natürlich der Fall, doch muss in bestimmten Situationen die Möglichkeit bestehen, dass unter bestimmten festgelegten Bedingungen die grundlegenden Rechte eines Menschen außer Kraft gesetzt werden können. Dies sollte natürlich immer einer sehr genauen Kontrolle unterliegen. Ohne Sonderrechte wäre es einer bestimmten Instanz nicht möglich, die Unversehrtheit der Wohnung außer Kraft zu setzen, um zum Beispiel im Verdachtsfall eine Durchsuchung vorzunehmen. Schon jetzt ist das Aussetzen dieses Grundrechtes nur nach richterlichem Beschluss zulässig. Kein Polizist darf einfach so in eine Wohnung spazieren und eine Durchsuchung vornehmen. Doch ist eine Durchsuchung auch gegen den Willen der Person grundsätzlich möglich, nach (vorübergehender) Außerkraftsetzungen der Grundrechte.
Niemand anderes außer der Polizei, einer Instanz, der ich diese Sonderrechte zugestanden habe, da ich in einer sicheren Gesellschaft leben möchte, darf in meine Wohnung, ohne dass ich das will. Diese Sonderrechte sind notwendig, weil ein Dieb sich ja ansonsten auf seine Grundrechte berufen könnte und der Meinung ist, dass niemand mehr Rechte hat, als jemand anderes. Jemand, der jemandem anderen Gewalt antut, muss gestoppt werden. Dazu hat die Polizei das Sonderrecht des unmittelbaren Zwang (§ 52 PolG). Bei einer Zuwiderhandlung oder Verweigerung einer berechtigten Aufforderung nachzukommen, darf die Polizei „Zwang“ zur Anwendung bringen. Und es muss eine Instanz geben, die ein solches Sonderrecht besitzt, da ansonsten kein sicheres Zusammenleben innerhalb einer Gesellschaft möglich ist. Genauso wenig ist es möglich, jedem diese Sonderrechte zuzugestehen. Jeder Mensch hat Rechte, auch sein Eigentum zu schützen oder sich (und andere) gegen Gewalt zu wehren (Notwehr/Nothilfe), doch nur unter Auflagen dürfen Sonderrechte vergeben werden.

Auch wenn jetzt viele das Gefühl haben, dass sie nicht zugestimmt hätten, da sie der Meinung sind, dass ihnen das Grundgesetz einfach so vorgesetzt worden wäre, gibt es ähnliches in der amerikanischen Verfassung. Damit will ich sagen, dass jede vernünftig agierende Gruppe, die ein grundlegendes Regelwerk zum Zusammenleben innerhalb einer Gemeinschaft entwerfen will (Verfassung), nicht umhinkommt, sich darüber Gedanken zu machen und sie wird schließlich zu dem Schluss kommen, dass auch in einer freiheitlichen Gemeinschaft Sonderrechte vergeben werden müssen. Die amerikanische Verfassung war immerhin das bislang freiheitlichste Regelwerk zum Zusammenleben von Menschen. Dass diese über die Zeit korrumpiert wurde, ist nicht den Gründervätern anzulasten, sondern der Dummheit der Menschen und ihrer Bequemlichkeit. Freiheit braucht ebenfalls ständige Überwachung.

Zurück zum Begriff „Zwang“… Zwang ist also ein Instrument, jemanden zu etwas zu bewegen, was er nicht will. Gleichermaßen aber auch etwas, was nach dem Regelwerk der Gemeinschaft notwendig ist. Eine Pflicht ist die Beschreibung von etwas, was im Regelwerk der Gemeinschaft beschrieben ist und der Zwang ist die Möglichkeit der Gemeinschaft, dafür zu sorgen, dass jeder sich an diese Regeln hält. So schwer ist das eigentlich nicht zu verstehen. Eltern üben im gewissen Sinne bei der Erziehung ihrer Kinder auch Zwang aus. Ein Lehrer übt Zwang gegenüber seinen Schülern aus, wenn sie sich weigern den aufgestellten Regeln zu folgen. Eine Bestrafung folgt bei Nichteinhaltung der Vorgabe (Zwang). Die Strafe sorgt dafür, dass die aufgestellten Regeln eingehalten werden. Eltern haben mehr überblick als Kinder. Deswegen wird kleinen Kindern das Feuerzeug weggenommen, damit sie damit nicht herumspielen. Wenn das Kind sich weigert, das Feuerzeug herauszugeben, wenden die Eltern Zwang an und nehmen dem Kind das Feuerzeug unter „Anwendung von Gewalt“ weg. Das Kind wird vermutlich danach weinen, doch muss (und wird) es lernen. Im besten Fall geben sich die Eltern Mühe, ihrem Kind zu erklären, warum sie in dem Fall so gehandelt haben. Das tut der Gesetzgeber auch. Gesetze sind im Regelwerk zum Zusammenleben von Menschen festgelegte Regeln. Das befolgen dieser Regeln ist eine Pflicht und bei Nichteinhaltung einer Pflicht kann Zwang ausgeübt werden.

Einige Libertäre sind nun der Meinung, dass es keinerlei Zwang in einer Gemeinschaft geben dürfte. Das ist Quatsch. Auch Regeln muss es geben und ja, man kann diese Regeln, wenn sie für alle gelten sollen, Gesetze nennen. Wenn jemand sich nicht an die gemeinsamen Regeln (Gesetze) hält, muss Zwang ausgeübt werden. In jeder freiheitlichen Gemeinschaft müssen diese Elemente vorhanden sein. Ein Zusammenleben in Sicherheit und Freiheit ist ansonsten nicht möglich.

Aktuell ist es der Begriff „Wehr-Pflicht“ der unmittelbar mit dem Begriff Zwang verbunden wird. Dabei ist dies natürlich ein interner Prozess. Es handelt sich um eine Pflicht… nicht um einen Zwang. Es ist eine Pflicht, sobald es ein dazugehöriges Regelwerk gibt und du kannst dich dazu entscheiden… oder dich weigern… doch dieses Angebot zu einer Pflicht wird dir gegeben, in dem Wissen, dass nicht jeder gleich freudestrahlend darauf zu läuft. Bei einer Pflicht ist sozusagen klar, dass es dir nicht immer leichtfallen wird und du es dennoch tun solltest, da es dich weiterführt, dir neue Erkenntnisse und Optionen vermittelt und weil es das Regelwerk vorsieht.

Jeder Mensch braucht „Pflichten“. Durchhalten, auch unter widrigen Umständen, führt zu erweiterten Fähigkeiten. Jeder Musiker, jeder Sportler weiß, dass er seine Tätigkeit zu einer Pflicht machen muss. Denn ansonsten würde die Person den meist schwierigen Weg über all die Hürden nicht gehen. Es ist sogar so, dass das Leben eines pflichtbewussten Menschen meist gar nichts mit stetiger Entwicklung zu tun hat, weil das Plateau die Ebene ist, auf der sich der Mensch meist aufhalten wird. Erst nach langer Zeit des Aufenthaltes auf einem Plateau, einem Bereich, in dem sich „nichts“ zu tun scheint, es keinen merklichen Fortschritt gibt, kommt es dann plötzlich zu einer Entwicklung, die natürlich wieder auf einem Plateau münden wird. Pflichten helfen Plateaus zu überwinden, doch nur in dem Sinne, als dass sie der betreffenden Person helfen, das Plateau zu lieben. Entwicklung darf in diesem Sinne nicht im Vordergrund liegen, da ansonsten ihr Fehlen viel zu sehr in der Wahrnehmung wäre.

Pflichten helfen Menschen zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Pflichten helfen Menschen, Dinge zu tun, ohne unmittelbare Belohnung, in dem Wissen (oder der Hoffnung), dass in der Zukunft etwas liegt, was du erreichen möchtest. Pflichten sind verbunden mit Wegen, die nicht immer leicht sind. Die zumeist sogar meist hart sind und die du dennoch gehen möchtest. Dafür braucht es Disziplin. Und mir ist völlig klar, warum der Begriff „Pflicht“ zu einem Trigger-Wort geworden ist. Natürlich nicht nur der Libertären, sondern generell, da wir in einer Zeit leben, in der Disziplin nicht mehr erstrebenswert zu sein scheint. Disziplin ist ein weiteres Trigger-Wort geworden. Es ist traurig, doch gerade Pflichten und Disziplin sind sehr wertvolle Qualitäten, die nicht nur besondere Eigenschaften eines Menschen selbst sind, sondern auch das Zusammenleben von Menschen ganz maßgeblich mitbestimmen. Ein Leben in einer Gemeinschaft von Menschen in denen keine Pflichten übernommen werden? Wie soll das gehen? Eine Gemeinschaft ohne Disziplin? Undenkbar. Eine Gemeinschaft ohne Erkenntnis der Wichtigkeit von Grenzen? Eine Gemeinschaft ohne verbindendes Element eines gemeinsam bewohnten Gebietes, eines Landes? Unmöglich!

Und hier wird deutlich, wie sehr die „Libertären“ sich in einem Traumschloss bewegen und jeglichen Kontakt zur Realität verloren haben. Eine Gesellschaft, in der diesen wichtigen Elementen kein Raum gegeben wird, kann niemals funktionieren. Die Wehrhaftigkeit eines Volkes oder der Wille eines Volkes eine Wehrkraft zu besitzen, ist vielschichtig. Zunächst braucht es ja den Willen, sich zu verteidigen. Bei vielen „Libertären“ scheitert es bereits an dem falsch verstandenen Begriff des NAP, der nicht bedeutet, sich zuerst schlagen lassen zu müssen, bevor eine Gegengewalt erfolgen kann.

Das NAP bedeutet weder, sich ausnutzen lassen zu müssen, noch dass ich mich zuerst schlagen lassen muss. Ich muss keine gegen mich oder gegen eine andere Person gerichtete Gewalt dulden. Ich muss weder mich noch meine Familie zunächst abstechen lassen, bevor ich zur Notwehr bzw. Nothilfe greife. Das NAP beutet nur und ausschließlich, dass von mir keine Gewalt ausgeht, solange nicht mein Wohl oder das meiner Familie (eines Dritten) direkt bedroht wird. Dann sind andere Begriffe wichtig, die häufig bei Libertären zur Schnapp-Atmung führen, wie Land oder Besitz, denn nicht nur Leben muss verteidigt werden, da ein Überleben ohne Land und Besitz nicht möglich ist. Des Weiteren gibt es bei allen Dingen, die wir lernen wollen, Hürden, die es zu überwinden gilt. Dazu bedarf es einer gewissen Anstrengung aber eben auch einer Motivation. Wenn die Begriffe „Land“ oder „Grenzen“ nicht mit Inhalt gefüllt sind, sondern ständig verwechselt werden (Land→Staat, Grenzen→Gefängnis statt Schutz) dann gibt es diese Motivation zur Verteidigung ja gar nicht. Daneben fehlt es den meisten an Disziplin und auch an Pflichtbewusstsein. Pflicht ist auch ein Begriff, zu dem viele Libertäre überhaupt keinen Zugang haben, da sie ihn mit Zwang assoziieren. Pflicht bedeutet hingegen etwas selbst auferlegtes und nicht etwas von außen aufgezwungenes. Wehrpflicht basiert also auf einer Erkenntnis, dass man wehrhaft sein möchte, weil es a) etwas zu verteidigen gibt, was einem von wert ist (Land/Besitz/Leben) und man b) die nötige Disziplin und das Pflichtbewusstsein hat, die dafür nötigen Fertigkeiten zu erlangen.

Über allem steht Verantwortung. Verantwortung, die ein Mensch für sich selbst übernimmt und Verantwortung, die er in einer Gemeinschaft für andere übernimmt. Wir alle haben die Verantwortung für uns selbst, ein moralisch gefestigtes und ethisch einwandfreies Leben zu leben und die Verantwortung für andere, den Menschen unserer Gemeinschaft, zu ermöglichen, ein Leben in Freiheit leben zu können. Die Wertschätzung von Grenzen als Schutz, Übernahme von Verantwortung (für sich selbst und andere), der Wille, sich und andere zu verteidigen, Zwang als Mittel zur Einhaltung eines gemeinsamen Regelwerkes zu akzeptieren und die Bereitschaft Pflichten zu übernehmen, für die persönliche Entwicklung und für das Wohl anderer innerhalb einer Gemeinschaft, das sind die grundlegenden Elemente für ein effektives, funktionierendes und qualitativ hochwertiges Zusammenleben. Fehlt eines dieser Elemente, gibt es keine Entwicklung und keine Gemeinschaft hat Bestand.

Überall Autos, Messer, Stiefel…

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Nachdem die Gehirnwäsche in Bezug auf Waffen bei den meisten Menschen funktioniert hat und sie felsenfest davon überzeugt sind, dass Waffen „böse“ wären, versucht nun das Ministerium für Propaganda seit geraumer Zeit, Autos als „böse“ Gegenstände zu deklarieren, weil die ja schließlich (in letzter Zeit gehäuft) in Menschenmengen fahren. Genauso erstechen Messer Menschen und Stiefel treten Menschen die Treppen herunter…

Dass es NIEMALS die Gegenstände sind, sondern immer die Menschen HINTER den Gegenständen, verliert mehr und mehr gewollt die Bedeutung. Dabei verhält es sich mit den Waffen genau wie mit den anderen Gegenständen auch. Waffen in den Händen von guten Menschen sind für niemanden ein Problem, es sein denn für böse Menschen… und böse Menschen haben immer Waffen, da sie die ganz grundlegende Ebene des mensch-seins bereits verlassen haben. Und genau diese Personen sitzen auch hinter dem Steuerrad der Autos, die in Menschenmengen fahren. Genau diese moralisch verkommenen Personen tragen die Stiefel, die Frauen die Bahnhofstreppen herunter treten. Und genau dieser Abschaum hält das Messer in der Hand, welches die Frauen in den Fußgängerzonen abstechen.

Im Übrigen können nur Waffen in den Händen von guten Menschen derartige Vorfälle verhindern bzw. deren Folgen minimieren. Aber auch diese Tatsache wird störrisch ignoriert.

Um dieser andauernden Gehirnwäsche zu entkommen musst du dir nur klar machen, dass es niemals die Gegenstände sind die töten, sondern immer die Personen, die diese Gegenstände MISSBRAUCHEN. Eine Waffe ist ein Instrument der Verteidigung und nicht des Angriffs. Ein Auto ist ein Gegenstand, um von A nach B zu gelangen. Ein Messer ist geschaffen, um damit einen Stock anzuspitzen und einen Apfel zu schälen und ein Stiefel ist dafür da, damit du festen Schrittes deinen Weg gehen kannst.

Erinnere dich einfach beim nächsten mal daran, wenn es in der Presse wieder heißt: Ein Auto ist in eine Menschenmenge gefahren…

I am what’s necessary

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I am what’s necessary – warum ich mit naiven Bücherwürmern keine Geduld mehr habe

von Antje Kues

Es dürfte um 2010 herum gewesen sein, auf irgendeiner der damals noch seltenen Veranstaltungen, bei denen sich das kleine libertäre Netzwerk im realen traf. Es führten damals zwei junge Männer ein Streitgespräch und zwar in der Form, dass sie sich gegenseitig mitteilten, was einer der großen liberalen oder libertären Gelehrten dazu meinte: „X hat gesagt…“ – „Ja richtig, aber Y meint…“ – „Das stimmt zwar, das sehe ich aber anders, weil Z hat ja auch gesagt…“
Dieses surreale Erlebnis war für mich ein früher Warnschuss, was in diesem Netzwerk möglich ist und wie wenig intuitiv und realitätsbezogen die freiheitliche Idee eigentlich gelebt wird.

Der zweite Warnschuss waren die wiederkehrenden Reaktionen auf mein Bekenntnis, dass ich für mein libertäres Weltbild kein einziges abhandelndes Buch gelesen hatte und ich stattdessen auf alles aus eigenem Beobachten, Analysieren und Schlussfolgern gekommen bin. Ich habe selbstverständlich Schlagworte und Memes auf mich wirken lassen und in meine Überlegungen einbezogen, doch meine Zusammenhänge habe ich mir immer selbst erdacht.

Was war ich damit doch für eine Provokation. „Man braucht aber schon ein wenig intellektuelle Substanz in Form von Büchern um sich in Diskussionen mit Etatisten behaupten zu können“ war das harmlosere, „Dann bist du völlig unzureichend libertär gebildet, lies erst mal ein paar Bücher, bevor du hier mitreden willst“, war durchaus üblicher.

Das war vor 7-10 Jahren. Damals war dieser Elfenbeinturm zwar schon aggressiv-arrogant zum eigentlich davonlaufen, aber wenigstens noch „belesen“. Und so verrückt das klingen mag, manchmal wünsche ich mir diese Art belesene, verschwurbelte Klugscheisser zurück, die zumindest ähnlich wie manch gläubige Muslime den Koran im libertären Falle alle Bücher von Baader bis Rothbard auswendig konnten. Denn wenn ich mir heute ansehe, was an geistig (und ich meine damit das eigene Hirn benutzen) substanzlosen Hipstern der Generation Selbstüberschätzung sich heute libertär nennt, dann fühle ich mich – um beim Beispiel Islam zu bleiben – an jene Horden Jungmuslime erinnert, die alkoholsaufend Frauen belästigen aber entscheiden wollen, was halal ist und was nicht.

Und für die European Junglibertären for wahre Leere (ESFL) und andere „Prinzipientreue“ ist nichts mehr halal. Und das wissen sie ganz sicher. Und weil sie das so sicher wissen, reicht für jedes Thema ein Griff ins Phrasenschwein und eine gehörige Portion Aggression, um ihren Standpunkt deutlich zu machen. Beobachten, Analysieren und Schlussfolgern haben sie nie gelernt, das eint sie mit den unkritischen Normalbürgern im sonstigen politischen Spektrum.

Und weil sie es nicht können, glauben sie tatsächlich, die politische Realität in Deutschland und Europa lässt sich mit zur Schau getragenem Idealismus zum Besseren ändern. Überraschung, das tut sie nicht. Es wird auch am 24. September keine gute Fee vorbeikommen und Ancaptopia herzaubern. Nach dem 24. September wird immer noch das gleiche Elendssystem bestehen, wie vor dem 24. September. Und auch nach dem 24. September wird die Freiheit in diesem Land kaum echte Anhänger haben. Überraschung.

Die libertäre Szene in Deutschland hat daran seit Jahrzehnten nichts geändert, sie hat die Alternativlosigkeitsentwicklung nicht aufhalten können, sie hat ihr noch nicht einmal geistig etwas entgegensetzen können. Zu sehr steckt sie fest im Elfenbeinturm. Wie sehr kann man da Amerika beneiden, wo Alt-Right- und Redneck-Libertäre stark genug sind, den Elfenbeinturm in seine Grenzen zu weisen und mit freiheitlichen Ideen tatsächlich den Durchschnittsamerikaner begeistern zu können. Jetzt, wo es auch hier an der Zeit wäre den Elfenbeinturm zu verlassen und zurück zu drängen, Prioritäten zu setzen, die ‚etatistische‘ Mehrheit im Land wahrzunehmen, ihre Sorgen zu erkennen und anzuerkennen, reale, pragmatische, populistische, sympathische libertäre Vorschläge zu machen und freiheitliche Antworten zu geben auf Fragen, Ängste und Sorgen von Lieschen Müller und Otto Normalbürger, da holt man sich lieber einen runter auf die eigene Prinzipientreue gegenüber libertären Theorie.

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Liebe Linkslibertäre, ihr marginalisiert euch selbst in eurer Arroganz, eurem elitären Getue, eurer Überheblichkeit und eurem Selbstmitleid. Eure Ideologisierung der libertären Ideen, eure Realitätsverweigerung gegenüber dem politischen Ist-Zustand in Merkelland wird dafür sorgen, dass wenn euer langersehnter Systemzusammenbruch irgendwann mal kommen sollte, die Freiheit definitiv nicht dabei herauskommen wird.
Freiheit und Pragmatismus sind eben kein Widerspruch, sie gehören zusammen. Ich bekämpfe die jeweils größte Bedrohung für die Freiheit, mit allen Mitteln und wenn mir keine effektiven Mittel mehr bleiben, dann nutze ich die, die das System mir lässt. Ich gebe nicht auf und sonne mich in Prinzipien, nur weil es zu viele Bedrohungen sind und mir die Verbündeten oder die Mittel für die Bekämpfung der größten Bedrohung nicht fein genug sind. Ich bin Egoist. Ich möchte ein angenehmes Leben, es soll dereinst nicht auf meinem Grab stehen „Aber sie ist den Prinzipien der wahren Lehre immer treu geblieben“.

Wenn man gestern am Abgrund stand, heute einen Schritt weiter ist und das verbliebene Seil, nach dem man greifen kann, AfD heißt, dann greift man es. Dann rauscht man nicht weiter in den Abgrund und freut sich darauf, das Spiel Schwerkraft nicht mitgespielt zu haben. Wohin die Reise geht, wie man zu Ancaptopia kommt oder ob man sich für seine Lebenszeit damit abfinden muss, es niemals zu erleben, das wird sich zeigen, wenn man wieder oben am Abgrund steht.

Stefan Molyneux sagte „Jemand fragte mich ob ich Anarchist oder Nationalist sei. Ich antwortete mit ‚Ich bin das, was notwendig ist‘.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Wenn die Schublade klemmt

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Es dürfte so etwa 12-13 Jahre her sein, als ich anfing meine Schublade zu hinterfragen. Vor 15 Jahren hatte ich zwar die Schule hinter mir gelassen aber nicht die feste Überzeugung, ich sei links, irgendwie. Mein Vater war Nachwende-Gründungsmitglied der SPD im Dorf und saß für die Genossen jahrelang im Gemeinderat, bekämpfte jedoch auch vehement die geplanten Windräder an der Ortsgrenze, ebenso wie die örtlichen Grünen für deren Ablehnung der Umgehungsstraße wegen irgendeiner seltenen Blume.

Ich mochte George W. Bush nicht und seine „Demokratisierungen“, ich hatte kein Problem mit Gras, auch wenn ich damals keines konsumierte und ich war natürlich für soziale Gerechtigkeit. Allerdings konnte ich damals schon mit der Liebe der Punk-Freunde in meiner Clique zum Krawall ebenso wenig anfangen, wie mit der aufkommenden Islam-Solidarität nach 9/11. Auch war ich damals schon leicht misanthrop und der Held meiner Kindheit war und blieb Kapitän Nemo, der technophile Einsiedler gegen alle Herrscher und Diktatoren.

Dann kam das Studium und ich traf auf postschulische Realitäten, die so gar nicht zu meiner selbstgewählten linken Schublade passen wollten. Es begann eine Zeit ohne Schublade, denn ich kannte einfach keine Bezeichnung, die für mich passen wollte. Irgendwann suchte ich dann gezielt nach Schnittmengen, überprüfte meine Ansichten, meine Beobachtungen, meine selbst gewonnen Überzeugungen und fand mich dann irgendwann bei den Liberalen wieder, allerdings nicht bei den normalen, sondern bei den „Freak-Liberalen“, den Libertären. Doch dort war es zu Anfang zeitweise ziemlich einsam, denn die meisten hatten einen anderen Weg zur Erkenntnis, einen über dicke Bücher. Auf den folgenden diversen Veranstaltungen lernte ich nicht nur, dass libertär selbst keine Schublade sondern eher eine Kommode ist und man da erst nochmal eine Schublade finden muss, in die man passt. Ich lernte außerdem, dass man angeblich zum finden der Schublade eben diese vielen dicken Bücher lesen muss (damals gab es all die hübschen Politischer-Kompass-Tests noch nicht). Die Bücher von Hayek, Mises, Friedman, Baader, Rothbard, Hoppe usw.

Ich erlebte damals schon Leute, die vollkommen ernst gemeint 2 Stunden lang ein Thema allein dadurch diskutierten, dass sie gegenseitig aus den diversen dicken Büchern zitierten und zwar ohne dabei einen einzigen selbst erdachten Satz von sich zu geben. Ich war in einem intellektuellen Elfenbeinturm gelandet und einem „Du musst“, „Du musst die alle lesen!“.

Doch da gibt es einen roten Faden, einen der sich durch sämtliche meiner Schubladen und Schubladenfindungen zieht, meine Allergie auf „Du musst“. Ich muss gar nix, schon immer, schon so lang ich denken kann und das wird auch immer so bleiben. Dementsprechend hab ich die ganzen klugen Herren alle nicht gelesen, bis heute übrigens.

Ich laß stattdessen Broder und Atlas Shrugged, Eugen Richter und die Achse des Guten. Ich überdachte Gelesenes mit Beobachtetem und selbst Erdachten, ich baute mir mein eigenes Weltbild, meine eigene Schublade.

Und ich begann mich zu vernetzen mit Leuten aus der gleichen Kommode, denn offiziell hatte ich ja keine Schublade. Es waren Leute, die ich nach Sympathie befreundete, nach gleichen Ansichten zu ausgewählten Themen, oder auch danach, dass sie eben keine reinen Bücherwürmer waren. Im Nachhinein mag es meinen „linken“ Wurzeln geschuldet sein, dass wohl nicht wenige darunter waren, die heute als Linkslibertär laufen. Doch es gab auch genug andere und sie alle führten wieder zu anderen und wieder zu anderen. Irgendwann auf irgendeiner Veranstaltung spielte ein Mitleidiger mit mir mal eine Art politischer Kompass-Quiz. Danach erfuhr ich, mit meinen Ansichten bin ich wohl ein Ancap. Ok, warum nicht. Ich hatte aufgehört eine offizielle Schublade zu vermissen, es war mir inzwischen gleich, wie sie hieß und ob ich eine hatte. Doch wenn nun einer fragte „wo ordnest Du Dich ein?“ konnte ich nun zumindest eine nennen.

Neben dem Netzwerk ging das Leben ebenfalls weiter, politisch wie privat. Die libertäre Übernahme der FDP scheiterte bekanntlich ebenso, wie aus Merkel keine Thatcher wurde und auch privat waren die Zeiten zuweilen mehr Prüfung als Ponyhof.

Die Realitäten änderten sich, die Prioritäten auch und mit ihnen passten sich auch einige meiner Überzeugungen an, auch wenn ich mir bei den großen, kontroversen Themen immer treu geblieben bin. Ich verteidige sie heute nur zu Weilen nicht mehr so verbissen.

Und während all dieser Zeit verschob sich nun unbewusst auch meine Bubble. Mit manchen Leuten wurde der Kontakt weniger, einige verschwanden aus meinem Netzwerk (manche gingen, manche wurden gegangen) und jede Menge neue Leute kamen hinzu.

Da ich mir ja längst meine eigene Schublade gebaut hatte, nahm ich gar nicht wahr, wie wohl einige meiner alten Kontakte in ihren Schubladen stecken geblieben sind. Und wie verstörend meine offen und unbeschwert gelebte Widersprüchlichkeit auf sie wohl zu wirken schien. Schon seit 2015 hatte ich den Kontakt mit Leuten reduziert, deren arrogante Naivität gegenüber den realen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen ich als zu verstörend empfunden habe. Ich wäre jedoch nicht auf die Idee gekommen, sie zu belehren oder zu entfreunden.

„Man kann die Realität ignorieren, aber man kann nicht die Konsequenzen der ignorierten Realität ignorieren.“

In den letzten Wochen ist mir nun aufgefallen, mit dem Zerwürfnis mit einer sehr alten libertären Pre-Facebook-Freundin, mit der Erkenntnis, wie etatistisch-liberalala so manch anderer Pre-Facebook-Freund geworden ist (oder schon immer war?), mit dem ich mich früher so gut verstanden habe und auch mit endlos langen Gesprächen mit einem der neueren Freunde, wie sehr ich mich wohl doch verändert habe. Ich bin gnädiger gegenüber denen, die ich schätze und respektiere und ungnädiger gegenüber denen, die in Realitätsverweigerung und Naivität stecken geblieben sind. Leben und leben lassen bei allen Nebensächlichkeiten, da bleibe ich aus Überzeugung widersprüchlich und unkonventionell. Aber im Gegensatz dazu habe ich meine Prioritäten absolut und klar gesetzt, bzw. die Realität hat sie gesetzt. Und zwar ohne Rücksicht auf irgendwelche Schubladen. Und wer damit ein Problem hat, wer es nicht schafft sich aus seiner klemmenden, selbstgewählten Schublade zu befreien, wenn sie mit der Realität kollidiert, der sei daran erinnert: „Man kann die Realität ignorieren, aber man kann nicht die Konsequenzen der ignorierten Realität ignorieren.“

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Die Freiheitswelle bedankt sich bei der Autorin für diesen Text, der sicher Vielen aus dem Herzen spricht. Der Name der Autorin ist der Redaktion bekannt. Sie möchte nicht mit Namen genannt werden.

Quo vadis, Amerika?

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In weniger als 24 Stunden werden wir wissen, wer der neue Präsident (oder die neue Präsidentin) der Vereinigten Staaten sein wird. Der Wahlkampf ist dann vorbei, doch besser oder auch nur ruhiger wird es danach nicht werden. Ganz im Gegenteil.

Die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Das gängige Narrativ berichtet dabei von einer abgehängten, weißen Mittelschicht, die bei der Globalisierung auf der Strecke geblieben und auch ansonsten irgendwie rückständig ist. Mit Waffen und einem ausgeprägten Hang zu Freiheit und/oder Religion – Dinge jedenfalls, mit denen gerade in Deutschland viele so rein gar nichts anfangen können.

In der Tat haben wir es zumindest zum Teil mit einem gesellschaftlichen respektive kulturellen Phänomen zu tun, das sich jedoch ebenso in ganz realen, wirtschaftlichen wie politischen Erscheinungen manifestiert. Man muss weit in die Vergangenheit zurückschauen, um zu verstehen, was hier wirklich passiert.

Amerika ist entstanden als „the land of the free“. Unabhängigkeitserklärung und Verfassung zeigen den Geist und das Selbstverständnis der Republik. Der Staat spielte in den USA der Gründerväter eine klar begrenzte Rolle und wurde als notwendiges Übel erachtet, das es im Zaum zu halten gilt. Der Einzelne und seine Freiheit standen klar im Mittelpunkt des gesamten gesellschaftlichen und politischen Denken und Handelns. Außenpolitische Ambitionen und staatliche Interventionen in die Wirtschaft, kurz: alle Ausprägungen eines „starken Staates“, waren den USA über lange Zeit völlig fremd.

Spätestens am Anfang des 20. Jahrhunderts haben die USA diesen Weg verlassen, vielmehr: die amerikanische Politik hat diesen Weg verlassen. Dabei entstanden ist ein amerikanischer Sonderweg, der die USA in eine prekäre und schier ausweglose Situation gebracht hat:

Die USA haben es geschafft, den US-Dollar als Weltwährung durchzudrücken. Wer Öl kaufen oder verkaufen will, muss dies in Dollar tun. (Was passiert, wenn man diesen Mechanismus aufzubrechen versucht, haben Saddam Hussein und Gaddafi zu spüren bekommen.) Dadurch können die Vereinigten Staaten Geld drucken, ohne dass dies im Inland zu einem galoppierenden Anstieg der Preise führen würde. Nur dadurch sind die USA in der Lage, auf Dauer ein massives Außenhandelsdefizit aufrecht zu erhalten. Nota bene: Dazu braucht es allerdings einen Gegenpart im Ausland, der dieses Spiel mitspielt. Und dieser Jemand war über die letzten 20 bis 30 Jahre China: Das Land hat bewusst und sehenden Auges fast spiegelbildlich entsprechende Außenhandelsüberschüsse erzielt. Zum Teil wurden diese dann in reale Güter wie Rohstoffe und ausländische Unternehmen investiert, zum großen Teil aber eben auch in US-amerikanische Staatsanleihen. Das Problem dabei: Diese Anleihen werden die USA niemals zurückzahlen können. Den Chinesen dürfte dies bewusst sein. Bestenfalls werden sie diese dann abschreiben als Preis für den Aufbau der industriellen Infrastruktur im eigenen Land. Schlimmstenfalls werden sie die Schulden der Amerikaner als Waffe einsetzen.

Zentrales Puzzlestück neben dem US-Dollar ist die Rolle des amerikanischen Militärs respektive der amerikanischen Außenpolitik. Was hat die USA zum „Weltpolizisten“ werden lassen? Ich behaupte: Das war ganz überwiegend ein ökonomischer Prozess. Der militärisch-industrielle Komplex ist für Amerika vor allem ein riesengroßes Konjunktur- bzw. Arbeitsbeschaffungsprogramm. Durch die Great Depression, aber auch durch die beiden Weltkriege hat die amerikanische Politik „Blut geleckt“: Sowohl das Militär selbst als auch die Rüstungsunternehmen sind gerade für Amerika der „ideale“ Mechanismus für staatliche Interventionen in die Wirtschaft und zwar aus einem besonderen, sehr amerikanischen Grund: Während in Europa vergleichsweise leicht Mehrheiten für „linke Konjunkturprogramme“ zu gewinnen sind, sind große Teile der amerikanischen Bevölkerung gegenüber dem „welfare state“ sehr skeptisch. Just in diesen Kreisen jedoch hat der „warfare state“ viel Sympathie -aus ideologischen wie ökonomischen Gründen.

Und hier schließt sich der Kreis nun wieder: Die amerikanische Politik braucht das Militär und eine interventionistische Außenpolitik als Vehikel für staatliche Wirtschaftsprogramme – und zwar nicht im Interesse der Menschen, sondern im Interesse einer Ausweitung und Stabilisierung ihrer Macht. Gleichzeitig dient das Militär dazu, den Status des US-Dollar als Weltwährung aufrecht zu erhalten und mögliche „Abweichler“ in Schach zu halten oder im Zweifel zu eliminieren. Öl spielt dabei nur eine Nebenrolle: Es geht nicht um den Zugang zum Öl vor allem im arabischen Raum, es geht auch nicht um einen niedrigen Ölpreis. Es geht darum, dass Öl weiter in US-Dollar gehandelt wird und damit die Nachfrage nach diesem wichtigsten amerikanischen „Export-Produkt“ nicht einbricht.

Dummerweise erzeugt dieses perverse Spiel eine ganze Reihe schwerwiegender Nebenwirkungen: Die US-Wirtschaft wird komplett verzerrt, ihr produktiver Kern mehr und mehr ausgehöhlt. Mehr und mehr Menschen sind in eigentlich unproduktiven Bereichen tätig – von der Waffenproduktion, über das Militär bis hin zur politischen Administration. Die lockere Geldpolitik verführt dazu, „auf Pump“ zu leben und zerstört Sparsamkeit und Investitionen, treibt gleichzeitig den Konsum und damit das Außenhandelsdefizit und die gesamte Verschuldung immer weiter in die Höhe.

Aufgrund des grotesken Ausmaßes ökonomischer Fehlallokationen wird jeder Versuch einer Korrektur zeitaufwändig und äußerst schmerzhaft sein. Die Widerstände der Profiteure dieses Systems werden enorm sein. Gleichzeitig ist klar, dass der Status Quo nicht beliebig lange aufrechterhalten werden kann. Die Entwicklung der Verschuldung und der Druck auf die Zinsen zeigen, dass das „Ende der Fahnenstange“ nicht mehr weit entfernt ist.

Wie ist nun die aktuelle Präsidentschaftswahl in diesen Kontext einzuordnen? Fangen wir mit Hillary Clinton an, dies ist der einfachere Teil: Clinton steht für ein entschiedenes „Weiter so“, für eine Fortführung des Warfare State. Wie bei den Demokraten und so zuletzt auch unter Obama üblich, wird sie versuchen, on top (!) auch den Welfare State und allgemein das Ausmaß staatlicher Intervention in den USA auszubauen. Es kann gut sein, dass es mit einer Präsidentin Clinton kurzfristig nicht „knallt“ – der „Druck im Kessel“ wird aber weiter ansteigen. Und mit jedem weiteren Anstieg steigt das Risiko, weil die politische Klasse zu immer extremeren Maßnahmen greifen muss, um den Status Quo aufrechtzuerhalten. Das schließt m.E. auch ausdrücklich ein erhöhtes Risiko eines eskalierenden Krieges, bis hin zu einem Krieg mit Russland und im Worst Case einem Dritten Weltkrieg, mit ein. Zumindest steht gerade bei einem knappen Wahlausgang zugunsten Clintons zu befürchten, dass die „Trump-Anhänger“ das Ergebnis nicht akzeptieren werden. Wie auch immer die Reaktion aussehen wird, ich erwarte von Clinton in einem solchen Fall kein versöhnliches, sondern eher ein repressives Vorgehen. Themen und Anlässe für eine (provozierte) innenpolitische Eskalation gibt es zuhauf, man denke nur an das Thema Waffenrecht.

Sollte Trump hingegen die Wahl gewinnen, ist die weitere Entwicklung weit schwerer vorhersehbar. Es kann durchaus zu einer wirren Mischung aus „Weiter so“ sowie sinnvollen, aber auch schädlichen Veränderungen kommen. Denn das ist das größte Problem des Kandidaten Trump: Er erkennt einen Teil der Probleme des Landes, aber kaum die wahren Wurzeln des Übels. Soweit er sich mit einer Kurskorrektur gegen das politische Establishment durchsetzen kann, ist völlig offen, ob dies eine Korrektur zum Besseren sein wird. Trotz aller Aufregungen im Vorfeld erwarte ich im Falle eines Wahlsiegs von Trump keine wie auch immer geartete dramatische Entwicklung. Eines nämlich hat die mediale Dämonisierung Trumps sicherlich bewirkt: Viele rechnen mit dem Schlimmsten – und insofern kann es da nur besser kommen.

So oder so gibt es nach der Wahl bestenfalls eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlichen, dramatischen Entwicklungen in den USA stehen noch bevor.

Moritz M.Meier